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Mann mit Krüken © Siegi

Verletzungen der Gelenkkapsel, Bänder, Knorpel und Knochen

Bei einem Sportunfall werden oft sowohl Gelenkkapsel als auch Bänder verletzt – es kommt also zu einer „Kapsel-Band-Verletzung“. Diese wird häufig vereinfacht als „Bandverletzung“ bezeichnet. Zusätzlich können auch andere Gelenkanteile verletzt werden.  

Je nach Schweregrad werden die Bänderzerrung, der teilweise Bänderriss und der vollständige Bänderriss unterschieden. Besonders häufig betroffen sind das Sprunggelenk und das Kniegelenk. Eine Sonderform ist der knöcherne Bandabriss, bei dem das Band ein Knochenstück aus seinem Ursprungs- oder Ansatzbereich ausreißt. Bleibt das Gelenk stabil, handelt es sich entweder um eine Zerrung („Bänderzerrung“ oder „Bänderdehnung“) oder höchstens um einen teilweisen Riss. Bei einem vollständigen Bänderriss werden das Gelenk instabil und sein natürlicher Bewegungsspielraum überschritten.

  • Gelenkknorpelverletzung: Zusätzlich zu den Bändern kann auch der Knorpel verletzt werden. Ein Beispiel dafür ist das Umknicken mit dem Sprunggelenk, bei dem eine Knorpel- oder Knorpel-Knochen-Absprengung vom Sprungbein möglich ist.
  • Die Verrenkung (Luxation) bedeutet ein „Auskugeln“ des Gelenks, dabei reißen auch Bänder und Gelenkkapsel. Dadurch wird das Höchstmaß an Instabilität erreicht. Typisches Beispiel sind die besonders häufige Schulterluxation und die Ellenbogenluxation. Besteht noch ein gewisser Kontakt der Gelenkpartner, bezeichnet man dies als unvollständige Luxation oder Subluxation.
  • Verletzung der Zwischenscheiben (Menisken): Die meisten Schäden betreffen die Menisken des Kniegelenks.
  • Gelenkbruch: Ein Knochenriss wird als Fissur bezeichnet, eine vollständige Durchtrennung des Knochens als Fraktur (Bruch). Zieht der Bruchspalt bis ins Gelenk, liegt ein Gelenkbruch vor. Am häufigsten sind das Handgelenk (Sturz beim Radfahren oder Inline-Skaten), das Sprunggelenk und das Kniegelenk (Ski-, Motorradunfall) betroffen.

Hinweis Die Begriffe „Verstauchung“ und „Distorsion“ sind nicht exakt definiert. Oft verbirgt sich dahinter eine Teil- oder Totalzerreißung des Kapsel-Band-Apparats. Die Gelenkprellung (Kontusion) bezeichnet nur die Entstehungsursache, nämlich eine direkte stumpfe Gewalteinwirkung, aber keine bestimmte Verletzungsform.

Ursachen & Vorbeugung

Zu Verletzungen an Gelenkkapsel und Bändern kommt es, wenn der „normale“ Bewegungsspielraum eines Gelenks durch direkte oder indirekte Gewalteinwirkung (Schlag, Sturz, Aufprall oder Stauchung) überschritten wird.

Gelenkverletzungen zu vermeiden ist oft schwierig, da bestimmte Sportarten wie Fußball, Skifahren oder Inline-Skaten leicht zu solchen Verletzungen führen können. Als vorbeugende Maßnahmen empfehlen sich generell fachgerechte Aufwärmübungen und Schutzausrüstung (z.B. Gelenkschützer beim Inline-Skaten) sowie Trainingskurse für Falltechniken. Beim Wandern, Laufen, Walken etc. kann das Verletzungsrisiko durch geeignetes Schuhwerk gesenkt werden.

Symptome & Diagnose

Gelenkverletzungen verursachen – je nach Schweregrad – Beschwerden wie Blutergüsse, Schwellungen, Schmerzen, Bewegungseinschränkungen sowie Gelenkfehlstellungen.

Im Rahmen einer körperlichen Untersuchung überprüft die Ärztin/der Arzt das Ausmaß von Bewegungseinschränkungen. Röntgenuntersuchungen dienen der Diagnose von Brüchen und Verrenkungen und werden zum Ausschluss von kleinen Ausrissen oder Knochenrissen (Fissuren) auch bei geringen Beschwerden durchgeführt. Verletzungen von Bändern, Sehnen, Muskeln, Knorpeln oder Zwischenscheiben sind im Röntgenbild nicht direkt sichtbar. Bei „gehaltenen Aufnahmen“ wird das Gelenk durch einen Spanner „aufgebogen“. Die Aufklappbarkeit ist ein Indiz für die Schwere der Verletzung des Bandapparates.

In Einzelfällen können weitere Untersuchungen wie z.B. Computertomographie (CT), Kernspintomographie (NMR, MRT) oder Ultraschallfolgen. Knorpelverletzungen und Verletzungen der Zwischenscheiben (z.B. der Menisken im Knie) werden durch eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) erkannt und oft gleichzeitig behandelt. Die Kniegelenkpunktion gibt Auskunft darüber, ob der Gelenkserguss blutig oder serös (klar) ist. Ein blutiger Erguss weist auf eine Verletzung der Kapsel, der Bänder oder des Knochens hin. Klare Flüssigkeit wird von der Gelenkinnenhaut als Reaktion auf einen Reiz (z.B. Überlastung) produziert. Gleichzeitig kann die Punktion Druckschmerzen lindern und das Gelenk entlasten.

Therapie

Die Behandlung von Gelenkverletzungen reicht von einer Schonung bzw. Hochlagerung des Gelenks bis zur Gabe von Schmerzmitteln oder operativen Maßnahmen.

Dabei gelten folgende allgemeine Regeln:

  • Die Behandlung von Bänderrissen ist abhängig vom Schweregrad sowie von der Lokalisation. Beispielsweise werden Außenbandrisse am Sprunggelenk meist ohne Operation behandelt, dagegen sollte der „Skidaumen“ – ein Bänderriss am Daumengrundgelenk – operiert werden.
  • Jede Verrenkung (Luxation) muss zur Vermeidung von Begleitverletzungen, z.B. an Nerven und Blutgefäßen, so schnell wie möglich eingerenkt werden. Dies ist eine ärztliche Aufgabe, vorher muss geröntgt werden. Ausnahmen von dieser Regel sind selten, z.B. bei einer Schulterluxation im Gebirge, fern der nächsten Klinik oder Praxis und wenn eine erfahrene Laienhelferin/ein erfahrener Laienhelfer oder eine Ärztin/ein Arzt vor Ort ist.
  • Auch bei Knorpelverletzungen richtet sich die Therapie nach dem Ausmaß der Schädigung. Abgetrennte Knorpelteile werden – falls möglich – wieder fixiert oder entfernt.
  • Gelenkfrakturen werden notfallmäßig geschient und ruhiggestellt. Die definitive Behandlung besteht meist in einer Operation.
  • Sofern eine Ruhigstellung erforderlich ist, sollte diese möglichst kurzzeitig erfolgen. Das Gelenk sollte so früh wie möglich wieder bewegt werden – auch nach einer Operation. Bewegungsübungen, Muskelaufbautraining und physikalische Therapien verhindern, dass die Bänder und Sehnen steif werden. Insbesondere nach einer Operation können auch sogenannte Bewegungsschienen (Motorschienen, CPM-Schienen) eingesetzt werden. Dabei handelt es sich um spezielle, motorbetriebene Geräte, die kontinuierlich passive Bewegungen eines Gelenks in einem vorher festgelegten Bewegungsausmaß ermöglichen.
  • Die Rehabilitation im Anschluss an eine Gelenkverletzung ist äußerst entscheidend für den weiteren Verlauf. Ausführliche Informationen finden Sie unter Rehabilitation.

Bänderzerrungen und Gelenkprellungen heilen meistens innerhalb weniger Wochen folgenlos aus. Bei Bänderrissen, Gelenkverrenkungen oder Knochenbrüchen mit Gelenkbeteiligung ist die Heilungsphase abhängig von der Lokalisation der Verletzung. Bleibende Schäden sind auch bei optimaler Therapie möglich.
  

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