Prellungen und Verstauchungen
Inhaltsverzeichnis
Was ist eine Prellung?
Eine Prellung ist eine Verletzung, die durch direkte stumpfe Kraft von außen verursacht wird, z.B. durch einen Sturz, Stoß oder Schlag. Dabei können unterschiedliche Strukturen im Körper geprellt werden. So gibt es u.a.:
- Gelenkprellung: z.B. Knie, Ellenbogen.
- Knochenprellung: v.a. an Stellen, wo der Knochen direkt unter der Haut liegt, z.B. Kopf, Rippen, Schienbein.
- Muskelprellung: z.B. am Oberschenkelmuskel.
Bei einer Prellung kann es auch zu Schäden an umgebenden Strukturen kommen, z.B. bei einer Gelenkprellung können Risse an der Gelenkkapsel oder am Knorpel entstehen. Fachleute nennen eine Prellung auch Kontusion.
Was ist eine Verstauchung?
Eine Verstauchung ist eine Verletzung in einem Gelenk, wenn es zu sehr in eine Richtung verdreht oder überdehnt wird. Ein Beispiel ist das Umknicken im Sprunggelenk. Die Schmerzen sind abhängig vom Ausmaß der Überdehnung des Gelenks. Durch die Überdehnung werden Bänder überdehnt, können einreißen oder reißen. Zudem können an der Gelenkskapsel kleine Risse mit Blutungen und Blutergüssen entstehen. Häufig sind Verstauchungen im Sprunggelenk, bekannt als Knöchelverstauchung. Aber auch im Knie oder im Handgelenk, etwa durch Abstützen bei einem Sturz.
Fachleute nennen eine Verstauchung auch Distorsion. Weitere Informationen finden Sie unter Gelenke.
Welche Symptome können auftreten?
Bei Prellungen und Verstauchungen liegt meist keine sichtbare äußere Verletzung vor.
Typische Symptome bei einer Prellung sind u.a.:
- Schmerzen,
- Schwellung,
- Bluterguss, auch: Hämatom,
- ev. Bewegungseinschränkung.
Typische Symptome bei einer Verstauchung sind u.a.:
- Schmerzen, abhängig vom Ausmaß der Überdehnung,
- unsicheres Gefühl im Gelenk,
- leichte Verstauchung: Gelenk bleibt weitgehend belastbar,
- starke Verstauchung: Schwellung, Bluterguss und Bewegungseinschränkung.
Was können Betroffene selbst tun?
Bei leichten Prellungen und Verstauchungen können Betroffene selbst etwas zur Linderung der Beschwerden beitragen. Fachleute empfehlen dazu folgende Maßnahmen:
- Schonen: Die betroffenen Stellen für ein paar Tage schonen. Schmerzende Aktivitäten und Bewegungen vermeiden.
- Kühlen: Die betroffene Stelle bis zu zwei Tage lang mehrmals täglich ca. zehn Minuten mit z.B. Eis oder gestoßenem Eis kühlen. Achtung: Eis nicht direkt auf die Haut geben. Wickeln Sie es z.B. in Tücher. Hinweis: Wärme kann möglicherweise die Schwellung und die Schmerzen verstärken.
- Druckbandage: In den ersten paar Tagen können an der betroffenen Stelle z.B. eine Druckbandage, Kompressionsbandagen oder -strümpfe gegen die Schwellung helfen. Hinweis: Nicht zu fest anlegen und in der Nacht abnehmen.
- Hochlagern: Die betroffene Stelle über Herzhöhe lagern, z.B. auf einem Kissen.
- Schmerzmittel. Bei Bedarf kann gegen die Schmerzen ein rezeptfreies schmerzlinderndes Medikament eingenommen werden. Geeignet sind etwa Präparate mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Paracetamol. Die Ärztin oder der Arzt bzw. die Apothekerin oder der Apotheker informieren zur Anwendung sowie möglichen Risiken.
Wann sollte man eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen?
Fachleute empfehlen, die Beschwerden ärztlich abklären zu lassen, wenn:
- Bewegungen der betroffenen Stelle unmöglich sind,
- Gelenke stark anschwellen,
- Fieber auftritt,
- ungewöhnliche Blutungen auftreten, z.B. im Urin,
- sich Finger oder Zehen verfärben oder taub werden,
- sich die Symptome verschlechtern.
Wie erfolgt die Diagnose?
Zuerst fragt die Ärztin oder der Arzt, wie es zu den Beschwerden kam und welche Schmerzen bestehen. Auch nach früheren Beschwerden wird gefragt. Dann wird sie oder er die betroffene Stelle eingehend untersuchen:
- Gibt es eine Schwellung oder einen Bluterguss?
- Schmerzt die betroffene Stelle bei Druck?
- Welche Bewegungen schmerzen?
- Wie beweglich und stabil ist die betroffene Stelle?
Die körperliche Untersuchung gibt der Ärztin oder dem Arzt meist Aufschluss, ob eine Prellung oder eine Verstauchung vorliegt. Zum Ausschluss anderer Verletzungen, wie z.B. ein Knochenbruch, kann eine Röntgenuntersuchung erforderlich sein.
Zur Abklärung möglicher Begleitverletzungen können weitere Untersuchungen folgen, wie z.B. MRT oder Ultraschall.
Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es?
Prellungen und Verstauchungen werden abhängig vom Ausmaß der Verletzung behandelt. Nach der Erstversorgung beurteilt die Ärztin oder der Arzt das weitere Vorgehen. Sie oder er wird eine vorübergehende Schonung empfehlen. Eventuell kann für einige Tage eine Krücke zur Entlastung oder eine Schiene zur Ruhigstellung erforderlich sein. Eine strikte Ruhigstellung sollte allerdings möglichst kurz andauern, z.B. bei einer starken Verstauchung nicht länger als zehn Tage. Ansonsten kann es zu einer Gelenksteifigkeit oder zu einem Muskelschwund kommen. Zum Abklingen der Schwellung kann die Ärztin oder der Arzt zudem einen elastischen Verband anlegen.
Bei starken Schmerzen empfiehlt sich eine kurzfristige Anwendung von Schmerzmitteln. Geeignet sind dazu Präparate mit den Wirkstoffen Ibuprofen – als Tablette oder Salbe – sowie Paracetamol.
Ob Klebe-Tapes bei Prellungen und Verstauchungen eine Besserung bewirken, ist wissenschaftlich unklar.
Verstauchung mit Bändereinriss
Ist es bei einer Verstauchung zum Einriss oder Riss eines Bandes gekommen, kann die Ärztin oder der Arzt eine Ruhigstellung der betroffenen Körperstelle empfehlen. Das erfolgt z.B. mit einer teilweise abnehmbaren Schiene oder einem Gips. Dadurch werden die Bänder entlastet und können wieder zusammenwachsen. Bei einem vollständigen Bänderriss kann unter Umständen eine Operation erforderlich sein.
Physiotherapie
Bei starken Verletzungen kann die Ärztin oder der Arzt ergänzend eine Physiotherapie empfehlen. Unter Anleitung werden Kräftigungsübungen durchgeführt. Diese stärken die Muskulatur und stabilisieren das Gelenk. Auch die Beweglichkeit des betroffenen Gelenks soll wiederhergestellt werden. Die Betroffenen werden in der Physiotherapie angeleitet, die Übungen auch zu Hause korrekt durchzuführen. Für einen möglichen Nutzen von Massagen oder anderen manuellen Techniken gibt es keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege.
Wohin kann ich mich wenden?
Zur Abklärung von Beschwerden und Schmerzen des Bewegungsapparats können Sie sich an folgende Stellen wenden:
- Gesundheitsberatung 1450,
- Ärztin oder Arzt für Allgemeinmedizin,
- Primärversorgungseinrichtung (PVE),
- Fachärztin oder Facharzt für Orthopädie und Traumatologie,
- Fachärztin oder Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie.
Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?
Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:
- Recht auf Behandlung
- Arztbesuch: Kosten und Selbstbehalte
- Was kostet der Spitalsaufenthalt
- Rezeptgebühr: So werden Medikamentenkosten abgedeckt
- Reha & Kur
- Heilbehelfe & Hilfsmittel
- Gesundheitsberufe A-Z
sowie über den Online-Ratgeber Kostenerstattung der Sozialversicherung.
- Dönmez, G.; Torgutalp, S. (2026): Initial management of soft tissue musculoskeletal injuries. UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. Online abgerufen im Februar 2026 unter www.uptodate.com (Registrierung erforderlich)
- Grifka, J. (2021): Orthopädie und Unfallchirurgie. 10. Auflage. Berlin.
- Gute.Gesundheit. Österreichische Sozialversicherung (2024): Knöchelverstauchung. Online abgerufen im Februar 2026 unter www.sozialversicherung.at
- Pschyrembel Online (2022): Distorsion. Online abgerufen im Februar 2026 unter www.pschyrembel.de (Registrierung erforderlich)
- Pschyrembel Online (2022): Kontusion. Online abgerufen im Februar 2026 unter www.pschyrembel.de (Registrierung erforderlich)
- Up To Date (2025): Patient education: Minor contusion – ED discharge instructions (The Basics). UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. Online abgerufen im Februar 2026 unter www.uptodate.com (Registrierung erforderlich)
- Up To Date (2025): Patient education: Sprains (The Basics). UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. Online abgerufen im Februar 2026 unter www.uptodate.com (Registrierung erforderlich)
- Up To Date (2025): Patient education: Taking care of bruises (The Basics). UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. Online abgerufen im Februar 2026 unter www.uptodate.com (Registrierung erforderlich)
- Von Fange, T. (2025): Quadriceps muscle and tendon injuries. UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. Online abgerufen im Februar 2026 unter www.uptodate.com (Registrierung erforderlich)
Letzte Aktualisierung: 5. Mai 2026
Erstellt durch: Redaktion Gesundheitsportal
Expertenprüfung durch: Univ.Doz. Dr. Christian Gäbler, Facharzt für Unfallchirurgie, Zusatzfach Unfallchirurgie (Sporttraumatologie)