Sehnenscheidenentzündung
Inhaltsverzeichnis
Sehnen und Sehnenscheiden
Sehnen sind die Verbindungen zwischen Muskeln und Knochen. Sie sind u.a. für die Kraftübertragung zwischen Muskeln und Knochen zuständig. Eine Sehnenscheide ist eine Schutzhülle um eine Sehne. Darin ist etwas Flüssigkeit, damit die Sehne gut gleiten kann. Sehnen mit Sehnenscheiden gibt es u.a. an stark beanspruchten Körperstellen, z.B. in Fingern, im Handgelenk, in der Schulter, im Knie oder an der Ferse.
Welche Ursachen hat eine Sehnenscheidenentzündung?
Häufige Ursachen einer Sehnenscheidenentzündung sind u.a.:
- Überlastungen durch u.a. wiederholende Bewegungen in Beruf und Freizeit, z.B. Computerarbeit, Tennis, Laufen, Tippen am Handy, Spielen eines Musikinstruments,
- ungewohnte Belastungen durch z.B. Sport, lange Gehstrecken,
- Erkrankungen wie z.B. rheumatoide Arthritis, Diabetes, Gicht,
- hormonelle Veränderungen, z.B. Schwangerschaft, Stillzeit,
- selten: Infektion mit Bakterien, z.B. bei einer Verletzung, Operation.
Welche Symptome können auftreten?
Typische Symptome einer Sehnenscheidenentzündung sind an der betroffenen Stelle u.a.:
- eingeschränkte Beweglichkeit,
- stechende oder ziehende Schmerzen, v.a. bei Bewegungen wie z.B. Greifen oder Halten bzw. Gehen,
- Schwellung, Überwärmung, Rötung,
- Druck- und Dehnungsschmerz,
- wahrnehmbare Geräusche wie Reiben oder Knirschen,
- eventuell tastbare Knötchen,
- eventuell Schmerzen auch in Ruhe und/oder nachts.
Die Symptome einer Sehnenscheidenentzündung entwickeln sich langsam und verstärken sich allmählich.
Hinweis
Treten die Symptome rasch auf oder entsteht zusätzlich Fieber, kann eine Infektion mit Bakterien die Ursache sein. Eine sofortige ärztliche Abklärung ist in diesen Fällen wichtig.
Wie kann man einer Sehnenscheidenentzündung vorbeugen?
Sehnenscheidenentzündungen kann vorgebeugt werden, indem bei belastenden oder sich wiederholenden Tätigkeiten und Bewegungen immer wieder Pausen eingelegt werden. Eine angepasste Körperhaltung, eine gute Ergonomie am Arbeitsplatz sowie Dehnübungen helfen, eine Überlastung von Sehnen und Sehnenscheiden zu vermeiden.
Weitere Informationen finden Sie unte:
Was können Betroffene selbst tun?
Da sich die Schmerzen bei einer Sehnenscheidenentzündung meist über einen längeren Zeitraum entwickeln, können Betroffene eventuell selbst etwas zur Besserung der Beschwerden beitragen.
Fachleute empfehlen folgende allgemeine Maßnahmen:
- Schonen und Pausen: Das betroffene Körperteil sollte geschont werden. Dazu z.B. Sport, Aktivitäten und Belastung einschränken oder vermeiden. Bei notwendigen Bewegungen Pausen einlegen.
- Kühlung: Die betroffene Stelle mehrmals täglich mit einem in ein Tuch gewickelten Kühlbeutel oder kühlem Gegenstand jeweils 15 min. kühlen.
- Schmerzmittel: Bei Bedarf kann gegen die Schmerzen ein rezeptfreies schmerzlinderndes Medikament eingenommen werden. Geeignet sind etwa Präparate mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Naproxen. Die Ärztin oder der Arzt bzw. die Apothekerin oder der Apotheker informieren zu Anwendung sowie möglichen Risiken.
Wann sollte man eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen?
Die Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden, wenn:
- Fieber oder Schüttelfrost auftritt,
- eine Schwellung oder Rötung auftritt,
- die Schmerzen nicht besser oder stärker werden,
- es zu Taubheitsgefühl oder Kribbeln in der betroffenen Stelle kommt,
- ein Finger nicht normal gebeugt oder gestreckt werden kann,
- beim Beugen eines Fingers ein Schnappen oder eine Einklemmung zu spüren ist.
Wie erfolgt die Diagnose?
Die Ärztin oder der Arzt informiert sich über die Beschwerden und fragt, welche Bewegungen oder Tätigkeiten Schmerzen verursachen. Sie oder er fragt auch, ob sich die Symptome über einen längeren Zeitraum entwickelt haben oder plötzlich gekommen sind. Auch frühere Beschwerden oder Verletzungen werden angesprochen.
Zusätzlich wird die betroffene Stelle untersucht:
- Verursachen bestimmte Bewegungen Schmerzen?
- Liegt eine Schwellung, Überwärmung oder Rötung vor?
- Gibt es eine tastbare Veränderung an der Sehne?
- Schmerzt die betroffene Stelle bei Druck?
- Ist ein Reibungsgeräusch wahrnehmbar?
Die körperliche Untersuchung gibt der Ärztin oder dem Arzt meist Aufschluss, ob eine Sehnenscheidenentzündung vorliegt. Zur weiteren Abklärung kann z.B. ein Ultraschall, ein Röntgen, ein MRT oder eine Blutuntersuchung folgen.
Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es?
Eine Sehnenscheidenentzündung wird in erster Linie mit Schonung und Schmerzmitteln behandelt. Zeigen diese Maßnahmen keinen Erfolg, können weitere Therapien in Erwägung gezogen werden, z.B. Physiotherapie oder Injektionen. Nur selten ist eine Operation erforderlich.
Schonung, Schmerzmittel, Kühlen
Die betroffene Stelle sollte vorerst geschont werden. Bewegungen, die Schmerzen verursachen, sollten vorübergehend vermieden oder zumindest stark eingeschränkt werden. Unter Umständen kann die Ärztin oder der Arzt eine kurzzeitige Ruhigstellung – bis zu zwei Wochen – anraten. Abhängig von der betroffene Stelle kann das z.B. durch einen Gips oder eine Schiene erfolgen. Wenn ein Finger betroffen ist, wird mit einem sogenannten Buddy-Taping der betroffene Finger mit einem benachbarten Finger verklebt. Ist das Sprunggelenk betroffen, können Krücken zur Entlastung beitragen.
Entzündungshemmende Schmerzmittel, z.B. mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Naproxen, können – auf die Haut aufgetragen oder zum Einnehmen – die Schmerzen lindern.
Die betroffene Stelle sollte mit einem Kühlbeutel oder einem anderen kühlen Gegenstand gekühlt werden. Dazu alle vier bis sechs Stunden für jeweils 15 Minuten kühlen. Achtung: Eis darf nicht direkt auf die Haut gelegt werden! Wickeln Sie es z.B. in Tücher.
Physiotherapie
Ist die Beweglichkeit durch die Entzündung eingeschränkt, kann die Ärztin oder der Arzt eine Physiotherapie empfehlen. Diese hilft, mit Dehn- und Bewegungsübungen die betroffene Sehne zu entlasten sowie die Beweglichkeit und Kraft wiederherzustellen.
Anpassungen der Ergonomie
Anpassungen der Ergonomie am Arbeitsplatz oder in der Freizeit können zur Entlastung der betroffenen Sehne beitragen: z.B. schonende Haltung, geeignete Hilfsmittel wie eine ergonomische Computermaus, geeignete Schuhe beim Laufen etc. Im Berufsleben stehen dazu u.a. Arbeitsmedizinerinnen und Arbeitsmediziner für Fragen und Anliegen zur Verfügung. Auch Ergotherapeutinnen oder Ergotherapeuten können unterstützend beraten.
Weitere Informationen finden Sie unter Ergonomie am Arbeitsplatz.
Weitere Therapien
Bei starken Schmerzen kann die Ärztin oder der Arzt gegebenenfalls Injektionen, auch: Spritzen, mit Kortison empfehlen. Manchmal wird Kortison mit einem örtlichen Betäubungsmittel kombiniert. Der Abstand mehrerer Injektionen sollte dabei drei bis vier Wochen betragen, pro Jahr sollten nicht mehr als drei bis vier Behandlungen mit Kortison erfolgen. Zuvor klärt die Ärztin oder der Arzt über Nutzen und Risiken der Behandlung mit Kortisoninjektionen auf. Mögliche Risiken sind u.a. Sehnenschäden oder Infektionen.
Operation
Nur selten ist bei einer Sehnenscheidenentzündung eine Operation erforderlich. Etwa wenn sich die Beschwerden trotz Behandlung nach längerer Zeit nicht bessern. Bei einer Operation wird die Engstelle in der Sehnenscheide mit einem kleinen Schnitt geöffnet, damit die Sehne wieder gut gleiten kann. Liegt ein schnellender Finger vor, wird eines der Bänder im betroffenen Finger durchtrennt: Das ist anhand einer Nadel und der Hilfe von Ultraschall möglich oder über einen offenen Hautschnitt in der Handfläche.
Die Ärztin oder der Arzt klärt über Möglichkeiten einer Operation sowie Nutzen und Risiken auf.
Behandlung bei infektiöser Sehnenscheidenentzündung
Wurde die Sehnenscheidenentzündung durch eine Infektion mit Bakterien ausgelöst, erfolgt die Gabe eines Antibiotikums. Die Ärztin oder der Arzt entfernt bei einem kleinen operativen Eingriff beschädigtes Gewebe und öffnet die Sehnenscheide.
Hinweis
Eine infektiöse Sehnenscheidenentzündung ist ein Notfall und muss rasch medizinisch behandelt werden. Anzeichen hierfür sind ein rasches Eintreten der Beschwerden sowie Fieber.
Verlauf einer Sehnenscheidenentzündung
Eine Sehnenscheidenentzündung heilt durch Schonung meist innerhalb weniger Wochen ab. Nach einer Operation tritt eine Entzündung an derselben Sehnenscheide nur selten wieder auf. Die Sehne funktioniert danach in der Regel gut.
Wohin kann ich mich wenden?
Zur Abklärung von Beschwerden und Schmerzen im Bewegungsapparat können Sie sich an folgende Stellen wenden:
- Gesundheitsberatung 1450,
- Ärztin oder Arzt für Allgemeinmedizin,
- Primärversorgungseinrichtung (PVE),
- Fachärztin oder Facharzt für Orthopädie und Traumatologie,
- Fachärztin oder Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie.
Hinweis
Treten die Symptome rasch auf, suchen Sie so schnell wie möglich ärztliche Hilfe auf.
Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?
Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:
- Recht auf Behandlung
- Arztbesuch: Kosten und Selbstbehalte
- Was kostet der Spitalsaufenthalt
- Rezeptgebühr: So werden Medikamentenkosten abgedeckt
- Reha & Kur
- Gesundheitsberufe A-Z
sowie über den Online-Ratgeber Kostenerstattung der Sozialversicherung.
- AMBOSS (2025): Tendovaginitis. Online abgerufen im Jänner 2026 unter www.amboss.com (Registrierung erforderlich)
- Arokoski, J. (2023): Ebm-Guidelines. Tendovaginitis (de-Quervain-Krankheit) und andere Tendinitiden des Handgelenks und Unterarms. Online abgerufen im Jänner 2026 unter www.ebm-guidelines.com (Registrierung erforderlich)
- Blazar, Ph. (2024): Trigger finger (stenosing flexor tenosynovitis). UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. Online abgerufen im Jänner 2026 unter www.uptodate.com (Registrierung erforderlich)
- DeGeorge, B. et al. (2025): Trigger Finger (Stenosing Tenosynovitis) in Adults. DynaMed. Ipswich, MA: EBSCO Information Services. Online abgerufen im Jänner 2026 unter www.dynamed.com (Registrierung erforderlich)
- DeGeorge, B. et al. (2024): De Quervain Tenosynovitis. DynaMed. Ipswich, MA: EBSCO Information Services. Online abgerufen im Jänner 2026 unter www.dynamed.com (Registrierung erforderlich)
- Ficklscherer, A.; Weidert, S. (2024): Kurzlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. 2. Auflage. München.
- Grifka, J. (2021): Orthopädie und Unfallchirurgie. 10. Auflage. Berlin.
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (2022): Sehnenscheidenentzündung. Online abgerufen im Jänner 2026 unter www.gesundheitsinformation.de
- Pschyrembel Online (2022): Tendovaginitis. Online abgerufen im Jänner 2026 unter www.pschyrembel.de (Registrierung erforderlich)
- Up To Date (2025): Patient education: de Quervain tendinopathy (The Basics). UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. Online abgerufen im Jänner 2026 unter www.uptodate.com (Registrierung erforderlich)
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Letzte Aktualisierung: 5. Mai 2026
Erstellt durch: Redaktion Gesundheitsportal
Expertenprüfung durch: Univ.Doz. Dr. Christian Gäbler, Facharzt für Unfallchirurgie, Zusatzfach Unfallchirurgie (Sporttraumatologie)