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Wasserglas und Medikamente © Daniel Fuhr

Rheumatoide Arthritis: Therapie

Die Behandlung der rheumatoiden Arthritis (RA) umfasst medikamentöse und nicht medikamentöse Therapien. Ziel ist es, einen Stillstand der Erkrankung (Remission) oder zumindest ein Minimum an Entzündung, also eine niedrige Krankheitsaktivität, zu erreichen. Durch eine adäquate Behandlung können neben einer Linderung der Beschwerden Zerstörungen, Deformationen oder Funktionseinschränkungen der Gelenke verhindert werden . . .

Laut Vorgaben der Europäischen Rheumaliga (EULAR) soll jede Patientin/jeder Patient eine maßgeschneiderte, zielgerichtete Therapie („Treat-to-target“) bekommen. Dabei wird das Behandlungsziel von Patientin/Patient und Ärztin/Arzt gemeinsam festgelegt. Wird dieses Ziel mit einer bestimmten Behandlung innerhalb von drei Monaten nicht erreicht, erfolgt eine Anpassung der Therapie. Auch bei weitgehender Schmerzfreiheit der/des Betroffenen wird die Zielerreichung im Rahmen regelmäßiger Kontrollen durch die Rheumatologin/den Rheumatologen überprüft. Dabei werden die Krankheitsaktivität bzw. die erreichten Veränderungen erfasst und dokumentiert. Da die RA eine chronische Krankheit ist, erstreckt sich die Therapie über viele Jahre.

Medikamentöse Therapie

Üblicherweise kommen zwei verschiedene Gruppen von Medikamenten zur Anwendung:

  • Schmerz- und Entzündungshemmer: haben keine Auswirkung auf die Krankheit selbst und können die Zerstörung der Gelenke nicht ausreichend stoppen. Zum Einsatz kommen vor allem nicht steroidale Antirheumatika (NSAR), Paracetamol, schwach wirksame Opioide sowie – insbesondere kurzfristig bei akuten Entzündungszuständen – Kortisonpräparate (oral oder auch als Injektion ins Gelenk).
  • Basistherapeutika: sind langsam wirksame Substanzen, mit denen Schädigungsprozesse im Körper grundlegend beeinflusst werden. Sie greifen aktiv in das Immunsystem ein und stoppen die entzündliche Aktivität. Dadurch werden Gelenkzerstörungen verhindert, und das Fortschreiten der Krankheit wird gebremst. Sie werden über viele Monate oder Jahre angewandt. Zum Einsatz kommen zwei Gruppen dieser sogenannten DMARDs (Disease Modifying Anti-Rheumatic Drugs, zu Deutsch krankheitsmodifizierende Antirheumatika):
    • synthethisch-chemisch hergestellte Medikamente: z.B. Methotexat (MTX), Leflunomid oder Sulfasalazin;
    • biotechnologisch hergestellte und biologisch wirksame Substanzen (Biologika): TNF-(Tumornekrosefaktor)-Blocker (Etanercept, Infliximab, Adalimumab, Golimumab, Certolizumab), IL-6-(Interleukin-6)-Blocker (Tocilizumab), IL-1-(Interleukin-1)-Blocker (Anakinra), T-Zell-Blocker (Abatacept) und B-Zell-Blocker (Rituximab). Diese stehen als Injektion oder Infusion zur Verfügung.

An der Entwicklung von neuen Therapieprinzipien wird laufend geforscht, die Zulassung weiterer Medikamente ist in absehbarer Zeit zu erwarten. Biologika für die Rheumabehandlung dürfen nur von einer Fachärztin/einem Facharzt für Rheumatologie erstverordnet werden.

Wenn mit einer Basistherapie nach drei bis maximal sechs Monaten das Therapieziel nicht erreicht wird, muss die Behandlungsstrategie gewechselt werden. Die individuell angepasste Dauertherapie muss auch bei Beschwerdefreiheit weitergeführt werden, um den Langzeiterfolg sicherzustellen. Änderungen oder Behandlungspausen dürfen nur in Absprache mit der Rheumatologin/dem Rheumatologen erfolgen.

Hinweis Bei geplanter oder bereits eingetretener Schwangerschaft ist es unbedingt erforderlich, die Rheumatologin/den Rheumatologen zu informieren, um die medikamentöse Therapie entsprechend abzustimmen.

Nicht medikamentöse Therapie

Neben der medikamentösen Dauertherapie können die Symptome der RA wie z.B. Schmerzen, Funktions- und Bewegungseinschränkungen, aber auch Müdigkeit, Depression und Niedergeschlagenheit durch physikalische Therapien, Bewegungs- und Physiotherapie, Ergotherapie (Erlernen gelenkschonender Bewegungen und Alltagstätigkeiten), Entspannungstechniken, Verhaltensveränderungen im Alltag (aktiver Lebensstil mit viel Bewegung), unterstützende Schienen und praktische Hilfsmittel maßgeblich verringert werden. Dadurch wird – im Zusammenwirkung mit einer medikamentösen Reduktion der Entzündungsvorgänge – auch die häufig mit RA assoziierte Müdigkeit wesentlich verringert.

Depression und Niedergeschlagenheit gehören zum Krankheitsbild der rheumatoiden Arthritis. Psychologische Beratung, Schulung und Krankheitsbewältigungsprogramme oder begleitende psychotherapeutische Verfahren können helfen, mit Stimmungsschwankungen besser umgehen zu lernen und mit den krankheitsbedingten Herausforderungen leichter zurechtzukommen. Verschiedenste Methoden wie z.B. Verhaltenstherapie, Entspannungsübungen, Meditation, Yoga oder Tai-Chi ermöglichen eine bessere Stress- und Schmerzbewältigung.

Bei Bedarf können mittels chirurgischer Eingriffe die Gelenkinnenhaut entfernt sowie Fehlstellungen korrigiert werden.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei folgenden Beschwerden sollten Sie umgehend eine Ärztin/einen Arzt für Allgemeinmedizin oder eine Fachärztin/einen Facharzt für Innere Medizin (Spezialgebiet Rheumatologie) aufsuchen:

  • Gelenkschmerzen und -schwellungen, die immer wiederkehren;
  • Morgensteifigkeit in den Gelenken, die im Lauf des Tages nachlässt;
  • Rückenschmerzen, die immer wieder in den frühen Morgenstunden auftreten;
  • Fingerknöchel, die bei geballter Faust nicht mehr erkennbar sind.

Die alltägliche medizinische Behandlung erfolgt durch die Hausärztin/den Hausarzt. In regelmäßigen Abständen (oft alle drei Monate, gelegentlich auch öfter) sollte die Fachärztin/der Facharzt für Rheumatologie für Folgeuntersuchungen aufgesucht werden. Dabei werden alle Gelenke untersucht, die Krankheitsaktivität festgestellt und die Medikation überprüft.

An der Betreuung können meist Angehörige folgender Berufsgruppen beteiligt sein (Gesundheitsberufe):

  • Gesundheits- und Krankenpflege,
  • Physiotherapie,
  • Ergotherapie,
  • Diätologie,
  • Sozialarbeit,
  • Psychotherapie
  • Psychologie.

Nähere Informationen finden Sie auf der Webseite der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation (ÖGR).

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für erforderliche therapeutische Maßnahmen werden von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Bei bestimmten Leistungen (z.B. Medikamente, stationäre Aufenthalte) sind Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen. Die Kosten für Biologika werden nur übernommen, wenn sie von einer Fachärztin/einem Facharzt für Rheumatologie erstverschrieben werden.

Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

Was kann ich selbst tun?

Die Patientin/der Patient kann selbst viel zu einer guten Lebensqualität beitragen, indem sie/er geistig und körperlich aktiv ist und mit der Krankheit bestmöglich umzugehen lernt. Von großer Wichtigkeit sind generell körperliche und geistige Aktivität sowie insbesondere z.B.:

  • Training, Bewegung (v.a. gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Wassergymnastik, Spazierengehen),
  • gesundheitsfördernde Ernährung,
  • Nichtrauchen,
  • soziale Kontakte und
  • die genaue Einhaltung der medikamentösen Therapie.

Hinweis Empfehlenswert sind Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Pneumokokken. Während der Einnahme von das Immunsystem beeinflussenden Medikamenten (Basistherapie, Biologika, Kortison) kann der Effekt von Impfungen vermindert sein. Lebendimpfstoffe (z.B.Gelbfieber, Röteln) sind mit diesen Therapien nicht erlaubt. Impfungen gegen FSME und Influenza sind erlaubt. Ausführliche Informationen finden Sie unter Impfungen.

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