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Frau mit Fieberthermometer © Photographee.eu

FSME-Krankheit (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

Zu den beiden am häufigsten durch Zecken übertragenen Krankheiten zählt neben der Lyme-Borreliose die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Die Erkrankung ist auch bekannt unter Zeckenenzephalitis. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine virale Infektionskrankheit, die überwiegend durch Zeckenstiche übertragen wird. In seltenen Fällen kann eine Infektion durch den Konsum unpasteurisierter Milch und Milchprodukte von Schafen, Ziegen oder Kühen vorkommen . . .

FSME: Was ist das?

Das FSME-Virus zählt zur Familie der Flavi-Viren. Werden Personen mit dem Virus infiziert, kommt es nicht zwingend zu einer Erkrankung – nur bei bis zu ca. 30 Prozent der Infizierten entwickelt sich das typische Krankheitsbild. Eine Übertragung der FSME von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Hinweis Nicht jeder Zeckenstich überträgt das FSME-Virus. Nicht bei jedem Menschen, der mit dem FSME-Virus infiziert wurde, kommt es zur Erkrankung.

Bei einer Infektion mit dem FSME-Virus durch einen Zeckenstich kann es nach einer Inkubationszeit von sieben bis 14 Tagen (seltener 28 Tagen) zu einer tatsächlichen Erkrankung kommen. In etwa 80 Prozent der Fälle verläuft das Krankheitsbild in Phasen.

Phasen einer FSME-Erkrankung

In der ersten Phase treten grippeähnliche Symptome wie z.B. Kopfschmerzen, Fieber oder Müdigkeit auf. Dann kommt es zu einem symptomfreien Intervall ohne Fieber. Die nächste Phase des Krankheitsbildes kann bei zehn Prozent der Infizierten zu einer Meningitis (Hirnhautentzündung) bis zu einer Enzephalitis (Gehirnentzündung) mit oder ohne Myelitis (Rückenmarksentzündung) und Lähmungserscheinungen (Paralyse) führen. Etwa ein Prozent der Infizierten mit Beteiligung des ZNS verstirbt an der Erkrankung.

Hinweis Etwa ein Drittel der FSME-Erkrankten hat nach durchgemachter Erkrankung langdauernde Folgeschäden.

FSME in Österreich

Vor Beginn der großen Impfaktionen war FSME in Österreich die häufigste virale Infektionskrankheit mit Enzephalitis. Damals traten 300 bis 700 Erkrankungsfälle pro Jahr auf. Die Fallzahl ist bei einer Durchimpfungsrate von 85 Prozent auf 41 (1999) bis 98 (2013) stark zurückgegangen, während die Inzidenz in der ungeimpften Bevölkerung unverändert zur Vorimpfära geblieben ist. Die Effektivität der FSME-Impfung beträgt für – nach dem empfohlenen regulären Schema – geimpfte Personen etwa 99 Prozent in allen Altersgruppen. Im Zeitraum 2000 bis 2011 konnten durch die Impfung in Österreich etwa 4.000 FSME-Erkrankungen und zirka 30 Todesfälle vermieden werden, so der Österreichische Impfplan 2014 des Gesundheitsministeriums.

Die Zahl der FSME-Erkrankungsfälle in Österreich wird jährlich erfasst und war in den vergangenen Jahren durchgängig schwankend. Immer wieder kommt es auch zu Todesfällen. 

Hinweis In Österreich gilt jedes Bundesland als FSME-Verbreitungsgebiet – betroffen sind vor allem die Steiermark, Kärnten, Oberösterreich und Tirol.

Die Schutzimpfung

Die wirksamste vorbeugende Maßnahme gegen eine FSME-Infektion ist die Schutzimpfung mit inaktivierten Viren. Die Impfung bewirkt im Körper die Bildung von Antikörpern, schützt zuverlässig (aktive Immunisierung) und wirkt gegen alle bekannten FSME-Virus-Subtypen.

Hinweis Die FSME-Impfung schützt nicht vor einer Infektion durch Borrelien.

Im Österreichischen Impfplan wird allen in Österreich lebenden Personen die FSME-Impfung empfohlen, da kein Bundesland FSME-frei ist. Die Immunisierung sollte ab dem vollendeten ersten Lebensjahr beginnen und ein Leben lang immer wieder aufgefrischt werden.

Die Grundimmunisierung

Zu Beginn des Impfschemas steht die Grundimmunisierung. Diese erfolgt in bestimmten zeitlichen Abständen zu drei Teilen und bildet die Basis der schützenden Immunabwehr gegen FSME-Viren.

Die Teilimpfungen erfolgen in diesen Abständen:

  • 0/1–3 Monate, 5/12 bzw. 9/12 Monate nach 2. Impfung.
  • Die erste Auffrischung erfolgt drei Jahre nach der Grundimmunisierung.

Es folgen lebenslang Auffrischungsimpfungen:

  • bis zum vollendeten 60. Lebensjahr alle fünf Jahre,
  • ältere Menschen alle drei Jahre.

Ab welchem Alter kann geimpft werden?

Zugelassen ist die FSME-Impfung ab dem vollendeten 1. Lebensjahr. Unter besonderen Umständen können auch jüngere Kinder geimpft werden, jedoch frühestens ab dem 7. Lebensmonat. Dies erfolgt in Eigenverantwortung der Ärztin/des Arztes nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und ausführlicher Aufklärung der Eltern. 

Hinweis Die FSME-Impfung ist nicht im Gratiskinderimpfprogramm enthalten. Weitere Informationen erhalten Sie im Österreichischen Impfplan.

So beugen Sie Zeckenstichen vor

Neben der Schutzimpfung kann durch bestimmte Verhaltenstipps einem Zeckenstich bzw. einer Infektion vorgebeugt werden:

  • Spezielle Insektenschutzmittel (Repellent) wehren neben Stechmücken auch Zecken ab. Derartige Sprays, Lotionen etc. regelmäßig nachtragen, da ihre Wirksamkeit zeitlich begrenzt ist.
  • Hautbedeckende Kleidung und geschlossene Schuhe verringern die Angriffsmöglichkeiten für Zecken. Tipp: Hose in die Socken stecken, so können Zecken nicht hochkrabbeln.
  • An heller Kleidung entdeckt man Zecken leichter als auf dunkler.
  • Nach dem Aufenthalt in typischen Zeckenzonen (z.B. feuchte Gebiete, (Gras-)Wiesen, Wald, Parks) Kleidung und Körper genau auf Zecken untersuchen. Zecken(-larven und -nymphen) können winzig sein (1 mm) – schauen Sie sehr genau!
  • Vergessen Sie bei der Untersuchung des Körpers nicht auf schwer einsehbare Passagen wie z.B. Kniekehle, Achsel, Genitalbereich, Rücken, Kopf, Ohren etc. Bitten Sie unter Umständen jemanden um Hilfe.
  • Entdeckte Zecken umgehend und behutsam entfernen. Wie man dabei am besten vorgeht, erfahren Sie unter Zecken richtig entfernen

Hinweis Haustiere können – mitunter zahlreiche – Zecken im Fell bergen und so auf den Menschen übertragen. Tiere daher regelmäßig untersuchen und Zecken entfernen. Zeckenschutzhalsbänder verwenden und immer wieder wechseln.

Diagnose einer FSME-Infektion

Die Diagnose einer FSME-Infektion beginnt mit einem ausführlichen Gespräch bei der Allgemeinmedizinerin/dem Allgemeinmediziner oder der Fachärztin/dem Facharzt (Anamnese). Im Gespräch wird festgestellt, welche Beschwerden bestehen und ob die beschriebenen Symptome typisch sind. Die Ärztin/der Arzt wird Sie zu Ihrem Impfstatus und der letzten Zeckenimpfung befragen, es empfiehlt sich daher, den Impfpass zum Arztbesuch mitzunehmen. Sie/er wird wissen wollen, ob Sie in einem Zeckengebiet unterwegs waren, sich an einen Zeckenstich erinnern können bzw. den Zeckenstich genau betrachten und bei einer körperlichen Untersuchung auf neurologische Symptome achten.

Hinweis Die Diagnosestellung wird meist erschwert, da sich nur wenige Menschen tatsächlich an einen Zeckenstich erinnern können bzw. diesen bemerkt haben.

Als Untersuchungsmethoden stehen folgende Verfahren zur Verfügung:

  • signifikanter (deutlicher) Anstieg der Antikörperkonzentration,
  • Nachweis FSME-Virus-Antikörper in Blut/Liquor (IgG, IgM),
  • molekularbiologische FSME-Virus-PCR („polymerase chain reaction"), aussagekräftig zu Erkrankungsbeginn.

Weitere Informationen erhalten Sie in der Laborwertetabelle unter Virologie.

Therapie einer FSME-Infektion

Zur Behandlung der FSME steht kein ursächlicher therapeutischer Ansatz zur Verfügung. Behandelt werden lediglich Symptome wie z.B. Fieber, Kopfschmerz. Treten schwere neurologische Schäden auf, kann eine Physiotherapie sowie Ergo- oder Logotherapie erforderlich sein. Bei schweren Krankheitsverläufen, z.B. Atemeinschränkungen kann unter Umständen ein Krankenhausaufenthalt erforderlich sein.

Hinweis Da es sich bei den FSME-Erregern um eine Virusinfektion handelt, sind Antibiotika wirkungslos!

Wohin kann ich mich wenden?

Wenn Sie nach einem Zeckenstich Beschwerden wie z.B. Fieber, Kopf- oder Muskelschmerzen bemerken bzw. eine deutliche Rötung der Haut sichtbar ist, sollten Sie sich zur Abklärung an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin,
  • Kinderärztin/Kinderarzt
  • Fachärztin/Facharzt für Infektiologie.

Die FSME-Schutzimpfung können Sie durchführen lassen bei:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin,
  • Kinderärztin/Kinderarzt,
  • Gesundheitszentren der Krankenversicherungsträger,
  • Impfstellen der Bundesländer (z.B. Gesundheitsamt, Bezirkshauptmannschaft, Magistrat).

Die FSME-Impfung wird zudem an vielen Schulen oder Lehreinrichtungen sowie bei manchen Arbeitgebern angeboten. Informationen dazu erhalten Sie bei der Schulärztin/dem Schularzt oder bei der Betriebsärztin/dem Betriebsarzt.

Hinweis Ärztinnen/Ärzte bzw. Impfstellen haben den Impfstoff nicht immer lagernd, teilweise muss der Impfstoff selbst mitgebracht werden. Informieren Sie sich daher vorab!

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten der Diagnose und Behandlung einer zeckenstichbedingten Erkrankung werden im Normalfall von den Sozialversicherungsträgern übernommen.

FSME-Impfung

Die Kosten für den FSME-Impfstoff muss die Patientin/der Patient in der Regel selbst tragen. Darüber hinaus ist meist ein Impfhonorar zu bezahlen. Die Gesundheitszentren der Krankenversicherungsträger bieten saisonal Impfaktionen an, bei denen das Impfhonorar entfällt. Zuschüsse gewähren die Krankenversicherungsträger in unterschiedlicher Höhe. Kostenermäßigungen gibt es zudem bei speziellen Impfaktionen.

Näheres erfahren Sie unter Wo erhalte ich Informationen zu Impfaktionen?

Physio-, Ergo- und Logotherapie

Weitere Informationen zur Kostenabdeckung bezüglich Physio-, Ergo- oder Logotherapie erhalten Sie unter Gesundheitsberufe.

Wenn ein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist

st bei einer FSME-Infektion ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Die weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Allgemeinmedizinerin/den Allgemeinmediziner bzw. durch die Fachärztin/den Facharzt.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

Wenn ein Rehabilitationsaufenthalt erforderlich ist

Um Leistungen zur medizinischen Rehabilitation zu erhalten, müssen Betroffene einen Rehabilitationsantrag stellen. Für die Bewilligung der medizinischen Rehabilitation sind unterschiedliche Sozialversicherungsträger zuständig:

  • Unfallversicherungsträger (z.B. AUVA),
  • Pensionsversicherungsträger (z.B. PVA),
  • Krankenversicherungsträger.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Reha und Kur.

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