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Long COVID

Long COVID ist ein Überbegriff für gesundheitliche Langzeitfolgen, die nach einer akuten Infektion mit dem Coronavirus vorhanden sein können. Mögliche Symptome sind zum Beispiel Atembeschwerden, Erschöpfung bzw. Fatigue und verminderte Leistungsfähigkeit.

Long COVID kann jede und jeden treffen - nach milder COVID-19-Erkrankung oder nach schwerem Krankheitsverlauf. Die Risikofaktoren sind nicht vollständig geklärt. Die Behandlung von Long COVID erfolgt den jeweiligen Symptomen entsprechend. Häufig nehmen Long-COVID-Beschwerden im Laufe der Zeit von selbst wieder ab.

Was ist Long COVID?

Long COVID beschreibt gesundheitliche Langzeitfolgen nach einer COVID-19-Erkrankung. Unter dem Begriff Long COVID werden alle Symptome zusammengefasst, die mehr als vier Wochen nach dem Beginn einer COVID-19-Erkrankung fortbestehen oder neu auftreten.

Man unterscheidet bei COVID-19 drei mögliche Verläufe:

  • Akute COVID-19-Erkrankung: Die Symptome und Befunde von COVID-19 bestehen bis maximal vier Wochen nach Erkrankungsbeginn.
  • Anhaltende Symptome nach COVID-19-Erkrankung: Dabei klagen die Betroffenen nach mehr als vier und bis maximal zwölf Wochen Krankheitsdauer noch über Beschwerden.
  • Post-COVID-Syndrom: Dabei bleiben zwölf Wochen nach Beginn einer COVID-19-Infektion die Beschwerden bestehen, oder es entwickeln sich neue Symptome, die zu den bei COVID-19 beobachteten Symptomen passen und die nicht anderweitig erklärt werden können.

Hinweis

Der Begriff Long COVID umfasst sowohl anhaltende Symptome nach einer COVID-19-Erkrankung als auch das Post-COVID-Syndrom.

Es gibt weitere Fachausdrücke, die manchmal anstelle von Long COVID verwendet werden, z.B. Post-COVID-Conditions bzw. Post-COVID-Zustand, anhaltende Symptome von COVID-19 oder postviraler Zustand nach COVID-19. Die Bezeichnungen sind in der Fachliteratur nicht immer einheitlich.

Wie entsteht Long COVID?

Wie Long COVID entsteht, hat die Wissenschaft noch nicht genau geklärt. Gesundheitliche Langzeitfolgen, die bei Long COVID auftreten, können grundsätzlich auch nach vielen anderen Infektionen vorkommen. Bei der Entstehung von Long COVID scheinen mehrere Mechanismen eine Rolle zu spielen. Diese sind nicht bei allen Personen gleich, und Long COVID ist kein einheitliches Krankheitsbild. Es gibt verschiedene Theorien, wie es zu Long COVID kommen kann, z.B.:

  • als Ergebnis einer Autoimmunreaktion, das heißt, das Immunsystem greift nach einer COVID-19-Erkrankung möglicherweise körpereigene Zellen an;
  • durch lang anhaltende Entzündungen im Körper;
  • durch im Körper verbleibende Virusreste;
  • durch eine veränderte Zusammensetzung der Darmflora;
  • durch eine Aktivierung des Epstein-Barr-Virus, das heißt, Fachleute vermuten, dass das Epstein-Barr-Virus möglicherweise die Beschwerden anderer Erkrankungen verstärken kann.

Was sind die Risikofaktoren für Long COVID?

Es ist nicht vollständig geklärt, welche Risikofaktoren es für Long COVID gibt. Nach derzeitigen Kenntnissen könnten unter anderem folgende Faktoren das Risiko für Long COVID beeinflussen:

  • höheres Alter;
  • bestimmte Vorerkrankungen bzw. Gesundheitsrisiken, z.B. Diabetes, Lungenerkrankungen sowie Rauchen;
  • Geschlecht: Frauen scheinen ein erhöhtes Risiko für anhaltende Symptome zu haben;
  • Anzahl der Symptome während der akuten COVID-19-Erkrankung;
  • Schwere der akuten COVID-19-Erkrankung;
  • bestimmte Virusvarianten;
  • wiederholte Infektionen: Das Risiko für Langzeitfolgen nimmt möglicherweise zu, wenn man sich mehrmals mit dem Coronavirus ansteckt;
  • Impfstatus: Es gibt Hinweise darauf, dass ein vollständiger Corona-Impfschutz die Häufigkeit und die Ausprägung von Long-COVID-Symptomen mildert.

Sicher ist, dass Long COVID prinzipiell jede und jeden treffen kann: Sowohl junge, agile Personen, deren COVID-19-Erkrankung mild verlaufen ist, als auch Personen, die schwerer erkrankt waren.

Nach einem schweren COVID-19-Verlauf scheint generell das Risiko für gesundheitliche Langzeitfolgen höher zu sein als nach einem milden. Vor allem Organschäden treten nach einem schweren COVID-19-Verlauf häufiger auf als nach einem milden. Organschäden können z.B. Lunge, Herz oder Nieren betreffen. Damit können verschiedene gesundheitliche Langzeitprobleme verbunden sein. Beschwerden, die auf einen konkreten Organschaden zurückzuführen sind, werden von Long COVID abgegrenzt. Auch intensivmedizinische Behandlungen können eine Belastung für den Körper darstellen und zu Folgeproblemen führen. Diese fallen ebenfalls nicht unter den Begriff Long COVID.

Aber auch Betroffene ohne nachweisbare Organschäden erholen sich nach einer COVID-19-Erkrankung mitunter nur langsam oder nicht vollständig. Es können auch Wochen bis Monate nach Beginn der Erkrankung noch Symptome vorhanden sein oder neu auftreten. Dazu zählen z.B. die Fatigue mit stark eingeschränkter Leistungsfähigkeit sowie eine belastungsinduzierte Symptomverschlechterung (Post-Exertionelle Malaise, kurz PEM).

Noch kann nicht zuverlässig abgeschätzt werden, wie häufig es zu Long COVID und zu chronischen Beschwerden kommt und welche Personengruppe besonders betroffen ist.

Welche Symptome können bei Long COVID auftreten?

Die Symptome von Long COVID sind nicht bei allen Betroffenen gleich. Die möglichen Beschwerden nach einer durchgemachten COVID-19-Erkrankung sind sehr vielfältig. Deshalb ist es für Ärztinnen und Ärzte unter Umständen schwierig, die Symptome Long COVID zuzuordnen. Für die Betroffenen kann der Leidensdruck manchmal groß sein. Ein normaler Alltag ist oft für eine lange Zeit nicht möglich.

Long-COVID-Symptome können einzeln oder in Kombination auftreten und unterschiedlich lang anhalten. Sie können permanent vorhanden sein, oder sie können wellenartig auftreten: Das bedeutet, die Symptome kommen nach einem beschwerdefreien Intervall wieder.

Was sind häufige Symptome bei Long COVID?

  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, eingeschränkte Leistungsfähigkeit, Schwäche: Es sind unterschiedliche Schweregrade möglich. Diese Symptome kommen auch nach anderen viralen Infekten häufig vor.
  • Länger anhaltende Erschöpfungszustände, Fatigue: Nach bestimmten viralen Infektionen – z.B. Influenza, Epstein-Barr-Virus oder COVID-19 – kann es zu Erschöpfungszuständen kommen, die über die normale Abgeschlagenheit hinausgehen. Bei einer Fatigue fühlen sich die Betroffenen körperlich oder geistig sehr erschöpft und ausgelaugt, auch ohne eine entsprechende vorangegangene Anstrengung. Der Schlaf ist nicht erholsam und verbessert die Fatigue nicht ausreichend. Das Arbeitsleben und auch das soziale Leben können durch eine Fatigue beeinträchtigt sein. Fatigue ist das häufigste Long-COVID-Symptom.
  • Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme.
  • Belastungsinduzierte Symptomverschlechterung bzw. Post-Exertionelle Malaise, kurz PEM: Von einer PEM spricht man, wenn sich nach nur geringer körperlicher Anstrengung bestehende Beschwerden verschlechtern oder neue Beschwerden hinzukommen. Die Verschlechterung tritt oft erst zeitverzögert mehrere Stunden oder am Tag nach der Belastung auf. Die Betroffenen fühlen sich wie krank, haben z.B. Muskel-, Gelenk- und Kopfschmerzen, Schwäche, Schlafstörungen, Schwindel, Herzrasen etc. Dies kann Tage oder auch Wochen anhalten. Eine PEM kann in Kombination mit einer Fatigue oder unabhängig davon auftreten. Die Methode des Pacings kann Betroffenen dabei helfen, innerhalb der eigenen Energiegrenzen zu bleiben, sodass sich ihr Zustand nach Aktivitäten nicht verschlechtert.

Hinweis

Bei einer mindestens sechs Monate anhaltenden Fatigue gemeinsam mit einer PEM sprechen Fachleute auch von einer Myalgischen Enzephalopathie bzw. einem Chronischen Fatigue-Syndrom, kurz ME/CFS. 

Zu den häufigen Symptomen von Long COVID zählen zudem:

  • anhaltende Geruchs- und Geschmacksstörungen
  • Kurzatmigkeit, Atembeschwerden
  • Schlafstörungen
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, sogenannter „brain fog“ 
  • Herzrasen bzw. Herzklopfen – sogenannte Palpitationen, die typischerweise beim Aufstehen aus einer liegenden Position auftreten. Wenn der Herzschlag um mindestens 30 Schläge pro Minute ansteigt und die schnellen Herzschläge zehn Minuten oder länger bestehen bleiben, sprechen Fachleute von einem posturalen Tachykardie-Syndrom, kurz POTS.
  • Brustschmerzen oder Engegefühl in der Brust
  • Husten
  • Gelenkschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Sensibilitätsstörungen wie Missempfindungen oder Taubheitsgefühl
  • Haarausfall
  • sexuelle Funktionsstörung

Welche Beschwerden können noch auftreten?

  • anhaltender Schnupfen
  • trockene Augen, sogenanntes Sicca-Syndrom
  • verminderter Appetit
  • Schwitzen
  • Fieberschübe
  • Durchfall
  • Hautausschläge
  • depressive Verstimmung, Depressionen, Angstzustände
  • neu aufgetretene Allergien und Unverträglichkeiten
  • neurogene Blase, eine Form einer Blasenfunktionsstörung
 

Hinweis

Die genannten Symptome können auch andere Ursachen haben, auch dann, wenn sie in zeitlichem Zusammenhang mit einer (COVID-)Infektion aufgetreten sind.

Weitere mögliche Langzeitfolgen nach COVID-19 

Nach einer Infektion mit dem Coronavirus scheint zudem das Risiko für bestimmte Erkrankungen erhöht zu sein, z.B. für Diabetes oder für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie etwa Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelentzündungen oder Lungenembolien. Auch Autoimmunerkrankungen, Venenthrombosen oder Menstruationsstörungen könnten mögliche Langzeitfolgen des Coronavirus sein.

Wie ist die Prognose von Long COVID?

Long COVID ohne begleitenden Organschaden hat in den meisten Fällen eine gute Prognose. Es wird beobachtet, dass Long-COVID-Beschwerden im Laufe der Zeit häufig von selbst abnehmen. Aktuelle Studien zeigen, dass etwa die Hälfte der Symptome nach vier Monaten verschwunden ist. Nach 15 Monaten sind etwa drei Viertel der Beschwerden verschwunden.

Der Verlauf von Long COVID ist nicht bei allen Personen gleich. Bei Personen, die wegen eines schweren COVID-19-Verlaufes im Krankenhaus behandelt werden mussten, scheint Long COVID häufiger aufzutreten und länger anzudauern. Zudem scheinen sich manche Symptome schneller zurückzubilden als andere. Zum Beispiel:

  • Fieber, Husten, Geruchs- und Geschmacksstörungen nehmen meist innerhalb einiger Wochen ab.
  • Fatigue, Brustschmerzen, Atemnot, Muskel- und Gelenkschmerzen, Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme bleiben häufig einige Monate lang bestehen.

Können auch Kinder Long COVID haben?

Auch Kinder können nach einer COVID-19-Erkrankung von gesundheitlichen Langzeitfolgen betroffen sein. Long COVID scheint jedoch bei Kindern und Jugendlichen insgesamt seltener vorzukommen als bei Erwachsenen.

Die möglichen Beschwerden sind ähnlich wie bei Erwachsenen:

  • Müdigkeit, Erschöpfung, Leistungsminderung
  • mangelnde körperliche Belastbarkeit
  • Kopfschmerzen
  • Gelenk- und Gliederschmerzen
  • Störungen von Geruchs- und Geschmackssinn
  • Konzentrationsschwäche
  • Kurzatmigkeit, Atemprobleme
  • Schlafstörung
  • Herzklopfen

Es ist noch unklar, wie häufig Long COVID im Kindesalter auftritt. Ältere Kinder von zehn bis 14 Jahren scheinen nach derzeitigen Beobachtungen öfter unter langfristigen Beschwerden zu leiden als jüngere Kinder. Zudem gehen Fachleute davon aus, dass Mädchen häufiger von Long COVID betroffen sind als Buben.

Wenn Kinder unter den genannten Beschwerden leiden und eine organische Ursache dafür ausgeschlossen wurde, sollte an die Möglichkeit von Long COVID gedacht werden. Dies gilt insbesondere für Kinder, die zuvor an COVID-19 erkrankt waren.

Hinweis

In seltenen Fällen kommt es bei Kindern und Jugendlichen wenige Wochen nach einer COVID-19-Erkrankung zu einer akuten Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Diese kann so weit gehen, dass eine intensivmedizinische Behandlung notwendig ist. Es handelt sich dabei um eine massive Überreaktion des Immunsystems, die als schwere Komplikation von COVID-19 auftreten kann. Sie wird als Pädiatrisches Multisystem-Inflammationssyndrom (P-MIS) bezeichnet. P-MIS ist eine eigenständige Erkrankung und gehört nicht zu Long COVID.

Wie wird die Diagnose Long COVID gestellt?

Die erste Anlaufstelle zur Abklärung von Long COVID ist die Hausärztin oder der Hausarzt. Zuerst führt die Ärztin oder der Arzt eine genaue Anamnese durch. Dabei werden alle Beschwerden und deren Auswirkungen auf das tägliche Leben erfasst. Die Ärztin oder der Arzt kann z.B. nach vorbestehenden Erkrankungen, Medikamenteneinnahmen, Impfungen fragen und ob eine COVID-19-Erkrankung stattgefunden hat und wie diese verlaufen ist. Auch eine körperliche Untersuchung wird durchgeführt, und dabei werden z.B. Blutdruck, Puls und Körpertemperatur gemessen.

Die Ärztin oder der Arzt macht sich auch ein Bild von der psychischen Verfassung und dem persönlichen Leidensdruck der oder des Betroffenen. Zudem müssen andere Erkrankungen, die ähnliche Beschwerden verursachen können, ausgeschlossen werden. Eventuell sind weiterführende Untersuchungen notwendig, z.B. Blutuntersuchungen oder bildgebende Untersuchungen. Je nach Beschwerdebild können entsprechende Fachärztinnen und Fachärzte sowie andere Gesundheitsberufe in die Diagnostik miteinbezogen werden.

Hinweis

Bisher gibt es keine Tests oder Untersuchungen, die Long COVID eindeutig nachweisen können. Wenn die Beschwerden mehr als vier Wochen lang bestehen und nach einer korrekten Diagnostik keine andere Ursache dafür gefunden wurde, kann die Ärztin oder der Arzt die Diagnose Long COVID stellen.

Fachleute empfehlen, dass Betroffene, die mehr als vier Wochen lang unter Beschwerden leiden, eine ärztliche Abklärung in Anspruch nehmen sollten.

Wie erfolgt die Behandlung von Long COVID?

Die Behandlung von Long COVID erfolgt den jeweiligen Symptomen entsprechend. Der genaue Behandlungsplan muss individuell auf jede betroffene Person angepasst werden. Dabei werden die Ergebnisse der Untersuchungen sowie der persönliche Leidensdruck und die Wünsche und Möglichkeiten der oder des Betroffenen berücksichtigt. Eine genaue Abklärung ist daher das Um und Auf. Die Ärztin oder der Arzt klärt die Patientin oder den Patienten über die Möglichkeiten der Behandlung, Erfolgsaussichten, Nutzen und Risiken etc. auf.

Bei Long COVID gibt es im Allgemeinen folgende Behandlungsmöglichkeiten:

  • symptomatische Therapie von Beschwerden, denen keine organische Erkrankung zugrunde liegt. Dazu zählen Maßnahmen zu Pacing und Coping, eine Aktivierungstherapie sowie weitere Maßnahmen, je nach Beschwerden
  • Rehabilitation zur Unterstützung der Wiedereingliederung in den Alltag und die Arbeitswelt

Wenn ein konkreter Organschaden als auslösende Ursache für die Beschwerden festgestellt wird, wird diese Ursache entsprechend behandelt. Zum Beispiel: Wenn Atemnot besteht und als Ursache dafür eine Herzschädigung bzw. eine Herzerkrankung festgestellt wird, dann wird diese nach den üblichen Regeln und Leitlinien behandelt und nicht nach dem Vorgehen bei Long COVID.

Symptomatische Therapie

Bei Long-COVID-Beschwerden gibt es nicht immer eine eindeutige auslösende Ursache. In diesen Fällen ist keine ursächliche Behandlung möglich. Das Ziel der Behandlung ist, die Beschwerden zu lindern. Je nach Symptomen stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung. Zum Beispiel:

  • Bei Atembeschwerden oder anhaltendem Husten: das Erlernen von Atemtechniken
  • Bei einer PEM mit oder ohne Fatigue: Maßnahmen zu Pacing und Coping mit einem individuell adaptierten Trainingsprogramm
  • Bei einer Fatigue ohne PEM: Aktivierungstherapie
  • Bei einem POTS: nach ärztlicher Rücksprache unter anderem erhöhte Flüssigkeitszufuhr, salzreiche Ernährung, das Tragen von Stützstrümpfen, Ausdauertraining, physikalische Manöver bei Bedarf, z.B. in die Hocke gehen, ein Bein höher stellen, Beine überkreuzen etc.
  • Bei anhaltender Riechstörung: Durchführung eines strukturierten Riechtrainings, Rauchstopp
  • Bei Gedächtnisproblemen und Konzentrationsstörungen: Pacing, Ergotherapie

Die symptomatische Therapie der meisten Beschwerden erfolgt ohne Medikamente. Für manche Symptome werden als zweite Behandlungsoption im Rahmen von Studien neue Medikamente eingesetzt. Diese werden laut aktueller Leitlinie derzeit nicht allgemein empfohlen, da die Studienlage dazu nicht ausreichend ist. 

Die Betreuung der Patientinnen und Patienten mit Long COVID erfolgt primär durch die Hausärztin oder den Hausarzt. Die Ärztin oder der Arzt unterstützt dabei, die jeweiligen Maßnahmen einzuhalten, und steht beratend und begleitend zur Seite. Die Betroffenen sollen zum Selbstmanagement angeleitet werden und lernen, einen guten Umgang mit den Beschwerden zu finden. Je nach Bedarf werden andere Gesundheitsberufe sowie Ärztinnen und Ärzte anderer medizinischer Fachrichtungen hinzugezogen. Es können auch mehrere Hilfsangebote miteinander kombiniert werden.

Was ist Pacing?

Pacing ist ein Verfahren zum Energiemanagement. Dabei lernen die Patientinnen und Patienten, auf den eigenen Körper zu hören, die verfügbaren Kräfte richtig einzuteilen und sich nicht über die individuellen Grenzen hinaus anzustrengen. Die persönliche körperliche, geistige und emotionale Energie soll durch genaue Planung sinnvoll eingesetzt werden. Zur Unterstützung können z.B. Aktivitätsprotokolle sowie Herzfrequenz- und Aktivitätsmonitore verwendet werden. Mit deren Hilfe wird verdeutlicht, wann die persönlichen Energiegrenzen überschritten werden.

Laut aktueller Leitlinie wird Pacing für Personen empfohlen, die an einer PEM bzw. an einer Fatigue mit PEM leiden. Das Verfahren soll dabei helfen, einer längerfristigen Zustandsverschlechterung und einer Zunahme von Symptomen vorzubeugen. 

Was ist Coping?

Unter dem Begriff Coping versteht man das Verhalten einer Person zur Bewältigung einer belastenden Situation. Patientinnen und Patienten dabei zu unterstützen, ein angemessenes Coping-Verhalten zu entwickeln, ist ebenfalls oft Teil des Behandlungsplanes bei Long COVID. Dazu gehört z.B., unnötige Ängste und Unsicherheiten zu vermeiden. Je nach individueller Symptomatik kommen unterschiedliche Strategien zum Einsatz. Mehr zum Thema: Die Psyche stärken mit Resilienz 

Was ist eine Aktivierungstherapie?

Bei einer Aktivierungstherapie sollen die persönlichen Belastungsgrenzen der oder des Betroffenen symptomorientiert langsam und vorsichtig ausgeweitet werden. Fachleute sprechen auch von einem symptomtitrierten Training oder einer Grade Expertise Therapy (GET). Eine Aktivierungstherapie kommt bei Personen mit verschiedenen anhaltenden Beschwerden nach einem viralen Infekt infrage, bei denen ein PEM zuvor ausgeschlossen wurde. Das Training zielt darauf ab, Alltagstätigkeiten wieder aufzunehmen und die Belastungen dabei schrittweise zu steigern. Es sollte unter ärztlicher und physiotherapeutischer bzw. ergotherapeutischer Betreuung erfolgen. Bei Personen mit einer PEM kann eine Aktivierungstherapie die Beschwerden verschlimmern.

Rehabilitation

Je nach Schweregrad der Erkrankung können Rehabilitationsmaßnahmen notwendig sein. Das Ziel ist, eingeschränkte Körperfunktionen und Aktivitäten zu verbessern und eine bestmögliche Teilhabe in sozialer und beruflicher Hinsicht zu erreichen. Die Maßnahmen werden individuell geplant und können ambulant oder stationär erfolgen. Es werden verschiedene Gesundheitsberufe miteinbezogen, z.B. Physiotherapie, Trainingstherapie, Ergotherapie, Psychologie, Logopädie, Diätologie und Massage. Mehr zum Thema: Rehabilitation & Kur

Rückkehr in den Alltag und den Beruf

Wann bei Long COVID eine Rückkehr zu körperlich beanspruchenden Tätigkeiten – im Alltag, Beruf oder Sport - möglich ist, hängt von den individuellen Belastungsgrenzen ab. Diese können mit ärztlicher Unterstützung ausgelotet werden, eventuell auch im Rahmen einer Rehabilitation.

Bei Beschwerden sind vor allem die Schwere der Symptome, der persönliche Leidensdruck und die Beeinträchtigung der Alltagstätigkeiten entscheidend für den Weg zurück in den Alltag. Auch die körperliche Fitness und die Belastung im Alltag spielen eine Rolle. Die Rückkehr an den Arbeitsplatz hängt zudem von der beruflichen Tätigkeit, den Arbeitsbedingungen und der Art des Arbeitsweges ab. Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt kann zusammen mit der Betriebsärztin oder dem Betriebsarzt dabei unterstützen, individuelle Ziele festzulegen. Geduld und ausreichend Zeit zur Erholung sind notwendig.

Wohin kann ich mich wenden?

Haben Sie den Verdacht, an Long COVID zu leiden, wenden Sie sich an Ihre Hausärztin bzw. Ihren Hausarzt. Dies ist die erste Anlaufstelle für Beschwerden, die in einem zeitlichen Zusammenhang mit einer Virus-Infektion stehen - sowohl für die Abklärung der Beschwerden als auch für die erste Behandlungsplanung. Bei Bedarf kann die Ärztin oder der Arzt Sie gezielt weiterleiten, z.B. an entsprechende Fachärztinnen oder Fachärzte, Therapeut:innen sowie an weitere Gesundheits- und Sozialberufe und Beratungsstellen.

Manchmal kann auch eine weitere Abklärung in speziellen Versorgungsangeboten, wie zum Beispiel Spezialambulanzen oder Gesundheitszentren der ÖGK, notwendig sein.

Die verwendete Literatur finden Sie im Quellenverzeichnis.

Letzte Aktualisierung: 10. Juli 2024

Erstellt durch: Redaktion Gesundheitsportal

Expertenprüfung durch: Univ.Prof.in Dr.in Marianna Pavone Gyöngyösi, Fachärztin für Innere Medizin, Zusatzfach Innere Medizin (Kardiologie); MR.in Dr.in Susanne Rabady, Ärztin für Allgemeinmedizin

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