Demenz: Behandlung
Inhaltsverzeichnis
Anlaufstellen für die Behandlung von Demenz
Die medizinische Behandlung und Betreuung erfolgt über Fachärztinnen oder Fachärzte für Psychiatrie oder Neurologie sowie über Spezialambulanzen bzw. Gedächtnisambulanzen in Kooperation mit der Hausärztin bzw. dem Hausarzt oder an einer Primärversorgungseinheit (PVE). Hier kommen Sie zur Arztsuche und zur Suche nach einer PVE.
Wenn möglich sollten Fachkräfte aus verschiedenen Gesundheits- und Sozialberufen in die Behandlung eingebunden werden. Dazu zählen u.a. Fachkräfte aus den Bereichen Pflege, Psychologie, Ergotherapie, Physiotherapie und Sozialarbeit. Auch Angehörige und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer können die Behandlung und Betreuung unterstützen.
Nicht medikamentöse Maßnahmen
Behandlungen ohne Medikamente spielen bei jeder Form von Demenz eine wichtige Rolle. Sie stärken vorhandene Fähigkeiten und helfen, den Alltag länger selbstständig zu bewältigen. Sie können die Gesundheit und Lebensqualität von Menschen mit Demenz positiv beeinflussen. Zudem helfen sie auch, Beschwerden wie Unruhe, Antriebslosigkeit oder gedrückte Stimmung zu lindern.
Für die Behandlung stehen verschiedene Angebote bereit, die die Ärztin oder der Arzt flexibel an die jeweiligen Fähigkeiten und Bedürfnisse der erkrankten Person anpassen kann. Nicht medikamentöse Angebote können einzeln oder in Kombination mit Medikamenten angewendet werden.
Dazu gehören z.B.:
- Kognitives Training: Gezielte Übungen zur Förderung von Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Orientierung, einzeln oder in der Gruppe. Z.B. Rechenaufgaben, Puzzles oder Memory-Spiele.
- Bewegung: Fördert die kognitive, physische und psychische Gesundheit. Zu den Bewegungsmaßnahmen zählen z.B. Gehen, Wandern, Tanzen, Gymnastik – auch in der Gruppe, körperliches Training bzw. spezielle Trainingstherapie sowie Physiotherapie. Der Umfang der körperlichen Aktivität – ca. 150 Minuten bei leichter Intensität – orientiert sich an den Bewegungsempfehlungen.
- Biografie- und Erinnerungsarbeit: Dabei sprechen Betroffene einzeln oder in Gruppen über frühere Erlebnisse. Bilder, Musik, Geschichten oder vertraute Alltagsgegenstände helfen dabei, Erinnerungen wachzurufen. Dadurch kann die geistige Aktivität und Stimmung verbessert werden.
- Ergotherapie: Trainiert Alltagsfertigkeiten wie das Anziehen oder Kochen. Therapeutinnen und Therapeuten helfen Betroffenen durch gezielte Übungen ihr Leben möglichst lange selbstständig zu führen.
- Logopädie: Eine logopädische Therapie kann helfen, Sprech‑ und Schluckstörungen möglichst lange hinauszuzögern oder zu verringern.
- Musiktherapie: Musiktherapie nutzt vertraute Melodien, um Menschen mit Demenz emotional zu erreichen. Dadurch können Erinnerungen geweckt werden, was einen positiven Einfluss auf Stimmung und Verhalten haben kann. Z.B. Musik hören, Singen, ein Instrument spielen.
- Psychotherapie: Sie kann Betroffene in frühen Krankheitsstadien dabei unterstützen, besser mit der Erkrankung umzugehen und länger selbstständig zu bleiben. Zudem kann sie begleitende Ängste und Depressionen lindern, z.B. Verhaltenstherapie.
- Orientierungshilfen: Verschiedene Orientierungshilfen in schriftlicher Form oder technische Hilfsmittel in der vertrauten Umgebung können Menschen mit Demenzhelfen, sich im Alltag besser zurechtzufinden. Eine vertraute Umgebung und feste Gewohnheiten geben Sicherheit. Zur zeitlichen Orientierung helfen eine tageszeitgemäße Begrüßung, große, gut lesbare Kalender oder deutlich sichtbare Uhren. Auch ein klarer Tagesablauf mit festen Zeiten für Essen, Beschäftigung und Schlaf ist hilfreich. Die räumliche Orientierung wird leichter, wenn Türen beschriftet sind, Schränke klare Aufkleber haben und vertraute Gegenstände sichtbar bleiben. Gute Beleuchtung über z.B. Bewegungsmelder und das Entfernen von Stolperfallen machen die Wohnung zusätzlich sicherer.
- Soziale Angebote: Diese Angebote umfassen Aktivitäten in Gruppen wie gemeinsames Kochen, Singen, Musizieren oder Tanzen.
- Unterstützung für Angehörige: Verschiedene Unterstützungsangebote können pflegende Angehörige entlasten, z.B. Demenzservicestellen der Bundesländer, Kurse der Volkshilfe oder der Caritas. Diese Stellen beraten u.a. zum Thema Pflegegeld und vermitteln Hilfen vor Ort. Zudem werden Schulungen angeboten, in denen u.a. erklärt wird, wie man mit typischen Alltagssituationen bei Demenz am besten umgeht. Alzheimer Austria bietet u.a. Angehörigengruppen an, in denen Betroffene sich austauschen können. Eine Übersicht zu Selbsthilfegruppen für Angehörige und Betroffene bietet auch der Dachverband Demenz Selbsthilfe Austria an. Zudem gibt es Tagesbetreuungsstellen und mobile Dienste, die Angehörige tageweise oder stundenweise durch die Betreuung der Erkrankten entlasten.
Medikamente
In manchen Fällen empfiehlt die Ärztin oder der Arzt, zusätzlich zu den nicht medikamentösen Maßnahmen, die Einnahme von Medikamenten. Medikamente können die Erkrankung nicht heilen und helfen nicht in jedem Fall. Sie können aber die Symptome lindern und in bestimmten Fällen das Fortschreiten verlangsamen.
Für die medikamentöse Behandlung der Alzheimer-Demenz sowie der Demenz bei Parkinsonerkrankung können Fachärztinnen oder Fachärzte für Psychiatrie oder Neurologie sogenannte Antidementiva verordnen. Diese können dann über die Hausärztin oder den Hausarzt bei regelmäßigen fachärztlichen Kontrollen weiterverordnet werden. Diese Medikamente können die geistigen Fähigkeiten für eine gewisse Zeit stabilisieren und helfen, Alltagsaufgaben besser zu bewältigen. Heilen können sie die Erkrankung jedoch nicht.
Für die Alzheimer-Erkrankung in sehr frühen Stadien stehen seit 2025 auch sogenannte Amyloid-Antikörper Therapien zur Verfügung. Diese sind nach einer umfangreichen fachärztlichen Abklärung an wenigen spezialisierten Zentren verfügbar und können ebenfalls den Verlauf der Alzheimer-Erkrankung positiv beeinflussen.
Therapie von Verhaltenssymptomen
Viele Menschen mit Demenz zeigen zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Krankheitsverlauf Veränderungen des Verhaltens oder der Stimmung. Die Betroffenen könne Symptome wie Depression, Aggression, Unruhe, Angst oder auch Wahn zeigen. Auch Schlafstörungen kommen häufig vor.
Um Verhaltenssymptome zu behandeln, sucht die Ärztin oder der Arzt zunächst nach möglichen Ursachen. Zur Behandlung werden zunächst nicht-medikamentöse Maßnahmen empfohlen. Dazu zählen z.B. eine ruhige Umgebung, geregelte Tagesabläufe schaffen oder psychologische Unterstützung.
Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kann die Ärztin oder der Arzt je nach Symptomatik Medikamente wie Antidepressiva oder Antipsychotika vorschlagen und verordnen.
Ärztliche Kontrollen
Bei regelmäßigen ärztlichen Kontrollen wird geprüft, ob die Medikamente gut wirken, zur aktuellen Situation passen und noch notwendig sind. So können mögliche Nebenwirkungen und negative Folgen einer unnötig langen Einnahme von Medikamenten vermieden werden.
- Amboss (2026): Demenzen. Online abgerufen im Mai 2026 unter next.amboss.com (Registrierung erforderlich)
- Amboss-Pflegewissen (2025): Demenz. Online abgerufen im Juli 2026 unter next.amboss.com (Registrierung erforderlich)
- DGN e.V. & DGPPN e.V. (2026): S3-Leitlinie Demenzen. Online abgerufen im Mai 2026 unter register.awmf.org
- EBM-Guidelines Neurologie (2022): Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT). Online abgerufen im Mai 2026 unter ebm-guidelines.at (Registrierung erforderlich)
- IQWIG (2021): Demenz: Nicht-medikamentöse Therapie. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.gesundheitsinformation.de
- IQWIG (2022): Vaskuläre Demenz. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.gesundheitsinformation.de
- IQWIG (2025): Alzheimer-Demenz. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.gesundheitsinformation.de
- Larson, E. B. (2025): Patient education: Dementia (including Alzheimer disease) (Beyond the Basics). UpToDate. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.uptodate.com (Registrierung erforderlich)
- Gesundheit Österreich (2023): Leben mit Demenz/Demenz behandeln/Welche Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten gibt es? Online abgerufen im Juni 2026 unter pflege.gv.at
- Gesundheit Österreich (2025): Österreichischer Demenzbericht. Online abgerufen im Mai 2026 broschuerenservice.sozialministerium.gv.at
- Rodnitzky, R. (2024): Cognitive impairment and dementia in Parkinson disease. UpToDate. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.uptodate.com (Registrierung erforderlich)
Letzte Aktualisierung: 20. Oktober 2026
Erstellt durch: Redaktion Gesundheitsportal
Expertenprüfung durch: Dr.in med.univ. Michaela Defrancesco, Fachärztin für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin