Vaskuläre Demenz
Inhaltsverzeichnis
Was ist eine vaskuläre Demenz?
Bei der vaskulären Demenz handelt es sich um eine Form der Demenz, die entsteht, wenn das Gehirn schlecht durchblutet wird. Bestimmte Bereiche des Gehirns erhalten dann zu wenig Blut und Sauerstoff, sodass Nervenzellen geschädigt werden. Dadurch kann es zu kognitiven und körperlichen Beeinträchtigungen kommen.
Die Erkrankung verläuft meist fortschreitend. Der Verlauf kann unterschiedlich sein: Bei manchen Menschen verschlechtern sich die kognitiven Fähigkeiten schubhaft, bei anderen fortlaufend. Die kognitive Leistungsfähigkeit kann zudem schwanken. An manchen Tagen ist sie besser, an anderen schlechter. Wie die Erkrankung verläuft, hängt u.a. davon ab, welche Bereiche des Gehirns betroffen sind und wie stark sie geschädigt wurden. Zudem spielt eine rechtzeitige Behandlung eine entscheidende Rolle, da sie helfen kann, weitere Schäden zu vermeiden.
Die vaskuläre Demenz ist nach der Demenz bei Alzheimer-Erkrankung die zweithäufigste Form von Demenz. In Österreich sind rund 170.000 Menschen an einer Form von Demenz erkrankt. Davon leben etwa 30.000 Menschen mit einer vaskulären Demenz. In den meisten Fällen tritt die Erkrankung im höheren Alter auf.
Was sind die Ursachen einer vaskulären Demenz?
Wie bei anderen Demenzformen führt auch die vaskuläre Demenz zu einer Schädigung von Nervenzellen. Ursache sind Erkrankungen oder Schädigungen der Blutgefäße. Dadurch werden einzelne Bereiche des Gehirns nicht mehr ausreichend durchblutet. Durchblutungsstörungen können nach einem größeren Schlaganfall auftreten, aber auch durch mehrere kleine Schlaganfälle entstehen. Weitere mögliche Auslöser sind Hirnblutungen oder Schäden an sehr kleinen Gefäßen, z.B. infolge von Bluthochdruck oder entzündlichen Gefäßerkrankungen. Solche Gefäßveränderungen treten oft zusammen mit der Alzheimer‑Krankheit auf. Viele Betroffene haben deshalb eine Mischform aus beiden Demenzarten.
Risikofaktoren
Verschiedene Faktoren können das Risiko für eine vaskuläre Demenz erhöhen. Einige davon, wie das Geschlecht oder genetische Risikofaktoren, lassen sich nicht beeinflussen. Andere Risikofaktoren können jedoch durch einen gesunden Lebensstil und die konsequente Behandlung bestehender Erkrankungen, beispielsweise Bluthochdruck oder Diabetes, verringert werden. Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren zählen z.B.:
- Hoher Blutdruck
- Starkes Übergewicht
- Erhöhte Cholesterinwerte
- Diabetes mellitus
- Vorhofflimmern
- Koronare Herzkrankheit
- Rauchen
- Bewegungsmangel
- Übermäßiger Alkoholkonsum
Menschen, bei denen diese Risikofaktoren bereits im mittleren Lebensalter bestehen, entwickeln im späteren Leben häufiger eine vaskuläre oder eine andere Form der Demenz. Im Prinzip gilt: Alles, was die Blutgefäße schädigt, kann auch das Gehirn beeinträchtigen. Daher lässt sich das Risiko für eine vaskuläre Demenz senken, indem die Herz-Kreislauf-Gesundheit gefördert und beeinflussbare Risikofaktoren möglichst reduziert werden.
Welche Symptome verursacht vaskuläre Demenz?
Die Symptome einer vaskulären Demenz können sehr unterschiedlich sein. Sie hängen u.a. davon ab, welche Bereiche des Gehirns betroffen und wie stark diese geschädigt sind. Manche Beschwerden treten plötzlich auf, z.B. nach einem Schlaganfall. Andere entwickeln sich schleichend, sind anfangs kaum bemerkbar und nehmen nach und nach zu. In manchen Fällen können sich die Beschwerden wieder bessern, insbesondere wenn Durchblutungsstörungen früh erkannt und behandelt werden.
Die Symptome ähneln grundsätzlich denen anderer Demenzformen. Allerdings sind Gedächtnisstörungen bei der vaskulären Demenz zu Beginn nicht das Hauptsymptom. Zu Beginn stehen häufig Probleme mit Aufmerksamkeit und Konzentration sowie ein verlangsamtes Denken im Vordergrund.
Auch Sprachprobleme sind möglich, zum Beispiel wenn Wörter nicht mehr einfallen.
Verhalten und Gefühle können sich verändern: Betroffene können antriebslos wirken, Stimmungsschwankungen zeigen oder ungewohnt emotional reagieren.
Körperliche Beschwerden sind häufig, etwa Unsicherheiten beim Gehen, Stürze, Probleme beim Wasserlassen oder Beschwerden, die an Morbus Parkinson erinnern.
Wenn ein Schlaganfall vorausgegangen ist, können dessen Folgen bestehen bleiben, z.B. Lähmungen, Gefühlsstörungen oder Sprachprobleme.
Wie wird eine vaskuläre Demenz diagnostiziert?
Bei Beschwerden, die auf eine Demenz hinweisen könnten, kann ein Besuch in der hausärztlichen Praxis helfen, die möglichen Ursachen zu klären. In der Anamnese erkundigt sich die Ärztin oder der Arzt nach den aktuellen Beschwerden sowie nach möglichen früheren Schlaganfällen und Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen. Mit kurzen Tests können kognitive Fähigkeiten grob überprüft werden. Sie zeigen, wie stark die Einschränkungen sind. Für eine genauere Beurteilung werden oft weitere spezielle neuropsychologische Untersuchungen eingesetzt, die einzelne Hirnfunktionen ausführlicher überprüfen.
Für die Abklärung einer vaskulären Demenz klärt die Ärztin bzw. der Arzt ab, ob die Beschwerden durch Durchblutungsstörungen im Gehirn verursacht werden, Risikofaktoren oder andere Ursachen vorliegen. Dafür stehen verschiedene Untersuchungen zur Verfügung, z.B.:
- Genaue Anamnese: Der Beginn und das Ausmaß der Defizite wir erhoben. Die Auswirkungen auf den Alltag werden erfragt. Da Angehörige Veränderungen im Verhalten und Alltag der betroffenen Person anders wahrnehmen sollten diese beim Anamnesegespräch mit einbezogen werden
- Körperliche Untersuchungen
- Messung des Blutdrucks
- EKG
- Blutuntersuchungen: Sie helfen festzustellen, ob Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen vorliegen oder ob die Beschwerden beispielsweise durch einen Vitamin‑B12‑Mangel oder eine Schilddrüsenerkrankung verursacht werden. Es können Risikofaktoren wie zu hohe Blutfette oder Blutzuckerwerte festgestellt werden.
- Neurologische Untersuchungen: Dabei werden unter anderem Gleichgewicht, Koordination sowie weitere neurologische Funktionen überprüft.
- Psychopathologischer Status: Erheben von Symptomen wie: depressive Symptome, psychotischen Symptomen, z.B. Wahn oder Halluzinationen, Angst, Denkstörungen, Auffassungsstörungen, Schlafstörungen
- Neuropsychologische Untersuchung: Eine ausführliche neuropsychologische Untersuchung wird über eine Psychologin oder einen Psychologen durchgeführt. Dabei werden kognitive Funktionen wie Gedächtnis, planendes Denken, Geschwindigkeit und die Sprache geprüft und entsprechend dem Alter und der Bildung der Person interpretiert. Die Ergebnisse erlauben der Ärztin oder dem Arzt eine gute Einschätzung über Schweregrad und Ausprägung der Symptome und geben wichtige Hinweise auf mögliche Ursachen.
- MRT oder CT: Diese Untersuchungen können Durchblutungsstörungen und Schädigungen des Gehirngewebes sichtbar machen. Zudem lassen sich Entzündungen oder andere behandelbare Ursachen der Beschwerden erkennen.
- Doppler-Sonografie: Ultraschalluntersuchung besonders der Hals-Gefäße
- PET oder Lumbalpunktion: für den Ausschluss einer Alzheimer-Erkrankung
Wie erfolgt die Therapie bei vaskulärer Demenz?
Vaskuläre Demenz kann nicht geheilt werden. Bereits entstandene Schäden im Gehirn können nicht rückgängig gemacht werden. Die Behandlung der vaskulären Demenz besteht aus folgenden zentralen Bausteinen: Ursachen behandeln, neue Schäden verhindern sowie Beschwerden der Demenz lindern.
Ursachen behandeln und neue Schäden verhindern
Ziel ist es, die Durchblutung des Gehirns zu verbessern und weitere Gefäßschäden zu verhindern. Dazu gehört u.a. die Behandlung von Bluthochdruck, Herzerkrankungen und Diabetes. Auch ein gesunder Lebensstil kann helfen, den Abnahme der kognitiven Defizite zu verlangsamen und neue Schäden zu verhindern, z.B. regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, Rauchstopp.
Beschwerden der Demenz lindern
Wie bei anderen Demenzformen gibt es verschiedene Möglichkeiten, das Wohlbefinden und die Lebensqualität zu verbessern. Dazu gehören:
- Medikamente können einzelne Beschwerden wie Schmerzen, Unruhe oder Schlafstörungen lindern. Sogenannte Antidementiva, können nach genauer fachärztlicher Abklärung in bestimmten Fällen verordnet werden. Die bestmögliche auch medikamentöse Kontrolle von Erkrankungen wie Blutdruck, Diabetes Mellitus, erhöhte Blutfette oder Mangelerkrankungen ist wesentlich.
- Nicht medikamentöse Maßnahmen können kognitive und körperliche Fähigkeiten unterstützen und die Selbstständigkeit länger erhalten. Zudem tragen sie dazu bei, psychische Belastungen so wie starke Unruhe oder aggressives Verhalten zu verringern.
Menschen mit vaskulärer Demenz und ihre Angehörigen sind im Alltag oft stark gefordert. Verschiedene Unterstützungsangebote können ihnen helfen, mit den Veränderungen und Belastungen besser umzugehen. Dazu gehören unter anderem Beratungsangebote, Möglichkeiten zum Austausch sowie Hilfen bei Pflege, Betreuung und praktischen Fragen. Mehr dazu im Artikel Leben mit Demenz.
Informationen zu den Anlaufstellen für Diagnose und Therapie finden Sie unter: Demenz: Was ist das? sowie Demenz: Behandlung.
Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?
Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:
- Amboss (2026): Vaskuläre Demenz. Online abgerufen im Mai 2026 unter next.amboss.com (Registrierung erforderlich)
- Dachverband der Sozialversicherungsträger für Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige (2022): Demenz-Diagnose, Hilfe, Alltag. Online abgerufen im Mai 2026 unter alzheimer-gesellschaft.at
- EBM-Guidelines (2022): Vaskuläre kognitive Störung. Online abgerufen im Mai 2026 unter ebm-guidelines.at (Registrierung erforderlich)
- Gesundheit Österreich (2025): Österreichischer Demenzbericht. Online abgerufen im Mai 2026 broschuerenservice.sozialministerium.gv.at
- IQWIG (2022): Vaskuläre Demenz. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.gesundheitsinformation.de
- Smith, E. (2025): Etiology, clinical manifestations, and diagnosis of vascular dementia. UpToDate. Online abgerufen im Juni 2026 unter www.uptodate.com (Registrierung erforderlich)
- Stiftung Gesundheitswissen (2022): Was ist vaskuläre Demenz? Online abgerufen im Juni 2026 unter www.stiftung-gesundheitswissen.de
- Stiftung Gesundheitswissen (2022): Wie kann man vaskuläre Demenz behandeln? Online abgerufen im Juni 2026 unter www.stiftung-gesundheitswissen.de
Letzte Aktualisierung: 20. Oktober 2026
Erstellt durch: Redaktion Gesundheitsportal
Expertenprüfung durch: Assoz.Prof. Dr.in med.univ. Michaela Defrancesco, Fachärztin für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin