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Demenz: Kommunikation mit Betroffenen

Prinzipiell erfordert eine sinnvolle, wertschätzende Kommunikation mit Menschen mit Demenz keine besonderen „Techniken“. Allerdings kann der tägliche Umgang erleichtert werden, wenn spezielle Sensibilisierungstrainings absolviert wurden. Da Personen mit Demenz mit zunehmendem Krankheitsstadium sehr sensibel auf Kritik, aber auch auf Unter- bzw. Überforderung reagieren, sollte in der Kommunikation vor allem auf einen wertschätzenden Umgang geachtet werden. Dazu gehört, vorhandene Fähigkeiten zu beachten, lobende Worte zu finden und Vorwürfe zu vermeiden.

Was sollten betreuende Angehörige beachten?

Die krankheitsbedingte erschwerte Kommunikation mit Menschen mit Demenz wird von den Betreuungspersonen oft als sehr belastend erlebt. Daher ist es unumgänglich, einfühlsame Kommunikation zu erlernen, um ein empathisches und auf Zuhören und Verstehen ausgerichtetes Gespräch führen zu können.

Voraussetzung einer wertschätzenden, ressourcenstützenden Kommunikation bildet vor allem das Wissen über den Verlauf und die Stadien der Erkrankung. Personen mit Demenz können ab dem fünften Stadium der Krankheit (mittelschweres Stadium) ihre Bedürfnisse oder Ängste immer weniger klar äußern. Es kann daher vorkommen, dass die Betreuungspersonen oder Angehörigen nicht verstehen, was die/der Betroffene sagen oder mitteilen möchte. Daher sind nicht nur die inhaltliche Botschaft der Sprache, sondern auch alle anderen Aspekte der Kommunikation (nonverbale Kommunikation, Körpersprache) von Bedeutung.

Hinweis

Kommunikation mit Betroffenen ist für Angehörige und pflegende/begleitende Personen erlernbar. Sowohl Personen mit Demenz als auch Betreuungspersonen profitieren davon nachweislich mit einer höheren Lebensqualität.

Tipps bei der verbalen Kommunikation

Wenn Angehörige, Pflege- und Betreuungspersonen einfache Prinzipien in der Kommunikation mit Betroffenen beachten, trägt dies wesentlich zu einem besseren gegenseitigen Verständnis bei.

  • Eigenen Kommunikationsstil bewusst machen: Betreuungspersonen sollten sich ihren eigenen Kommunikationsstil bewusst machen und auf diesen achten.
  • Langsam und deutlich sprechen und die betreffende Person im Zuge des Gesprächs beim Namen nennen.
  • Inhalte vereinfachen: Mit zunehmendem Schweregrad der Krankheit müssen die Inhalte der Kommunikation vereinfacht werden, damit die Botschaft für die Person mit Demenz verständlich ist. Eventuell kann das Gesagte wiederholt und dabei umformuliert werden. Dies vermittelt Sicherheit und Vertrauen. Zudem sollte ein Satz nur eine Botschaft enthalten.
  • Vorsicht mit Kritik: Eine Person mit Demenz kann unter Umständen nicht verstehen, warum sie bei einem Gespräch korrigiert wird. Eine Diskussion oder ein Streitgespräch mit der/dem Betroffenen zu beginnen, ist oft nicht zielführend. Zu bedenken ist, dass die/der Betroffene sehr intensiv fühlt, auch wenn er sich nicht mehr so gut ausdrücken kann.
  • Auf das Positive konzentrieren: Wichtig sind positive Formulierungen und Anerkennung für Handlungen, die aus der Sicht des Betroffenen gut gelungen sind.
  • Einfache Fragen stellen: Für Personen mit Demenz kann es in fortgeschrittenen Stadien schwierig sein, „Warum-, Wieso-, Weshalb-Fragen“ zu beantworten, da diese zu komplexe Anforderungen an die Person stellen. So sollten etwa Fragen gestellt werden, die mit „Ja“ und „Nein“ beantwortet werden können.
  • Geeignete Gesprächsthemen finden: Einfache Themen des Alltags (z.B. über das Wetter) und mit dem Betroffenen über die eigene Vergangenheit sprechen (Biografie-Arbeit). In späteren Stadien kann es wichtig sein, die eigenen Handlungen mit einfachen Worten zu beschreiben. Zudem kann das gemeinsame Singen von Liedern aus der Kindheit und Jugend bzw. das Anhören von gut bekannter Musik viel Freude bereiten.
  • Nicht persönlich nehmen: Anschuldigungen und Vorwürfe vonseiten der Betroffenen sollten nicht persönlich genommen werden und nicht für Ärger sorgen – auch wenn es mitunter schwer fällt. Meist sind diese Ausdruck von Hilflosigkeit und Frustration und richten sich nicht gegen die Angehörigen persönlich. Hilfreich ist, kurz abzuwarten und dann über ein anderes Thema zu sprechen. Bei Themen, die Ihnen persönlich sehr nahe gehen, ist es dennoch wichtig Ihre eigenen Gefühle anzusprechen und auch einmal „Stopp“ zu sagen.
  • Zeit lassen, entspannen und eine ruhige Atmosphäre schaffen: Manchmal hilft es, nach einer schwierigen Situation aus dem Zimmer zu gehen, tief durchzuatmen und nach einigen Minuten wiederzukommen, wenn man sich beruhigt hat. Die Situation entspannt sich dann meist wieder von selbst.
  • Auf sich selbst Acht geben: Angehörige sollten zuallererst auf sich selbst aufpassen. Nur wer gut für sich selbst sorgt und auf seine Bedürfnisse achtet, kann auch für andere längerfristig sorgen.

Tipps bei nonverbaler Kommunikation

  • Nonverbale Signale beachten: Antworten können auch in nonverbalen Signalen oder in der Körpersprache stecken.
  • Augenkontakt herstellen und bewusstes Zuwenden: Wichtig ist die Begegnung auf Augenhöhe (ev. hinsetzen, in die Knie gehen), welche die Kommunikation unterstützt.
  • Empathie zeigen: Empathisches und aktives Zuhören zeigen, dass die betreuende Person echtes Interesse an der/dem Betroffenen hat.
  • Gefühle und Bedürfnisse richtig deuten: Wichtig ist, die Gefühle und Bedürfnisse einer Person mit Demenz zu erkennen, aber auch abzuklären, ob man ihre/seine Zeichen und Botschaften richtig verstanden hat.
  • Körperliche Nähe: Wenn angemessen und von der Person mit Demenz akzeptiert, ist körperliche Nähe ein wichtiges Element der nonverbalen Kommunikation.

Allgemeine Tipps

  • Freundliche Gesten und Worte: Betroffene nehmen trotz der schwindenden kognitiven Fähigkeiten vieles wahr. So kann ein freundliches Lächeln und eine positive Grundhaltung die Beziehung verbessern.
  • Gemeinsame Aktivitäten: Regelmäßige und gemeinsame Aktivitäten, wie gemeinsam zu Mittag zu essen oder spazieren zu gehen, fördern die Beziehung.
  • Betroffene ernst nehmen: Menschen mit Demenz sind erwachsene Menschen, die auch wie solche behandelt werden möchten.
  • Ruhe und keine Ablenkung: Gespräche sollten nicht vor Hintergrundgeräuschen geführt werden. Radio und Fernseher sollten leise oder ganz abgestellt werden.
  • Aufmerksamkeitsspanne beachten: Achten Sie darauf, wichtige Gespräche dann anzusprechen, wenn die Aufmerksamkeit der betroffenen Person am höchsten oder klarsten ist.
  • Auf die Person einlassen: Beim Zusammenleben mit einem Menschen mit Demenz sollte man sich auch auf Unvorhergesehenes und Ungewöhnliches einlassen können.

Kann man Kommunikation mit Menschen mit Demenz erlernen?

Ein gutes Miteinander kann in speziellen Kommunikationstrainings erlernt und geübt werden. Dieses hat nachweislich positive Wirkung auf die Lebensqualität von Betroffenen, Betreuenden und Angehörigen. Beispiele für in Österreich etablierte Methoden zur personenzentrierten Kommunikation:

  • Validation nach Naomi Feil: Validation ist eine Entwicklungstheorie, die sich mit sehr alten und desorientierten Menschen auseinandersetzt. Es handelt sich um eine bewährte Methode für verständnisvolle, empathische Kommunikation mit dieser Zielgruppe. Weitere Informationen: Österreichisches Institut für Validation.
  • Basale Stimulation: Eine Form ganzheitlicher, körperbezogener Kommunikation für Menschen mit wesentlichen Einschränkungen. Weitere Informationen: Basale Stimulation in der Pflege.
  • Stadiengerechtes Training als wertschätzende Kommunikationsform, welche sowohl bei beginnender Demenz als auch bei späteren Stadien der Erkrankung Unterstützung bietet. Weitere Informationen: Alzheimerhilfe.

Konkrete Kommunikations-Tipps finden Sie unter: Demenz: Kommunikation mit Betroffenen (MAS)

Hinweis

Eine Einführung in den Themenkreis „Leben mit Alzheimerkranken“ gibt ein digitaler Lehrbehelf des Österreichischen Instituts für Validation. Texte, Tests und Spiele sowie Filmausschnitte bieten u.a. pflegenden Angehörigen, Laien oder Trainerinnen/Trainern alltags- und praxisbezogene Anregungen für einen wertschätzenden Umgang mit Menschen mit Demenz und deren Umfeld. Zum kostenlosen Download.

Wohin kann ich mich wenden?

Selbsthilfegruppen oder soziale Organisationen bieten Kurse für Kommunikation bzw. für den Umgang mit Menschen mit Demenz an. Weitere Infos finden Sie unter Beratung & Hilfe.

Welche Einrichtungen in Ihrer Nähe Seminare oder Kommunikationstrainings für Angehörige anbieten, können Sie auch bei der betreuenden Ärztin/beim betreuenden Arzt oder bei einer Selbsthilfegruppe erfragen. Hier kommen Sie zur Suche nach Selbsthilfegruppen.

Weitere Informationen finden Sie unter: Die Stadien der Demenz

Die verwendete Literatur finden Sie im Quellenverzeichnis.

Letzte Aktualisierung: 14. Januar 2021

Erstellt durch: Redaktion Gesundheitsportal

Expertenprüfung durch: Univ. Prof.in Dr.in Stefanie Auer, Verein M.A.S. Alzheimerhilfe

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