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Fußpflege © Alexander Raths

Diabetes: Folgeerkrankungen

Ein chronisch erhöhter Blutzucker und eine schlechte Blutzucker-Einstellung können für Diabetikerinnen und Diabetiker schwerwiegende Folgen haben. Denn dies schädigt u.a. Nerven und Gefäße und führt zu einer Reihe von Folgeerkrankungen. Spätkomplikationen zeigen sich an unterschiedlichen Organen wie dem Herzen, den Augen und den Nieren. Diese Schädigungen verursachen höhere Krankheits- und Sterblichkeitsraten bei zuckerkranken Menschen im Vergleich zu gesunden. So ist das Risiko einer Gefäßerkrankung (Arteriosklerose) bei Diabetikerinnen und Diabetikern um das Vier- bis Fünffache höher als bei der Normalbevölkerung. Je länger eine schlechte Blutzucker-Einstellung besteht, desto wahrscheinlicher ist es, dass Diabetes-Patientinnen und -Patienten an Folgeerkrankungen leiden. Eine gute Blutzucker-Einstellung ist daher eine der wichtigsten präventiven Maßnahmen.   

Herz- und Gefäßkrankheiten

Häufig finden sich bei Typ-2-Diabetikerinnen und -Diabetikern neben dem hohen Blutzucker auch erhöhte Blutfettwerte, ein zu hoher Blutdruck und eine „bauchbetonte“ Fettleibigkeit (Metabolisches Syndrom). Diese Risikofaktoren sind maßgeblich für die Entstehung von Arteriosklerose (Arterienverkalkung) verantwortlich.

Diese Verkalkungen treten jedoch bei Diabetikerinnen und Diabetikern beider Typen verstärkt auf. Bei langer und unbehandelter Krankheitsdauer können sie zu Komplikationen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit führen. Hohe Blutfett- und Blutdruckwerte müssen daher ebenfalls behandelt werden. Weitere krankhafte Gefäßveränderungen infolge einer chronischen Überzuckerung können mithilfe einer guten Blutzucker-Einstellung verhindert bzw. verzögert werden.

Diabetische Retinopathie

Eine der häufigsten Komplikationen bei Diabetes mellitus betrifft die Augen. Aufgrund des chronisch hohen Blutzuckers können sich Diabetes-typische Schädigungen der kleinsten Gefäße (Mikroangiopathie) der Retina (Netzhaut des Auges) entwickeln. Anfangs werden diese von den Betroffenen oft gar nicht bemerkt. Erst in fortgeschrittenen Stadien tritt ein Verlust der Sehschärfe auf. Ein möglichst frühes Erkennen ist jedoch wichtig, um ein Fortschreiten zumindest zu verzögern. Denn die diabetische Retinopathie kann bis zur Erblindung führen. 

Für die Ärztin/den Arzt ist die Erkrankung ein Frühindikator für Gefäßschäden im gesamten Organismus. Neben der Normalisierung des Blutzuckers sind eine gute Einstellung des Blutdrucks und der Blutfette sowie der Verzicht auf das Rauchen die Eckpfeiler von Prävention und Therapie. Je nach Stadium kommen als weitere Therapiemaßnahmen die Injektion von Medikamenten in das Auge, eine Laserbehandlung oder sogar eine Operation infrage.
 
Als vorbeugende Maßnahme wird Diabetikerinnen und Diabetikern ein Mal jährlich eine augenärztliche Untersuchung empfohlen. Dadurch können Veränderungen rechtzeitig erkannt werden. 

Diabetische Nephropathie

Ernsthafte Spätkomplikationen können bei Diabetikerinnen und Diabetikern auch aufgrund der Schädigung kleiner Gefäße in der Niere entstehen – vor allem bei lange andauernder schlechter Blutzucker-Einstellung und hohem Blutdruck. Derzeit wird bei Diabetes mellitus jährlich eine Kontrolle der Eiweißausscheidung im Harn (Mikroalbuminurie) durchgeführt. Sie gibt der Ärztin/dem Arzt einen Hinweis auf eine mögliche bestehende diabetische Nephropathie (Nierenerkrankung).

Auch eine rechtzeitige medikamentöse Behandlung kann das Fortschreiten der Erkrankung verhindern (ACE-Hemmer). Ist die Nierenfunktion zu stark eingeschränkt, müssen die betroffenen Patientinnen und Patienten regelmäßig zur Dialyse (Blutwäsche). Hier gilt es – wie bei anderen Folgeerkrankungen von Diabetes mellitus –, den Blutzucker und Blutdruck gut einzustellen. 

Diabetische Neuropathie

Durch krankhafte Veränderungen an den Nerven kommt es bei Menschen mit langjährigem Diabetes mellitus häufig zu Empfindungsstörungen. Die sogenannte diabetische Neuropathie äußert sich oft durch Gefühlsverlust und Kribbeln, beginnend an den Zehen. Vielfach bestehen zudem Störungen der Temperatur- und Schmerzempfindung, selten treten auch heftige Schmerzen auf.

Außerdem können durch die diabetische Neuropathie Funktionsstörungen in zahlreichen Organen entstehen. Dazu zählen unter anderem das Herz-Kreislauf-System, der Magen-Darm- und der Urogenital-Trakt. Dies kann sich etwa durch Herzrhythmusstörungen, Entleerungsstörungen von Darm und Blase oder Impotenz (erektile Dysfunktion) bemerkbar machen. Ein über lange Zeit zu hoher Blutzuckerspiegel schädigt insbesondere das periphere Nervensystem im gesamten Körper.   

Diabetisches Fußsyndrom

Einer der häufigsten Langzeitschäden zeigt sich im Bereich der Unterschenkel und Füße. Dabei spielen verschiedene Einflussfaktoren eine Rolle, u.a. die diabetische Neuropathie, krankhafte Gefäßveränderungen mit Durchblutungsstörungen sowie eine gestörte Wundheilung. Die Schädigung von Nerven führt zu einer Fehlbelastung der Füße mit der Entwicklung von Druckstellen, welche von der Patientin oder dem Patienten oftmals nicht bemerkt werden.

Durch eine erkrankungsbedingt erhöhte Infektionsanfälligkeit können sich kleine Verletzungen (beispielsweise durch zu enges Schuhwerk oder falsche Nagelpflege) entzünden, zu Geschwüren entwickeln und sogar den Knochen befallen. Im schlimmsten Fall muss eine Amputation vorgenommen werden.

Um das diabetische Fußsyndrom zu vermeiden, ist es besonders wichtig, die Füße regelmäßig kontrollieren zu lassen und selbst zu inspizieren. Kleinste Verletzungen sollten sofort und sorgfältig versorgt werden bzw. von der Ärztin/dem Arzt behandelt werden. Wichtig für die Prävention und Therapie sind neben der optimalen Blutzuckereinstellung und dem Verzicht auf Alkohol und Nikotin: 

  • eine gute Diabetes-Schulung,
  • die Druckentlastung durch geeignetes Schuhwerk (orthopädische/r Schuhmacher/in) und
  • spezielle Fußpflege durch geschulte Fußpflegerinnen und -pfleger.
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