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Fußpflege © Alexander Raths

Diabetes: Folgeerkrankungen

Ein chronisch erhöhter Blutzuckerspiegel und eine schlechte Blutzuckereinstellung schädigen u.a. Nerven und Gefäße und führen zu einer Reihe von Folgeerkrankungen. Spätkomplikationen zeigen sich an unterschiedlichen Organen wie dem Herzen, den Augen und den Nieren. Diese Schädigungen verursachen höhere Krankheits- und Sterblichkeitsraten bei zuckerkranken Menschen im Vergleich zu Gesunden. So ist das Risiko einer Gefäßerkrankung (Arteriosklerose) bei Diabetikerinnen und Diabetikern höher als bei der Normalbevölkerung.

Je länger eine schlechte Blutzuckereinstellung besteht, desto wahrscheinlicher ist es, dass Diabetes-Patientinnen und -Patienten an Folgeerkrankungen leiden. Eine gute Blutzuckereinstellung ist daher eine der wichtigsten präventiven Maßnahmen.   

Herz- und Gefäßkrankheiten

Eine dauerhaft erhöhte Zuckerkonzentration im Blut schädigt die Innenwände der Blutgefäße. Ablagerungen und Gerinnsel können entstehen, die Blutgefäße werden enger oder verstopfen sogar vollständig. Das kann zu schwerwiegenden Komplikationen wie der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (paVK) oder zu Herzinfarkt  und Schlaganfall führen.

Das Risiko für solche Gefäßschäden ist bei Diabetikerinnen und Diabetikern beider Typen erhöht. Bei Typ-2-Diabetikerinnen und -Diabetikern finden sich jedoch neben dem hohen Blutzucker oft auch erhöhte Blutfettwerte (Hyperlipidämie), ein zu hoher Blutdruck und eine „bauchbetonte“ Fettleibigkeit (Metabolisches Syndrom). Diese Faktoren steigern das Risiko für Gefäßschäden und die Entstehung von Arteriosklerose (Arterienverkalkung) noch zusätzlich. Hohe Blutfett- und Blutdruckwerte müssen daher immer mitbehandelt werden. Da der erhöhte Blutzucker das Cholesterin "aggressiver" macht, gelten für Menschen mit Diabetes niedrigere Zielwerte (LDL-Cholesterin unter 70 mg/dl).

Weitere krankhafte Gefäßveränderungen infolge einer chronischen Überzuckerung können mithilfe einer guten Blutzuckereinstellung verhindert bzw. verzögert werden.

Diabetische Retinopathie

Eine der häufigsten Komplikationen bei Diabetes mellitus betrifft die Augen. Hierzu kommt es ebenfalls durch eine Schädigung von Blutgefäßen: Aufgrund des chronisch hohen Blutzuckers können sich Diabetes-typische Schädigungen der kleinsten Gefäße (Mikroangiopathie) der Retina (Netzhaut des Auges) entwickeln. Dadurch kann die Netzhaut nicht mehr richtig versorgt werden und ist in ihrer Funktion eingeschränkt. Anfangs wird das von den Betroffenen oft gar nicht bemerkt. Erst in fortgeschrittenen Stadien tritt ein Verlust der Sehschärfe auf. Ein möglichst frühes Erkennen ist jedoch wichtig, um ein Fortschreiten zumindest zu verzögern. Denn die diabetische Retinopathie kann bis zur Erblindung führen. Es kann ebenfalls zu einer Schwellung der Makula (Makulaödem) kommen, was zu einer Sehverschlechterung führt. Sie wird zumeist mittels Medikamenten, die in den Augapfel injiziert werden, behandelt.

Für die Ärztin/den Arzt ist die Erkrankung ein Frühindikator für Gefäßschäden im gesamten Organismus. Neben der Normalisierung des Blutzuckers sind eine gute Einstellung des Blutdrucks und der Blutfette sowie der Verzicht auf das Rauchen die Eckpfeiler von Prävention und Therapie. Je nach Stadium kommen als weitere Therapiemaßnahmen die Injektion von Medikamenten in das Auge, eine Laserbehandlung oder sogar eine Operation infrage.
 
Als vorbeugende Maßnahme wird Diabetikerinnen und Diabetikern einmal jährlich eine augenärztliche Untersuchung empfohlen. Dadurch können Veränderungen rechtzeitig erkannt werden. 

Diabetische Nephropathie

Ernsthafte Spätkomplikationen können bei Diabetikerinnen und Diabetikern auch aufgrund der Schädigung kleiner Gefäße in der Niere entstehen – vor allem bei lange andauernder schlechter Blutzuckereinstellung und hohem Blutdruck. In der Niere finden sich unzählige, sehr dichte Geflechte kleinster Blutgefäße. Durch sie fließt das Blut in die Niere, wird dort gefiltert und wieder in den Kreislauf zurückgeleitet.

Wenn diese kleinen Blutgefäße geschädigt werden (z.B. durch andauernde zu hohe Blutzuckerkonzentration), lässt auch die Filterfunktion der Nieren nach; bestimmte Stoffe sammeln sich übermäßig im Blut an, andere werden vermehrt über den Harn ausgeschieden. Eine zunehmende Schädigung der Nieren zieht Störungen im Wasser- und Elektrolythaushalt sowie im Säure-Basen-Gleichgewicht nach sich und kann letztlich lebensgefährlich werden.

Die diabetische Nierenerkrankung bzw. diabetische Nephropathie wird durch Begleiterkrankungen des Diabetes noch begünstigt; denn nicht nur zu hohe Blutzuckerwerte, sondern auch ein zu hoher Blutdruck und zu hohe Blutfettwerte schädigen die kleinen Gefäße. Daher müssen all diese Risikofaktoren behandelt werden.

Derzeit wird bei Diabetes mellitus jährlich eine Kontrolle der Eiweißausscheidung im Harn (Mikroalbuminurie) durchgeführt. Sie gibt der Ärztin/dem Arzt einen Hinweis auf eine mögliche bestehende diabetische Nephropathie. 

Eine rechtzeitige medikamentöse Behandlung kann das Fortschreiten der Erkrankung verhindern (ACE-Hemmer oder Sartane). Ist die Nierenfunktion zu stark eingeschränkt, müssen die betroffenen Patientinnen und Patienten regelmäßig zur Dialyse (Blutwäsche) bzw. sich einer Nierentransplantation unterziehen. Hier gilt es – wie bei anderen Folgeerkrankungen von Diabetes mellitus –, den Blutzucker und Blutdruck gut einzustellen. 

Diabetische Neuropathie

Nervenschädigungen zählen zu den häufigsten Folgeerkrankungen von Diabetes, rund die Hälfte aller Betroffenen weisen typische Symptome auf. Ein über lange Zeit zu hoher Blutzuckerspiegel schädigt insbesondere das periphere Nervensystem im gesamten Körper; Empfindungsstörungen sind die Folge. Die sogenannte diabetische Neuropathie äußert sich zunächst durch Gefühlsverlust und Kribbeln, beginnend oft an den Zehen. Vielfach bestehen zudem Störungen der Temperatur- und Schmerzempfindung, selten treten auch heftige Schmerzen auf (neuropathische Schmerzen). Auch das diabetische Fußsyndrom ist eine mögliche Folge der Nervenschädigungen.

Außerdem können durch die diabetische Neuropathie Funktionsstörungen in zahlreichen Organen entstehen, wenn das sogenannte autonome Nervensystem betroffen ist. Dazu zählen unter anderem das Nervensystem des Herz-Kreislauf-Systems, des Magen-Darm- und Urogenital-Traktes. Dies kann sich etwa durch Herzrhythmusstörungen, Entleerungsstörungen von Magen, Darm und Blase oder Impotenz (erektile Dysfunktion) bemerkbar machen.

Bei Diabetikerinnen und Diabetikern werden regelmäßig gezielte Untersuchungen durchgeführt, um mögliche Nervenschädigungen frühzeitig zu erkennen. Dazu zählen z.B. die Prüfung des Schmerz- und Temperaturempfindens sowie der Vibrationsempfindung und die Testung der Sehnenreflexe.

Wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung und zur Behandlung von Nervenschädigungen ist eine Optimierung der Blutzuckerwerte. Neuropathische Schmerzen können zudem mit Schmerzmitteln oder in bestimmten Fällen mit Antidepressiva behandelt werden. Auch physikalische Therapiemaßnahmen kommen zum Einsatz. Ist das autonome Nervensystem betroffen, wird eine symptomatische Behandlung durchgeführt (z.B. antiarrhythmische Therapie bei Herzrhythmusstörungen).

Diabetisches Fußsyndrom

Einer der häufigsten und gleichzeitig schwerwiegendsten Langzeitschäden zeigt sich im Bereich der Unterschenkel und der Füße. Dabei spielen verschiedene Einflussfaktoren eine Rolle, u.a. die diabetische Neuropathie, krankhafte Gefäßveränderungen mit Durchblutungsstörungen sowie eine gestörte Wundheilung:

Die Schädigung von Nerven führt zu einer Fehlbelastung der Füße mit der Entwicklung von Druckstellen, welche von der Patientin oder dem Patienten oftmals nicht bemerkt werden. Auch kleinste Verletzungen (beispielsweise durch zu enge Schuhe oder falsche Nagelpflege) werden mitunter nicht gespürt. Gleichzeitig besteht bei Diabetikerinnen und Diabetikern eine erhöhte Infektionsanfälligkeit, wodurch sich kleine Verletzungen leichter entzünden. Darüber hinaus ist bei den Betroffenen oft auch die Wundheilung gestört; so werden aus kleinen, zunächst harmlosen Wunden relativ schnell Geschwüre (Ulzera), die sich in Größe und Tiefe ausdehnen und sogar den Knochen befallen können. Im schlimmsten Fall muss eine Amputation des Fußes vorgenommen werden. 

Um diese Komplikation zu vermeiden, ist es für Diabetikerinnen und Diabetiker besonders wichtig, die Füße und Zehenzwischenräume regelmäßig kontrollieren zu lassen und täglich selbst genau zu inspizieren. Kleinste Verletzungen sollten sofort und sorgfältig versorgt  bzw. von der Ärztin/dem Arzt behandelt werden.

Betroffene sollten es vermeiden, barfuß zu gehen. Die Schuhe müssen genau passen und sollten optimalerweise von einem orthopädischen Schuhmacher angepasst werden. Bei der Fußpflege ist darauf zu achten, die Zehenzwischenräume möglichst trocken zu halten, um Pilzinfektionen zu vermeiden. Sehr trockene Haut an den Füßen sollte mit einer speziellen Pflegecreme versorgt werden, die Zehennägel müssen regelmäßig vorsichtig gekürzt werden. Speziell geschulte Fußpflegerinnen und -pfleger können eine fachgerechte Pediküre durchführen. Wichtig für die Prävention und Therapie sind neben der optimalen Blutzuckereinstellung auch der Verzicht auf Alkohol und Nikotin und eine gute Diabetes-Schulung. 

Wohin kann ich mich wenden?

Für die Behandlung und das Management von Diabetes ist primär eine Ärztin/ein Arzt für Allgemeinmedizin bzw. eine Fachärztin/ein Facharzt für Innere Medizin zuständig. Je nach Begleit- bzw. Folgeerkrankung können weitere Fachärztinnen/Fachärzte zur Betreuung hinzugezogen werden, z.B. aus den Fachgebieten der Neurologie, der Augenheilkunde, der Urologie oder der Nephrologie. 

Eine strukturierte Betreuung erhalten Patientinnen und Patienten im Rahmen des "Therapie-Aktiv"-Programmes. Es sieht regelmäßige Kontrolluntersuchungen vor und stellt sicher, dass jede Patientin/jeder Patient die individuell notwendige medizinische Versorgung erhält. Teilnehmende Ärztinnen und Ärzte gibt es in allen Bundesländern.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnosemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Bei bestimmten Untersuchungen (z.B. MRT) kann eine chefärztliche Bewilligung erforderlich sein. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

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