Metabolisches Syndrom
Inhaltsverzeichnis
Was ist das metabolische Syndrom?
Als metabolisches Syndrom wird das gleichzeitige Vorliegen bestimmter Risikofaktoren bzw. Gesundheitsprobleme bezeichnet. Das sind:
- starkes Übergewicht, auch: Adipositas,
- zu hohe Blutfette, auch: Hyperlipidämie,
- zu hoher Blutzucker, auch: Vorstufe von Diabetes oder Diabetes Typ 2,
- zu hoher Blutdruck, auch: Hypertonie.
Durch diese Kombination erhöht sich das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Diabetes Typ 2 deutlich. Eine gezielte Behandlung kann die Entstehung von Folgeerkrankungen vermeiden.
Fachleute bezeichnen das metabolische Syndrom auch als Insulin-Resistenz-Syndrom oder Syndrom X. Umgangssprachlich wird es auch Wohlstands-Syndrom genannt.
Wie häufig ist das metabolische Syndrom?
Die Zahl der Menschen mit metabolischem Syndrom ist in den letzten Jahrzehnten gestiegen. Zirka jede dritte bis vierte Person weltweit hat ein metabolisches Syndrom. Auch Kinder und Jugendliche sind immer häufiger vom metabolischen Syndrom betroffen. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.
Welche Ursachen hat das metabolische Syndrom?
Das metabolische Syndrom entwickelt sich häufig über längere Zeit. Ähnlich wie bei Diabetes Typ 2 wird es durch einen ungesunden Lebensstil begünstigt. Dazu gehören vor allem eine Ernährung mit viel Zucker und vielen Kalorien sowie zu wenig Bewegung. Beides kann starkes Übergewicht begünstigen. Starkes Übergewicht wird auch Adipositas genannt und kann den Stoffwechsel im ganzen Körper beeinflussen.
Nähere Informationen zur Entstehung und zu möglichen Folgen von starkem Übergewicht finden Sie unter Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen.
Weitere Risikofaktoren für die Entstehung eines metabolischen Syndroms sind u.a.
Was sind Anzeichen für das metabolische Syndrom?
Fachleute sprechen vom metabolischen Syndrom, wenn starkes Übergewicht vorliegt und noch weitere gesundheitliche Probleme dazukommen.
Folgende Werte werden zur Beurteilung verwendet (gemäß International Diabetes Federation, IDF):
Bauchbetontes, starkes Übergewicht, Taillenumfang = Bauchumfang:
-
- Frauen: Bauchumfang ≥ 80 cm,
- Männer: Bauchumfang ≥ 94 cm oder
- BMI über 30 kg/m2
und zwei weitere oder mehr gesundheitliche Auffälligkeiten bzw. bereits bestehende Behandlungen in folgenden Bereichen:
- Blutfettwerte:
-
- Triglyzeride ≥ 150 mg/dl
- HDL-Cholesterin: Frauen < 50 mg/dl, Männer < 40 mg/dl
- oder Behandlung erhöhter Blutfette durch Medikamente.
-
- erhöhter Blutdruck:
- ≥ 130 mmHg systolischer oder
- ≥ 85 mmHg diastolischer Blutdruck
- oder Behandlung eines erhöhten Blutdrucks durch Medikamente.
- erhöhter Nüchtern-Blutzucker:
- ≥ 100 mg/dl,
- Diabetes Typ 2,
- oder Behandlung mit Diabetes-Medikamenten.
Weitere Anzeichen beim metabolischen Syndrom
Häufig kommen beim metabolischen Syndrom noch weitere gesundheitliche Auffälligkeiten hinzu. Dazu zählen u.a.:
- erhöhte Harnsäurewerte: Gicht,
- erhöhte Entzündungswerte im Blut: Immunsystem in Alarmbereitschaft,
- Veränderungen in der Blutgerinnung: Thrombose-Neigung, und
- der Körper reagiert schlechter auf Insulin. Vorstufe zu Diabetes Typ 2.
Welche Folgen kann das metabolische Syndrom haben?
Das metabolische Syndrom erhöht das Risiko für Gefäßschäden, auch: Arteriosklerose, und somit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall oder Angina pectoris. Das metabolische Syndrom erhöht auch das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken.
Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bei Personen mit einem metabolischen Syndrom 2- bis 3-mal so hoch als bei gesunden Personen. Das Risiko, einen Diabetes Typ 2 zu entwickeln, ist 5-mal so hoch.
Zudem ist das Risiko für u.a. folgende Erkrankungen erhöht:
- Fettansammlung in der Leber: nicht alkoholische Fettleber bis hin zu Zirrhose,
- Leberkrebs,
- obstruktive Schlafapnoe,
- chronische Nierenerkrankungen, z.B. Schädigung der Nieren, Nieren-Insuffizienz,
- Gicht,
- PCO-Syndrom bei Frauen.
Wie kann man dem metabolischen Syndrom vorbeugen?
Ein gesunder Lebensstil kann der Entstehung des metabolischen Syndroms entgegenwirken. Dazu zählen u.a.
- Normalgewicht BMI zwischen 18,5–24,9 kg/m2,
- Gewichtsabnahme bei Übergewicht,
- ausgewogene Ernährung,
- ausreichend Bewegung in Alltag und Freizeit sowie
- Rauchstopp.
Wie erfolgt die Diagnose?
Die Ärztin oder der Arzt wird sich im Gespräch mit der Patientin oder dem Patienten über das Befinden sowie das Körpergewicht und dessen Verlauf informieren. Sie oder er wird auch nach bestimmten Erkrankungen innerhalb der Familie fragen. Zum Beispiel: Sind weitere Personen innerhalb der Familie stark übergewichtig? Hatte jemand einen Herzinfarkt oder Schlaganfall? Gab es oder gibt es in der Familie Diabetes?
Da das metabolische Syndrom eine Kombination aus verschiedenen Gesundheitsproblemen ist, folgen mehrere körperliche Untersuchungen: Die Ärztin oder der Arzt wird dazu das Körpergewicht, den Bauchumfang und die Körpergröße messen. Sie oder er wird auch den Body Mass Index bestimmen. Weiters wird der Blutdruck gemessen. Sie oder er wird eine Blutuntersuchung anraten. Nähere Auskunft geben folgende Werte, u.a.:
- Blutfette,
- Blutzucker, eventuell auch Langzeit-Zuckerwert HbA1c
- Leber-Enzyme,
- Harnsäure,
- Entzündungswerte wie z.B. CRP.
Bei Verdacht auf eine Zucker-Stoffwechsel-Störung kann die Ärztin oder der Arzt weitere Untersuchungen vorschlagen wie z.B. Blutzucker-Belastungstest (oGTT). Die Ärztin oder der Arzt schließt auch andere Erkrankungen aus.
Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es?
Die Behandlung des metabolischen Syndroms besteht u.a. aus Anpassungen im Lebensstil. Einfluss haben vor allem eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und ein möglicher Rauchstopp. Im Mittelpunkt der Behandlung steht eine langfristige Gewichtsabnahme. Denn: Das verbessert alle weiteren Symptome des metabolischen Syndroms.
Eine Gewichtsabnahme verbessert u.a.:
- den Bauchmfang,
- den Blutdruck,
- die Blutfettwerte und
- den Blutzucker.
Die Ärztin oder der Arzt berät zu möglichen und sinnvollen individuellen Therapiemaßnahmen.
Welche Rolle spielt die Ernährung?
Eine Ernährung mit viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen, pflanzlichen Ölen und wenig Salz unterstützt bei der Gewichtsabnahme und kann den Blutzucker, die Blutfette sowie den Blutdruck verbessern.
Weitere Informationen finden Sie unter Österreichische Ernährungsempfehlungen und Abnehmen mit Ernährung.
Welche Rolle spielt die Bewegung?
Ausreichend Bewegung in Alltag und Freizeit unterstützen eine Gewichtsabnahme. Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass beim metabolischen Syndrom insbesondere eine Kombination aus Ausdauer- und Kraftsport den Stoffwechsel verbessert.
Weitere Informationen finden Sie unter Österreichische Bewegungsempfehlungen und Abnehmen mit Bewegung.
Wie viel Gewicht soll man abnehmen?
Fachleute empfehlen Personen mit metabolischem Syndrom oder starkem Übergewicht eine Gewichtsabnahme von 5 bis 10 Prozent innerhalb eines Jahres. Das entspricht bei einer 100 kg schweren Person einer Gewichtsabnahme von 5 bis 10 kg.
Manchmal reichen Anpassungen im Ernährungs- und Bewegungsverhalten nicht aus, um das Körpergewicht zu reduzieren. Dann stehen bei starkem Übergewicht weitere Methoden zur Verfügung, z.B. Medikamente oder einer Operation am Magen.
Weitere Informationen zum Thema starkes Übergewicht finden Sie unter Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen sowie unter Behandlung von Adipositas bei Erwachsenen.
Medizinische Behandlung weiterer Symptome
Reichen die Anpassungen im Lebensstil und die Gewichtsabnahme nicht aus, um den Stoffwechsel sowie den Blutdruck zu verbessern, können diese zusätzlich medizinisch behandelt werden. Zum Beispiel mit Medikamenten gegen zu hohen Blutdruck, zu hohe Blutfette oder gegen einen zu hohen Blutzucker.
Informationen zu den jeweiligen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie unter:
Wohin kann ich mich wenden?
Zur Früherkennung gibt es folgende Möglichkeiten:
Für Abklärung und Diagnose können Sie sich z.B. an folgende Stellen wenden:
Für weiterführende Diagnostik, Behandlung und Beratung können folgende Stellen hilfreich sein:
- Ärztin oder Arzt mit Spezialdiplom Ernährungsmedizin
- Ärztin oder Arzt mit Spezialisierung auf Stoffwechsel
- Spezialisierte Ambulanz, z.B. Adipositas-Ambulanzen in Österreich (Österreichische Adipositas Gesellschaft)
- Diätologin oder Diätologe
- Physiotherapeutin oder Physiotherapeut
Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?
Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:
- Recht auf Behandlung
- Arztbesuch: Kosten und Selbstbehalte
- Was kostet der Spitalsaufenthalt
- Rezeptgebühr: So werden Medikamentenkosten abgedeckt
- Reha & Kur
- Heilbehelfe & Hilfsmittel
- Gesundheitsberufe A-Z
sowie über den Online-Ratgeber Kostenerstattung der Sozialversicherung.
- AMBOSS (2026): Metabolisches Syndrom. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.amboss.com
- Herold Innere Medizin Online (2025): Metabolisches Syndrom. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.pschyrembel.de
- Söderlund, S.; Syvänne, M. (2024): Metabolisches Syndrom (MetS). EbM-Guidelines. Online abge-rufen im Mai 2026 unter www.ebm-guidelines.at
- Up To Date (2026): Patient education: Metabolic syndrome (The Basics). UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.uptodate.com (Registrierung erforderlich).
- Meigs, J. (2024): Patient education: Metabolic syndrome (Beyond the Basics). UpToDate. Wal-tham, MA: UpToDate Inc. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.uptodate.com (Registrierung erforderlich).
- Meigs, J. (2026): Metabolic syndrome (insulin resistance syndrome or syndrome X). Up-ToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.uptodate.com (Registrierung erforderlich).
- Österreichische Gesellschaft für Ernährung (2024): Metabolisches Syndrom. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.oege.at
- International Diabetes Federation, IDF (2006): The IDF consensus worldwide definition of the me-tabolic syndrome. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.idf.org
- Pietiläinen, K. (2025): Konservative (nicht-chirurgische) Behandlung der Adipositas. EbM-Guide-lines. Online abgerufen im März 2026 unter www.ebm-guidelines.at
Letzte Aktualisierung: 1. Juli 2026
Erstellt durch: Redaktion Gesundheitsportal
Expertenprüfung durch: Univ. Doz. Dr. Cem Ekmekcioglu, Facharzt für Physiologie; Zusatz: ÖÄK-Diplom für Ernährungsmedizin