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Mann mit Bierflasche © Voyagerix

Alkoholische Leberkrankheit

Übermäßiger Alkoholkonsum über einen längeren Zeitraum führt zu einem breiten Spektrum an Leberschädigungen, die von der Fettleber (Steatosis hepatis) über das Zwischenstadium der „alkoholischen Hepatitis“ bis hin zu Leberzirrhose und lebensbedrohlichem Leberkoma reichen . . .

Bei Frauen liegt die Grenze zum Alkoholmissbrauch bei einem halben Liter Wein, bei Männern bei drei Vierteln pro Tag. Wichtige Faktoren für den Schweregrad der alkoholischen Leberschädigung sind die Menge des konsumierten Alkohols, die Dauer des Alkoholmissbrauchs (kritische Zeitspanne: acht Jahre), der Ernährungszustand der/des Betroffenen sowie genetische (erblich bedingte) und metabolische (auf den Stoffwechsel bezogene) Faktoren.

Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum

  • Fettleber (Steatosis hepatis): Sie ist die erste Folge von übermäßigem Alkoholkonsum, kann sich jedoch zurückbilden. Es kommt zu einer Ansammlung von großen Tropfen von Triglyceriden, die Leberzellen verdrängen und die Mitochondrien (Kraftwerke der Zelle) schädigen. Der Leberumfang nimmt zu, und die Leber wird auf Druck schmerzempfindlich.

  • Alkoholische Hepatitis (Steatohepatitis): Sie ist eine Kombination aus Fettleber und Leberentzündung. Die Erkrankung kann sich bei Alkoholkarenz zurückbilden. Es kommt zu einer Schwellung der Leber und zur Zerstörung von Leberzellen. In den Leberzellen bilden sich Eiweißfasern. Durch die Bindegewebsvermehrung in den kleinen Lebervenen vermindert sich die Leberdurchblutung. Dadurch kommt es zu einem Hochdruck im Pfortadersystem (portale Hypertension).

    Ein leichter Verlauf der alkoholischen Hepatitis ist durch erhöhte Müdigkeit, Gelbsuchtund Schmerzen im rechten Oberbauch gekennzeichnet. Bei einem schweren Verlauf treten Gelbsucht (Ikterus), Bauchwasser (Aszites), Unterzuckerung (Hypoglykämie) sowie Störungen des Elektrolythaushaltes (Natrium, Kalium, Chlorid), der Leberfunktion, der Blutgerinnung und der Hirnfunktion (hepatische Enzephalopathie) auf. Die Sterblichkeit bei einem schweren Verlauf liegt bei etwa 50 Prozent.

  • Zirrhose: Eine Leberzirrhose als Endstadium der Leberschädigung entwickelt sich bei zehn bis 20 Prozent der Alkoholkranken. Frauen sind u.a. aufgrund des geringeren Gehalts an einem speziellen Enzym in ihrer Magenschleimhaut (Alkoholdehydrogenase) wesentlich gefährdeter als Männer. Wegen diesem relativen Enzymmangel können Frauen Alkohol nicht so rasch verstoffwechseln wie Männer. Die Empfindlichkeit gegenüber Alkohol wird auch durch andere genetische Faktoren, Eiweißmangel, Zufuhr einer großen Menge ungesättigter Fettsäuren, Eisenablagerung in der Leber (Hämochromatose, Eisenspeicherkrankheit) und Hepatitis C erhöht. Bei dieser fortgeschrittenen Leberkrankheit wird die normale Leberarchitektur durch ausgeprägte Fibrose zerstört. Es kommt zur Knotenbildung und schließlich zu einer Leberschrumpfung. Die Erkrankung kann von leicht bis schwer verlaufen.

Im fortgeschrittenen Stadium der Zirrhose kann die Leber die Funktionseinschränkungen nicht mehr kompensieren und seine Aufgaben daher nicht mehr erfüllen. Man spricht daher von dekompensierter Leberzirrhose. Diese kann mit gravierenden Komplikationen verbunden sein.

Häufig kommt es zu Pfortaderhochdruck (portale Hypertonie) mit den Folgen von Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen) und Magen, die aufbrechen und zu Blutungen führen können. Hierbei ist ein Erbrechen von Blut ebenso möglich wie pechschwarzer Stuhl (sogenannter Teerstuhl durch verdautes Blut). Außerdem treten Bauchwasser, Funktionsstörungen des ZNS (hepatische Enzephalopathie) sowie Störungen der Leber- und Nierenfunktion (hepatorenales Syndrom) auf. Die Zirrhose kann auch zu einem Leberzellkarzinom führen.

Symptome

Die Beschwerden hängen stark vom Stadium und der Schwere der Krankheit ab. Meist sind Alkoholkranke erst nach dem 30. Lebensjahr betroffen. Schwere Leberschädigungen finden sich in dieser Patientengruppe häufig nach dem 40. Lebensjahr.

Diagnose

Bei Patientinnen/Patienten mit einem täglichen Konsum von mehr als 80 g reinem Alkohol wird eben dieser Alkohol als Ursache der Leberkrankheit angenommen. Labortests bei Verdacht auf eine Leberfunktionsstörung umfassen Lebertests, Blutbild und Hepatitis-Serologie. Es gibt jedoch keine besonderen Tests zum Nachweis einer alkoholischen Leberkrankheit. In den Blutbefunden können sich Erhöhungen der Transaminasen (GOT, GPT) und von γ-GT finden, aber auch Abnahmen von Vitamin B6 und Folsäure. Im Blutbild können sich Verminderungen von weißen und roten Blutkörperchen sowie Blutplättchen zeigen. Radiologische Befunde wie Ultraschall und Computertomographie des Oberbauchs können Hinweise auf Fettleber, Knotenbildung oder Aszites geben. Die Diagnose und der Schweregrad können durch eine Gewebeprobe aus der Leber gestellt werden.

Therapie, Prognose & Nachsorge

Die Hauptsäule in der Behandlung ist die Alkoholabstinenz. Dadurch kann es bei der alkoholischen Leberkrankheit innerhalb von sechs Wochen zu einer vollständigen Rückbildung einer Fettleber kommen. Eine Fibrose und eine Zirrhose können sich manchmal ebenfalls zurückbilden. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate von Patientinnen/Patienten mit Zirrhose und Komplikationen (Aszites, Blutungen) beträgt etwa 50 Prozent. Wenn man in diesem fortgeschrittenen Stadium der Leberkrankheit vollständig auf Alkohol verzichtet, kann sich die Prognose verbessern.

Unterstützende Maßnahmen sind z.B. eine gesundheitsfördernde Ernährung, eine ausreichende Zufuhr von Vitaminen und Spurenelementen sowie bei Entzugssymptomen die Verabreichung von Medikamenten zur Beruhigung und psychischen Entlastung. Kortikosteroide können unter Umständen bei schwerer alkoholischer Hepatitis günstige Effekte erzielen. Möglicherweise bieten auch Antioxidantien (Silymarin [Mariendistel], Vitamin A, Vitamin E, S-Adenosyl-l-Methionin) Vorteile durch Verbesserung der Leberschädigung.

In einem fortgeschrittenen Stadium kann eine Lebertransplantation notwendig werden. Die Fünf-Jahres-Überlebensraten nach einer Lebertransplantation liegen zwischen 50 und 80 Prozent. In der Regel wird vor einer Transplantation eine sechsmonatige Abstinenzphase gefordert, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass die Patientin/der Patient nach der Transplantation Alkohol meidet.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei Symptomen einer Lebererkrankung sollten Sie umgehend ärztliche Hilfe suchen. Wenn Sie Ihren Alkoholkonsum reduzieren wollen, kann Ihnen ein Beratungsgespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt für Allgemeinmedizin weiterhelfen. Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker können auf die Motivation der Patientin/des Patienten einen bedeutenden Einfluss haben.

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