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Mann mit Bierflasche © Voyagerix
Mann mit Bierflasche © Voyagerix

Alkoholische Leberkrankheit

Übermäßiger Alkoholkonsum über einen längeren Zeitraum führt zu einem breiten Spektrum an Leberschädigungen. Sie reichen von der Fettleber (Steatosis hepatis) über das Zwischenstadium der Leberentzündung (alkoholische Steatohepatitis - ASH) bis hin zu Leberzirrhose und lebensbedrohlichem Leberkoma. Die Alkoholverträglichkeit hängt von vielen Faktoren ab und ist daher individuell unterschiedlich.
Bei gesunden Frauen wird ein täglicher Konsum von zwölf Gramm Alkohol – das entspricht etwa einem Achtel Wein bzw. einem viertel Liter Bier - als risikoarm angesehen. Gesunde Männer vertragen in der Regel die doppelte Menge. Meist setzt die leberschädigende Wirkung von Alkohol bei der Frau ab einem häufigen Konsum von über 20 Gramm und beim Mann über 40 Gramm pro Tag ein. Leberschäden können jedoch auch schon unterhalb dieser Grenze auftreten.

Welche Ursachen hat die alkoholische Leberkrankheit?

Alle alkoholbedingten Erkrankungen der Leber entstehen durch toxische (giftige) Wirkungen von Alkohol (Ethanol) und seinen Abbauprodukten Acetaldehyd und Acetat auf das Lebergewebe. Zu Beginn entsteht eine Fettleber. Ausgeprägtere Schädigungen führen zu einer Alkoholhepatitis und zuletzt zu einer Leberzirrhose.

Einfluss auf den Schweregrad der alkoholischen Leberschädigung haben neben der Menge des konsumierten Alkohols und der Dauer des Alkoholkonsums noch weitere Faktoren:

  • Ernährung (z.B. die Zufuhr großer Mengen ungesättigter Fettsäuren, Fruktose oder Eiweißmangel);
  • potenziell leberschädigende Medikamente (z.B. Paracetamol, manche Antibiotika);
  • Geschlecht: Frauen sind u.a. aufgrund des geringeren Gehalts an einem speziellen Enzym in ihrer Magenschleimhaut und in der Leber (Alkoholdehydrogenase) wesentlich gefährdeter als Männer. Aufgrund dieses relativen Enzymmangels können Frauen Alkohol nicht so rasch verstoffwechseln wie Männer;
  • zusätzliche Erkrankungen: unter anderem Herzinsuffizienz, Eisenablagerung in der Leber (Hämochromatose oder Eisenspeicherkrankheit) sowie Hepatitis B, C und D;
  • verschiedene erblich bedingte Faktoren.

Alkoholische Fettleber (Steatosis hepatis)

Es kommt zu einer Einlagerung von Fetttröpfchen in die Leberzellen und einer Schädigung der Mitochondrien (Kraftwerke der Zelle).

Alkoholische Hepatitis (Steatohepatitis)

Sie ist eine Kombination aus Fettleber und Leberentzündung. Es kommt zu einer Schwellung der Leber und zur Zerstörung von Leberzellen sowie einer beginnenden Bildung von Bindegewebe (Fibrose). Schon eine alkoholische Hepatitis kann eine Verminderung der Leberdurchblutung nach sich ziehen. Dadurch entsteht ein Hochdruck in der Pfortader (portale Hypertension).

Leberzirrhose

Bei dieser fortgeschrittenen Leberkrankheit wird die normale Leberarchitektur durch ausgeprägte bindegewebige Umwandlung von Lebergewebe in Bindegewebe zerstört (Fibrose). Es kommt zur Knotenbildung und schließlich zu einer Leberschrumpfung.

Im fortgeschrittenen Stadium der Leberzirrhose kann die Leber die Funktionseinschränkungen nicht mehr kompensieren und ihre Aufgaben daher nicht mehr erfüllen. Es entwickelt sich eine sogenannte dekompensierte Leberzirrhose. Diese kann mit gravierenden Komplikationen verbunden sein. Eine portale Hypertension entwickelt sich bei der Leberzirrhose schon sehr früh. Im weiteren Verlauf kann auch ein Leberzellkarzinom entstehen.

Welche Symptome können auftreten?

Die Beschwerden hängen stark von Stadium und Schweregrad der Krankheit ab. Meist sind Alkoholkranke erst nach dem 30. Lebensjahr von einer Leberschädigung betroffen. Schwere Leberschädigungen finden sich in dieser Patientengruppe häufig nach dem 40. Lebensjahr.

Größe und Druckschmerz der Leber

Schon bei der Fettleber nimmt der Leberumfang zu (Hepatomegalie), und die Leber wird auf Druck schmerzempfindlich. Die Hepatitis ist auch durch eine Vergrößerung und Druckschmerzhaftigkeit der Leber gekennzeichnet. Bei der Zirrhose wird die Leber dann wieder kleiner und fühlt sich beim Abtasten über die Bauchdecke hart an. Bei einer fortgeschrittenen Leberzirrhose kann die Leber durch die starke Verkleinerung des Organs oft nicht mehr ertastet werden.

Alkoholhepatitis

Ein leichter Verlauf der alkoholischen Hepatitis ist durch erhöhte Müdigkeit, Übelkeit und Schmerzen im rechten Oberbauch gekennzeichnet. Auch Gelbsucht (Ikterus) und Fieber können auftreten, und es kann zu einer Vergrößerung der Milz (Splenomegalie) und zu Gewichtsverlust kommen. Bei einem schweren Verlauf treten Gelbsucht, Bauchwasser (Aszites), Unterzuckerung (Hypoglykämie) sowie Störungen des Elektrolythaushaltes (Natrium, Kalium, Chlorid), der Blutgerinnung und der Hirnfunktion (hepatische Enzephalopathie) auf. Die Sterblichkeit bei einem schweren Verlauf ist hoch.

Leberzirrhose

Häufig kommt es zu Pfortaderhochdruck (portale Hypertension) mit den Folgen von Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen) und im Magen, die aufbrechen und zu lebensbedrohlichen Blutungen führen können. Hierbei ist ein Erbrechen von rotem bzw. geronnenem schwarzem (kaffeesatzartigem) Blut ebenso möglich wie pechschwarzer Stuhl (sogenannter Teerstuhl durch verdautes Blut). Auch an der Bauchdecke können ein verstärktes Durchschimmern von erweiterten Venen bzw. Krampfadern im Nabelbereich (Caput medusae) erkannt werden. Außerdem können Bauchwasser und Funktionsstörungen des zentralen Nervensystems (hepatische Enzephalopathie) auftreten. Zusätzlich nimmt die Körperbehaarung an der Bauchdecke ab. Es bilden sich kleine spinnenförmige Besenreiser an der Haut (Spider naevi), und die Haut der Handinnenflächen ist gerötet. Unter anderem kommen auch Störungen der Nierenfunktion (hepatorenales Syndrom) sowie der Lungenfunktion (hepatopulmonales Syndrom) vor.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Wenn Hinweise auf eine Leberschädigung (z.B. erhöhte Leberfunktionsparameter im Blut) festgestellt werden, befragt die Ärztin/der Arzt die Patientin/den Patienten nach ihren/seinen Trinkgewohnheiten. Oft wird diese Frage von den Betroffenen unter anderem aus Scham nicht aufrichtig beantwortet. Ab einem Konsum von über 20 Gramm (Frauen) bzw. 40 Gramm (Männer) Alkohol kann dieser als Ursache oder zumindest als Zusatzbelastung bei einer anderen Lebererkrankung in Betracht gezogen werden. Bei Patientinnen/Patienten mit einem täglichen Konsum von mehr als 80 Gramm reinem Alkohol wird ebendieser Alkohol als Ursache der Leberkrankheit angenommen. Andere mögliche Ursachen werden jedoch trotzdem immer überprüft. Bei bekanntem Alkoholmissbrauch wird die Funktion der Leber regelmäßig kontrolliert. 

In den Blutbefunden können sich Erhöhungen der Transaminasen (GOT, GPT) und von γ-GT finden, aber auch Abnahmen von Vitamin B1, Vitamin B6 und Folsäure. Im Blutbild können sich Verminderungen von weißen und roten Blutkörperchen sowie Blutplättchen zeigen. Die Gerinnungsparameter (Quick-Wert, INR) können verändert sein. Eine Erhöhung des sogenannten CDT(R) – Carbohydrate Deficient Transferrin rel. - spricht für einen längerfristigen übermäßigen Alkoholkonsum. Dieser Wert kann jedoch manchmal trotz ausgeprägtem Alkoholkonsum auch im Normbereich liegen.

Radiologische Befunde wie Ultraschall, Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) des Oberbauchs können Hinweise auf eine Fettleber, Knotenbildung oder Aszites geben. Durch eine spezielle Untersuchung der Elastizität des Lebergewebes mittels Ultraschall (Elastographie) kann überprüft werden, ob eine Leberzirrhose vorliegt. Zur genauen Beurteilung des Lebergewebes kann eine Gewebeprobe aus der Leber entnommen werden (Biopsie).

Durch eine Magenspiegelung (Gastroskopie) können Ösophagus- und Magenvarizen erkannt werden. Zusätzlich kann mit Stuhlproben nicht sichtbares Blut von Blutungen im Magen-Darm-Trakt gesucht werden (Hämoccult).

Wie erfolgt die Behandlung der alkoholischen Leberkrankheit?

Die Hauptsäule in der Behandlung ist der Verzicht auf Alkohol (Alkoholabstinenz). Dadurch kann es bei der alkoholischen Leberkrankheit innerhalb von einigen Wochen zu einer vollständigen Rückbildung einer Fettleber kommen. Eine alkoholische Fettleberhepatitis und eine beginnende Zirrhose können sich manchmal ebenfalls zurückbilden. Bei der fortgeschrittenen Leberzirrhose kann ein Alkoholverzicht oft eine weitere bindegewebige Umwandlung von Lebergewebe aufhalten. Eventuell kann es auch zu einer teilweisen Rückbildung des bindegewebigen Umbaus kommen. Das kann eine Verbesserung der Beschwerden bzw. eine Verlängerung der Lebensdauer nach sich ziehen.

Unterstützende Maßnahmen sind z.B. eine gesundheitsfördernde Ernährung, eine ausreichende Zufuhr von Vitaminen und Spurenelementen sowie bei Entzugssymptomen die Verabreichung von Medikamenten zur Beruhigung und psychischen Entlastung.

Ein klarer Therapieerfolg konnte für die Antioxidantien Silymarin (Mariendistel), Vitamin A, Vitamin E, S-Adenosyl-l-Methionin nicht nachgewiesen werden.  

Kortikosteroide können unter Umständen bei schwerer alkoholischer Hepatitis günstige Effekte erzielen. Das durchblutungsfördernde Medikament Pentoxyphyllin kann eventuell das Risiko für einen tödlichen Verlauf der Alkoholhepatitis senken.

Weitere Informationen finden Sie unter Therapie der Leberzirrhose.

In einem fortgeschrittenen Stadium der Alkoholhepatitis und der Leberzirrhose kann eine Lebertransplantation notwendig werden. Organtransplantate sind sehr wertvoll. Daher werden Betroffene bevorzugt, bei denen die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass sie eine dauerhafte Alkoholabstinenz zum Schutz der transplantierten Leber einhalten können. In einigen Transplantationszentren wird daher vor einer Transplantation eine sechsmonatige Abstinenzphase gefordert. In anderen Zentren gibt es keine Vorschreibung der Dauer der Alkoholkarenz (Verzicht auf Alkohol) vor der Transplantation. Stattdessen wird die Vorgehensweise von Ärztinnen/Ärzten gemeinsam mit Psychologinnen/Psychologen entschieden, welche betroffene Patientinnen/Patienten ausführlich untersuchen und betreuen.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei Symptomen einer Lebererkrankung sollten Sie umgehend ärztliche Hilfe suchen. Sie können sich dabei an eine Ärztin/einen Arzt für Allgemeinmedizin bzw. eine Fachärztin/einen Facharzt für Innere Medizin (Internistin/Internist) wenden. Auf Lebererkrankungen sind Internistinnen/Internisten mit dem Zusatzfach Gastroenterologie und Hepatologie spezialisiert.

Wenn Sie Ihren Alkoholkonsum reduzieren wollen, kann Ihnen ein Beratungsgespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt für Allgemeinmedizin weiterhelfen. Diese/dieser kann Sie bei Bedarf zu einer Fachärztin/einem Facharzt für Psychiatrie bzw. zu einer Psychotherapeutin/einem Psychotherapeuten oder einer klinischen Psychologin/einem klinischen Psychologen überweisen.

Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker können auf die Motivation zum Alkoholverzicht einen bedeutenden Einfluss haben.

Hinweis Bluterbrechen (rot oder schwarz) ist ein Notfall! Es kann schnell ein lebensgefährlicher Blutverlust entstehen. Daher muss umgehend eine Notärztin/ein Notarzt gerufen werden (EU: 112, Österreich: 144). Auch Blut im Stuhl (roter oder schwarzer Stuhl) sollte umgehend ärztlich abgeklärt werden.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt (Behandlungsbeitrag) für Sie anfallen (z.B. BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Bei bestimmten Untersuchungen kann eine Bewilligung des leistungszuständigen Krankenversicherungsträgers (medizinischer Dienst – „Chefarzt“) erforderlich sein, ebenso wie bei bestimmten medikamentösen oder nicht medikamentösen Behandlungen, in manchen Fällen erst beim Erreichen eines bestimmten Ausmaßes der Erkrankung. Bei bestimmten Leistungen (z.B. stationären Aufenthalten, Hilfsmittel und Heilbehelfe) sind – je nach Krankenversicherungsträger – Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen. Die meisten Krankenversicherungsträger sehen – teilweise abhängig von der Art des Heilbehelfs – eine Bewilligung vor. Für Medikamente auf „Kassenrezept“ ist die Rezeptgebühr zu entrichten. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie z.B. über die Website Ihrer Sozialversicherung finden.

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