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Postakute Infektionssyndrome (PAIS)

Postakute Infektionssyndrome – abgekürzt PAIS – sind im Zusammenhang mit einer Reihe verschiedener Erreger bekannt. Es kommt dabei zum Auftreten von Symptomen nach einer Infektion in unterschiedlichen Schweregraden.

Die Forschung zu PAIS entwickelt sich laufend weiter. Noch sind viele Fragen offen, die Gegenstand aktueller Forschung sind: etwa zu ursächlichen Zusammenhängen, Behandlungsmöglichkeiten oder Verlaufsmöglichkeiten der Erkrankung. Derzeit orientiert sich die Behandlung an Symptomen sowie an der Bewältigung der Krankheit. Es gibt noch keine Behandlung, die an der Ursache wirkt bzw. heilend ist.

Dieser Artikel soll einen kompakten Überblick über allgemeine Eckpunkte zum Thema PAIS bieten, auf Basis von derzeitigen Erkenntnissen der Fachwelt.

PAIS: Was ist das?

Internationale Fachleute haben sich noch nicht auf eine einheitliche Definition von postakuten Infektionssyndromen – abgekürzt PAIS – geeinigt. PAIS sind im Zusammenhang mit einer Reihe verschiedener Erreger bekannt. Dazu zählen Viren wie SARS-CoV-2, Influenza, Epstein-Barr Virus (EBV) und Enteroviren sowie bakterielle Erreger. PAIS können bei Erwachsenen, aber auch Kindern und Jugendlichen auftreten. Es kann zu verschiedenen Symptomen im Rahmen eines sogenannten Syndroms kommen. Ein postakutes Infektionssyndrom kann in verschiedenen Schwergraden auftreten und unterschiedlich lange dauern.

Empfehlungen zur Versorgung und weitere Maßnahmen für Kinder, Jugendliche und  Erwachsene enthält der Aktionsplan zu PAIS. Die Zielsteuerung im Gesundheitswesen befasst sich mit einer Verbesserung der Versorgung von Menschen mit PAIS in Österreich.

Welche Ursachen haben PAIS?

Wie PAIS entstehen, ist noch nicht abschließend von der Fachwelt geklärt. Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass mehrere Faktoren dabei eine Rolle spielen. Das kann ein einzelner Faktor sein oder eine Kombination von Faktoren. Fachleute erklären sich die Vielfalt möglicher Symptome durch die Störung bestimmter Prozesse.

Am Beginn stehen laut Forschungen eine Infektion, seltener etwa auch eine Verletzung oder Operation. Diese werden als sogenannte Trigger beschrieben, die noch weiter zu untersuchende Prozesse bzw. eine Fehlsteuerung des Immunsystems auslösen. Im Immunsystem kann es dabei zu folgenden Auffälligkeiten bzw. krankhaften Veränderungen kommen:

  • andauernde Alarmbereitschaft des Immunsystems,
  • fehlerhafte Funktion von natürlichen Killerzellen,
  • Autoimmunität (das Immunsystem greift körpereigene Strukturen an),
  • Auffälligkeiten bei Zytokinen,
  • mögliche virale Persistenz oder Antigenpersistenz.  Unter viraler Persistenz oder Antigenpersistenz verstehen Fachleute das Bestehenbleiben eines Virus oder Teilen eines Erregers in Geweben, z.B. im Darm, bzw. Reaktivierung von Viren, die sich bereits im Körper befinden – wie z.B. Herpesviren. 

In der Folge können folgende Prozesse im Körper beeinträchtigt sein und Probleme verursachen:

  • Entzündungsprozesse, etwa von Gehirn bzw. Nerven – Neuroinflammation
  • Funktionsstörungen des vegetativen Nervensystems, z.B. bei der Kreislaufregulation
  • Funktionsstörungen im Stoffwechsel und der Funktion der sogenannten Mitochondrien. Mitochondrien sind Bestandteile von Zellen und für Stoffwechsel und Energieerzeugung wichtig.
  • Funktionsstörungen von Gefäßen bzw. Gefäßschichten/Durchblutungsprobleme.
  • Funktionsstörungen im Darm in Bezug auf Darmbakterien oder der Barrierefunktion von Darmgewebe.

Es kann auch zu Problemen mit der Blutgerinnung mit erhöhter Gerinnungsneigung kommen, sowie zu direkter Gewebeschädigung.

Welche Krankheitsbilder können bei PAIS auftreten?

Die Fachwelt zählt derzeit unter anderem folgende Krankheitsbilder zu PAIS:

  • postakute infektiöse Syndrome nach SARS-CoV-2: Long COVID oder Post-COVID Syndrom
  • Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS)
  • posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom (POTS): Störung der Kreislaufregulation, bei der die Herzfrequenz beim Aufstehen deutlich ansteigt. Mögliche Beschwerden sind etwa Schwindel, Herzrasen, Konzentrationsprobleme, Schwächegefühl bis hin zur Ohnmacht.
  • Fibromyalgie
  • Reaktive Arthritis nach einer Infektion: Gelenkentzündung, die einige Zeit nach bestimmten Infektionen – häufig des Magen-Darm-Trakts, der Harnwege oder der Geschlechtsorgane – auftreten kann.
  • chronische Epstein-Barr-Virus-Infektion; das Epstein-Barr-Virus ist der Erreger von Mononucleosis infectiosa (Pfeiffersches Drüsenfieber)
  • Post-Ebola-Syndrom: Fortbestehende Beschwerden nach einer Ebola-Erkrankung, etwa an den Augen, Muskeln, Gelenken oder Nerven.
  • Pediatric Autoimmune Neuropsychiatric Disorders Associated with Streptococcal Infections (PANDAS): Seltene Erkrankung im Kindesalter, bei der nach bestimmten Streptokokkeninfektionen plötzlich Symptome wie Tics oder Verhaltensänderungen auftreten können.
  • Anhaltende Probleme nach Dengue-Fieber: In seltenen Fällen können nach einer Dengue-Infektion längerfristige Symptome wie Fatigue, Schmerzen oder psychische Beschwerden bestehen bleiben.
  • Post-Lyme-Syndrom: Auch chronische Lyme-Borreliose genannt. Es handelt sich dabei um ein nicht konkret definiertes Syndrom als mögliche Komplikation bzw. Folge nach einer Borreliose. Dabei können u.a. Leistungseinschränkung, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen sowie weitere unspezifische Symptome auftreten.

Vor allem das Post-COVID-Syndrom sowie Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom werden derzeit in der Fachwelt vermehrt untersucht.

Die Ähnlichkeiten in den Symptomkomplexen geben Hinweise auf mögliche Gemeinsamkeiten in der Entstehung postakuter Syndrome nach einer Infektion mit unterschiedlichen Erregern. Es ist jedoch weitere Forschung dazu notwendig.

Von den genannten Syndromen grenzen Fachleute ab:

  • Symptome bzw. Krankheitsbilder aufgrund von organischen Veränderungen nach einer schweren Erkrankung, z.B. Schaden an der Lunge
  • Neu aufgetretene andere Erkrankungen mit oder auch ohne Zusammenhang mit der Viruserkrankung.

Welche Symptome sind typisch für PAIS? 

Zu sogenannten Symptomenkomplexen im Rahmen von PAIS können zählen:

Die Beschwerden können auch je nach Syndrom andauernd, wiederkehrend und/oder schwankend sein, sowie neu auftreten bzw. unterschiedlich lange verlaufen. Je nach Schweregrad und Lebenssituation sind zusätzlich psychosoziale Auswirkungen bzw. auch die soziale Teilhabe für Betroffene herausfordernd. 

Kann man PAIS vorbeugen?

Risikofaktoren für PAIS sind derzeit weiterhin Gegenstand der Forschung. Daher können noch keine verlässlichen umfassenden Aussagen zur Vorbeugung getroffen werden.

Wesentlich sind allerdings Maßnahmen, die vor einer Infektion bzw. Wiederinfektion mit dem jeweiligen Erreger schützen. Dabei spielen u.a. Hygieneaspekte sowie ausreichendes Wissen über die Erkrankung und damit auch verbundenes frühzeitiges Handeln eine Rolle – auch für die Personen im Umfeld, wie z.B. auch pflegende Angehörige.

Laut Fachleuten gibt es Hinweise darauf, dass eine frühe Anbindung an die Primärversorgung mit einer auf die betroffene Person abgestimmten Therapie einen chronischen Verlauf vermeiden oder zumindest verringern kann.

Für einige Infektionen, die im Zusammenhang mit PAIS stehen, gibt es Impfungen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Laut Fachleuten steht der Begriff PAIS allgemein für eine reine Beschreibung und Einordnung von Krankheitsbildern. Er ist nicht das Endergebnis eines diagnostischen Prozesses, sondern führt zu weiteren konkreteren Abklärungen der Beschwerden.

Die Diagnose in Hinblick auf PAIS erfordert im Allgemeinen eine fachübergreifende Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen bzw. Gesundheitsberufe und eine spezielle Kenntnis dieser Syndrome. Die Ärztin oder der Arzt informiert über mögliche und sinnvolle Untersuchungen.

Die Ärztin oder der Arzt erhebt die Krankengeschichte – die Anamnese. Sie oder er fragt genau nach den Symptomen und dem Verlauf des gesundheitlichen Befindens sowie möglichen auslösenden Faktoren, die Beschwerden eventuell verstärken. Auch spezifische Fragebögen können dabei zum Einsatz kommen, um die Symptome und deren Auswirkungen auf den Alltag gut zu verstehen. Die Ärztin oder der Arzt ordnet die Symptome gegebenenfalls einem möglichen PAIS nach Ausschluss anderer Erkrankungen zu.

Zudem erfolgt eine körperliche Untersuchung durch den Arzt oder die Ärztin. Es kann eine Messung von Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung und Körpertemperatur erfolgen. Gegebenenfalls werden Blutwerte bestimmt, eine Stuhlprobe untersucht und ein EKG geschrieben. Es gibt keine standardmäßigen Labormarker oder Testverfahren für alle PAIS-bezogenen Krankheitsbilder, jedoch für bestimmte Untergruppen, die PAIS zugeordnet sind. Die Ärztin oder der Arzt informiert dazu. Im Rahmen der Diagnostik können auch Skalen zur Beurteilung zum Einsatz kommen: u.a. zu Art und Stärke von Schmerzen, Funktionsfähigkeit im Alltag sowie soziale Teilhabe und Ähnliches. Weitere Gesundheitsberufe können in den Diagnose-Prozess eingebunden sein. 

Im ICD (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme)-10 sind einige Diagnosen im Zusammenhang mit PAIS aufgelistet. Beispiele dafür sind u.a.:

Hinweis

PAIS können als Berufskrankheit anerkannt werden, wenn sie durch bestimmte Infektionskrankheiten in einem definierten Arbeitsumfeld entstanden sind. Ein eindeutiger Nachweis, dass die Krankheit mit der Berufsausübung zusammenhängt, ist erforderlich. Weitere Informationen finden Sie im Aktionsplan zu PAIS. Allgemeine Informationen zu Berufskrankheiten finden Sie unter Berufskrankheiten sowie auf der Website der Arbeitsinspektion.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Behandlung von PAIS erfolgt in Orientierung an den jeweiligen Symptomen und der Lebenssituation. Sollten sonstige Erkrankungen bestehen, werden diese natürlich ebenso berücksichtigt. Derzeit gibt es noch keine Behandlung, die an der Ursache wirkt bzw. heilend ist. Die Therapiemöglichkeiten haben demnach das Ziel, die Symptome der Patientin oder des Patienten zu mildern sowie in der Bewältigung der Erkrankung zu unterstützen.

Die Behandlung von PAIS erfordert eine hohe Fachkenntnis. Eine fachübergreifende Behandlung sowie ein Austausch zwischen Gesundheitsberufen sind wesentlich. Unnötige bzw. schädliche medizinische Maßnahmen sollten vermieden werden.

Die meisten Therapien mit Medikamenten erfolgen derzeit off-label oder etwa im Rahmen von Studien.

Selbstmanagement-Techniken sowie das sogenannte Pacing sind für Betroffene wichtig – u.a., um mit Einschränkungen in Alltag und Beruf möglichst gut und auf gesundheitsförderliche Weise umzugehen. Ergotherapie sowie Physiotherapie können dabei spezifisch unterstützen. Psychotherapie sowie klinisch-psychologische Behandlung können ebenso bei Bedarf hilfreich sein.

Weitere Informationen zur Behandlung von ME/CFS finden Sie unter Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom.

Weitere Informationen zur Behandlung von Long Covid finden Sie unter Long Covid.

Nationales Referenzzentrum für postvirale Syndrome

Das Nationale Referenzzentrum für postvirale Syndrome dient als österreichweite Koordinationsstelle der Zusammenführung von Forschung und Wissen sowie der Vernetzung. Es stellt Informationen zu PAIS für Personen, die einen Gesundheitsberuf ausüben, und für Betroffene bereit. Im Referenzzentrum erfolgt jedoch keine Versorgung von Patientinnen und Patienten.

An wen kann ich mich wenden?

Eine Liste mit spezialisierten Anlaufstellen finden Sie unter Anlaufstellen für postakute Infektionssyndrome (PAIS).

Im Rahmen der Bundeszielsteuerung-Gesundheit wird gerade an einer Ausweitung der Versorgungsstrukturen zu PAIS gearbeitet, wobei die Entwicklungen in den Bundesländern derzeit dynamisch fortschreiten.

Für laufende Betreuung in Bezug auf PAIS können Sie sich auch an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt wenden bzw. an eine Primärversorgungs-Einheit – bei Kindern und Jugendlichen an die Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde bzw. eine Kinder-Primärversorgungs-Einheit. Es erfolgt je nach Bedarf die Einbindung weiterer Gesundheitsberufe sowie ggf. auch Sozialberufe. Ein Zusammenwirken verschiedener Fachrichtungen entsprechend einem individuellen – auf die Person und ihre Lebenssituation abgestimmten – Behandlungsplan ist bei PAIS wesentlich.

Eine Übersicht zu Selbsthilfegruppen finden Sie auf der Website der österreichischen Kompetenz- und Servicestelle für Selbsthilfe (ÖKUSS).

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

sowie über den Online-Ratgeber Kostenerstattung der Sozialversicherung.

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  • AMBOSS (2025): Reaktive Arthritis. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.amboss.com (Registrierung erforderlich)
  • AMBOSS (2026): Lyme-Borreliose. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.amboss.com (Registrierung erforderlich)
  • AMBOSS (2026): Scharlach. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.amboss.com (Registrierung erforderlich)
  • AMBOSS (2026): Synkope. Online abgerufen im Mai 2026 unter www.amboss.com (Registrierung erforderlich)
  • Arron, HE.; Marsh, BD.; Kell, DB.; Khan, MA.; Jaeger, BR.; Pretorius, E. (2024): Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome: the biology of a neglected disease. In: Front Immunol. 2024 Jun 3;15:1386607. doi: 10.3389/fimmu.2024.1386607. PMID: 38887284; PMCID: PMC11180809. Online abgerufen im Juni 2026 unter pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
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Letzte Aktualisierung: 26. Juni 2026

Erstellt durch:

Expertenprüfung durch: Prof. in (FH) Dr.in Ursula Costa, MA; Ergotherapeutin, Handlungswissenschaftlerin, Public-Health-Expertin

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