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Menschen überqueren die Straße © Dmytro
Menschen überqueren die Straße © Dmytro

COVID-19: Übertragung

Die Gruppe der Coronaviren umfasst eine Vielzahl an Viren, die unterschiedliche Erkrankungen auslösen können. Ende des Jahres 2019 wurde ein neues Mitglied der Virusfamilie entdeckt, das zuvor noch nie bei Menschen nachgewiesen wurde. Es trägt den Namen SARS-CoV-2, meist ist vom „neuartigen Coronavirus“ die Rede. Die Erkrankung, die das Virus hervorruft, wird als COVID-19 bezeichnet.

SARS-CoV-2 ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Es wird hauptsächlich über die Atemwege weitergegeben. Eine Ansteckung ist generell auch über Betroffene möglich, die keine oder nur leichte Symptome zeigen.

Was ist das Coronavirus?

Coronaviren bilden eine große Familie von Viren, die sowohl bei Menschen als auch bei Säugetieren, Vögeln und Fischen verschiedene Erkrankungen verursachen können. Sie wurden in den 1960er-Jahren erstmals identifiziert. Zur Virusfamilie gehören unter anderem das sogenannte SARS-Coronavirus (SARS-CoV), das im Jahr 2002 erstmals beim Menschen aufgetreten ist, sowie das MERS-Coronavirus (MERS-CoV), das seit dem Jahr 2012 weltweit bekannt ist. Ende 2019 wurde ein neuartiger Stamm des Virus identifiziert, der zuvor noch nie beim Menschen nachgewiesen wurde. Die offizielle Bezeichnung für den Erreger lautet SARS-CoV-2, die Abkürzung SARS steht dabei für Schweres Akutes Atemwegssyndrom. Die Erkrankung, die durch das Virus ausgelöst wird, trägt den Namen COVID-19 (Corona Virus Disease 2019).

Das neuartige Coronavirus und die damit verbundene Erkrankung wurde erstmals in der Metropole Wuhan (Provinz Hubei, China) beschrieben und breitete sich zur weltweiten Pandemie aus. Die genaue Ausbruchsquelle ist derzeit noch unbekannt. 

Zu den Eigenschaften des neuartigen Coronavirus sind noch viele Fragen offen, z.B. zu Übertragung, Erkrankungsdauer, Verlauf etc. Der aktuelle Wissensstand bezieht sich einerseits darauf, welche Beobachtungen in den letzten Wochen und Monaten gemacht wurden. Andererseits können Kenntnisse zu den bisher bekannten Coronaviren herangezogen werden, um Rückschlüsse auf den neuen Virusstamm zu erhalten.

Expertinnen und Experten weltweit beobachten und analysieren die Situation laufend und untersuchen das Virus in verschiedenen Laboren. Sie tauschen Erkenntnisse aus, um Schutzmaßnahmen und Empfehlungen ableiten zu können.

Wie wird das Virus übertragen?

Das neuartige Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich über die Atemwege, d.h. die Viren werden von Betroffenen beim Ausatmen, Niesen, Husten, vor allem forciertem (lautem) Sprechen und Singen verbreitet und von anderen mit der Atemluft aufgenommen.

Die Viruspartikel können mit sogenannten Aerosolen (kleinste in der Luft schwebende Tröpfchenteile) oder Tröpfchen übertragen werden. Aerosole werden beim Sprechen und Atmen, noch stärker beim Schreien oder Singen ausgeschieden. Insbesondere in geschlossenen Räumen können die Aerosole längere Zeit in der Luft schweben und sich verteilen. Virushaltige Tröpfchen werden vor allem beim Husten oder Niesen freigesetzt (Tröpfcheninfektion). Der Übergang zwischen beiden Übertragungswegen ist fließend.

Wie hoch das tatsächliche Risiko für eine Ansteckung ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, wie etwa

  • Menge der Viruspartikel, die von der/dem Infizierten ausgeschieden wird,
  • Ort und Dauer des Kontaktes mit der infizierten Person: das Risiko ist in geschlossenen Räumen höher als im Freien, insbesondere bei schlechter oder fehlender Belüftung und längerem Aufenthalt,
  • Nähe zur infizierten Person: das Risiko einer Ansteckung besteht vor allem im Umkreis von einem bis zwei Metern zu einer infizierten Person.

Das neuartige Coronavirus kann zudem an der Haut und auf Gegenständen (z.B. Türklinken, Telefon) haften und über Hände übertragen werden (Schmierinfektion) – insbesondere, wenn Hände mit Viruspartikeln in Kontakt mit den Augen, der Nasen- oder der Mundschleimhaut geraten.

Um sich vor einer Ansteckung zu schützen, sind – wie bei anderen Infektionskrankheiten auch – Hygienemaßnahmen das Um und Auf. Mehr zum Thema: COVID-19: Vorbeugung & Behandlung

Wie lange das Virus auf Oberflächen überleben kann, ist derzeit nicht vollständig geklärt. Eine Übertragung über Gegenstände, die nicht aus dem direkten Umfeld einer/eines Betroffenen stammen, wie z.B. aus Risikogebieten importierte Waren, scheint jedoch sehr unwahrscheinlich zu sein. Ebenso wie für andere Coronaviren sind auch für das neuartige Coronavirus bislang keine Fälle einer Übertragung über Lebensmittel oder Trinkwasser bekannt. 

Generell können auch Stuhl, Harn, Blut und andere Körperflüssigkeiten Partikel des neuartigen Coronavirus enthalten. Ob sie als Übertragungswege eine Rolle spielen, ist aber nicht ausreichend geklärt. Für Blutspenden gelten strenge Regelungen. In der Spenderauswahl von Konserven und  der Testung von Blutprodukten werden spezielle Maßnahmen empfohlen und durchgeführt, sodass diese als sicher anzusehen sind.

Schwangerschaft & Stillzeit

In den überwiegenden Fällen von dokumentierten COVID-19-Infektionen bei Schwangeren wurde das Virus nicht auf das ungeborene Kind übertragen. Es wurden jedoch einzelne Fälle von Erkrankungen bei Neugeborenen beschrieben, die möglicherweise auf eine Infektion im Mutterleib zurückzuführen sind. Die Datenlage zu möglichen Übertragungen von COVID-19 auf das ungeborene Kind ist aktuell nicht ausreichend, um sichere Aussagen treffen zu können. Gleiches gilt für mögliche Übertragungen beim Stillen   bzw. über die Muttermilch. Derzeit gibt es nach Angaben der WHO keinen Grund, auf das Stillen zu verzichten, selbst bei bestätigter COVID-19-Erkrankung der Mutter.

Mehr Informationen zur Übertragung von COVID-19: FAQ Coronavirus (AGES)

Wie lange ist die Inkubationszeit von COVID-19?

Die Inkubationszeit von COVID-19 – d.h. der Zeitraum von der Ansteckung bis zum Auftreten erster Symptome – scheint nach aktuellem Wissensstand zwischen einem und 14 Tagen zu liegen, im Durchschnitt beträgt sie fünf bis sechs Tage.

Schon zwei Tage, bevor Krankheitsanzeichen auftreten, kann das neuartige Coronavirus auf andere übertragen werden. Das Risiko dafür scheint in den 24 Stunden vor Symptombeginn besonders hoch zu sein. Eine Ansteckung ist generell auch über Betroffene möglich, die keine oder nur leichte Symptome zeigen, sie scheinen jedoch eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Was bedeuten Reproduktionszahl, Cluster und Superspreader?

Um die Entwicklung der Virusausbreitung in der Bevölkerung abzuschätzen, wird unter anderem die sogenannte Reproduktionszahl (R-Wert) herangezogen. Sie gibt an, wie viele Menschen eine Infizierte/ein Infizierter innerhalb eines bestimmten Zeitraumes im Durchschnitt ansteckt. Man unterscheidet die Basisreproduktionszahl R0 und die effektive Reproduktionszahl Reff:

Basisreproduktionszahl R0: gibt an, wieviele Menschen eine infizierte Person ansteckt, wenn die gesamte Bevölkerung empfänglich für das Virus ist (weil es keine Schutzmaßnahmen gibt, niemand immun ist etc.).

  • Zu Beginn der Pandemie wurde die Basisreproduktionszahl R0 für COVID-19 bei etwa 3,6 angegeben. Das bedeutet, dass eine infizierte Person im Durchschnitt drei weitere Personen angesteckt hat. Ohne Gegenmaßnahmen würde die Zahl der Neuinfektionen in kurzer Zeit stark ansteigen.

Effektive Reproduktionszahl Reff: gibt an, wieviele Menschen eine infizierte Person unter den aktuellen Bedingungen ansteckt (wenn Schutzmaßnahmen getroffen werden, zunehmend mehr Personen nach einer Erkrankung immun sind, eine Schutzimpfung zur Verfügung steht etc.).

  • Die Zahl „1“ gilt als der kritische Wert bei der Abschätzung der Virusausbreitung:
    • Ist Reff größer als 1 bedeutet dies eine steigende Anzahl an Neuinfektionen (jede/jeder Infizierte steckt mindestens einen weiteren Menschen an)
    • Ist Reff kleiner als 1 bedeutet dies einen Rückgang an Infektionen (nicht jede Infizierte/jeder Infizierter steckt einen anderen Menschen an)

Das Ziel aller Maßnahmen zur Eindämmung der Virusausbreitung ist, Reff unter 1 zu halten.

Hinweis Die Reproduktionszahl alleine reicht nicht aus, um abzuschätzen, wie wirksam oder notwendig bestimmte Maßnahmen sind. Um die Lage insgesamt bewerten zu können, sind weitere Parameter wichtig (z.B. absolute Zahl der täglichen Neuinfektionen, Schwere der Erkrankungen etc.)

Superspreader

Von einem Superspreader bzw. einem Superspreading-Ereignis spricht man, wenn eine einzelne Person deutlich mehr Menschen ansteckt, als dies durchschnittlich passiert. Dabei spielt u.a. der Ort der Ansteckung (geschlossene Räume, schlechte Belüftung etc.), die Aktivität (z.B. lautes Sprechen, Singen) sowie die individuelle Empfänglichkeit der Personen eine Rolle.

Cluster

Wird in einem bestimmten Zeitraum in einer bestimmten Region eine Häufung von Ansteckungen registriert, spricht man von einem Cluster. Ein Teil der COVID-19-Erkrankungen lässt sich auf solche Clusterbildungen in spezifischen Situationen zurückführen (z.B. Familienfeier, Arbeitsplatz, Pflegeheim etc.). In diesen Fällen kann es gelingen, mögliche Kontaktpersonen einer/eines Erkrankten rückzuverfolgen und eine weitere Verbreitung des Virus durch vorübergehende Absonderung dieser Personen (Quarantäne) zu stoppen. Mehr zum Thema: COVID-19: Vorbeugung & Behandlung

Daneben gibt es aber auch jene Erkrankungen, die nicht in Zusammenhang mit Clusterbildungen stehen (z.B. eine Ansteckung im Supermarkt, im öffentlichen Raum etc.) und bei denen eine Nachverfolgung des Übertragungsweges nicht möglich ist.

Welche Rolle spielen Kinder bei der Übertragung des Virus?

Nach derzeitigen Kenntnissen geht man davon aus, dass Kinder unter 10 Jahren keine große Rolle bei der Verbreitung des Virus spielen, auch wenn sie selbst infiziert sind. Bei den meisten gesicherten SARS-CoV-2-Infektionen von Kindern war eine erwachsene Person (z.B. ein Elternteil) die Ansteckungsquelle. Das Übertragungsrisiko von Kindern (insbesondere unter 10 Jahren) auf andere Personen scheint demnach geringer zu sein als bei Erwachsenen.

Die genauen Ursachen dafür sind nicht vollständig geklärt; eine mögliche Erklärung scheint z.B. zu sein, dass Kinder ein geringeres Atem- und Hustenvolumen aufweisen als Erwachsene und dadurch weniger infektiöse Tröpfchen verteilen. Zudem verläuft COVID-19 bei Kindern unter zehn Jahren in den meisten Fällen sehr mild oder sogar symptomlos.

Internationale Daten zeigen, dass nur ein bis zwei Prozent aller Personen, die SARS-CoV-2 positiv getestet wurden, unter 10 Jahre alt sind. Aufgrund des meist milden bzw. symptomlosen Krankheitsverlaufes ist jedoch unklar, wie hoch die tatsächliche Infektionsrate im Kindes- und Jugendalter ist. 

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