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Pflegerin spielt Schach mit Patientin © JPC-PROD

Demenz: Nicht-medikamentöse Therapie

Nicht-medikamentöse Therapieansätze bei Demenz zielen darauf ab, die Befindlichkeit des/der Erkrankten und die Anpassungsfähigkeit an das nachlassende Leistungsvermögen zu verbessern. Sie beziehen sich sowohl auf die erkrankte Person selbst als auch auf das Umfeld und konzentrieren sich darauf, bestehende Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erhalten und gegebenenfalls zu stärken.

Zuwendung und Aktivierung

Demenzpatientinnen und -patienten sind mit einem zunehmenden Verlust ihrer Fähigkeiten konfrontiert. Auch die Wahrnehmung der Umwelt verändert sich – an sich normale Situationen wirken auf die Betroffenen bedrohlich, einfache Zusammenhänge können im Alltag nicht mehr erklärt und gedeutet werden. In fortgeschrittenen Stadien, müssen die Patientinnen und Patienten damit zurechtkommen, dass sie auf Pflege und Unterstützung angewiesen sind. Als Folge der Demenz können auffällige Verhaltensweisen, Ängste oder Depressionen auftreten, die nicht direkt mit den degenerativen Störungen in Zusammenhang stehen, sondern psychische Ursachen haben.

Zuwendung, Aktivierung und Beschäftigung sowie ein verständnisvoller Umgang der Angehörigen und Betreuungspersonen mit ungewöhnlichem, auffälligem Verhalten und das Beachten von belastenden Situationen sind für die Betroffenen sehr wichtig. Eine angemessene soziale Aktivierung während des Tages (z.B. Trainings, Gruppenbetreuung in Tageszentren) kann auch das Schlafverhalten verbessern.

Fähigkeiten erhalten 

Nicht-medikamentöse Therapiemaßnahmen haben das Ziel, bestehende Fähigkeiten der Patientinnen und Patienten zu erhalten und zu stärken. Ergänzend dazu können sich Betreuungspersonen im Umgang mit auffälligem Verhalten von Fachleuten beraten lassen. Dies hilft, problematische Situationen zu vermeiden.

Informierte Angehörige haben eine wichtige Rolle in der Demenzbehandlung. Spezielle Unterstützungs- und Schulungsangebote für Angehörige umfassen u.a. Informationen über die Erkrankung, Umgang mit dem Verhalten, Bewältigungsstrategien, Entlastungsmöglichkeiten, Einbindung in die Behandlung.

Individuelles Maßnahmenprogramm

Die Art der Behandlungsmaßnahme richtet sich nach der Demenzform, dem Stadium der Erkrankung sowie den Vorlieben und Talenten der Betroffenen und den Bedürfnissen der Angehörigen. Auch eine Kombination verschiedener Aktivitäten in einem Therapieprogramm ist möglich.

  • Training von alltäglichen Fertigkeiten: Durch das Training sollen die Patientinnen/Patienten unterstützt werden, Alltagsaktivitäten so lange wie möglich selbstständig zu bewältigen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigten einen positiven Einfluss des Trainings von alltäglichen Fertigkeiten auf den Krankheitsverlauf.
  • Körperliches Training: In medizinischen Leitlinien wird für Patientinnen/Patienten mit leichter bis mittelschwerer Demenz individuelles körperliches Training empfohlen, um Alltagsfunktionen, Beweglichkeit und Balance zu erhalten. Auch ergänzende Physiotherapie oder Ergotherapie können nutzen.
  • Verhaltenstherapie: Nur im Frühstadium und hier besonders bei depressiven Störungen ist die Wirksamkeit einer Verhaltenstherapie belegt. Zu Beginn der Erkrankung stehen die Betroffenen selbst im Mittelpunkt, in fortgeschrittenen Stadien werden zunehmend die Betreuungspersonen und Angehörigen mit einbezogen.
  • Kognitive Interventionen: Sie zielen auf die Aktivierung geistiger Funktionen ab – wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache, zeitliche und räumliche Orientierung etc. Die Übungen können einzeln oder in Gruppen, durch Therapeutinnen und Therapeuten oder trainierte Angehörige durchgeführt werden. Studien belegen einen leichten Nutzen für die kognitive Leistung und für die Aktivitäten des täglichen Lebens bei Patientinnen/Patienten mit leichter bis mittelschwerer Demenz.
  • Gedächtnistraining: Eine positive Wirkung von Konzentrationsübungen, Gehirnjogging, Merkspielen etc. auf Demenzerkrankungen ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.
  • Musiktherapie: Patientinnen/Patienten nehmen aktiv oder passiv (rezeptiv) am Musizieren oder Singen teil. Aktive Musiktherapie hat eine leichte Wirkung auf psychische oder Verhaltenssymptome, rezeptive Musiktherapie kann moderate Effekte auf erregtes (agitiertes) und aggressives Verhalten haben. Beide Maßnahmen werden empfohlen.
  • Aromatherapie: Dabei werden Geruchsstoffe zur positiven Beeinflussung von Verhaltenssymptomen eingesetzt. Die Maßnahme kann eine geringe Wirkung bei mittelschwerer bis schwerer Demenz haben.
  • Snoezelen: Bei der sogenannten multisensorischen Stimulation (Snoezelen) werden Sinne durch Reize wie Licht, Geräusche, Gerüche oder Geschmack angeregt. Dies wirkt beruhigend und entspannend und kann bei mittelschwerer bis schwerer Demenz hilfreich sein. Ein lang anhaltender Effekt konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Wohin kann ich mich wenden?

Die Angebote nicht-medikamentöser Therapien für Demenzerkrankungen sind regional unterschiedlich. Informationen dazu bietet u.a. die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt. Anbieter sind z.B.:

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Soziale Organisationen, Selbsthilfeorganisationen bzw. soziale Einrichtungen der Länder bieten nicht-medikamentöse Therapiemaßnahmen und Betreuungsangebote für Personen mit Demenz zum Teil kostenlos oder zu geförderten Tarifen (unter Kostenbeteiligung der Länder) an.

Die Kosten von bestimmten Therapiemaßnahmen (z.B. Physiotherapie) werden unter gewissen Voraussetzungen von der Sozialversicherung übernommen. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

Beratung & Hilfe

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