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Golfer © Mikael Damkier
Golfer © Mikael Damkier

Tennisarm und Golferellenbogen

Tennisarm (Tennisellenbogen) und Golferellenbogen sind Bezeichnungen für schmerzhafte Beschwerden im Bereich des Ellenbogens. Ursache ist eine akute oder chronische Überlastung von Sehnen. In den meisten Fällen werden die Beschwerden nicht durch Tennis, sondern andere durch häufig wiederholte Bewegungen der Hand mit einseitigen oder starken Belastungen ausgelöst. Diese Bewegungen kommen natürlich bei Sportarten wie Tennis oder Golf vor. Viele Menschen führen diese Bewegungen auch bei anderen Aktivitäten aus, z.B. Arbeiten am Computer, Handwerksarbeiten etc. Beim Tennisarm treten die Beschwerden an der Außenseite, beim Golferellenbogen an der Innenseite des Ellenbogens auf.

Rund zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind von einem Tennisarm betroffen. Ein Golferellenbogen ist deutlich seltener. Die Beschwerden treten meist zwischen dem 35 und 60  Lebensjahr auf, bei Frauen und Männern ähnlich häufig. Breitensportlerinnen und Breitensportler sind häufiger betroffen als Profis. Die Beschwerden können in den meisten Fällen durch Vermeiden der belastenden Bewegungen und speziellen Übungen geheilt werden.

Was ist der Unterschied zwischen Tennisarm und Golferellenbogen?

Die Hand und die Finger werden durch verschiedene Muskeln des Unterarms bewegt. Die Muskeln zum Beugen und Strecken der Hand und der Finger sind mit Sehnen an zwei Vorsprüngen des Oberarmknochens (lat. Humerus) befestigt. Diese Knochenvorsprünge sind Teil des Ellenbogengelenks und werden Epikondylus (lat. Epicondylus) bezeichnet. Die Streckmuskeln setzen am äußeren (lateralen) Epikondylus an. Die Beugemuskeln setzen am inneren (medialen) Epikondylus an. Ein Überlastungssyndrom an dieser Stelle wird daher auch Epikondylopathie bezeichnet. Bleiben die Überlastungen bestehen, kann es zu einer Entzündung der betroffenen Sehnen kommen (Epikondylitis).

Bei einem Tennisarm (Tennisellenbogen, lat. Epicondylitis humeri lateralis oder Epicondylitis humeri radialis) sind die Sehnen der Streckmuskeln der Hand und der Fingern überlastet bzw. entzündet. Bei einem Golferellenbogen (lat. Epicondylitis humeri medialis) sind die Sehnen der Beugemuskeln betroffen.

Welche Ursachen haben ein Tennisarm oder ein Golferellenbogen?

Auslöser sind meist ungewohnte Belastungen durch oft wiederholte oder kräftige Bewegungen der Hand, wie Strecken, Beugen, Drehen, Halten oder Heben. Dazu zählen:

  • Sportarten, z.B. Tennis, Rudern, Kanusport, Badminton, Squash etc.
  • Arbeiten am Computer mit der Maus („Mausarm“)
  • Handwerksarbeiten, z.B. Malern, Tischlern
  • Spielen von Musikinstrumenten, z.B. Klavier, Geige

Welche Symptome können auftreten?

Typische Symptome sind:

  • Bei Tennisarm: Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens, besonders beim Strecken der Hand.
  • Bei Golferellenbogen: Schmerzen an der Innenseite des Ellenbogens, besonders beim Beugen der Hand.
  • Die Schmerzen können auch in den Unter- und Oberarm ausstrahlen.
  • Druckschmerz an den jeweiligen Sehnenansätzen, manchmal  verbunden mit Verhärtungen und Schwellungen.
  • Schmerzen bei Alltagsbewegungen, wie dem Öffnen einer Flasche, Händeschütteln, Heben oder Halten von Gegenständen etc.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Zunächst frägt die Ärztin/der Arzt nach der Art der Beschwerden, an welcher Stelle die Schmerzen auftreten und bei welchen Bewegungen. Die Ärztin/der Arzt erhebt die Krankengeschichte und frägt nach Vorerkrankungen. Dann führt sie oder er verschiedene Untersuchungen des Arms und Bewegungstests mit der Patientin/dem Patienten durch. Bei Verdacht auf Epikondilytis kann die Ärztin/der Arzt bereits nach der körperlichen Untersuchung meist eine Diagnose stellen. Nur selten sind Ergebnisse der körperlichen Untersuchung unklar oder es besteht der Verdacht auf eine andere Erkrankung. In diesem Fall sind möglicher Weise weitere bildgebende Untersuchungen zur Abklärung notwendig, z.B. Röntgen.

Wie erfolgt die Behandlung eines Tennisarms oder Golferellenbogens?

Die Behandlung richtet sich nach der genauen Diagnose der Reizung oder Entzündung. Ziel ist, die Schmerzen zu heilen, damit die Patientin/der Patient die Hand und den Arm normal bewegen und belasten kann.

Überlastende Bewegungen vermeiden: Die  Ärztin/der Arzt berät die Patientin/den Patienten, wie die betroffenen Sehnen geschont und entlastet werden können. Dafür hilft es, bestimmte Bewegungen zu vermeiden, Belastungen zu verringern oder die Ergonomie des Arbeitsplatzes zu verbessern.

Physikalische Therapien, Kräftigungs- und Dehnungsübungen: Die Ärztin/der Arzt kann physikalische Therapien verordnen, z.B. manuelle Therapien, Ultraschalltherapien, lokale Kälte- oder Wärmeanwendungen oder spezielle Übungen zur Kräftigung und Dehnung des Unterarms und des Handgelenks. Die Ärztin/der Arzt oder die Physiotherapeutin/der Physiotherapeut kann der Patientin/dem Patienten empfehlen, bestimmte Übungen auch selbstständig durchzuführen. Als besonders wirkungsvoll haben sich sogenannte exzentrische Kräftigungsübungen erwiesen. Dabei werden die Streckmuskeln gestärkt und die Sehnen gleichzeitig gedehnt.

Medikamentöse Therapien: Ev. werden entzündungshemmende Medikamente (NSAR) zur Linderung der Schmerzen verordnet. In bestimmten Fällen, z.B. bei anhaltenden starken Schmerzen, kann die Ärztin/der Arzt lokale Injektionen mit Kortison vorschlagen. Diese wirken allerdings meist nur vorübergehend schmerzlindernd. Kortisoninjektionen werden meist nur wenige Male angewendet, da sie bei oftmaliger Anwendung den Heilungsprozess stören können. 

Druckbandage: Eine spezielle Druckbandage, die Epicondilytis-Spange, kann in bestimmten Fällen als begleitende Therapie helfen,  die betroffene Sehne zu entlasten, um die Heilung zu beschleunigen oder einer neuerlichen Überlastung vorzubeugen. Die Druckbandage wird am Unterarm unter dem Ellenbogen angelegt und, je nach Empfehlung der Ärztin/des Arztes, meist für mehrere Wochen getragen. Die Wirksamkeit der Behandlung gilt als noch nicht ausreichend untersucht.

Weitere Therapien: Bei verschiedenen anderen Behandlungen ist der wissenschaftliche Nachweis der Wirksamkeit bisher nicht oder nur eingeschränkt vorhanden. Dazu zählen Injektionen mit Eigenblut oder Botox, Stoßwellentherapie, Lasertherapie oder Akupunktur.

Operation: Mehr als 90 Prozent der Fälle einer Epikondylitis können ohne einer Operation behandelt werden. Bei sehr schweren, chronischen Fällen bei denen anderen Behandlungen auch nach mehreren Monaten keine eine Verbesserung bringen, kann die Ärztin/der Arzt eine Operation vorschlagen.

Welche Übungen können zur Vorbeugung und Heilung beitragen?

Bestimmte Dehn- und Kräftigungsübungen können dazu beitragen, dass die Schmerzen schneller abklingen. Und sie helfen, wiederkehrende Beschwerden zu vermeiden. Neben den beiden unten beschriebenen Übungen kann Ihnen die Ärztin/der Arzt oder die Physiotherapeutin/der Physiotherapeut weitere Übungen für das selbstständige Training im Alltag zeigen.

  • Übungsbeispiel für exzentrisches Training der Streckmuskeln des Unterarms: Legen Sie den betroffenen Arm auf einen Tisch, die Hand hängt über die Tischkante nach unten (der Handrücken zeigt nach). In der Hand halten Sie ein Gewicht, z.B. eine leichte Hantel, eine Wasserflasche. Oder sie spannen ein Gymnastikband (z.B.z.B. Thera-Band) über den Handrücken. Bewegen Sie die Hand langsam ca. zehn- bis 15-mal auf und ab. Nach einer kurzen Pause können sie ein bis zwei weitere Durchgänge durchführen, am besten drei Mal täglich. 
  • Übungsbeispiel für Dehnung der der Streckmuskeln des Unterarms: Halten Sie den betroffenen Arm ausgestreckt gerade nach vorne, der Handrücken zeigt nach oben. Lass Sie Hand locker nach unten hängen, die Finger zeigen nach unten. Mit der anderen Hand greifen Sie die Hand des betroffenen Arms (Daumen greift in die Handfläche) und ziehen diese zum Körper. Halten Sie die Dehnung für ca. 30 Sekunden. Nach ca. 30 Sekunden Pause wiederholen Sie die Dehnung noch zweimal. Machen Sie die Dehnübungen etwa zweimal am Tag. 

Hinweis Eine Beschreibung von Kräftigungs- und Dehnungsübungen mit Kurzvideos finden Sie auf www.gesundheitsinformation.de.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei einem Verdacht auf Epikondylitis (Tennisarm, Golferellenbogen) können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin
  • Fachärztin/Facharzt für Orthopädie und Traumatologie
  • Fachärztin/Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie
  • Fachärztin/Facharzt für Physikalische Medizin
  • Arbeitsmedizinerin/Arbeitsmediziner

Für eine operative Behandlung ist ein stationärer Aufenthalt notwendig.

Die physikalische Therapie bzw.Bewegungstherapie kann nach ärztlicher Verordnung durch niedergelassene Physiotherapeutinnen/Physiotherapeuten oder Ergotherapeutinnen/Ergotherapeuten erfolgen.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

sowie über den Online-Ratgeber Kostenerstattung der Sozialversicherung.

  
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