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Toilettenpapier © Africa Studio

Verstopfung

Eine gelegentliche Verstopfung ist wohl jedem bekannt und geht in den meisten Fällen schnell von selbst vorüber. Setzt eine Darmentleerung nur alle drei Tage ein, kann man dies als normale Verdauung bezeichnen, wenn daraus keine weiteren Beschwerden wie Schmerzen oder Blähungen resultieren. Kommt es allerdings pro Woche nur zu maximal zwei Stuhlgängen, kann man von einer Verstopfung ausgehen . . .

Man unterscheidet eine akute Verstopfung, die sich innerhalb von Stunden bis Tagen aufbaut, von einer chronischen Verstopfung, die länger als sechs Monate besteht. Gerade ältere Menschen leiden häufig an chronischer Verstopfung, insbesondere bei Bettlägerigkeit.

Ursachen und Symptome

Man hat das Gefühl, die Verdauung ist blockiert, und spürt, dass der Enddarm gefüllt ist. Auf der Toilette will einem einfach keine Erleichterung gelingen. Der Stuhl ist hart, starkes Pressen ist unumgänglich, der Toilettengang wird zum anstrengenden Kraftakt. Wenn dann doch etwas geht, hat man dennoch den Eindruck, sich nicht komplett entleert zu haben. Eine Verstopfung kann unterschiedliche Ursachen haben. Häufig finden sich die Gründe im Ernährungsverhalten, wie z.B. einer zu geringen Aufnahme an Ballaststoffen. Weitere Informationen erhalten Sie unter Ballaststoffe.

Eine Verstopfung kann aber auch organische Ursachen haben und mit einer Erkrankung in Zusammenhang stehen. Viele Medikamente beeinflussen zudem die Verdauung negativ.

Die wichtigsten Verstopfungsursachen im Überblick:

  • Ernährungsfehler: ballaststoffarm
  • Bewegungsmangel oder Bettlägerigkeit
  • Medikamente wie z.B. Antidepressiva, Opiate, Diuretika, hormonelle Verhütungsmittel (Gestagene), Bluthochdruckmedikamente, Eisenpräparate u.v.m.
  • hormonell bedingt: z.B. Schilddrüsenunterfunktion, Schwangerschaft
  • neurogene Ursachen (zentral/peripher): z.B. Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Diabetes mellitus, dabei ist die Motilität des Darms reduziert.
  • psychische Ursachen: z.B. Depressionen, Stuhlgang wird unterdrückt
  • „Slow-Transit“-Obstipation: bei Erkrankungen wie z.B. Reizdarmsyndrom, Sklerodermie
  • Stenose: Verengungen im Darmtrakt z.B. bei Divertikulitis, Morbus Crohn, Karzinom
  • Analfissur: Einriss der (Schleim-)Haut im After, schmerzhaft, reflektorische Stuhlverhaltung

Diagnose und Therapie

Die Ärztin/der Arzt wird zu Beginn ein ausführliches Anamnese-Gespräch führen, in dem erörtert wird, welche Beschwerden vorliegen und seit wann diese bestehen. Die Ärztin/der Arzt wird nach Stuhlhäufigkeit und -beschaffenheit, Ernährungsgewohnheiten, eventuellen Begleitsymptomen wie Schmerzen und Blähungen sowie nach anderen eventuell bestehenden Erkrankungen fragen. Ob und welche Medikamente eingenommen werden, ist für die Ärztin/den Arzt sehr aufschlussreich, da diese mit der Veränderung des Stuhlgangs in Zusammenhang stehen können.

Es folgt eine körperliche Untersuchung, bei der die Ärztin/der Arzt den Darmausgang inspiziert (rektale Untersuchung). Unter Umständen ist eine Stuhlprobe erforderlich.

Bei chronischer Verstopfung kann die Ärztin/der Arzt eine genaue Untersuchung des Darms durchführen bzw. anordnen. Bei dieser Darmspiegelung wird ein mit einer kleinen Kamera ausgestattetes Endoskop über den After in den Darm eingebracht.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Koloskopie.

Weiterführende mögliche diagnostische Methoden:

  • Blutabnahme
  • Ultraschalluntersuchung des gesamten Bauchs und Darms (Sonographie)
  • Röntgenuntersuchung des Darms und Bauchraums (Röntgen), heute meist als CT, Irrigoskopie (Dickdarmröntgen) weitgehend nicht mehr angewandt
  • Bestimmung der Kolon-Transitzeit

Tipp Als Vorbereitung für den Arztbesuch kann das Führen eines „Stuhltagebuchs“ hilfreich sein. Notieren Sie dabei über einen längeren Zeitraum die Häufigkeit der Entleerungen sowie eine kurze Beschreibung des Stuhls. Sie können den Stuhl auch fotografieren.

Therapeutische Maßnahmen

Prinzipiell ist es bei Verstopfung wichtig, die zugrunde liegende Ursache zu erfassen und diese kausal zu behandeln. Ab einem bestimmten Alter ist eine Untersuchung des Darms (Koloskopie) im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung empfehlenswert. Die Verstopfung selbst wird vorrangig durch Änderungen in der Ernährung therapiert. Dabei steht eine Erhöhung des Ballaststoffanteils im Mittelpunkt.

Die Ärztin/der Arzt entscheidet, ob in Ihrem Fall eine Medikamentengabe sinnvoll ist. Zur Auswahl stehen unter anderem:

  • Prokinetika mit Wirkung auf die Darmbewegung
  • osmotisch wirksame Substanzen wie Polyethylenglykol, nicht resorbierbare Zucker
  • Gleitstoffe wie Paraffinöl
  • Prokinetika wie Linaclotide, Prucalopride oder Methylnaltrexon
  • Entleerungshilfen mit Weichmacher- und Volumeneffekt wie Klistiere
  • Laxantien (Abführmittel) wie Antrachinone, Diphenylmethane

Je nach Art der vorliegenden Ursache können ausnahmsweise auch operative Maßnahmen ergriffen werden.

Hinweis Die Verwendung von Abführmitteln sollte keinesfalls ohne ärztliche Abstimmung erfolgen – sprechen Sie darüber unbedingt mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt!

Vorbeugende Maßnahmen

Allgemeine vorbeugende Maßnahmen zielen in erster Linie auf das Ernährungsverhalten ab. Eine ausreichende Ballaststoffzufuhr (unterstützt durch ausreichendes Trinken) hilft, Verstopfung entgegenzuwirken. Ballaststoffe sind in Getreideprodukten (Vollkorn bevorzugen), Hülsenfrüchten und Gemüse enthalten. Vor allem getrocknetes Obst (Trockenfrüchte) hat einen sehr hohen Ballaststoffanteil.

Weitere Tipps, wie Sie mittels Ernährung gegen Verstopfung vorgehen können, erfahren Sie unter Wenn die Verdauung streikt.

Wohin kann ich mich wenden?

Wenn Sie den Verdacht haben, an einer Verstopfung zu leiden, können Sie sich betreffs Abklärung an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin
  • Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin (Spezialgebiet Gastroenterologie und Hepatologie)

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Die Kosten einiger rezeptfreier OTC-Präparate sind von den Patientinnen/Patienten selbst zu tragen.

Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen.

Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Sozialversicherungsträger.

Näheres zur Kostenerstattung erfahren Sie zudem auf der Website der Sozialversicherungsträger.

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