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Frau bei medizinischer Beratung © goodluz

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Therapie

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa können nach derzeitigem medizinischen Kenntnisstand noch nicht ursächlich behandelt werden, d.h. eine Heilung ist nicht möglich. Im Mittelpunkt der Therapie stehen daher die Verringerung bzw. Elimination der Entzündungen im Darm sowie eine weitgehende Verlängerung beschwerdefreier Phasen (Remission) unter Beibehaltung einer möglichst hohen Lebensqualität. Die Funktion der betroffenen Darmabschnitte soll erhalten bleiben . . .

Therapie abhängig von Krankheitsaktivität

Die jeweiligen Therapieschritte erfolgen je nach Aktivität und Ausbreitung der Krankheit: Während eines aktiven Krankheitsschubes gestaltet sich die Therapie anders als in einer beschwerdefreien Ruhephase (Remission).

Welches Maßnahmenpaket für die Betroffene/den Betroffenen am geeignetsten ist, entscheidet die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt unter Berücksichtigung der Lebenssituation und Vorstellungen der Patientin/des Patienten und Aktivität der Krankheit. Bei Morbus Crohn hängt es vor allem davon ab, welche Bereiche im Darm betroffen sind.

In erster Linie stehen medikamentöse Therapien zur Verfügung, wobei unterschiedliche Wirkstoffgruppen und Anwendungsformen möglich sind. Sie können einerseits lokal z.B. als Einlauf, Zäpfchen oder Schaum aufgebracht werden oder geschluckt (oral) bzw. intravenös verabreicht werden.

Begleitend können ernährungstherapeutische Maßnahmen erfolgen. Sind die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nicht (mehr) erfolgreich, kann mitunter eine Operation der betroffenen Darmabschnitte erforderlich sein. Ergänzend kann eine psychosomatische Begleittherapie hilfreich sein.

Therapiebausteine bei CED im Überblick:

  • medikamentös (Entzündungshemmer, Immunsuppressiva, Biologika),
  • ernährungstherapeutisch (enteral, parenteral),
  • operative Maßnahmen.

Hinweis Bei schweren akuten Entzündungsschüben kann ein Krankenhausaufenthalt erforderlich sein.

Entzündungshemmer, Immunsuppressiva und Biologika

Bei hoher Entzündungsaktivität kommen neben Entzündungshemmern unter Umständen so genannte Immunsuppressiva zum Einsatz, die die überschießende Reaktion des Immunsystems herabsetzen. Mit Biologika steht eine weitere medikamentöse Therapieoption zu Wahl. Diese Medikamente kommen in Abwägung mit der behandelnden Ärztin/des behandelnden Arztes zum Einsatz, wenn Steroide (Cortison) sowie Immunsuppressiva nicht bzw. nicht mehr wirken bzw. zu starken Nebenwirkungen führen und eine Operation nicht erforderlich ist.

Überblick medikamentöse Therapie bei CED:

  • Schmerzmittel, entkrampfende Mittel (Spasmolytika) und Präparate gegen Durchfall: bei leichteren Beschwerden.
  • Entzündungshemmer wie z.B. Mesalazin (5-ASA), Sulfasalazin. Zum Schlucken (oral), bei Befall des Dickdarms (Colitis) auch in Form von Zäpfchen, Einläufen oder Schaum.
  • Entzündungshemmende Steroide, Cortison-Präparate wie z.B. lokal wirkendes Budesonid, Prednisolon. Zum Schlucken oder intravenös verabreicht (systemisch), zum Teil auch lokal eingesetzt.
  • Immunsuppressiva wie z.B. Azathioprin, 6-Mercaptopurin, Methotrexat, Cyclosporin A, Tacrolimus, Mykophenolat.
  • Biologika wie Tumor-Nekrose-Faktor-(TNF)-alpha-Hemmer (Antikörper) z.B. Infliximab, Adalimumab, Golimumab und Anti-Integrin-Vedolizumab.
  • Morbus Crohn: Bei Befall des Magens Protonenpumpenhemmer (PPI), die die Produktion von Magensäure vermindern.
  • Colitis ulcerosa: Probiotika wie z.B. Bakterienpräparat (E. coli, Stamm Nissle 1917)
  • ggf. Antibiotika.

Hinweis Da Rauchen den Krankheitsverlauf bei Morbus Crohn negativ beeinflusst, sollte eine Raucherentwöhnung ein zentraler Bestandteil der Therapie sein! Weitere Information erhalten Sie unter Rauchstopp.

Liegt ein Unterversorgung an bestimmten Nährstoffen, Vitaminen oder Mineralstoffen vor wie z.B. Eiweiß, Eisen, Vitamin D, Vitamin B 12, Folsäure, Zink, werden diese über Tabletten oder Infusionen ergänzt (Substitution).

Hinweis Da bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen aufgrund der medikamentösen Therapie mit Immunsuppressiva und einer möglichen Mangelernährung das Immunsystem beeinträchtigt ist, sollte der Impfstatus genau abgeklärt werden – insbesondere vor Reisen.

Operative Methoden

Bei chronischen Darmerkrankungen kann im Verlauf der Krankheit eine Operation im Darm erforderlich sein.

Zu Darmoperationen kann es kommen, wenn . . .

  • die medikamentöse Therapie nicht (mehr) wirkt,
  • es zu Engstellen (Stenosen) im Darm kommt,
  • ein Darmverschluss droht,
  • innere Fisteln/Abszesse bestehen,
  • Blutungen im Darm nicht gestillt werden können,
  • Hinweise auf Darmkrebs(-vorstufen) bestehen,
  • ein Darmdurchbruch auftritt (Notfalloperation) oder
  • dies von der Patientin/dem Patienten ausdrücklich gewünscht wird.

Bei Morbus Crohn werden nur jene Bereiche des Darmes entfernt, die stark von der Entzündung betroffen sind und bei denen es unbedingt erforderlich ist, sie zu eliminieren. Das sparsame Entfernen der Darmabschnitte beugt der Entstehung eines Kurzdarmsyndroms vor. Darüber hinaus können Fisteln zu Operationen führen. Selten kann ein künstlicher Darmausgang (Stoma) erforderlich sein.

Pouch und Stoma

Bei Colitis ulcerosa kann mitunter eine operative Entfernung des Dickdarms erforderlich sein. Bei diesem Eingriff wird das Ende des Dünndarms zu einem Beutel (Pouch) geformt, sodass dieser zukünftig als Stuhlreservoir dient. Dieser Pouch wird mit dem Analkanal vernäht, so dass ein normaler Stuhlausgang möglich ist. Mitunter kann ein künstlicher Darmausgang (Ileo-Stoma) erforderlich sein.

Alternative Behandlungsmethoden

Für alternative Behandlungsmethoden wie z.B Weihrauch, Omega-3-Fettsäuren, Fischöl, Schweinebandwurmeiern, Stuhltransplantation etc. gibt es keine gesicherten Daten und sie sind daher derzeit auch nicht empfehlenswert.

Nachsorge

Insbesondere bei Colitis ulcerosa sollte der Darm auf krebsartige Veränderungen kontrolliert werden. Denn mit Ausdehnung und Andauern der Erkrankung erhöht sich das Risiko. Regelmäßige Untersuchungen mittels Darmspiegelung und Biopsie sind bei Colitis ulcerosa daher besonders wichtig und sollten nach acht bis zehn Jahren Krankheitsdauer beginnen.

Bei Morbus Crohn hängt es hinsichtlich des Darmkrebsrisikos vorrangig davon ab, welche Teile des Darms betroffen sind. Ist der Dickdarm betroffen, werden nach langjährigem Bestehen der Krankheit Darmspiegelungen zur Kontrolle empfohlen. In welchen Abständen diese Untersuchungen stattfinden, liegt im Ermessen der Ärztin/des Arztes.

Eine Begleiterkrankung an der Leber (primär sklerosierende Cholangitis) erhöht zudem das Krebsrisiko, hier sollten jährlich Kontrollen auf krebsartige Veränderungen stattfinden. Bei der Einnahme von Immunsuppressiva erhöht sich das Hautkrebsrisiko – auf intensiven Sonnenschutz sollte daher besonders geachtet werden.

Wohin kann ich mich wenden?

Bezüglich der Therapie chronisch entzündlicher Darmerkrankung können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin
  • Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin (Spezialgebiet Gastroenterologie und Hepatologie)
  • Ambulanzen für Gastroenterologie (CED-Ambulanzen)

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB).

Nur bei Inanspruchnahme einer Wahlärztin/eines Wahlarztes (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder eines Privatambulatoriums werden die Kosten nicht direkt verrechnet. In diesem Fall bezahlen Sie den anfallenden Betrag direkt an die Ärztin/den Arzt und reichen die Rechnung bei Ihrem zuständigen Krankenversicherungsträger ein. Es werden Ihnen maximal 80 Prozent des Tarifs, den eine Vertragsärztin/ein Vertragsarzt bzw. ein Vertragsambulatorium mit dem Krankenversicherungsträger verrechnet, rückvergütet.

Ist ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Die weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Allgemeinmedizinerin/den Allgemeinmediziner bzw. durch die Fachärztin/den Facharzt.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

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