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Symbolfoto für Hepatische Enzephalopathie © adri76

Hepatische Enzephalopathie

Die hepatische Enzephalopathie (HE) ist eine potenziell reversible (rückbildungsfähige) Funktionsstörung des Gehirns, die durch eine unzureichende Entgiftungsfunktion der Leber entsteht. Diese ist unter anderem die Folge eines akuten Leberversagens oder einer chronischen Lebererkrankung (z.B. einer Leberzirrhose). Dadurch kommt es zu steigenden Konzentrationen verschiedener v.a. neurotoxischer, das heißt die Nerven schädigender Substanzen (v.a. Ammoniak, Mercaptane, Gamma-Aminobuttersäure, kurzkettige Fettsäuren und aromatische Aminosäuren) im Körper. Dies kann zu verschiedenen Ausprägungen von Bewusstseinsstörungen führen . . .

Entstehung

Begünstigende Faktoren für die Entstehung einer hepatischen Enzephalopathie sind:

  • Infektionen,
  • Magen-Darm-Blutungen,
  • bestimmte dämpfende Medikamente wie Sedativa oder Tranquilizer,
  • Verstopfung (Obstipation),
  • Hypovolämie (zu geringe Flüssigkeitsaufnahme),
  • Hypokaliämie (niedriges Kalium im Blutserum),
  • metabolische Alkalose (Überwiegen basischer Stoffe im Blut durch geänderten Stoffwechsel),
  • Hypoxie (Sauerstoffmangel) sowie
  • Hypoglykämie (zu geringer Blutzucker).

Symptome

Anfangs kommt es zunächst zu meist leichten Psychosyndromen wie Armut an Bewegung und Gesichtsausdruck, Zittrigkeit, Flattern der Augenlider und anderen Muskelzuckungen (Myoklonien). Im fortgeschrittenen Stadium können ein zwanghaftes Schlafbedürfnis, grobschlägiges Zittern der Hände, Gangunsicherheit und schließlich eine zunehmende Verwirrtheit, Somnolenz und süßlicher Atem (Foetor hepaticus) hinzukommen. Die schwerste Form der hepatischen Enzephalopathie (Stadium IV) wird auch als Leberkoma (Coma hepaticum) bezeichnet.

Diagnose

Der Schweregrad der hepatischen Enzephalopathie wird nach den ISHEN-Kriterien (International Society for Hepatic Encephalopathy and Nitrogen Metabolism) wie folgt beurteilt:

  • „Covert“ Hepatic Encephalopathy: nur durch Test erfassbare Hirnfunktionsstörung bzw. leichte Aufmerksamkeitsstörung, Euphorie, Angst, Fehler beim Addieren.
  • „Overt“ Hepatic Encephalopathy: Lethargie, Apathie, zeitliche und räumliche Desorientiertheit, Persönlichkeitsveränderung, Fehler beim Subtrahieren bzw. bei ausgeprägterer Störung Bewusstseinstrübung, Verwirrtheit, grobe Desorientiertheit, Koma.

Die Erhebung üblicher Laborparameter (Elektrolyte, Blutbild, Ammoniakspiegel, Leber- und Nierenfunktionsparameter, Transaminasen, Gerinnung, Entzündungsparameter) dienen dazu, das Vorhandensein und die Schwere einer Lebererkrankung sowie mögliche Komplikationen des Leberversagens frühzeitig zu erkennen. Daneben können verschiedene Tests zur Beurteilung psychomotorischer und kognitiver Fähigkeiten eingesetzt werden.

Therapie

Die Empfehlungen bei Patientinnen/Patienten mit Zirrhose und hepatischer Enzephalopathie umfassen die Behandlung auslösender Faktoren, medikamentöse Therapien und Diätmaßnahmen.

  • Milde und klinisch manifeste HE: Behandlung der begünstigenden Faktoren, Gabe von Medikamenten wie Rifaximin, Lactulose, L-Ornithin-L-Aspartat i.v., Flumazenil i.v. Wichtig ist eine ausreichende Ernährung.
  • Vorbeugung bei gefährdeten Patientinnen/Patienten und Rückfallsprophylaxe nach einer akuten Episode: Rifaximin, Lactulose, Zink (bei gesichertem Mangel), Vitamin B1 sowie andere Vitamine und Spurenelemente bei Mangelerscheinungen.

Wohin kann ich mich wenden?

Die Diagnostik und Behandlung der Hepatischen Enzephalopathie infolge einer Leberzirrhose sind in folgenden Einrichtungen möglich:

  • spezielle Krankenhausambulanz, z.B. hepatologische Ambulanz,
  • Kassenambulatorien mit hepatologischer Spezialambulanz,
  • im niedergelassenen Bereich: Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin mit fundierten hepatologischen Kenntnissen.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten von Diagnose und Behandlung der Hepatischen Enzephalopathie werden von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Bei bestimmten Leistungen (z.B. Medikamente, stationäre Aufenthalte) sind Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

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