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Chiropraktiker und Patient © lightwavemedia

Rückenschmerzen: Therapie

Je nach Stadium der nicht spezifischen Rückenschmerzen – akut oder chronisch – werden unterschiedliche Therapien verordnet. Wichtig sind ärztliche Kontrollen des Verlaufs, um Warnzeichen auf spezifische Ursachen zu erkennen, weitere Diagnosemaßnahmen einzuleiten und die Behandlung bei Bedarf anzupassen.

Akute Rückenschmerzen

Wenn die Diagnose keinen Hinweis auf eine klar erkennbare Ursache oder eine ernste Erkrankung ergeben hat, geht die Ärztin/der Arzt von nicht spezifischen Rückenschmerzen aus. Bei ca. neun von zehn Patientinnen/Patienten legen sich die Schmerzen innerhalb von sechs Wochen.

Die medikamentöse Therapie bei akuten nicht spezifischen Rückenschmerzen zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern. Die Patientin/der Patient soll dabei unterstützt werden, den gewohnten Alltagsaktivitäten möglichst ohne Einschränkungen nachgehen zu können. Schmerzmittel (Analgetika) werden kurzzeitig (für maximal zwei Wochen) verordnet.

Folgende Arzneimittel stehen beispielweise zur Auswahl:

  • Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR), z.B. mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen oder Naproxen, sowie Medikamente aus der Wirkstoffgruppe der Coxibe, z.B. Etoricoxib, Celecoxib (Evidenz der Wirksamkeit bei Kreuzschmerzen erwiesen), 
  • Paracetamol (Wirksamkeit bei Kreuzschmerzen nicht ausreichend gesichert).

Information und ärztliche Kontrolle

Ergänzend zur medikamentösen Therapie wird die Patientin/der Patient über den wahrscheinlichen Verlauf der Beschwerden informiert, und mögliche Einflussfaktoren wie die Lebens- und Arbeitssituation werden besprochen.

Der Behandlungserfolg sollte nach einigen Tagen von der Ärztin/dem Arzt kontrolliert werden. Wenn diese Arzneimittel keine Linderung bringen, können andere Medikamente, z.B. Muskelrelaxantien oder Opioide, verordnet werden. Passivität oder körperliche Schonung werden nicht empfohlen, da die Muskulatur geschwächt wird und sich die Schmerzen verstärken bzw. die Heilung verzögern kann. Körperliche Aktivität fördert eine schnelle Besserung der Beschwerden und beugt chronischen Krankheitsverläufen vor.

Nicht medikamentöse Therapien  

Die Ärztin/der Arzt kann zusätzlich nicht medikamentöse Therapien verordnen. Dazu zählen:

  • Manualtherapie: Sie wirkt schmerzlindernd und verbessert die Beweglichkeit. Die Therapeutin/der Therapeut bewegt das Gelenk langsam bzw. mit kleinen, ruckartigen Bewegungen innerhalb des natürlichen Bewegungsumfangs.
  • Wärmebehandlung (Thermotherapie): Alleine und in Kombination mit Bewegungsübungen kann Wärmebehandlung kurzfristig Schmerz und funktionelle Beeinträchtigungen reduzieren. Eingesetzt werden Wärmeflaschen, Körnerkissen, Wärmepflaster, Umschläge etc.
  • Bewegungstherapie bzw. physikalische Therapie ist bei akuten nicht spezifischen Kreuzschmerzen nicht wirksamer als die Beibehaltung der normalen Alltagsaktivitäten.  

Chronische Rückenschmerzen

Wenn sich akute Rückenschmerzen nach ca. fünf Wochen nicht gebessert haben, steigt das Risiko, dass sich chronische Rückenschmerzen entwickeln. Dabei spielen meist mehrere Ursachen zusammen. Die Ärztin/der Arzt wird psychosoziale Aspekte, z.B. belastende Situationen, Stress und den Lebensstil verstärkt beim Behandlungsmanagement berücksichtigen. Auch möglichen spezifischen Ursachen wird nun genauer nachgegangen. Bei chronischen, nicht spezifischen Rückenschmerzen ist eine Kombination mehrerer Therapiemaßnahmen wirkungsvoll.

Für die medikamentöse Therapie können laut medizinischer Leitlinie je nach Schweregrad und Dauer der nicht spezifischen chronischen Rückenschmerzen folgende Arzneimittel eingesetzt werden:

  • Schmerzmittel: Beim Einsatz länger als zwei Wochen müssen die schmerzlindernde Wirkung und mögliche unerwünschte Nebenwirkungen abgewogen werden.
  • Antidepressiva: Medikamente aus der Gruppe der Nichtselektiven Monoamin-Wiederaufnahmehemmer (NSMRI) werden zur Schmerzreduktion ergänzend zu Schmerzmitteln empfohlen.
  • Schmerzpflaster mit dem Inhaltsstoff Capsaicin mit lokal durchblutungsfördernder, schmerzlindernder Wirkung.

Hinweis Sowohl für akute als auch für chronische nicht spezifische Rückenschmerzen wird die Verabreichung von Schmerzmitteln mit Spritzen oder Infusionen nicht empfohlen.

Als nicht medikamentöse Therapien für nicht spezifischen chronischen Rückenschmerz stehen zur Verfügung:
  • Physikalische Therapie, Bewegungstherapie und funktionelle Therapie, z.B.
    • Manualtherapie in Kombination mit Bewegungstherapie
    • Medizinische Trainingstherapie
    • Rückenschule: Ganzheitliches Programm zur Vorbeugung von Rückenschmerzen. Es beinhaltet u.a. Bewegungsübungen, theoretische Kenntnisse zu Bewegungsabläufen und rückengerechtes Verhalten im Alltag, Entspannungstechniken etc.
    • Ergotherapie, am besten in Kombination mit anderen Behandlungen, wie Verhaltenstherapie.
    • Massage als kombinierte Behandlung mit Bewegungstherapie.
    • Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS): Bei dieser Elektrotherapie werden Nerven durch auf die Haut aufgeklebte Elektroden stimuliert. Dies soll die Schmerzwahrnehmung positiv beeinflussen. Die Wirksamkeit bei chronischen Rückenschmerzen ist nicht eindeutig belegt. Am besten in Kombination mit anderen Maßnahmen.
    • Wärmebehandlungen können eine Linderung verschaffen. Am besten in Kombination mit anderen Maßnahmen.
  • Psychologische Behandlung, Psychotherapie bzw. Verhaltenstherapie, z.B.
    • Entspannungstraining,
    • Schmerzbewältigungsprogramme,
    • Stressbewältigung,
    • Training sozialer Kompetenz,
    • Akupunktur (schwache Evidenz der Wirksamkeit).

Laut Leitlinien werden u.a. folgende Maßnahmen – meist aufgrund des fehlenden Nachweises der Wirksamkeit – nicht für die Behandlung empfohlen: Interferenzstromtherapie, Kurzwellendiathermie, Lasertherapie, Magnetfeldtherapie, Ultraschalltherapie oder Hilfsmittel zur Ruhigstellung des Körpers.

Hinweis Bei spezifischen Rückenschmerzen richtet sich die Behandlung nach der diagnostizierten Erkrankung. Je nach Ursache und Dringlichkeit ist unter Umständen ist ein operativer Eingriff notwendig. Die Beurteilung und Stellung der Indikation erfolgt durch eine Fachärztin/einen Facharzt.

Rehabilitation

Chronische Rückenschmerzen können zu längeren Krankenständen führen. In diesem Fall kann unter Umständen eine ambulante oder stationäre Rehabilitation beantragt werden.

Wohin kann ich mich wenden?

Für die Behandlung von nicht spezifischen Rückenschmerzen können Sie sich an Ihre Hausärztin/Ihren Hausarzt oder an eine Fachärztin/einen Facharzt für Orthopädie, Neurologie oder Rheumatologie wenden.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) in Anspruch nehmen. 

Bei bestimmten Untersuchungen (z.B. MRT) kann eine chefärztliche Bewilligung erforderlich sein. Bei bestimmten nicht medikamentösen Behandlungen (z.B. physikalische Therapie) kann eine Bewilligung der Krankenversicherungsträger erforderlich sein. Bei bestimmten Leistungen (z.B. stationäre Aufenthalte, Hilfsmittel und Heilbehelfe) sind – je nach Krankenversicherungsträger – Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen. Für Medikamente auf „Kassenrezept“ ist die Rezeptgebühr zu entrichten. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Die Kostenabdeckung von Medikamenten, Kosten und Selbstbehalte.

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