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Demenz: Medikamentöse Therapie

Die verschiedenen Demenzerkrankungen haben unterschiedliche Ursachen, daher sind für jede Erkrankung spezielle Therapiemaßnahmen notwendig. Die meisten Medikamente sind nur für bestimmte Demenzformen zugelassen, vor allem für Morbus Alzheimer. Medikamente können die Ursachen der Demenz nicht heilen bzw. die Zerstörung der Gehirnzellen nicht aufhalten. Ihre Wirkung beschränkt sich auf die Linderung von Symptomen und eine vorübergehende Stabilisierung bestimmter geistiger Fähigkeiten. Im Frühstadium können bestimmte Medikamente das Fortschreiten der Erkrankung möglicher Weise verlangsamen.

Für die medikamentöse Therapie von Demenz werden zwei Medikamentengruppen eingesetzt: Antidementiva sowie Medikamente zur Therapie von Verhaltensstörungen und psychischen Symptomen.

Antidementiva verbessern kognitive Funktionen

Antidementiva sind Medikamente, die dem Verlust des Gedächtnisses und der Denkfähigkeiten entgegenwirken sollen. Ihr Nutzen liegt in einer leichten Verbesserung der kognitiven Funktionen, der Alltagsaktivitäten und des Allgemeinzustands der Patientin/des Patienten. Je nach Demenzgrad und Verträglichkeit stehen folgende Medikamente zur Verfügung: 

  • Acetylcholinesterase-Hemmer (Wirkstoffnamen: Donepezil, Galantamin, Rivastigmin)
  • NMDA-Rezeptor-Antagonisten bzw. Glutamatantagonisten (Wirkstoffname: Memantin)

Antidepressiva, -psychotika und Beruhigungsmittel

Bei Demenzerkrankungen können in verschiedenen Stadien Verhaltensstörungen auftreten.
Zur Behandlung psychischer Symptome stehen folgende Medikamente zur Verfügung:

  • Antidepressiva: z.B. bei Depressionen, Angst- oder Zwangssymptomen.
  • Antipsychotika: „Nervendämpfungsmittel“ wirken beruhigend, z.B. bei Wahnvorstellungen.
  • Beruhigungsmittel: verringern z.B. Angst, Erregung oder Schlafprobleme.

Hinweis Die Behandlung mit Psychopharmaka ist nur dann angezeigt, wenn andere, nicht-medikamentöse Maßnahmen keine ausreichende Wirkung zeigen! Depression, Angst, Unruhe oder Aggression sind oft auch als Reaktion der Patientinnen/Patienten auf den Verlust ihrer Fähigkeiten erklärbar und ergeben aus ihrer Sicht einen Sinn. Informationen und Aufklärung der Betreuungspersonen und ein verständnisvoller Umgang mit der/dem Erkrankten helfen, auffällige Verhaltensweisen zu vermeiden. Ein gezieltes Training von Fähigkeit und Alltagsaktivität schafft Erfolgserlebnisse und wirkt positiv auf die Lebensqualität.

Antidementiva und Medikamente zur Therapie von Verhaltensstörungen werden oft kombiniert eingesetzt.

Weitere Informationen zu Wirkstoffen, Handelsnamen, Gebrauchsinformationen etc. finden Sie über die Medikamentensuche.

Bestimmte Medikamente sind für die Behandlung verschiedener Demenzerkrankungen zugelassen. Medizinische Leitlinien geben folgende Empfehlungen ab:

Medikamentöse Therapie bei Alzheimer-Demenz

  • Für leichte bis mittelschwere Alzheimer-Demenz sind in Österreich aus der Gruppe der Acetylcholinesterase-Hemmer die Wirkstoffe Donezepil, Galantamin und Rivastigmin zugelassen. 
  • Für schwere und mittelschwere Alzheimer-Demenz werden Medikamente mit dem Wirkstoff Memantin empfohlen oder eine Kombinationstherapie von Memantin und Cholinesterasehemmern empfohlen.

Bei der Auswahl der Substanzen spielen Faktoren wie die individuelle Verträglichkeit, Neben- und Wechselwirkungen oder die Handbarkeit durch die Patientin/den Patienten eine wichtige Rolle.

Medikamente, die den Stoffwechsel im Gehirn positiv beeinflussen sollen, werden als Nootropika bezeichnet. Diese Medikamente können bei leichter und mittelschwerer Demenz oder Verdacht auf Unwirksamkeit von Cholinesterasehemmern und Memantin angewendet werden. Am besten dokumentiert sind Ginko biloba und Cerebrolysin®.

Grundsätzlich sollten nach Beginn der Einstellung auf ein Medikament die Therapie über mindestens drei Monate fortgeführt werden, soferne keine Unverträglichkeit auftritt. Danach beurteilt die Ärztin/der Arzt mit der Patientin/dem Patienten und ihren/seinen Angehörigen mögliche Veränderungen. Falls die Medikation keine wesentliche Wirksamkeit entfaltet, kann eine andere Substanz verordnet werden.

Medikamentöse Therapie bei anderen Demenzen

  • Vaskuläre Demenz: Antidementiva sind für die Behandlung einer vaskulären Demenz nicht zugelassen. Für Patientinnen/Patienten, die einen Schlaganfall erlitten haben und an vaskulärer Demenz leiden, werden Medikamente zur Schlaganfallvorbeugung empfohlen.
  • Gemischte Demenz: Für Patientinnen/Patienten, die gleichzeitig an Alzheimer und vaskulärer Demenz leiden, wird eine medikamentöse Therapie wie bei Alzheimer-Demenz empfohlen.
  • Frontotemporale Demenz: Für die Behandlung der frontotemporalen Demenz sind keine Antidementiva zugelassen. Die bei dieser Erkrankung häufig auftretenden Verhaltensauffälligkeiten können mit Antidepressiva – z.B. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) – oder Antipsychotika behandelt werden. Leidet die Patientin/der Patient allerdings unter Bewegungsarmut und Muskelsteife (hypokinetisches-rigides Syndrom), können Antipsychotika die Bewegungsstörungen noch verstärken.
  • Demenz bei Morbus Parkinson: Rivastigmin ist zur antidementiven Behandlung der Demenz bei Parkinson im leichten und mittleren Stadium zugelassen. Außer diesem Medikament ist keine medikamentöse Therapie verfügbar. Nicht zugelassen sind Donepezil und Galantamin.
  • Lewy-Körper-Demenz: Für die Behandlung dieser Demenzerkrankung sind keine Medikamente zugelassen. Allerdings empfiehlt sich gerade hier die Behandlung mit Cholinesterasehemmern, da ein signifikantes cholinerges Defizit vorliegt. Für die Diagnose Alzheimer-Demenz mit Lewy-Körper sind ACE-Hemmer zugelassen.

Medikamente und Mild Cognitive Impairment

Für die Behandlung einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (MCI) bzw. zur Verhinderung einer Alzheimer-Demenz sind aufgrund des nicht ausreichenden Wirkungsnachweises keine Antidementiva zugelassen. Diverse Nootropika und medizinische Nahrungsergänzungsmittel können eingesetzt werden, deren Evidenz ist nicht nachgewiesen.

Wohin kann ich mich wenden?

Die Behandlung einer Demenzerkrankung erstreckt sich in den meisten Fällen über mehrere Jahre. Daher ist eine gute und langfristige Zusammenarbeit mit einer Ärztin/einem Arzt des Vertrauens eine wichtige Voraussetzung für den Behandlungserfolg, ebenso wie eine offene, verständnisvolle Gesprächsbasis zwischen Patientin/Patient, Betreuungsperson und Ärztin/Arzt.

Für die Auswahl der Therapiemaßnahmen bzw. der Medikamente können Sie sich an folgende Einrichtungen wenden:

Die Fachärztin/der Facharzt kann Antidementiva nach einer genauen Diagnostik verschreiben; gegebenenfalls nach Bewilligung durch den zuständigen Krankenversicherungsträger. Die Weiterverordnung der Medikamente kann dann in der Regel die Hausärztin/der Hausarzt für die Dauer von sechs Monaten vornehmen. Danach ist eine Kontrolle der Medikation bei der Fachärztin/beim Facharzt vorgeschrieben.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für die Behandlung einer Demenzerkrankung werden von der Sozialversicherung übernommen. Für manche Medikamente ist eine chefärztliche Bewilligung bzw. eine Dokumentation der fachärztlichen Verordnung durch die verschreibende Ärztin/den verschreibenden Arzt notwendig. Es kann auch die Ausstellung einer Dauermedikation (Dauerrezept) beantragt werden. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, die Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

Weitere Informationen: Der Bezug von Medikamenten.

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