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Herzangiographieeinheit © muratolmez

Koronarangiographie

Bei dieser Sonderform der Angiographie werden die Herzkranzgefäße zur Darstellung gebracht. Damit können Einengungen, Verschlüsse und Anomalien in den Gefäßen festgestellt und in der gleichen Sitzung auch therapiert werden. Darüber hinaus ist es auch möglich, Blutvolumen, Blutdruck, Herzmuskelkraft und den Zustand der Herzklappen zu beurteilen. Bei der Koronarangiographie muss Röntgenkontrastmittel in die Herzkranzgefäße gespritzt werden. Erst dieses Kontrastmittel macht die feinen Herzkranzgefäße und deren Engstellen auf einen Monitor sichtbar . . .

Bei den meisten Patientinnen/Patienten mit einem akuten Infarkt ist die Koronarangiographie mit anschließender Öffnung der verschlossenen Gefäße die beste Therapie. Daher wird die Koronarangiographie auch als der „Goldstandard“ beim akuten Herzinfarkt bezeichnet. Erfolgt die Koronarangiographie innerhalb von zwei Stunden nach Schmerzbeginn, kann die Patientin/der Patient einen Herzinfarkt ohne wesentliche bleibende Schäden des Herzens überleben.

Wann ist eine Angiographie der Herzkranzgefäße notwendig?

Typische Indikationen für eine Koronarangiographie sind:

Welche Vorbereitungen sind erforderlich?

Im Fall eines akuten Herzinfarktes kann eine Koronarangiographie ohne spezielle Vorbereitungen durchgeführt werden. Bei einer Kontrastmittelallergie muss unter Umständen vorab ein Medikament intravenös gespritzt werden, das eine allergische Reaktion verhindert oder abschwächt.

Bei einer geplanten Koronarangiographie gelten die gleichen Vorbereitungsmaßnahmen wie bei der arteriellen Angiographie.

Da die Patientin/der Patient ein Kontrastmittel erhält, das über die Niere ausgeschieden wird, ist eine Laborkontrolle der Nierenparameter wichtig. Besonders bei Menschen mit schweren Nierenfunktionseinschränkungen, bei denen es durch die Kontrastmittelgabe zu einem Nierenversagen kommen kann, ist ein Abwägen von Risiken und Nutzen notwendig. Auch bei Patientinnen/Patienten mit einer Schilddrüsenüberfunktion oder bei Struma ist eine Kontrolle der Laborwerte erforderlich. Siehe Kapitel Kontrastmitteleinsatz in der Diagnostik.

Hinweis Vier Stunden vor einer geplanten Koronarangiographie sollte die Patientin/der Patient nichts mehr essen und allenfalls nur noch Tee oder Wasser zu sich nehmen und nicht mehr rauchen.


Wie läuft die Untersuchung ab?

Die Untersuchung erfolgt im Liegen in einer speziellen Röntgeneinheit, die auch als Herzkatherlabor bezeichnet wird. Zuerst bekommt die Patientin/der Patient einen venösen Zugang. Durch diesen hat die Ärztin/der Arzt die Möglichkeit zu jeder Zeit Medikamente oder Infusionen zu verabreichen – z.B. bei Rhythmusstörungen, Übelkeit, unerwarteten Kreislaufreaktionen oder Angstzuständen. Die Patientin/der Patient bleibt während der gesamten Untersuchung an eine Überwachungseinheit angeschlossen. EKG, Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung werden aufgezeichnet und dokumentiert.

Für die Durchführung einer Koronarangiographie sind keimfreie Arbeitsbedingungen notwendig. Nach Desinfektion der Leiste wird die Patientin/der Patient steril abgedeckt. Die Punktionsstelle in der Leiste und der Kopf bleiben während der gesamten Untersuchung frei. Damit die Sterilität gewährleistet ist, muss auch die Ärztin/der Arzt wie in einem Operationssaal steril bekleidet sein. Nach örtlicher Betäubung wird die Arterie in der Leisten- oder Armbeuge punktiert und der Herzkatheter über die Körperschlagader bis zum Abgang der Herzkranzgefäße vorgeschoben.

Sobald die Lage des Katheters korrekt ist, werden sogenannte Aufnahmeserien gemacht. Dabei werden nach Einspritzen eines Kontrastmittels in festgelegten Abständen Röntgenbilder angefertigt. Diese Bilder machen der Kardiologin/dem Kardiologen krankhafte Veränderungen der Herzkranzgefäße sichtbar.

Hinweis Der Zugang zum Gefäßsystem kann anstatt über die Leistenarterie auch über eine Armarterie erfolgen!

Die Herzkatheteruntersuchung oder Koronarangiographie hat den großen Vorteil, dass unmittelbar nach der Lokalisation der Gefäßerkrankung in den meisten Fällen sofort eine Therapie eingeleitet werden kann. Dabei wird ein Katheter mit einem Ballon über die Punktionsstelle in der Leiste bis zu den Herzkranzgefäßen vorgeschoben. Dies geschieht immer unter Röntgenkontrolle. Auf dem Ballon befindet sich ein sogenannter Stent.

Stents sind Metallgerüste, die zusammengefaltet in den betroffenen Gefäßabschnitt eingebracht werden und als mechanische Stützhilfe einer Wiederverengung entgegenwirken. Durch den Ballon an der Katheterspitze wird das verschlossene Gefäß aufgedehnt und gleichzeitig der Stent an die Gefäßwand gedrückt. In bestimmten Fällen kann auch das Blutgerinnsel (Thrombus) abgesaugt werden.

Bei den neueren Stents ist das Metalgitter zusätzlich mit Medikamenten beschichtet. Dadurch können Medikamente in das Gefäßsystem abgegeben und die Wirksamkeit des Stents erhöht werden. Bei sämtlichen Stents besteht die Gefahr einer Stentthrombose, d.h. es kann zu einem akuten Gefäßverschluss nach Stenteinlagen kommen. Daher müssen Patientinnen/Patienten nach diesem Eingriff für eine bestimmte Dauer blutplättchenhemmende Medikamente einnehmen. Diese Behandlung darf erst beendet werden, wenn der Stent eingeheilt und von Zellen der Gefäßwand überwachsen ist. Dies variiert je nach Stentart  und nach Dringlichkeit des Krankheitsbildes zwischen ein und zwölf Monaten.

Am Ende der Untersuchung werden zuerst Katheter und Führungsdraht entfernt und danach die Schleuse. Um einen Blutverlust zu vermeiden, wird die Punktionsstelle entweder mit einem Druckverband versorgt und für zirka zehn Minuten manuell abgedrückt oder mit einem sogenannten Verschlusssystem versorgt. Die Patientin/der Patient muss nach der Untersuchung Bettruhe über mehrere Stunden einhalten.

Die Untersuchungszeit hängt von der Komplexität der Gefäßerkrankung und dem eventuellen Einsetzen eines Stens ab und kann bis zu einer Stunde dauern.

Welche Nebenwirkungen/Komplikationen gibt es?

Durch die örtliche Betäubung ist der gesamte Untersuchungsvorgang schmerzfrei. Der Abdrückvorgang, der Druckverband und die Einhaltung der Bettruhe sind für eine unkomplizierte Wundheilung wichtig. An der Punktionsstelle können sich Hämatome bilden, die nicht behandelt werden müssen. In seltenen Fällen ist eine operative Vernähung oder eine Bluttransfusion erforderlich. Ganz seltene Komplikationen wie Verletzung der Arterienwand (Dissektion) oder arteriovenöse Fistelbildung nach Entzündung können Operationen notwendig machen. Manchmal können große Embolien als Folge der Koronarangiographie ein anderes Gefäß verschließen und erfordert eine unverzügliche spezielle Behandlung. In sehr seltenen Fällen kann es durch die Kathetermanipulation zu einer Zerschichtung (Dissektion) an der Gefäßwand (Hauptschlagader, Herzkranzgefäße) kommen. Dadurch besteht die Gefahr einer mitunter lebensbedrohlichen Durchblutungsstörung. 

Wo wird eine Koronarangiographie durchgeführt?

Eine Koronarangiographie kann nur in bestimmten Zentren durchgeführt werden. Bei Verdacht auf einen akuten Herzinfarkt, sollte die Patientin/der Patient im Idealfall direkt vom Notfallort in ein derartiges Zentrum transferiert werden.

Bei einer Indikation zu einer geplanten Koronarangiographie, wird Ihre behandelnde Ärztin/Ihr behandelnder Arzt Ihnen eine Überweisung in ein Spital mit einem Herzkatheterlabor ausstellen. Die Untersuchung sowie die eventuelle Therapie werden von einer Kardiologin/einem Kardiologen durchgeführt.

  • Krankenhäuser (mit Herzkatheteruntersuchungen) in Ihrer Nähe finden Sie unter Services: Spitalssuche

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Für eine Koronarangiographie benötigen Sie eine ärztliche Zuweisung. Diese ist ab dem Ausstellungstag einen Monat gültig. Die Kosten einer Koronarangiographie werden von Ihrem Krankenversicherungsträger übernommen.

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