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Mann auf der Toilette © vchalup

Durchfall

Für manche Menschen ist es durchaus normal, dreimal täglich Stuhlgang zu haben. Ein breiiger Stuhl muss auch nicht unbedingt Durchfall bedeuten. Der Bereich des „normalen Stuhlganges“ ist breit gefasst, dabei können Stuhlkonsistenz und -frequenz individuell sehr unterschiedlich sein. Wissenschaftlich korrekt definiert man Durchfall als vermehrtes Stuhlgewicht pro Tag. 

Stuhlentleerungen von dreimal täglich bis alle drei Tage sind vollkommen normal. Erhöht sich die Stuhlfrequenz jedoch auf über dreimal täglich und nimmt die Konsistenz ab, kann man von Durchfall ausgehen. Grundlegend unterscheidet man akuten und chronischen Durchfall. Die Grenze liegt bei vier Wochen. Von Durchfall abzugrenzen ist die Stuhlinkontinenz, bei der die Stuhlfrequenz erhöht, die Stuhlmenge aber normal ist.

Welche Ursachen hat Durchfall?

Durchfall hat unterschiedlichste Ursachen. Diese reichen von einer Erregerinfektion über chronische Entzündungen bis zum Reizdarm. Einerseits kann es im Darm zu einer gestörten Aufnahme von Wasser und Salzen kommen. Es ist aber auch möglich, dass Durchfall durch eine vermehrte Ausschüttung von Wasser und Salzen innerhalb des Körpers (Sekretion) entsteht. Möglich ist auch ein Wechselspiel beider Mechanismen, z.B. bei Entzündungen des Darms. Bei einem Reizdarm zeigen sich wiederum veränderte Bewegungen des Darms (Motilität), was den Durchfall auslöst.

Die wichtigsten Durchfallursachen im Überblick:

Welche Symptome können bei Durchfall auftreten?

Nimmt die Stuhlfrequenz auf über dreimal täglich zu und verändert sich die Konsistenz deutlich (breiig bis flüssig), kann von Durchfall gesprochen werden. Auch das Stuhlgewicht ist erhöht und liegt bei über 500 Gramm/Tag, möglich sind allerdings bis zu mehrere Liter. Durchfall kann begleitet sein von Bauchschmerzen bis -krämpfen, bei bestimmten Infektionen kann es auch zu Übelkeit und Erbrechen kommen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Ärztin/der Arzt wird zu Beginn ein ausführliches Anamnese-Gespräch führen, in dem erörtert wird, welche Beschwerden bestehen und seit wann diese vorliegen. Akute Durchfälle beginnen zumeist plötzlich. Schwieriger gestaltet sich die Diagnosestellung bei länger bestehenden Durchfällen. Folgende Aspekte können u.a. relevant sein: 

  • Stuhl: Menge, Farbe, Geruch, Konsistenz und Frequenz;
  • Was passiert nachts und bei Fasten?
  • Ernährungsgewohnheiten;
  • Begleitsymptome wie Bauchschmerz, Blähungen, Gewichtsverlust, Fieber;
  • andere Erkrankungen;
  • kurz zurückliegende Reisen;
  • Haltung von Haustieren;
  • Einnahme von Medikamenten. 


Bei chronischen Durchfällen kann die Ärztin/der Arzt eine genaue Untersuchung des Darms durchführen bzw. anordnen. Bei einer Darmspiegelung wird ein Endoskop über den After in den Darm eingebracht. Über dieses Gerät ist es auch möglich, schmerzfrei Gewebeproben zu entnehmen (Biopsie), die weitere wertvolle Informationen liefern. Eine intravenöse Sedoanalgesie (Narkose) kann helfen, die Untersuchung schmerzfrei zu verschlafen. Weitere Informationen erhalten Sie unter Koloskopie.

Weiterführende mögliche diagnostische Methoden:

  • Calprotectin im Stuhl (= Leukozyten im Stuhl; Entzündungszeichen),
  • Blutentnahme, gegebenenfalls Blutkultur,
  • Stuhlkultur,
  • Sonographie (Ultraschall),
  • Gastroskopie zur Duodenalbiopsie,
  • Hormonbestimmungen.

Wie erfolgt die Behandlung von Durchfall?

Prinzipiell ist es bei Durchfall wichtig, die zugrunde liegende Ursache zu erfassen und diese kausal zu behandeln. Der Durchfall an sich wird symptomatisch behandelt. Bei starken Flüssigkeitsverlusten kann es mitunter zu einer lebensgefährlichen Austrocknung (Exsikkation) kommen, schnelles Handeln ist dann besonders wichtig.

Hinweis Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen sind von einer durchfallbedingten Austrocknung (Dehydratation) besonders gefährdet. Vorsicht ist auch bei schwachem Immunsystem geboten.

Elektrolytlösungen

Bei Durchfällen, durch die in kurzer Zeit viel Flüssigkeit verloren gegangen ist, müssen Flüssigkeit und Elektrolyte ersetzt werden. Dazu eignen sich spezielle Rehydratationslösungen, die auch selbst hergestellt werden können (nach WHO). Von dieser Trinklösung sollten innerhalb von 24 Stunden ca. 40 ml/kg Körpergewicht getrunken werden, das entspricht bei 70 Kilogramm Körpergewicht 2,8 Liter der Trinklösung.

WHO-Rehydratationslösung zum Selbstherstellen:

  • ½ Liter Mineralwasser
  • ½ Liter Orangensaft
  • 8 TL Zucker (gestrichen)
  • ¾ TL Salz

Krampfhemmer

Bei starken Bauchkrämpfen können krampflösenden Mittel (Spasmolytika) mit Wirkstoffen wie z.B. Butylscopolamin Erleichterung bringen. Unter Umständen können auch Medikamente eingesetzt werden, die den Darmtonus erhöhen und die Anzahl der Stuhlgänge vermindern (z.B. Loperamid).

Antibiotikagabe nur selten

Je nach Ursache des Durchfalls kann gegebenenfalls eine Behandlung mit Antibiotika erfolgen. Ob dies im konkreten Fall auch wirklich sinnvoll ist – d.h. ob eine bakterielle Infektion invasiv wurde oder nicht –, entscheidet die Ärztin/der Arzt. Zum Einsatz kommen z.B. Aminopenicilline mit Betalaktamasehemmer oder Chinolone.

Die Gabe von Probiotika in Form von Kapseln, Joghurts, Drinks etc. kann die Dauer akuter Durchfälle verkürzen (in etwa um einen Tag), ihr Haupteinsatzbereich ist aber die Vorbeugung. Weitere Informationen zur Wirkung von Probiotika erhalten Sie auf der Website www.medizin-transparent.at.

Chronischer Durchfall wird, wenn irgendwie möglich, kausal behandelt. Reizdarm wird am ehesten gebessert durch FODMAP-Diät und darmfokussierte Hypnotherapie. Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergien und medikamentös bedingten Durchfall bekämpft man am effektivsten durch Karenz. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen sprechen günstig auf Immunsuppression, bakterielle Überwucherung gut auf Antibiotika an.

Wie Sie Durchfall vorbeugen können

Um akute Durchfallerkrankungen zu vermeiden, sollten bestimmte Hygiene- und Verhaltensregeln beherzigt werden. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist dabei häufiges Händewaschen! Weitere Informationen erhalten Sie unter
Händehygiene: Wenig Aufwand, große Wirkung!

Auf Reisen hilft es zudem, auf Leitungswasser und daraus hergestellte Produkte wie Eiswürfel, gespritzten Fruchtsaft etc. zu verzichten. Obst und Gemüse sollten geschält bzw. gründlich mit keimfreiem Wasser gewaschen werden. Der Leitsatz „Koch es, schäl es oder lass es!“ bringt es auf den Punkt.

Weitere Tipps zur Vermeidung von Reisedurchfall erhalten Sie unter Richtig essen und trinken auf Reisen.

Wohin kann ich mich wenden?

Tritt der Durchfall besonders heftig auf und bessert sich nach zwei Tagen nicht, tritt Fieber dazu oder findet sich Blut im Stuhl, sollten Sie unbedingt rasch ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Haben Sie bereits über einen längeren Zeitraum Durchfall (chronisch), sollten Sie die Ursachen unbedingt abklären lassen. Dazu können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin,
  • Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin (Spezialgebiet Gastroenterologie und Hepatologie).

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Die Kosten einiger rezeptfreier OTC-Präparate sind von den Patientinnen/Patienten selbst zu tragen.

Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen.

Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Sozialversicherungsträger.

Näheres zur Kostenerstattung erfahren Sie zudem auf der Website der Sozialversicherungsträger.

Wenn ein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist

Liegt einen schwere durchfallbedingte Austrocknung vor, kann mitunter ein Krankenhausaufenthalt erforderlich sein. Dabei wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Die weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Allgemeinmedizinerin/den Allgemeinmediziner bzw. durch die Fachärztin/den Facharzt.


Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

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