Humanes Leukozytenprotein

Synonyme:  Calprotectin/Stuhl (CALPR)

Calprotectin ist ein Eiweißstoff, der im Zytoplasma von weißen Blutkörperchen (v.a. neutrophilen Granulozyten) vorkommt. In der Labordiagnostik ist vor allem die Messung von Calprotectin im Stuhl von Interesse. In diesem Untersuchungsmaterial bedeuten erhöhte Calprotectin-Werte einen Hinweis auf ein entzündliches Geschehen im Bereich des Darmtraktes.

  • Blut im Stuhl
  • Fluoreszindilaurattest
  • Hämoccult Test qual. (HOCCT)
  • Pankreatische Elastase / Stuhl (PELAT)
  • Pankreolauryltest (PAT)
  • Sekretin-Pankreozymin-Test (SPT)
  • Stuhl (Blut)

Warum wird Calprotectin im Stuhl bestimmt?

Calprotectin ist ein Eiweißstoff, der im Zytoplasma von Epithelzellen sowie bestimmten weißen Blutkörperchen vorkommt:

  • v.a. neutrophile Granulozyten und Monozyten.

In der Medizin ist die Bestimmung von Calprotectin insbesondere im Stuhl von Interesse. In diesem Untersuchungsmaterial bedeuten erhöhte Calprotectin-Werte einen Hinweis auf ein entzündliches Geschehen im Bereich des Darmtraktes.

Aus diesem Grund wird Calprotectin im Stuhl bei Verdacht auf folgende Erkrankungen bestimmt:

  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn und Colitis ulcerosa) sowie
  • Unterscheidung zwischen Darmentzündung und „Reizdarm-Syndrom“.

Darüber hinaus stellt die Calprotectin-Bestimmung im Stuhl vor allem in der Kinderheilkunde eine nicht invasive diagnostische Möglichkeit bei der Abklärung von Darmerkrankungen im Hinblick auf eine Unterscheidung zwischen entzündlichen und funktionellen Störungen dar.

Was bedeutet ein erhöhter Calprotectin-Wert im Stuhl?

Ein erhöhter Calprotectin-Wert im Stuhl bedeutet einen wichtigen Hinweis, dass im Darm eine krankhaft bedingte Ansammlung von weißen Blutkörperchen (v.a. neutrophile Granulozyten) zu vermuten ist, was bei entzündlichen Darmerkrankungen der Fall ist. Dabei korreliert auch die Höhe der Calprotectin-Werte mit der Menge an weißen Blutkörperchen im Darmlumen.

Dementsprechend finden sich erhöhte Calprotectin-Werte im Stuhl bei folgenden Erkrankungen:

  • bereits in frühen Stadien chronisch entzündlicher Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa),
  • Darminfektionen,
  • Tumoren im Bereich des Darmes,
  • Mukoviszidose.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED)

Der Begriff „chronisch entzündliche Darmerkrankungen“ (CED) umfasst die folgenden beiden Erkrankungen:

  • Morbus Crohn und
  • Colitis ulcerosa.

Für das Auftreten der CED sind vermutlich unterschiedliche Faktoren verantwortlich. Auf der einen Seite dürften hier genetische Faktoren eine Rolle spielen, da eine erhöhte Inzidenz in bestimmten Bevölkerungsgruppen beobachtbar ist. Auf der anderen Seite dürften auch autoimmunologische Prozesse bei der Entstehung dieser Erkrankungen involviert sein.

Bei Morbus Crohn („Enterocolitis regionalis“) können die entzündlichen Veränderungen prinzipiell an jeder Stelle des Verdauungstraktes auftreten. Am häufigsten manifestiert sich die Erkrankung aber im letzten Abschnitt des Dünndarms (terminales Ileum) sowie im Dickdarm (Colon). Die typische Entzündungsreaktion bei Morbus Crohn ist die Bildung von Epitheloidzellgranulomen mit histiozytären Riesenzellen, wie sie auch bei den granulomatösen Lungenerkrankungen (Tuberkulose und Sarkoidose) auftreten.

Die Colitis ulcerosa beginnt meist im Bereich des Rektums und breitet sich dann im Bereich des gesamten Dickdarms aus. Bei dieser Form der CED finden sich keine Epitheloidzellgranulome, sondern entzündliche Schleimhautinfiltrate mit Kryptenabszessen in den frühen Stadien. In den fortgeschrittenen Stadien dominieren Schleimhautgeschwüre mit dazwischen liegenden „Pseudopolypen“ (Schleimhautinseln).

Die diagnostische Abklärung einer CED umfasst folgende Schritte:

  • Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese),
  • Darmspiegelung und histologische Untersuchung von Biopsiematerial,
  • Bildgebende Verfahren der Bauchregion (Ultraschall, Computer-Tomographie [CT], Magnet-Resonanz-Tomographie [MRT]),
  • Laboruntersuchungen:
    • Entzündungswerte im Blut (CRP, Blutbild etc.),
    • Eisenstoffwechsel,
    • Calprotectin im Stuhl (ein wertvoller Laborwert bereits in frühen Stadien einer CED),
    • Autoimmundiagnostik,
    • bakteriologische Diagnostik etc.

Die Therapie der CED richtet sich nach der Form (Morbus Crohn bzw. Colitis ulcerosa), dem Verlauf (akuter bzw. chronischer Verlauf) und dem Stadium der Erkrankung. Die therapeutischen Optionen umfassen

  • Diätmaßnahmen (ballaststofffreie Ernährung in akuten Schüben),
  • Osteoporoseprophylaxe,
  • Eisensubstitution,
  • medikamentöse Maßnahmen (Entzündungshemmung mit Steroiden, Immunsuppressiva, Biologicals, Mesalazin bei Colitis ulcerosa) sowie
  • chirurgische Maßnahmen bei schwerem Befall betroffener Darmabschnitte.

Im Hinblick auf die Prognose der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zeichnet sich Morbus Crohn durch eine hohe Rezidivrate aus und ist nicht heilbar. Bei optimaler Therapieführung haben die Patientinnen und Patienten eine normale Lebenserwartung. Die Colitis ulcerosa ist durch den chirurgischen Eingriff der Proktokolektomie heilbar.

Ausführliche Informationen zu Chronische Darmerkrankungen.

Weitere Informationen

LOINC: 38445-3

Referenzwert

Einheit Referenzbereich
Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre
µg/g (Mikrogramm pro Gramm) <50 µg/g <50 µg/g <50 µg/g <50 µg/g

Hinweis

Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen exemplarischen Näherungsbereich aus der medizinischen Fachliteratur für diese Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Die labormedizinischen Referenzwerte können sich von  Richtwerten oder Grenzwerten für Diagnose und Therapie von Krankheiten unterscheiden.

Grundsätzlich hängen Referenzwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborergebnisse beeinflussen. Außerdem hängen die Laborergebnisse auch von der vom jeweiligen medizinischen Labor eingesetzten Untersuchungsmethode ab (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Daher werden von der Ärztin oder vom Arzt nur die auf dem jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen. Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Referenzwerte?

Die verwendete Literatur finden Sie im Quellenverzeichnis.

Letzte Aktualisierung: 7. März 2018

Abgenommen durch: Redaktion Gesundheitsportal

Expertenprüfung durch: Dr. Gerhard Weigl

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