Laborbefund: Was sind Referenzwerte?

In einem Laborbefund werden bestimmte Ergebnisse der Laboruntersuchungen in Zahlenwerten dargestellt. Man spricht auch von quantitativen Ergebnissen. Dazu ist gegebenenfalls die entsprechende Einheit ausgewiesen. Bei quantitativen Untersuchungsergebnissen ist auf dem Laborbefund immer auch ein Referenzbereich oder ein Schwellenwert („Cut-off“) zu finden. Diese Werte werden auch als Referenzwerte, Normwerte oder Normalwerte bezeichnet.

Laborwerte außerhalb des Referenzbereiches

Liegt der jeweilige ermittelte Laborwert ober- oder unterhalb eines bestimmten Schwellenwertes („Cut-off“) bzw. außerhalb des Referenzbereiches, so wird dies auf dem Laborbefund zumeist speziell gekennzeichnet:

  • das Ergebnis wird fett bzw. farbig gedruckt oder
  • es findet sich ein „+“ (bei Überschreitung des Schwellenwerts) oder ein „–“ (bei Unterschreitung) neben dem Untersuchungsergebnis (auch andere Symbole sind möglich: z.B. ein Pfeil).

Die Referenzbereiche können durch verschieden Faktoren beeinflusst werden, z.B.

  • Untersuchungsmethode (hängt vom jeweiligen medizinischen Labor ab; nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode),
  • Alter,
  • Geschlecht sowie
  • tageszeitliche Schwankungen der Labormessgröße.

In vielen Fällen sind leichte Abweichungen vom Referenzbereich unproblematisch. Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt wird die Ergebnisse beurteilen und interpretieren.

Hinweis

Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor.

Was bedeuteten Referenzwerte in der Labormedizin?

In der Labormedizin bezeichnet ein Referenzwert einen statistischen Durchschnittswert.

Der Referenzbereich einer bestimmten Messgröße, z.B. Blutzucker oder Leberwerte, ist in der Labormedizin jener Bereich, in dem 95 Prozent aller gesunden Menschen mit ihren individuellen Messwerten liegen. Das bedeutet daher, dass fünf Prozent aller gesunden Menschen – mit anderen Worten: fünf von 100 Menschen – mit einem bestimmten Laborwert außerhalb der Norm liegen.

Der Grund dafür sind die zahlreichen biologischen Unterschiede zwischen den Menschen. Von besonderer Bedeutung für die individuellen Laborwerte sind außerdem die jeweiligen Lebens- und Ernährungsgewohnheiten.

So müssten beispielsweise bei Vegetarierinnen oder Vegetariern unter Umständen andere Referenzwerte zur Anwendung kommen als etwa bei Personen die Krafttraining betreiben oder Marathon laufen. Theoretisch gelten für alle diese Gruppen eigene „Referenzwerte“. In der Praxis ist es aber unmöglich, die Referenzwerte auf ein solch individuelles Niveau herunterzubrechen.

Hinweis

Die labormedizinischen Referenzwerte können sich von Richtwerten oder Grenzwerten für Diagnose und Therapie von Krankheiten etwas unterscheiden.

Referenzwerte bei Kindern

Bei Kindern kann die Interpretation von Laborbefunden mitunter problematisch sein, weil es hier manchmal gar keine gültigen Referenzwerte gibt. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass es bei Kindern ethisch nicht vertretbar wäre, für bloße Testzwecke zur statistischen Ermittlung von Normalwerten Blut abzunehmen. Ähnliches gilt vielfach auch für Menschen höheren Lebensalters.

Referenzwerte bei Hormonanalysen

Ein besonderes Problem stellen die Referenzwerte bei Hormonanalysen dar. So haben etwa Untersuchungen der Schilddrüsenhormone enorme tageszeitliche Schwankungen und auch die Höhe der weiblichen Sexualhormone im Blut ist abhängig von der jeweiligen Zyklusphase. Diese biologischen Rhythmen sind daher sowohl bei der Blutabnahme als auch bei der professionellen Interpretation der Laborbefunde zu berücksichtigen.

Die verwendete Literatur finden Sie im Quellenverzeichnis.

Letzte Aktualisierung: 16. August 2022

Abgenommen durch: Redaktion Gesundheitsportal

Expertenprüfung durch: Dr. Gerhard Weigl

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