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Rückansicht einer Frau © zinkevych
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Adipositas

Adipositas (starkes Übergewicht oder Fettleibigkeit) bezeichnet eine übermäßige Vermehrung des Körperfetts. Das ist gemäß WHO ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 der Fall. Ob es sich um ein eigenständiges Krankheitsbild handelt oder nur um einen Risikofaktor für Folge- bzw. Begleiterkrankungen, darin sind sich medizinische Expertinnen/Experten nicht einig. Als Ursachen für die Entstehung der Adipositas gelten lebensstil- und umweltbedingte, hormonelle und genetische Faktoren. 

Wie häufig ist starkes Übergewicht?

Rund die Hälfte der österreichischen Bevölkerung ist übergewichtig bzw. adipös. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Zudem treten Übergewicht und Adipositas sowohl bei Männern als auch bei Frauen in höheren Altersklassen häufiger auf.

Welche Ursachen hat Adipositas?

Im Grunde entsteht Übergewicht bzw. Adipositas bei einem Ungleichgewicht zwischen Energiezufuhr und Energieverbrauch. Die Energiebalance ist dabei von verschiedenen Faktoren abhängig:

Risikofaktoren in der Schwangerschaft

Der Lebensstil der Mutter während und nach der Schwangerschaft beeinflusst das Körpergewicht des Kindes im späteren Leben. Ist die Mutter übergewichtig oder entwickelt sie Diabetes während der Schwangerschaft ( Gestationsdiabetes), können die Kinder zu groß und zu schwer zur Welt kommen. Folglich ist das Risiko für Adipositas im späteren Leben erhöht. Zudem haben Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft rauchen, und Babys, die nicht gestillt werden, ein erhöhtes Risiko, später im Leben übergewichtig zu werden. 

Wie wird die Diagnose gestellt?

Übergewicht bzw. Adipositas werden mittels des Body Mass Index (BMI) ermittelt bzw. diagnostiziert. Der BMI wird wie folgt eingeteilt:

Kategorie BMI (kg/m²)
Übergewicht (Präadipositas) 25 – 29,9
Adipositas Grad I 30 – 34,9
Adipositas Grad II 35 – 39,9
Adipositas Grad III 40 


Allerdings gibt der BMI keine Auskunft über die Verteilung des Körperfetts. Daher wird neben dem Ausmaß des Übergewichts das Fettverteilungsmuster und damit das Risiko für Begleit- und Folgeerkrankungen bestimmt. Das Erkrankungsrisiko ist größer bei bauchbetonter (abdomineller oder viszeraler) Adipositas (Apfeltyp). Diese ist durch Fettansammlungen innerhalb des Bauchraums gekennzeichnet. Ein einfaches Maß zur Beurteilung der Fettansammlungen im Bauchbereich ist die Messung des Taillenumfangs. Bei einem Taillenumfang von 88 cm und höher bei Frauen bzw. von 102 cm und höher bei Männern liegt eine bauchbetonte Adipositas vor. Um ein gesundheitliches Risiko beurteilen zu können, misst die Ärztin/der Arzt bei Personen mit einem BMI von 25 und höher den Taillenumfang. Fettansammlungen an Gesäß und Beinen sind weniger mit gesundheitlichen Risiken verbunden (Birnentyp). 

Welche Folgen hat Adipositas?

Adipositas kann verschiedene Erkrankungen begünstigen, wobei ein Zuviel an Gewicht nicht zwangsläufig mit Folgeerkrankungen einhergehen muss. So fühlen sich v.a. Menschen mit Adipositas Grad 1 oft nicht weniger gesund oder unwohler als schlankere Menschen. Außerdem gibt es Menschen mit Adipositas, die körperlich fit sind und einen gesunden Stoffwechsel haben. Das Krankheitsrisiko steigt jedoch mit Höhe und Dauer des Übergewichts. 

Adipositas ist u.a. ein Risikofaktor für:

Übergewicht gilt auch als Risikofaktor für die Entstehung einiger Krebserkrankungen. Hierzu zählen u.a. Brust-, Dickdarm-, Gebärmutter- und Nierenkrebs.

Wie erfolgt die Behandlung von Adipositas?

Je nach Ausgangsgewicht empfehlen medizinische Fachgesellschaften eine Gewichtsabnahme von fünf bis zehn Prozent des Ausgangsgewichts innerhalb von sechs bis zwölf Monaten. Für eine nachhaltige Gewichtsreduktion besteht eine erfolgreiche medizinische Therapie meist aus mehreren Säulen, wobei Änderungen des Lebensstils immer ein wichtiger Teil der Behandlung sein sollten. Die Auswahl weiterer Maßnahmen hängt vom Ausgangsgewicht, der Anamnese und von den Vorlieben und Möglichkeiten der Betroffenen ab. Zu den Möglichkeiten der Behandlung bei starkem Übergewicht zählen z.B.:

  • Lebensstiländerung und Verhaltensmaßnahmen (Änderung der Ernährungsgewohnheiten, körperliches Training und psychologische Aspekte), 
  • medikamentöse Therapie und
  • operative Eingriffe (bariatrische Chirurgie bzw. Adipositaschirurgie). 

Idealerweise erfolgt die Betreuung durch ein multidisziplinäres Team, welches aus Allgemeinmedizinerinnen/Allgemeinmedizinern, Diätologinnen/Diätologen, gegebenenfalls Internistinnen/Internisten, Psychologinnen/Psychologen und Physiotherapeutinnen/Physiotherapeuten besteht. Patientinnen und Patienten können auch von der Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe profitieren.

Änderung der Ernährungsgewohnheiten 

Wichtige Maßnahmen zur Änderung der Ernährungsgewohnheiten sind u.a.:

  • Einhaltung von Esspausen für vier bis fünf Stunden nach einer Mahlzeit,
  • Vermeidung von Zwischensnacks,
  • kein Auslassen ganzer Mahlzeiten,
  • Anrichten von kleineren Portionen,
  • häufiges Kauen sowie langsames und bewusstes Essen ohne Ablenkungen durch Fernsehen, Smartphones oder Arbeit,
  • Berücksichtigung des Sättigungsgefühls.

Weitere Informationen finden Sie unter Gesund abnehmen.

Formula-Diäten

Eine Formula-Diät verfolgt das Ziel, Gewicht zu reduzieren, indem mindestens eine Mahlzeit am Tag durch ein kalorienreduziertes Produkt ersetzt wird. Dieses wird meist in Form eines industriell hergestellten Shakes, Fertigdrinks oder in Pulverform angeboten. Formula-Diäten enthalten Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette sowie Vitamine und Mineralstoffe in einem ausgewogenen Verhältnis. Häufig stellt eine Formula-Diät den Einstieg in ein Programm zur Gewichtsreduktion dar, mit dem eine Änderung des Ernährungsverhaltens sowie mehr körperliche Aktivität angestrebt werden. Formula-Diäten werden aus ärztlicher Sicht meist erst ab einem BMI von 30 kg/m2 und höher befürwortet. Sie sollten Teil eines langfristigen Abnehmprogramms sein und nur unter ärztlicher und diätologischer Aufsicht durchgeführt werden.

Körperliches Training 

Neben der Adaptierung der Ernährungsgewohnheiten ist körperliche Bewegung eine der wichtigsten Komponenten im Management von Adipositas. Zügiges Gehen, Nordic Walking, Wandern, Radfahren, Schwimmen und Aquagymnastik sind gut geeignete Sportarten. Dabei kann Ausdauertraining mit moderatem Krafttraining kombiniert werden. Ihre behandelnde Ärztin/Ihr behandelnder Arzt berät Sie, welche Form der Bewegung für Sie am besten geeignet ist.

Weitere Informationen finden Sie unter Bewegungsempfehlungen.

Psychologische Aspekte bei der Behandlung von Adipositas 

Eine begleitende psychologische Behandlung von Menschen mit Adipositas ist von großer Bedeutung. Essstörungen wie „Binge Eating“ oder „Night Eating Syndrome“ sowie Depressionen bedürfen einer Behandlung durch Spezialistinnen/Spezialisten wie etwa Psychiaterinnen/Psychiater, Psychologinnen/Psychologen sowie Verhaltenstherapeutinnen/Verhaltenstherapeuten. 

Einsatz von Medikamenten 

Medikamente zur Gewichtsreduktion müssen von einer Ärztin/einem Arzt verordnet werden und dienen immer nur als Ergänzung und nicht als alleinige Therapie. Deren Einsatz kann ab einem BMI 30 kg/m² (Adipositas Grad 1) bzw. einem BMI 27 kg/m² (Übergewicht) und dem gleichzeitigen Vorliegen zumindest einer zusätzlichen Begleiterkrankung wie Typ-2-Diabetes, Hypertonie oder Hyperlipidämie von der behandelnden Ärztin/dem behandelnden Arzt in Betracht gezogen werden. In der Vergangenheit sind einige Präparate aufgrund schwerwiegender Nebenwirkungen vom Markt genommen worden. Derzeit stehen in Österreich drei medikamentöse Therapieoptionen zur Verfügung, nämlich Orlistat, Liraglutid und Naltrexon/Bupropion. 

Hinweis In der Schwangerschaft, während der Stillzeit oder in der Kindheit sollten Medikamente zur Behandlung von Übergewicht/Adipositas nicht eingesetzt werden. Generell sollte vor der Einnahme von Medikamenten stets mit der behandelnden Ärztin/dem behandelnden Arzt Rücksprache gehalten werden.

Adipositaschirurgie 

Die bariatrische Chirurgie (Adipositaschirurgie) ist ein Teilgebiet der Chirurgie. Sie umfasst operative Eingriffe, die zu einer Reduktion des Körpergewichts führen sollen. Dabei können je nach operativer Methode 50 bis 80 Prozent des überschüssigen Gewichts oder zehn bis 20 BMI-Einheiten reduziert werden.
Ein bariatrischer Eingriff kommt infrage, wenn herkömmliche Therapieoptionen fehlgeschlagen sind. Zudem muss der BMI 40 kg/m² oder 35 kg/m² mit dem gleichzeitigen Vorliegen von Begleiterkrankungen (z.B. Bluthochdruck, Diabetes etc.) betragen. Diese Begleiterkrankungen verbessern sich häufig nach einem chirurgischen Eingriff und können teilweise sogar wieder gänzlich verschwinden. Zu den häufigsten bariatrischen Operationsmethoden zählen der Y-Roux-Magenbypass, der Omega-Loop-Bypass, die Sleeve Gastrectomy („Schlauchmagen“) sowie eine Kombination aus Sleeve Gastrectomy und Omega Loop (SADI-S – Single Anastomosis Duodeno-ileal Bypass with Sleeve).
Die Entscheidung, ob ein bariatrischer Eingriff bei einer Patientin/einem Patienten infrage kommt, kann nur nach umfangreicher interdisziplinärer Abklärung (u.a. Ärztin/Arzt und Diätologin/Diätologe) inklusive psychologischer Evaluierung erfolgen. Zudem muss die Patientin/der Patient umfassend über die möglichen Folgen (z.B. drastische Umstellung der Ernährungsgewohnheiten, psychologische Auswirkungen, chirurgische Komplikationen) aufgeklärt werden. Außerdem muss eine lebenslange Nachsorge nach der Operation gewährleistet sein, um Mangelerscheinungen an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Eiweiß vorzubeugen. So sind Menschen nach derartigen Eingriffen auf die lebenslange Einnahme von verschiedenen Nahrungsergänzungen (z.B. Multivitamin-Supplementen) angewiesen. In manchen Fällen ist auch eine intravenöse oder intramuskuläre Verabreichung (z.B. Eiseninfusionen oder Vitamin-B12-Injektionen) erforderlich. Bariatrische Operationen sollten nur an spezialisierten Zentren durchgeführt werden, wo ein interdisziplinäres Management möglich ist und ausreichend hohe Fallzahlen pro Jahr erreicht werden.

Hinweis Die hier angeführten Empfehlungen zur Prävention und Therapie bestimmter Krankheiten bzw. für die Ernährung bei bestimmten Krankheiten sind als Basis für individuell abgestimmte Maßnahmen zu verstehen. Sie können eine persönliche Beratung oder Diagnose durch eine Ärztin/einen Arzt oder eine Diätologin/einen Diätologen nicht ersetzen.

Wohin kann ich mich wenden?

Häufig ist die Hausärztin/der Hausarzt die erste Anlaufstelle zur Behandlung einer Adipositas. Auch Beratungsgespräche mit einer Diätologin/einem Diätologen sind zu empfehlen. Allerdings gibt es für Menschen mit Adipositas in Österreich verschiedene Angebote zur Unterstützung:

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

sowie über den Online-Ratgeber Kostenerstattung der Sozialversicherung.

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