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Blutabnahme © Gina Sanders

Hepatitis B: Diagnose & Therapie

Klinisch lässt sich eine akute Hepatitis B nicht von anderen akuten Leberentzündungen (ausgelöst durch Hepatitis-A-, -C-, -D- und -E-Viren) oder einer Autoimmunhepatitis unterscheiden. Die Mehrzahl der Erkrankten hat keine Symptome. Verläufe mit Gelbsucht treten nur in ca. 30 Prozent der Fälle auf. Die Hepatitis B (Inkubationszeit vier bis 26 Wochen) beginnt – ähnlich der Hepatitis A – häufig mit Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Appetitlosigkeit. In weiterer Folge kommt es zur Gelbfärbung von Augen und Haut (Ikterus, die sogenannte Gelbsucht). Neben der Dunkelfärbung des Harns tritt eine Hellfärbung des Stuhls auf. Zusätzlich kann es zu Juckreiz, Gelenksschmerzen und Ausschlag kommen . . .

Diagnose

Laborchemisch (im Blut) findet sich eine deutliche Erhöhung der Leberwerte. Körperliche Schonung und die Vermeidung leberschädigender Substanzen, wie z.B. Alkohol, werden empfohlen.

Hinweis Bei einer Hepatitis-B-Infektion sollte immer auch auf eine gleichzeitig vorliegende Hepatitis D getestet werden. In seltenen Fällen ist eine stationäre Behandlung im Krankenhaus erforderlich.


Heilt die Hepatitis B nicht innerhalb von sechs Monaten von selbst aus, bleibt sie dauerhaft im Körper (chronisch). Im Blut ist HBs-Antigen nachweisbar. Der chronische Verlauf ist bei jedem Menschen anders. Der Schweregrad der Hepatitis B hängt vom Ausmaß der Immunreaktion gegen das Hepatitis-B-Virus ab.

Symptome

Typische Symptome der chronischen Hepatitis B sind:

  • Müdigkeit und Leistungsminderung,
  • Konzentrationsschwäche,
  • Völlegefühl (auch Schmerzen im rechten Oberbauch),
  • gelegentlich Gefäßentzündungen mit Mitbeteiligung der Niere, Gelenks- und Muskelschmerzen.

In den meisten Fällen verläuft die chronische Hepatitis B jedoch völlig symptomlos. Die Gefahren der chronischen Hepatitis B liegen in:

  • der anhaltenden Entzündung in der Leber,
  • den Umbauvorgängen in der Leber mit Bindegewebseinlagerung (Fibrose),
  • der Entwicklung einer Leberzirrhose mit Einschränkung der Leberfunktion und möglichen Komplikationen,
  • der Entwicklung eines Leberkarzinoms (fünf bis 50 Jahre nach Infektionsbeginn, individuell sehr verschieden, je nach zusätzlich vorliegenden leberschädigenden Kofaktoren wie z.B. Alkohol).

Die Kontrolle erfolgt durch regelmäßige klinische Untersuchungen, Laboruntersuchungen (Lebertests, Blutbild, Blutgerinnung, Viruslast im Blut) sowie halbjährliche Ultraschalluntersuchungen und Kontrollen des Tumormarkers AFP (Alpha-1-Foetoprotein). Möglicherweise wird auch eine Gewebeprobe (Leberbiopsie) zur Feststellung der Entzündungsaktivität in der Leber sowie des Grades der „Vernarbung“ notwendig.

Labornachweis einer Hepatitis B

Bei einer Hepatitis B sind im Blut – je nach Stadium der Infektion – drei unterschiedliche Parameter nachweisbar: Erbsubstanz des Virus (HBV-DNA), körpereigene Antikörper (Anti-HBs, Anti-HBe, Anti-HBc, Anti-HBc-IgM) und Virusbausteine (Antigene HBs-Ag, HBe-Ag).

Nähere Informationen finden Sie in der Laborwerte-Tabelle unter Leber.

  • Wenn in der Labordiagnostik Anti-HBc negativ ist (das heißt nicht nachweisbar), muss nicht weiter untersucht werden. Eine Impfung bietet sich an bzw. wird empfohlen.
  • Wenn Anti-HBc nachweisbar ist (Anti-HBc positiv), besteht der Verdacht auf eine Hepatitis-B-Infektion. Weitere Untersuchungen auf HBs-Antigen, HBe-Antigen und HBe- Antikörper sind notwendig.
  • Im akuten Infektionsstadium können zusätzlich HBc-IgM-Antikörper nachgewiesen werden.
  • Die Höhe der Infektiosität lässt sich mithilfe des quantitativen direkten Virusnachweises bestimmen.
  • Eine Immunität durch die Impfung ist bei positivem Antikörper HBs gegeben. Titerbestimmungen aus dem Blut können über die eventuelle Notwendigkeit einer Auffrischungsimpfung Auskunft geben.
  • Immunität nach durchgemachter Infektionskrankheit ist durch das Vorhandensein von HBs-und HBc-Antikörper gegeben. Allerdings kann es dennoch in seltenen Situationen (z.B. notwendige immunsupressiveMedikation) zu einer Reaktivierung der Hepatitis B kommen.

Therapie & Nachsorge

Das primäre Ziel der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit chronischer Hepatitis B besteht in einer dauerhaften und langfristigen Unterdrückung der Virusvermehrung in den nicht mehr nachweisbaren Bereich. Die derzeit dafür zugelassenen Medikamente können eine chronische Hepatitis B nicht vollständig heilen. Eine „aggressive“ Verlaufsform (Zeichen starker Entzündung und Vernarbung, erhöhte Transaminasen, hohe Virusmenge) kann jedoch deutlich gemildert werden. Dadurch sinkt das Risiko für eine Leberzirrhose bzw. für Leberkrebs.

Zeigt eine Hepatitis B einen „milden“ Verlauf (normale bzw. minimal erhöhte Leberwerte, niedrige Virusmenge), kann mit einer medikamentösen Therapie zugewartet werden. Regelmäßige klinische und laborchemische Kontrollen sind jedoch empfehlenswert.

Hinweis Bei fehlender Immunität wird eine Impfung gegen Hepatitis A empfohlen.


Für die Therapie der chronischen Hepatitis B stehen zwei unterschiedliche Therapiekonzepte zur Verfügung:

  • Die meisten Patientinnen und Patienten werden heutzutage mit Nukleosidanaloga (z.B. Lamivudin, Telbivudin, Entecavir) und Nukleotidanaloga (z.B. Adefovir, Tenofovir) behandelt, die als Tabletten eingenommen werden. Diese Substanzen greifen in die Vermehrung der Erbinformation des Virus ein. Dabei werden fehlerhafte Bausteine eingebaut, die zum Abbruch der Vervielfältigung führen. Sie hemmen dadurch die Virusvermehrung und die Aktivität der chronischen Hepatitis B. Im Vergleich zu älteren Nukleosid- und Nukleotidanaloga kommt es unter den neueren Substanzen Entecavir und Tenofovir seltener zur Entwicklung von Resistenzen sowie zu weniger Nebenwirkungen. Sie werden daher von Ärztinnen/Ärzten bevorzugt eingesetzt.
  • Interferon alpha verfügt über antivirale und immunmodulierende Eigenschaften, kann aber beträchtliche Nebenwirkungen verursachen. Das heute verwendete pegylierte Interferon alpha (PEG-Interferon) wird einmal pro Woche unter die Haut gespritzt. Die Erfolgsaussichten einer Therapie mit Interferon alpha hängen von mehreren Faktoren ab, z.B. Genotyp, Viruslast, Höhe des Leberenzyms GPT sowie Hepatitis-Be-Ag-Status.

Alle Medikamente zur Behandlung der Hepatitis B sind chefarztpflichtig. Welche Therapie für die Patientin/den Patienten die richtige ist, entscheidet die Spezialistin/der Spezialist (Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin mit fundierten hepatologischen Kenntnissen). Grundsätzlich muss bei jeder Patientin/jedem Patienten die Krankheitssituation individuell betrachtet werden. Meist ist eine jahrelange Therapie erforderlich. Entscheidend für den Therapieerfolg sind in erster Linie die Therapietreue (Compliance) der Patientinnen/Patienten und die Vermeidung von Resistenzentwicklungen. Die Therapiekontrolle erfolgt durch Bestimmung der Viruslast.

Wohin kann ich mich wenden?

Diagnostik und Behandlung bei Hepatitis B sind in folgenden Einrichtungen möglich:

  • niedergelassener Bereich: Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin mit fundierten hepatologischen Kenntnissen,
  • spezielle Krankenhausambulanz: z.B. hepatologische Ambulanz,
  • Kassenambulatorien mit hepatologischer Spezialambulanz.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten der Behandlung von Hepatitis B werden von der Sozialversicherung übernommen. Bei bestimmten Leistungen (z.B. Medikamente, stationäre Aufenthalte) sind Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen. Von manchen Krankenkassen wird die Impfung gegen Hepatitis B bezahlt. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrer Krankenkasse, die Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

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