Keuchhusten bei Kindern

Keuchhusten (Pertussis) ist eine durch Bordetella pertussis ausgelöste, hochansteckende bakterielle Infektionskrankheit des Atemtraktes. Sie verläuft im Kindesalter mit typischen stakkatoartigen Hustenattacken mit zwischengeschalteter, laut hörbarer Einatmung und oft abschließendem Würgen oder Erbrechen . . .

Wie wird Keuchhusten übertragen?

Die Erreger werden durch Tröpfcheninfektion direkt von Mensch zu Mensch übertragen. Ein Kontakt mit dem Bakterium führt in 70 bis 80 Prozent zur Erkrankung, innerhalb von Familien in bis zu 100 Prozent der Fälle. Kleinkinder sind am stärksten gefährdet. Da die Immunität nicht lebenslang besteht, erkranken auch Erwachsene, oft aber nur mit anhaltendem Husten. Sie stellen eine wichtige Ansteckungsquelle dar. Am höchsten ist die Ansteckungsgefahr im Frühstadium (katarrhalisches Stadium), solange die Infektion kaum als Keuchhusten erkennbar ist. Mit Eintritt des typischen Krankheitsbildes (konvulsives Stadium) lässt sie rasch nach.

Wie Sie Keuchhusten vorbeugen können

Neugeborene haben keine über die Plazenta erworbene Immunität („Nestschutz“) gegen Keuchhusten. Wegen des häufigen Vorkommens von Keuchhusten und des schweren Verlaufs im Säuglingsalter sollte möglichst früh – unmittelbar nach Vollendung des zweiten Lebensmonats – geimpft werden.

Hinweis

Die Zeit von der Infektion bis zum Auftreten erster Beschwerden beträgt drei bis zwölf Tage.

Welche Symptome können auftreten?

Die Krankheit verläuft in der Regel in drei Stadien (siehe auch Tabelle):

  • Stadium 1 (Stadium catarrhale): Es beginnt wie ein banaler Infekt mit leichtem Fieber, Schnupfen und trockenem Reizhusten („Katarrh“).

  • Stadium 2 (Stadium convulsivum): Es verläuft meist ohne Fieber mit anfallsartigen Hustenattacken und oft herausgestreckter Zunge. Nach einer tiefen Einatmung folgt ein Stakkatohusten mit 15 bis 20 Hustenstößen. Das Gesicht des Kindes verfärbt sich rot, danach bläulich. Das Kind scheint zu ersticken, bis eine laut ziehende, krächzend-juchzende Einatmung erfolgt, die zu neuen Hustenstößen führen kann. Der Anfall wird oft durch Herauswürgen von zähem Schleim oder durch Erbrechen beendet. Die Anfälle treten gehäuft nachts auf, können aber auch durch äußere Einflüsse wie körperliche Anstrengung ausgelöst werden. Typisch sind Intervalle, in denen das Kind gesund erscheint. Bei jungen Säuglingen kommt es oft anstatt typischer Hustenanfälle zu „kläglichem Piepsen“ oder lebensbedrohlichen Anfällen von Atemnot. Durch das gewaltsame Herausstrecken der Zunge im Hustenanfall kann bei Kindern, die schon Zähne haben, ein schmerzhaftes Zungenbandgeschwür entstehen. In seltenen Fällen kann die hustenbedingte Druckerhöhung im Brust- bzw. Bauchraum Blutungen in der Augenbindehaut, im Kopfbereich sowie Nasenbluten bzw. einen Nabel- oder Leistenbruch oder Mastdarmvorfall zur Folge haben.

  • Stadium 3 (Stadium decrementi): Die Hustenanfälle werden allmählich seltener und schwächer. Bei sensiblen Kindern kann in diesem Stadium jeder unbedeutende Reiz zu einem Hustenanfall führen („Keuchhusten-Tic“).

Stadien des Keuchhustens

Stadieneinteilung Dauer Krankheitszeichen
Inkubationszeit 5-10 (bis 20) Tage keine Krankheitszeichen
Stadium catarrhale 1-2 Wochen Schnupfen, Augenbindehautentzündung, Fieber, uncharakteristischer Husten („Katarrh“)
Stadium convulsivum 3-6 (bis 8) Wochen typische Hustenanfälle, Erbrechen
Stadium decrementi 2-4 Wochen nachlassender Husten, eventuell Husten-Tic

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnose basiert auf dem Beschwerdebild, besonders dem häufigen Auftreten typischer Hustenanfälle. Keuchhustenähnliche Hustenanfälle können unter anderem bei anderen Infektionskrankheiten des Atemtraktes, Tuberkulose sowie bei „Verschlucken“ von Fremdkörpern (Fremdkörperaspiration) auftreten. Eine Diagnosesicherung ist mittels Laboruntersuchung möglich.

Wie erfolgt die Behandlung von Keuchhusten?

Durch die Behandlung sollen vor allem die Ansteckungsgefahr verringert und die Ausbreitung der Krankheit verhindert werden. Säuglinge und nicht geimpfte Kinder sollten sofort zur Behandlung in ein Krankenhaus überwiesen werden.

Als Therapie wird ein Makrolid-Antibiotikum (Azithromycin, Roxithromycin, Erythromycin oder Clarithromycin) über 14 Tage empfohlen. Sie wirkt am besten, wenn sie innerhalb von zwei Wochen nach Beginn der Beschwerden einsetzt. Besteht das Krankheitsbild bereits seit über einem Monat, ist eine Behandlung üblicherweise nicht mehr sinnvoll. Eine medikamentöse Prophylaxe über zehn bis 14 Tage für alle Familienmitglieder wird empfohlen, wenn es außer der Keuchhustenpatientin/dem Keuchhustenpatienten ein weiteres Kind unter sechs Monaten gibt.

Zusätzlich ist ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig. Bettruhe kann sich günstig auswirken, sofern das erkrankte Kind dazu bereit ist. Die Isolierung sollte fünf Tage ab Beginn der Antibiotikatherapie dauern. Bestehen die Symptome schon seit mehr als drei Wochen, ist eine Isolierung überflüssig. Kinder unter sieben Jahren, die mit der Patientin/dem Patienten Kontakt hatten, sollten eine Pertussis-Impfung erhalten, wenn im Blut kein ausreichender Schutz durch Antikörper nachweisbar ist.

Komplikationen

Die häufigsten Komplikationen sind Atemnot (Apnoe), Sekundärinfektionen (z.B. bakterielle Lungenentzündungen) und ARDS (acute respiratory distress syndrome, eine lebensgefährliche akute Schädigung der Lunge). Etwa ein Prozent der Säuglinge verstirbt.

Wohin kann ich mich wenden?

Sobald erste Krankheitszeichen auftreten, sollten Sie mit Ihrem Kind eine Ärztin/einen Arzt für Allgemeinmedizin oder Kinder- und Jugendheilkunde aufsuchen.

Die verwendete Literatur finden Sie im Quellenverzeichnis.

Letzte Aktualisierung: 11. Oktober 2017

Abgenommen durch: Redaktion Gesundheitsportal

Expertenprüfung durch: Univ.-Prof. Dr. Andreas Böck

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