Verstopfung bei Kindern

Als Verstopfung bezeichnet man verschiedene Probleme bei der Stuhlentleerung. Dazu zählen z.B. eine verminderte Stuhlmenge oder Anstrengungen bei der Stuhlentleerung. Auch der Stuhlgang kann weniger häufig sein. Bestehen die Beschwerden länger als zwei Monate, kann es sich um ein chronisches Problem handeln. Der Fachbegriff für die Verstopfung lautet Obstipation.

Die Verstopfung gehört zu den häufigsten Gründen, warum eine Kinderärztin oder ein Kinderarzt aufgesucht wird. Die betroffenen Kinder klagen oft über Bauchschmerzen und gehen nur ungern auf die Toilette. Die möglichen Ursachen für die Verstopfung sind vielfältig. Die Behandlung besteht aus Akutmaßnahmen und längerfristigen Therapien.

Was ist eine Verstopfung?

Als Verstopfung bezeichnet man bei Kindern verschiedene Probleme bei der Stuhlentleerung.

Zu den Anzeichen einer Verstopfung zählen:

  • Es wird seltener Stuhl ausgeschieden als gewohnt. Als Richtwert gelten weniger als zwei Stuhlentleerungen pro Woche.
  • Die ausgeschiedene Stuhlmenge ist geringer als gewohnt.
  • Es sammeln sich Stuhlreste im Darm an.
  • Der Stuhlgang ist mit Schmerzen verbunden.
  • Der ausgeschiedene Stuhl ist hart, trocken und meist klumpig.
  • Der Stuhl kann nur unter Anstrengung ausgeschieden werden, z.B. durch starkes Pressen.
  • Davor oder danach kommt es manchmal zur Ausscheidung großer Mengen an dünnflüssigem Stuhl.
  • Das Kind hält den Stuhlgang immer wieder zurück.
  • Kinder, die bereits sauber waren, haben plötzlich wieder Stuhlspuren in der Unterhose.

Eine Verstopfung liegt dann vor, wenn mehrere Anzeichen zusammen auftreten. Wenn die Probleme mehr als zwei Monate bestehen, spricht man von einer chronischen Verstopfung.

Wie häufig ein Kind normalerweise Stuhlgang hat, ist individuell sehr unterschiedlich. Das Alter und die Ernährungsgewohnheiten spielen dabei eine große Rolle. Aus medizinischer Sicht gilt als normaler Stuhlgang: 

  • bei Säuglingen und Babys: vier- bis fünfmal täglich bis zu einmal pro Woche,
  • bei Kleinkindern und Kindern: ein- bis dreimal täglich bis dreimal pro Woche.

Welche Ursachen hat eine Verstopfung bei Kindern?

Häufige Ursachen einer Verstopfung bei Kindern sind:

  • Falsche Ernährung: zu wenig Ballaststoffe - vor allem Gemüse, Obst, Vollkornprodukte - in Kombination mit einem Mangel an Flüssigkeiten. Ein übermäßiger Konsum von Lebensmitteln wie Weißbrot oder Süßigkeiten verstärkt das Problem noch zusätzlich.
  • Zu wenig Bewegung.
  • Veränderungen im gewohnten Tagesablauf, z.B. Urlaub, ungewohntes Essen, Kindergarteneingewöhnung.
  • Eine Krankheit oder Verletzung, durch die das Kind einige Tage im Bett verbringt und sich kaum bewegt.
  • Umstellung von Muttermilch auf Flaschen- bzw. Breinahrung.
  • Bestimmte Medikamente.
  • Psychische Faktoren: z.B. Geburt eines Geschwisterchens, Konflikte in der Familie etc.

Eine chronische Verstopfung entsteht häufig durch eine Art „Teufelskreis“: Am Anfang steht oft eine Irritation im Zusammenhang mit der Stuhlentleerung, z.B. ein wunder Po. Das Kind verbindet in der Folge den Stuhlgang mit Schmerzen und beginnt, den Stuhl zurückzuhalten. Bleibt der Stuhl länger im Darm, entstehen harte Stuhlballen, die beim nächsten Stuhlgang wieder zu Schmerzen führen. Wenn dieser Teufelskreis nicht unterbrochen wird, sammelt sich immer mehr Stuhl im Darm an. Die Beschwerden nehmen weiter zu und in weiterer Folge auch die Angst vor dem Stuhlgang. Über diese Angst und die damit verbundenen Verhaltensweisen kommen die Kinder kaum von alleine wieder hinweg.

Auch ein zu frühes Toilettentraining kann die Entstehung einer Verstopfung begünstigen. Es kann bei den Kindern mit Stress oder Unbehagen verbunden sein. Daher sollten Eltern auf ihre Kinder beim Sauberwerden keinen Druck ausüben, sondern Geduld haben.

Nur in seltenen Fällen ist eine Krankheit der Auslöser einer andauernden Verstopfung. Möglich sind unter anderem:

Welche Beschwerden können bei einer Verstopfung auftreten?

Zusätzlich zu den Problemen bei der Stuhlentleerung treten oft begleitende Beschwerden auf. Dazu zählen unter anderem:

  • Bauchschmerzen
  • Blähungen bzw. aufgeblähter Bauch
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Abgeschlagenheit
  • Einnässen 
  • Blutspuren auf dem Stuhl durch kleine Schleimhauteinrisse in der Analregion
  • Mangelnder Drang zum Stuhlgang: wenn immer wieder Stuhlmengen im Darm zurückbleiben, weitet sich der Darm mit der Zeit aus und der Drang zur Stuhlentleerung nimmt ab
  • Unwillkürlicher Stuhlabgang: wenn das Gefühl für den Stuhldrang abnimmt, verlieren die Kinder immer wieder kleine Mengen an Stuhl, sogenanntes„Stuhlschmieren“
  • Gedeihstörung.

Wann sollte ich mit meinem Kind zum Arzt?

Schwierigkeiten mit dem Stuhlgang müssen nicht immer sofort ärztlich abgeklärt werden. Die Probleme sind oft vorübergehend und vergehen nach kurzer Zeit von alleine. In folgenden Fällen sollten Sie in jedem Fall eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen:

  • Es handelt sich um ein Neugeborenes oder um einen Säugling.
  • Das Kind leidet immer wieder an Problemen mit der Stuhlentleerung.
  • Das Kind klagt über anhaltende oder immer wiederkehrende Bauchschmerzen.
  • Das Kind hat massiven Durchfall, Fieber oder Erbrechen.
  • Das Kind hat immer wieder Blutspuren am oder im Stuhl.
  • Das Kind nimmt nicht mehr an Gewicht zu.
  • Der allgemeine Gesundheitszustand des Kindes ist beeinträchtigt, z.B. das Kind ist blass, schreit oder weint viel, der Bauch ist stark aufgebläht oder sehr hart, das Kind will nicht spielen, ist schlapp etc.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Ärztin oder der Arzt führt zunächst eine ausführliche Anamnese durch. Wichtige Informationen sind z.B.:  

  • Welche Probleme genau bestehen und seit wann.
  • Wie oft das Kind üblicherweise auf die Toilette gegangen ist.
  • Ob es erkennbare Auslöser für die Probleme gibt oder auch andere Beschwerden vorliegen.
  • Wie sich das Kind ernährt.

Die Eltern werden unter Umständen gebeten, ein Stuhlprotokoll zu führen. Dies kann der Ärztin bzw. dem Arzt die genaue Beurteilung der Situation erleichtern.

Zusätzlich führt die Ärztin oder der Arzt eine körperliche Untersuchung durch. Sie oder er tastet den Bauch des Kindes ab und sieht sich den Darmausgang an. Manchmal ist auch eine digital-rektale Untersuchung erforderlich. Dabei führt die Ärztin oder der Arzt vorsichtig einen Finger in den After des Kindes ein und tastet den Enddarm und angrenzende Organe ab.

Je nach Diagnose können weitere Untersuchungen erforderlich sein, z.B.:

Wie erfolgt die Behandlung einer Verstopfung bei Kindern?

Die Behandlung einer Verstopfung bei Kindern erfolgt üblicherweise in mehreren Schritten.

Akutbehandlung

Wenn sich bereits große Stuhlmengen im Darm angesammelt haben, sollten diese zunächst entfernt werden. Dies erfolgt mit stuhlabführenden Medikamenten oder durch Einläufe. Meist mit kommt der Wirkstoff PEG - Polyethylenglykol bzw. Macrogol - gelegentlich auch Laktulose zum Einsatz.

Achtung

Stuhlabführende Medikamente und Einläufe dürfen nur in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt verabreicht werden!

Längerfristige Behandlung

Im Anschluss ist meistens eine längerfristige Behandlung nötig. Das Ziel ist, den Stuhlgang auf Dauer zu normalisieren und dem Kind die Angst vor dem Toilettengang zu nehmen. Je nachdem wie alt das Kind ist, wie schwer die Verstopfung ist und wie lange sie schon besteht, stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung:

  • Pflege des Pos und des Afters: Rötungen, Hautrisse oder Entzündungen im Analbereich werden entsprechend behandelt, z.B. mit Salben, um Schmerzen zu vermeiden
  • Ernährungsumstellung: Um den Stuhl weich zu halten, ist eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung das Um und Auf. Die Kinder sollten viele Vollkornprodukte - z.B. Vollkornbrot, Vollkornnudeln, Vollkornreis – sowie Obst und Gemüse essen. Auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig. Geeignet sind Wasser, verdünnte Obstsäfte und Tee. Eventuell kann in den ersten Monaten der Behandlung auch die Gabe löslicher Ballaststoffe sinnvoll sein. Süßes, Fettiges und Salziges sollte so weit wie möglich reduziert werden. Auch Milchprodukte sollten sich auf eine Portion pro Tag beschränken. Mehr zum Thema: Ernährung von Kindern
  • Ausreichend Bewegung: Achten Sie darauf, dass sich Ihr Kind ausreichend bewegt oder Sport macht. Dies regt auch die Darmtätigkeit an. Mehr zum Thema: Bewegungsempfehlungen für Kinder
  • Medikamente zum Weichmachen des Stuhls: Die Ärztin oder der Arzt verordnet unter Umständen Wirkstoffe, die Wasser im Darm binden, z.B. PEG. Sie können über mehrere Monate eingenommen werden und sind auch als Dauertherapie geeignet. Sie erleichtern den Stuhlgang, und die Kinder machen die Erfahrung einer schmerzfreien Stuhlentleerung.
  • Altersgerechtes, stressfreies Toilettentraining: Dazu zählt z.B.:
    • Erinnern Sie Ihr Kind immer wieder an den Toilettengang, z.B. nach den Hauptmahlzeiten oder bei Anzeichen von Stuhldrang.
    • Hilfreich ist ein bequemes Sitzen auf der Toilette, z.B. mit speziellem Kindertoilettensitz und einem Schemel zum Abstellen der Füße.
    • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind nicht länger als fünf bis zehn Minuten auf der Toilette sitzt.
    • Lenken Sie Ihr Kind ab, falls es versucht, den Stuhlgang zurückzuhalten.
    • Loben Sie das Kind nach dem Stuhlgang.

Hinweis

Oberstes Prinzip beim Toilettentraining sollte sein: Haben Sie Geduld und erzwingen Sie nichts. Ihr Kind muss von selbst bereit sein, auf die Toilette zu gehen. Es kann Monate dauern, bis sich das Stuhlverhalten des Kindes nach einer andauernden Verstopfung normalisiert.

  • Physiotherapie: Auch Physiotherapie kann helfen, den Stuhlgang zu regulieren. Dazu zählen z.B. Übungen, um die Beckenbodenmuskulatur und andere Muskelgruppen zu entspannen, sowie Übungen zur Körperwahrnehmung.

Wohin kann ich mich wenden?

Für die Diagnose und Therapie einer Verstopfung können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin oder Arzt für Kinder- und Jugendheilkunde,
  • Ärztin oder Arzt für Allgemeinmedizin.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

Die verwendete Literatur finden Sie im Quellenverzeichnis.

Letzte Aktualisierung: 11. August 2022

Erstellt durch: Redaktion Gesundheitsportal

Expertenprüfung durch: Univ.-Prof. Dr. Andreas Böck

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