Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Pflegerin hilft Seniorin beim Trinken © CHW

Demenz: Die verschiedenen Stadien

Im Verlauf einen Demenzerkrankung nimmt das Ausmaß der kognitiven Beeinträchtigung und damit auch der benötigten Unterstützung im Alltag bzw. Pflege zu. Daneben verändern sich auch die Symptome der Erkrankung. Anhand des Krankheitsverlaufes werden die Demenzstadien häufig in drei Schweregrade eingeteilt. Die Stadien sind für die medikamentöse Behandlung eine wichtige Grundlage. Ebenso für die nicht-medikamentöse Therapie – die gezielte Betreuung und das Training der individuellen Fähigkeiten durch Fachkräfte –, um auf den Zustand der Erkrankten und ihre Bedürfnisse eingehen zu können. Auch Betreuungspersonen (z.B. Partnerin/Partner, Kinder, Freunde) können anhand der Stadien das Verhalten der/des Erkrankten leichter verstehen und sich auf ihre Bedürfnisse, Ängste, Gefühle etc. besser einstellen.

Demenz-Stadien

Demenzstadien werden in drei Schweregrade eingeteilt:

Leichte Demenz

  • Kognitive Beeinträchtigungen: Komplexe tägliche Aufgaben können nicht (mehr) ausgeführt werden.
  • Lebensführung: Die selbstständige Lebensführung (Alltag) wird zwar beeinflusst, ein unabhängiges Leben ist dennoch möglich.
  • Häufige affektive Störungen: Depression, Antriebsmangel, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen.
  • Benötigte Hilfe: fallweise notwendig.

Mittelschwere Demenz

  • Kognitive Beeinträchtigungen: Einfache Tätigkeiten können selbstständig ausgeführt werden, komplexe Tätigkeiten werden nicht mehr vollständig oder angemessen ausgeführt. 
  • Lebensführung: Ein unabhängiges Leben ist nicht mehr möglich. Patientinnen/Patienten sind auf fremde Hilfe angewiesen, eine selbstständige Lebensführung ist noch teilweise möglich.
  • Häufige affektive Störungen: Unruhe, psychotische Störungen, aggressive Verhaltensweisen, Schreien, gestörter Tag-Nacht-Rhythmus, Nesteln. 
  • Benötigte Hilfe: ist notwendig, jedoch keine ununterbrochene Betreuung oder Beaufsichtigung.

Schwere Demenz

  • Kognitive Beeinträchtigungen: Gedankengänge können nicht mehr nachvollziehbar kommuniziert werden.
  • Lebensführung: Es ist keine unabhängige, selbstständige Lebensführung möglich.
  • Häufige affektive Störungen: Unruhe, psychotische Störungen, aggressive Verhaltensweisen, Schreien, gestörter Tag-Nacht-Rhythmus, Nesteln (wie mittelschwere Demenz).
  • Benötigte Hilfe: dauerhafte Betreuung und Beaufsichtigung sind notwendig.

Hinweis Der MMSE-Score (Mini Mental State Examination) dient als weitere Orientierungshilfe für die Stadienermittlung.

Demenzstadien und „umgekehrte Kindheitsentwicklung“

Das Fortschreiten einer Alzheimererkrankung wird von Seiten der Wissenschaft auch ähnlich einer „umgekehrten Kindheitsentwicklung“ (Retrogenese nach B. Reisberg) beschrieben. Die Theorie geht davon aus, dass Personen mit einer Alzheimer-Demenz ihre Fähigkeiten ungefähr in der umgekehrten Reihenfolge abbauen, wie gesunde Kinder sie im Verlauf einer normalen Entwicklung aufbauen. Im Verlauf einer Alzheimer-Demenz verliert die betroffenen Person ihre normale Selbstständigkeit im Alltag und wird immer mehr von der Betreuung und Pflege abhängig wird. Aus dieser Theorie hat der amerikanische Psychiater Barry Reisberg typische Stadien der Erkrankung beschrieben.

Demenzstadien nach Reisberg:

  • Stadium 1: Die Krankheit entwickelt sich aus einem normalen Leistungsniveau.
  • Stadium 2: In der Folge nimmt die/der Betroffene leichte kognitive Störungen wahr. Die Merkfähigkeit und das Gedächtnis sind beeinträchtigt. Namen und Termine werden vergessen. Bei manchen Situationen fehlt die Erinnerung und öfters werden Dinge verlegt.
  • Stadium 3: Die Arbeitsleistung ist beeinträchtigt. Auch bei der räumlichen Orientierung zeigen sich Probleme. Gegenstände werden öfter verloren. Diese Symptome einer leichten kognitiven Störung können einerseits Anzeichen einer beginnenden Alzheimer-Demenz sein, aber auch andere Ursachen haben. 
  • Stadium 4: Im weiteren Verlauf sind die kognitiven Störungen deutlich merkbar. Die betroffene Person hat Schwierigkeiten, komplexe Aufgaben selbstständig durchzuführen, z.B. ein Gericht zubereiten, mit Geld umgehen. Sich in gewohnten Orten zurechtzufinden macht Probleme. Die erkrankte Person leidet psychisch unter dem Verlust ihrer Fähigkeiten und ihrer Selbstständigkeit. Als Reaktion werden oft Defizite geleugnet und Fehler anderen zugewiesen. Ein verändertes Verhalten kann auch Selbstschutz sein. Depressionen können entstehen. Viele Fähigkeiten sind jedoch vorhanden. Die Förderung selbstständiger Aktivitäten hilft, das Selbstbewusstsein zu stärken. Vonseiten der sozialen Umgebung (Familie, Partner, Pflegekräfte etc.) vermittelt ein verständnisvolles Verhalten Sicherheit.
  • Stadium 5: Die erkrankte Person kommt im Alltag zunehmend nicht mehr ohne Unterstützung zurecht, z.B. wird Hilfe bei der Auswahl der Kleidung benötigt. Die Erinnerung an wichtige, persönliche Daten (z.B. Adresse, Geburtsdatum) fällt schwer. Oft treten starke Erlebnisse der Orientierungslosigkeit auf. Die Person leidet unter unspezifischen Ängsten und kann auch zornig auf den Verlust bestimmter Fähigkeiten reagieren.
  • Stadium 6: Die Fähigkeit, Basisaktivitäten durchführen zu können, geht verloren. In sehr vielen Lebensbereichen wird Unterstützung notwendig, z.B. Waschen, Toilettengang. Verhaltensauffälligkeiten und Inkontinenz können sich ausprägen. Die Namen von nahestehenden Personen können meist nicht benannt werden. Oft wird auf die wahrgenommenen Defizite sehr emotional, z.B. mit Zorn, Auflehnung oder Verzweiflung, reagiert.
  • Stadium 7: In diesem fortgeschrittenen Stadium reduziert sich die Sprechfähigkeit der betroffenen Person zunehmend, ebenso die Gehfähigkeit. Im weiteren Verlauf ist es u.a. nicht mehr möglich, aufrecht zu sitzen. Die/der Erkrankte entwickelt ein Harmoniebedürfnis und ist sowohl emotional als auch körperlich sehr verletzlich und ihrer/seiner Umwelt völlig ausgeliefert. Aber auch derjenige, der die Sprache verliert, hat viel zu sagen. Die non-verbale Kommunikation wird zur Grundlage der Pflegebeziehung.

Beratung & Hilfe

Downloads & Broschüren

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse