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Arzt-Patienten-Gespräch © japolia

Nahrungsmittelallergien: Vorbeugung, Diagnose & Therapie

Die Diagnose einer Pollenallergie ist relativ einfach, und die Ergebnisse sind meist eindeutig. Bei Nahrungsmittelallergien ist die Diagnose komplizierter, weil die Betroffenen gemeinsam mit der Ärztin/dem Arzt detektivisch den Verursacher aus einer Fülle von Möglichkeiten filtern müssen. Wenn Haut- und Bluttests mit „Standard-Allergenen“ negativ bleiben, kann Sie die Ärztin/der Arzt auffordern, das verdächtige Nahrungsmittel zur Testung mitzubringen . . .

Bei jenen Nahrungsmitteln, bei denen Sie den Verdacht haben, allergisch zu reagieren, kann mithilfe des sogenannten „Reibetest“ oder „Prick-to-Prick-Test“ eine mögliche allergische Hautreaktivität festgestellt werden. Dies ist derzeit noch gängige Praxis in vielen Allergiezentren.

Bei Vermutung auf eine Glutenunverträglichkeit kann eine Gewebsuntersuchungen (z.B. Darmschleimhaut- oder Hautgewebe) zur Diagnosestellung herangezogen werden. Das Führen eines Ernährungstagebuchs liefert der behandelnden Ärztin/dem behandelnden Arzt aufschlussreiche Informationen.

Hinweis Informationen über Diagnose und Therapie von Unverträglichkeiten können eine persönliche Beratung verbunden mit einer Diagnosestellung durch Ärztin/Arzt, möglicherweise unter Zuziehung einer Diätologin/eines Diätologen, nicht ersetzen. Selbstdiagnosen können leicht zu Mangel- und Fehlernährung führen.

Tests auf Nahrungsmittelallergien

Die Vorgangsweise zur Diagnose von Nahrungsmittelallergien gliedert sich grob in:

  • Anamnesegespräch: Eine umfassende Allergiediagnostik beinhaltet ein ausführliches Gespräch mit der Ärztin/dem Arzt, bei dem die Beschwerden und eventuelle Zusammenhänge genau erläutert werden. Wichtig ist dabei auch, ob in der Familie bereits Allergien bekannt sind. Ein Ernährungstagebuch ist besonders hilf- und aufschlussreich.
  • Allergietest: Dabei kommen unterschiedliche Methoden zur Anwendung, u.a. wird die Reaktion der Haut beobachtet (Prick-, Intrakutan-, Reibe-, Epikutan-Test) bzw. das Blut auf Antikörper untersucht (RAST-Test).
  • diagnostische Diät: Bei einem bestimmten Verdacht auf eine Allergie werden zur Untermauerung der Ergebnisse häufig spezielle Diäten durchgeführt, z.B. Eliminationsdiät oder allergenarme Diät, bis Symptome weniger werden. Die Diagnosestellung kann durch Ernährungsberatung mittels Diätologin/Diätologen abgerundet werden.

Ernährungsprotokoll

In einem Ernährungsprotokoll wird über einen längeren Zeitraum von der Betroffenen/dem Betroffenen selbst dokumentiert, was, wann und wie viel von einem Lebensmittel gegessen wurde und wann welche Beschwerden in welcher Ausprägung aufgetreten sind.

Unterschiedliche Allergietests

Bei den Allergietests auf Nahrungsmittel kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz: Bei sogenannten Hauttests wie dem Prick-, Intrakutan-, Reibe- oder Epikutantest wird die Haut mit bestimmten Lebensmittelallergenen in natürlicher Form bzw. als Extrakt in Kontakt gebracht, die Haut zumeist geringfügig angeritzt und die anschließende Reaktion, beispielsweise eine Quaddelbildung, beobachtet. Beim Allergiebluttest, dem sogenannten RAST-Test (Radio-Allergo-Sorbens-Test), wird das Blut auf allergiespezifische Antikörper (Immunglobulin E, IgE) untersucht.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Labor/Allergie.

Eindeutige Diagnose „provozieren“

Positive Ergebnisse bei Haut- bzw. Blut-Allergietests zeigen eine Sensibilisierung des Immunsystems auf bestimmte Lebensmittel an, das heißt, es reagiert empfindlich auf diese Substanzen. Das identifizierte Lebensmittel muss jedoch nicht in direktem Zusammenhang mit den Beschwerden stehen. Im Anschluss an positive Allergietests wird in der Regel die Allergenvermeidung angestrebt, besonders wenn die Patientin/der Patient schon schwere allergische Reaktionen dagegen erlebt hat.

Eine sogenannte diagnostische Diät (Eliminationsdiät bzw. allergenarme Basisdiät), gefolgt von einer Provokation durch orale Aufnahme wird nur von spezialisierten Zentren durchgeführt, weil es dabei nicht selten zu schweren allergischen Reaktionen kommen kann. Die Provokation als Gold-Standard der Nahrungsmittelallergiediagnose bringt ein eindeutiges Ergebnis, ob eine klinisch relevante Allergie vorliegt und welche Dosis gerade noch, oder nicht mehr vertragen wird. Diese Information ist für die Patientin/den Patienten praktisch relevant. Bei der Glutenintoleranz (Zöliakie) wird heute keine Eliminationsdiät gefolgt von Reintroduktion der Nahrung mehr durchgeführt.

Die Diagnose darf ausschließlich durch eine Ärztin/einen Arzt mit der Möglichkeit einer sofortigen Notfallinteraktion stattfinden, da immer unerwartet schwere Reaktionen auftreten können. Ist die Diagnose bereits vorher eindeutig, findet keine Provokation statt.

Therapie von Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Die Therapie der beschriebenen Nahrungsmittelallergien besteht darin, die Aufnahme bestimmter problematischer Stoffe über die Nahrung zu verringern oder zu vermeiden. Bei starken Allergien, die bis zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock führen können, und bei der Glutenunverträglichkeit muss die beschwerdenauslösende Substanz strikt gemieden werden. Eine allgemeine Ernährungsempfehlung für Allergien oder Intoleranzen gibt es nicht.

So können Sie vorbeugen

Stillen ist mit Abstand die beste Vorbeugemaßnahme gegen Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie Allergien oder Intoleranzen. Laut Österreichischen Beikostempfehlungen ist ausschließliches Stillen für die ersten Lebensmonate ohne zusätzliches Zufüttern fester Nahrung der ideale Schutz. Empfohlen wird ausschließliches Stillen für die ersten Lebensmonate. Beikost sollte in dieser Zeit nicht verabreicht werden. Die Einführung von Beikost (feste Nahrung) sollte um den 6. Lebensmonat erfolgen, nicht jedoch vor der 17. Lebenswoche und nicht nach der 26. Lebenswoche. Weitere Informationen erhalten Sie unter Ernährung von Säuglingen.

Den Körper „trainieren“

„Bestimmte Lebensmittel wie Fisch oder Ei galten in der Vergangenheit im Hinblick auf die Allergieentwicklung als kritische Nahrungsmittel. Neueste Erkenntnisse der Wissenschaft zeigen, dass sich durch den Kontakt kleiner Mengen vieler verschiedener Nahrungsmittel der Körper besser darauf einstellt und einer Allergie sogar vorgebeugt werden kann. Diese Empfehlung gilt für alle gestillten und nicht gestillten Kinder, mit oder ohne genetischer Vorbelastung: keine Verbote oder Einschränkungen“, so die Österreichischen Beikostempfehlungen.

Hinweis Herkömmliche Milch, auch in gewässerter Form, ist für Säuglinge im ersten Lebensjahr nicht geeignet. Auch Reis- oder Mandelmilch sollte nicht verabreicht werden.

Tipps zu Vorbeugung

  • Können Kinder mit erhöhtem Allergierisiko nicht gestillt werden, sollte sogenannte HA-Nahrung (HA = hypoallergen) gefüttert werden (30-prozentiges Allergierisiko für das Kind, wenn ein Elternteil allergisch ist, 60-prozentiges, wenn beide Eltern allergisch sind).
  • Lebensmittel wie Fisch, Nüsse und Eier können als Beikost gegeben werden. Eier und Fisch sollten vor dem Verzehr ausreichend erhitzt werden (70 bis 80 Grad für mindestens zehn Minuten). Wichtig ist, den Fisch vorher von Gräten zu befreien. Bei Nüssen ist zu beachten, dass diese nur in fein vermahlener Form gegeben werden sollten, um ein mögliches Einatmen zu verhindern.
  • Das Meiden sogenannter allergener Nahrungsmittel hat keinen vorbeugenden Effekt. Im Gegenteil wird in neuen Studien empfohlen, mit dem Zufüttern noch während des Stillens, also im 4. Monat, zu beginnen. Dasselbe gilt für die Schwangerschaft, wo weder Fisch, Erdnüsse oder andere Nahrungsmittel gemieden werden sollen.
  • Der Kontakt mit Gluten zwischen Anfang des 5. und 7. Monats wird laut Österreichischen Beikostempfehlungen nahegelegt. Am Anfang sollen dem Baby pro Tag jedoch nicht mehr als sieben Gramm glutenhaltige Getreideprodukte gefüttert werden. Während der Einführung glutenhaltiger Getreidesorten kommt dem Stillen eine besondere Bedeutung zu. Das Weiterstillen trägt zur Vorbeugung von Zöliakie und Weizenallergie bei. Treten Anzeichen wie übelriechender Durchfall oder auffällige Bauchschmerzen auf, sollte unbedingt abgeklärt werden, ob eine Unverträglichkeit vorliegt.

Hinweis Fischportionen im ersten Lebensjahr können sogar der Entwicklung allergischer Erkrankungen vorbeugen.

Weitere Information zur Einführung von Beikost erhalten Sie unter Ernährung von Säuglingen.

Information bietet zudem die Website Richtig essen von Anfang an! – ein Kooperationsprojekt von Gesundheitsministerium, AGES und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger.

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