Allergie auf Nüsse

Bei einer Allergie auf Nüsse reagieren die Betroffenen auf Baumnüsse, Erdnüsse oder andere Nüsse allergisch. Diese Allergien können leichte Symptome im Mund auslösen, insbesondere wenn es sich um Kreuzallergien mit Pollen handelt. Seltener können sie bei manchen auch zu sehr heftigen allergischen Reaktionen bis hin zu lebensbedrohlichen Schockzuständen führen. Die Betroffenen müssen dann die allergieauslösende Nusssorte strikt meiden. Am häufigsten unter den Nussallergien sind Kreuzallergien gegen Haselnüsse oder Erdnüsse sowie direkte primäre Allergien gegen Erdnüsse. Zur Diagnose dienen klassische Allergieuntersuchungen wie Hauttest oder Bluttest. Anhand molekularer Tests kann eine bessere Risikoabschätzung erfolgen. Eine Allergie auf Baumnüsse oder Erdnüsse – kurz auch Nussallergie genannt – bleibt meist ein Leben lang bestehen.

Was ist eine Allergie auf Nüsse?

Bei einer Allergie auf Baumnüsse oder Erdnüsse kommt es zu einer allergischen Reaktion des Immunsystems auf bestimmte enthaltene Eiweißstoffe.

Bei folgenden Nüssen* kann es zu allergischen Reaktionen kommen:

  • Haselnuss,
  • Walnuss,
  • Erdnuss,
  • Mandel,
  • Pistazie,
  • Cashewnuss,
  • Pekannuss,
  • Paranuss,
  • Macadamianuss.

*Der Begriff „Nüsse“ umfasst in diesem Artikel u.a. Schließ-, Hülsen-, Stein- und Kapselfrüchte.

Zirka vier von zehn Personen mit einer Allergie auf eine bestimmte Nusssorte reagieren auf eine weitere Nusssorte.

Eine Allergie auf Erdnüsse ist bei Kindern und Jugendlichen mit Nahrungsmittelallergie der häufigste Auslöser einer anaphylaktischen Reaktion – das ist eine sehr starke allergische Reaktion.

Selten vergeht eine Allergie auf Erdnüsse bei Kindern im Laufe des Wachstums. Nur zwei von zehn Kindern mit einer Allergie auf Erdnüsse entwickeln mit der Zeit eine Toleranz. Das bedeutet, dass die Allergie vergeht und die Kinder dann Erdnüsse wieder vertragen. Kinder mit starker Neurodermitis oder einer Allergie auf Ei haben ein höheres Risiko für eine Allergie auf Erdnüsse.

Welche Formen einer Allergie auf Nüsse gibt es?

Es gibt zwei Formen der Allergie, die sich wesentlich in der Intensität der körperlichen Reaktionen unterscheiden:

Häufig: Sekundäre Allergie auf Nüsse – schwächere allergische Reaktionen

Bei Bestehen einer Pollenallergie auf z.B. Hasel, Erle oder Birke sind allergische Kreuzreaktionen auf Nüsse möglich. Fachleute sprechen dann von einer sekundären Allergie auf Nüsse. Die körperlichen Reaktionen verlaufen milder und sind meist auf lokale Hautreaktionen an Lippen, Mund und Rachen beschränkt. Man nennt dies auch orales Allergiesyndrom. Weitere Informationen dazu erhalten Sie unter Kreuzallergien auf Nahrungsmittel.

Seltener: Primäre Allergie auf Nüsse – starke allergische Reaktionen

Besteht eine direkte Sensibilisierung auf Nüsse oder Erdnüsse, sprechen Fachleute von einer primären Allergie. Das bedeutet, dass die Betroffenen gegen bestimmte Allergene in den Nüssen oder Erdnüssen allergisch reagieren. Diese Form der Allergie auf Nüsse oder Erdnüsse äußert sich durch starke, mitunter heftige allergische Reaktionen. Die primäre Allergie auf Nüsse kommt deutlich seltener vor als eine sekundäre Allergie auf Nüsse.

Welche Symptome können auftreten?

Die körperlichen Beschwerden einer Allergie auf Nüsse oder Erdnüsse können sehr unterschiedlich sein und mild bis schwer verlaufen. Bei der Mehrzahl der nuss-sensibilisierten Personen – 71 Prozent bei Allergie auf Haselnuss, 83 Prozent bei Allergie auf Mandel, 73 Prozent bei Allergie auf Erdnuss – werden keine oder nur milde Symptome berichtet.

Mögliche Symptome einer Nussallergie:

  • Haut: Ausschlag, Juckreiz, Schwellungen an Gesicht, Augenlidern, Ohren, Mund, Zunge, Händen oder Füßen.
  • Atmung: Atembeschwerden, rasselnde Atmung, Husten.
  • Magen und Darm: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall.
  • Kreislauf: Schwindel, Bewusstlosigkeit.
  • Nüsse gehören zu den wichtigsten Auslösern von anaphylaktischen Reaktionen bis hin zum Schock.

Nicht nur der Verzehr von Nüssen oder Erdnüssen kann allergische Beschwerden auslösen. Bei hochsensibilisierten Personen kann bereits das Berühren an der Mundschleimhaut oder Einatmen von kleinsten Nussteilchen Reaktionen hervorrufen.

Die Beschwerden einer Nussallergie treten meist innerhalb weniger Minuten bis Stunden nach dem Verzehr auf. Auch verzögerte Reaktionen Tage später sind möglich: So etwa Ekzeme, ein Neurodermitis-Schub an der Haut oder Entzündungen der Speiseröhre mit Schluckbeschwerden – eine eosinophile Ösophagitis.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Bei Verdacht auf eine Allergie auf Nüsse oder Erdnüsse führt die Ärztin oder der Arzt mit der Patientin oder dem Patienten ein ausführliches Gespräch. Dabei werden die aufgetretenen Beschwerden und deren zeitliches Auftreten genau besprochen. Zur Vorbereitung auf den Arztbesuch kann ein Ernährungs- und Symptom-Tagebuch hilfreich sein. Diese Informationen liefern der Ärztin oder dem Arzt bei der Diagnose wichtige Hinweise.

Zum Abklären der Beschwerden stehen verschiedene Testverfahren zur Verfügung. Zu Beginn erfolgen meist klassische Allergietests wie:

Näheres erfahren Sie unter Nahrungsmittelallergien – Wie wird die Diagnose gestellt?

Molekulare Untersuchungen

Da eine Allergie auf Erdnüsse mit sehr heftigen allergischen Reaktionen verbunden sein kann, ist eine präzise Diagnose besonders wichtig. Dies ermöglicht bei einer Allergie auf Nüsse die:

  • Molekulare Allergiediagnostik: Mit einem sogenannten Allergen-Komponenten-Test wird die Reaktion der Testperson auf einzelne Allergenmoleküle der Baumnuss, Erdnuss oder anderer Nüsse untersucht. So können detaillierte Aussagen über die Allergie gemacht werden. Anhand der Ergebnisse lässt sich zudem das individuelle Risiko für einen allergischen Schock besser abschätzen.

Zur Absicherung der Diagnose kann in spezialisierten Zentren, die auch auf anaphylaktische Notfälle gut vorbereitet sind, ein überwachter Provokationstest erfolgen: Dabei werden unter ärztlicher Aufsicht geringe Mengen des möglichen Allergens in steigenden Dosen verzehrt, bis eine allergische Reaktion des Körpers eintritt. All das findet unter ärztlicher Kontrolle statt. Bei einer Nussallergie kann – ebenso nur in spezialisierten Zentren – ein Provokationstest für Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden. So kann herausgefunden werden, ob sich eine Toleranz – also eine Verträglichkeit – entwickelt hat.

Wie erfolgt die Behandlung einer Allergie auf Nüsse?

Die wirksamste Behandlung bei einer direkten, primären Allergie auf Nüsse wie Baumnüsse oder Erdnüsse ist die auslösende Nusssorte strikt zu meiden. Das betrifft alle Speisen und Zubereitungen mit Nüssen, auch in erhitzter Form. Darunter fallen u.a. Nussöle, -butter, -mus, -cremen, -pasten oder -mark. Bei einer Nussallergie sollte stets auf die Lebensmittelkennzeichnung geachtet werden.

Bei einer sekundären Allergie auf Nüsse – einer Kreuzallergie ­– müssen die auslösenden Nüsse nicht unbedingt gemieden werden. Abhängig vom persönlichen Empfinden und der Stärke der allergischen Reaktion können die auslösenden Nüsse gemieden werden. Eine Allergen-Immuntherapie – Hyposensibilisierung – gegen die ursächliche Pollenallergie führt nur ungewiss zu einer Verbesserung dieser Kreuzallergie.

„Kann Spuren von Nüssen oder Erdnüssen enthalten“

Nüsse kommen in vielen Lebensmitteln in versteckter Form vor. Auch eine unbeabsichtigte Verunreinigung mit Nüssen in kleinsten Mengen kann bei hochempfindlichen Personen zu allergischen Beschwerden führen. Ein solcher „Cross-Contact“ ist möglich bei industriell verarbeiteten Lebensmitteln, wenn z.B. Maschinen zum Herstellen unterschiedlicher Lebensmittel verwendet werden.

Nüsse können u.a. in folgenden Produkten enthalten sein

  • Backwaren, Brot, Keksen,
  • Schokolade, Nougat, Brotaufstrichen,
  • Marzipan,
  • Eis,
  • Pudding,
  • Wurstwaren, z.B. Mortadella,
  • Gewürzmischungen,
  • Aufstrichen, Pesto,
  • aromatisierten Getränken wie z.B. Kaffee, Likör.

Allergie auf Nüsse: Was tun im Notfall?

Die körperlichen Reaktionen bei einer Allergie auf Nüsse oder Erdnüsse können sehr heftig sein und selten sogar tödlich verlaufen. Anaphylaktische Reaktionen zeigen sich zum Beispiel als:

  • rasch eintretende brennnesselartige Hautausschläge,
  • Übelkeit,
  • Atemnot,
  • Schwellungen in Mund und Rachen,
  • Kreislaufprobleme bis hin zur
  • Bewusstlosigkeit.

Nicht jede Sensibilisierung ist allerdings tatsächlich ein hohes Risiko für schwere Reaktionen. Hier helfen molekulare IgE-Tests, das Risiko einzuschätzen. Besonders wenn es schon heftigere Reaktionen gegeben hat, besteht ein erhöhtes Risiko für weitere Reaktionen. Dann sollten Personen mit einer primären Allergie auf Nüsse oder Erdnüsse zur Sicherheit mit einem Notfallset ausgestattet sein.

Das sollte ein Allergie-Notfallset beinhalten:

Nähere Informationen erhalten Sie unter Notfall: Allergische Reaktion.

Angehörige einer Nahrungsmittelallergikerin oder eines Nahrungsmittelallergikers sollten mit dem Gebrauch eines Notfallsets vertraut und geschult sein. Bei Kindern mit einer Allergie auf Nüsse oder Erdnüsse sind auch Kindergarten bzw. Schule zu informieren und gegebenenfalls zu schulen.

Wohin kann ich mich wenden?

Wenn Sie Beschwerden in Verbindung mit Nahrungsmitteln haben, können Sie sich an folgende Stellen wenden:

Weitere Informationen erhalten Sie unter Ernährungsberatung und -therapie

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

sowie über die Online-Services und Formulare der Sozialversicherung.

Die verwendete Literatur finden Sie im Quellenverzeichnis.

Letzte Aktualisierung: 20. Januar 2023

Erstellt durch: Redaktion Gesundheitsportal

Expertenprüfung durch: Univ.-Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim, Fachärztin für Klinische Immunologie und Pathophysiologie

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