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Skifahrerin © Jonas Glaubitz

Skidaumen

Das innere Seitenband des Daumens, auch ulnares Kollateralband genannt, sorgt für Stabilität beim Halten und Greifen. Es verbindet den Mittelhandknochen des Daumens mit dem Daumengrundgelenk. Bei einer plötzlichen, gewaltsamen Abspreizung des Daumens kann es zu einer Überdehnung des Seitenbandes kommen. Oft ist die Ursache ein Sturz oder Schlag auf den abgewinkelten Daumen. Die Verletzung passiert häufig beim Skifahren und wird daher auch als „Skidaumen“ bezeichnet.

Das Risiko einer Verletzung des Seitenbandes ist aber auch bei anderen Sportarten, z.B. Ballsport oder Kampfsport, hoch. Stürze auf den abgespreizten Daumen können aber nicht nur beim Sport, sondern auch im Alltag passieren. Selten tritt diese Verletzung auch als Folge einer chronischen Überlastung des Daumengrundgelenks auf.

Welche Formen der Verletzung gibt es?

Folgende Verletzungen des inneren Seitenbandes des Daumens können nach einer Überdehnung bzw. Überlastung auftreten:

  • Zerrung des Bandes,
  • teilweiser Riss (Ruptur) des Bandes,
  • vollständiger Riss des Bandes oder
  • Ausriss des Bandes vom Knochen.

Welche Symptome können auftreten?

Kurz nach dem Unfall schwillt der betroffene Bereich des Daumens an. Es kommt zu starken Schmerzen am Daumen und Druckempfindlichkeit auf der Innenseite des Daumens im Bereich des Daumengrundgelenks. Das Halten von Gegenständen sowie das Bewegen des Daumens verursachen starke Schmerzen bzw. sind nicht möglich.

Die normale Stabilität des Daumens ist nicht mehr gegeben. Der Daumen lässt sich mehr als sonst seitlich abspreizen. Ein Bluterguss (Hämatom) kann sich bilden. Bleibt die Bandverletzung längere Zeit unbehandelt, wird der Daumen instabiler und schwächer.

Was können Betroffene selbst tun?

Gleich nach dem Unfall sollte der Daumen wenn möglich gekühlt und ruhig gestellt werden. Bei Symptomen eines möglichen Bänderrisses ist ärztliche Versorgung angezeigt.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Zunächst erhebt die Ärztin/der Arzt die Krankengeschichte und den Unfallhergang und fragt nach Beschwerden:

  • Wo genau treten Schmerzen auf?
  • Gibt es Einschränkungen der Beweglichkeit?
  • Gab es frühere Verletzungen des Daumens?

Danach folgt die klinische Untersuchung des Daumens. Die Ärztin/der Arzt stellt fest, welche Symptome vorliegen, z.B. Schwellung, Bluterguss, schmerzende Stellen etc., und überprüft die Stabilität des Gelenks sowie die Dehnbarkeit des Bandes. Diese Untersuchung der Daumenfunktion ist bei einer akuten Verletzung meist schmerzhaft. Daher kann die Ärztin/der Arzt eine lokale Schmerzbehandlung anbieten.

Röntgenaufnahmen des Daumens unterstützen die Ärztin/den Arzt, die Bandverletzung zu diagnostizieren. Zur genaueren Abklärung werden manchmal sogenannte Funktionsaufnahmen in abgewinkelter Haltung mittels Röntgen vorgenommen. Alternativ können Ultraschallaufnahmen des bewegten Daumens Schäden am Band bzw. Gelenk zeigen. Eine Magnetresonanztomographie (MRT) kann, v.a. bei Verdacht auf eine Stener Läsion, zur genaueren Abklärung der Notwendigkeit einer Operation eingesetzt werden.

Wie erfolgt die Behandlung einer Bandverletzung am Daumen?

Je nach Art der Verletzung erfolgt die medizinische Behandlung mit konservativen Therapiemaßnahmen oder durch eine Operation.

Konservative (nicht operative) Behandlung

Eine konservative Behandlung wird meist bei einer Zerrung und einem teilweisen Einriss des Bandes durchgeführt, aber auch bei einem kompletten Riss, wenn das gerissene Band nicht zu sehr verschoben ist. Der Daumen wird mit einer Schiene (Daumenorthese) aus Kunststoff oder Gips für ca. sechs Wochen ruhig gestellt. Nach ca. drei Wochen kann die Ärztin/der Arzt leichte Bewegungstherapie aus der Schiene heraus verordnen, um die Beweglichkeit und Kraft des Daumens langsam wiederherzustellen. Die Ärztin/der Arzt kontrolliert den Erfolg der Behandlung. Tritt nach der konservativen Behandlung keine Besserung ein, kann eine Operation notwendig werden.

Operation

Bei konservativer Behandlung eines kompletten Risses besteht das Risiko, dass eine sogenannte Stener-Läsion übersehen wird. Dabei rutscht das abgerissene Seitenband unter die umgebende Sehnenplatte und kann daher nicht mehr am Knochen anwachsen. Eine Stener-Läsion muss operativ behandelt werden.

Eine Operation kann aber auch unter weiteren Voraussetzungen angezeigt sein, z.B. bei einem knöchernem Ausriss und deutlich verrutschtem Knochenstück oder einem kompletten Riss des Bandes, wenn in der bildgebenden Diagnostik eine größere Verschiebung des Bandes (mehr als zwei Millimeter) erkennbar ist. Die Operation erfolgt über einen kleinen Schnitt auf der Innenseite des Daumens. Das gerissene Band wird durch Nähte, Drahtanker etc. fixiert. Nach der Operation wird der Daumen mit einer Kunststoffschiene oder Gips für ca. fünf Wochen ruhig gestellt. Die anschließende Bewegungstherapie ist wichtig, um die Beweglichkeit des Daumens wiederherzustellen und Sehnenverklebungen zu vermeiden.

Die Ergebnisse der operativen Behandlung sind allgemein gut und Komplikationen selten.

Wohin kann ich mich wenden?

Die Diagnose und Behandlung einer akuten Verletzung des ulnaren Kollateralbandes erfolgt meist in einem Spital bzw. in einer Spitalsambulanz durch Fachärztinnen/Fachärzte aus folgenden Fachgebieten:

  • Orthopädie und Traumatologie
  • Orthopädie und Orthopädische Chirurgie
  • Unfallchirurgie
  • Spezialistinnen/Spezialisten für Handchirurgie

Für eine operative Behandlung ist ein stationärer Aufenthalt notwendig.

Für Abklärung nicht akuter, chronischer Beschwerden am Daumengrundgelenk können Sie sich an die zuständigen niedergelassenen Fachärztinnen/Fachärzte wenden.

Die Bewegungstherapie nach der Akutbehandlung kann nach ärztlicher Verordnung ambulant erfolgen, z.B. in der Spitalsambulanz oder durch niedergelassene Physiotherapeutinnen/Physiotherapeuten oder Ergotherapeutinnen/Ergotherapeuten.

Wie erfolgt die Erstattung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Nähere Informationen finden Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt und Arztbesuch: Kosten und Selbstbehalte.

Ihre niedergelassene Ärztin/Ihr niedergelassener Arzt bzw. Ambulatorium rechnet grundsätzlich direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt (Behandlungsbeitrag) für Sie anfallen. Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) in Anspruch nehmen. Bei bestimmten nicht medikamentösen Behandlungen (z.B. physikalische Therapie) kann – in manchen Fällen erst beim Erreichen eines bestimmten Ausmaßes – eine Bewilligung der Krankenversicherungsträger erforderlich sein.

Bei bestimmten Leistungen (z.B. Hilfsmittel und Heilbehelfe) sind – je nach Krankenversicherungsträger – Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen. Die meisten Krankenversicherungsträger sehen – teilweise abhängig von der Art des Heilbehelfs – eine Bewilligung vor. Für Medikamente auf „Kassenrezept“ ist die Rezeptgebühr zu entrichten. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden. 

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