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Arzt-Patienten-Gespräch © Visionär

Diabetes: Therapie im Überblick

Die Diagnose „Diabetes“ bedeutet: Der Körper hat die Fähigkeit verloren, den Blutzucker richtig zu verarbeiten, und braucht nun Hilfe – egal, ob die Stoffwechselstörung am Beginn steht oder sich bereits schwere Symptome zeigen. Die ständig überhöhten Blutzuckerwerte schädigen die Gefäße, ohne dass die Betroffenen es zunächst merken. Der Grundstein für schwere Folgeerkrankungen wurde bereits gelegt. Auch deshalb ist es für Diabetikerinnen und Diabetiker notwendig, gezielt gegenzusteuern und medizinische Betreuung in Anspruch zu nehmen.   

Ziele und Maßnahmen der Therapie

Die Therapieziele sind für alle Diabetes-Formen gleich:

  • Die Blutzucker-Werte müssen normalisiert und die Symptome der Hyperglykämie (Überzuckerung) behoben werden.
  • Gefäßschädigungen und Folgeerkrankungen müssen vermieden bzw. verringert werden.
  • Die Patientinnen/Patienten sollen eine möglichst normale Lebensweise führen können.
Um die chronische Stoffwechselstörung auch langfristig in den Griff zu bekommen, sollte die Therapie folgende Punkte umfassen: 

  • Ziele vereinbaren: Die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt legt für die Patientin/den Patienten einen individuellen Blutzucker-Bereich als Ziel fest. Zur Kontrolle der Zielwerte werden mit der Ärztin/dem Arzt Termine vereinbart.
  • Schulung: Die Patientin/der Patient soll die Möglichkeiten haben, sich genau über die Erkrankung zu informieren und sich schulen zu lassen.
  • Medikamente, Insulin: Die Medikation wird von ärztlicher Seite regelmäßig überprüft und eventuell angepasst.
  • Regelmäßige Kontrolle: Eine Untersuchung des Augenhintergrundes sowie auf Mikroalbuminurie bzw. den Albumin/Kreatin-Quotienten und eine Fußinspektion (diabetischer Fuß) werden einmal jährlich durchgeführt, um Komplikationen und Folgeerkrankungen frühzeitig erkennen und gegebenenfalls behandeln zu können.

Für den Erfolg der Behandlung sind die Mitarbeit und die Motivation der Patientinnen und Patienten von entscheidender Bedeutung.

Die ärztliche Betreuung

Die/der behandelnde Ärztin/Arzt – idealerweise mit spezieller Zusatzausbildung – verordnet die notwendigen Therapien und wird von Expertinnen/Experten aus anderen Gesundheitsberufen unterstützt, z.B. bei den Diabetikerschulungen. Bei Bedarf zieht die/der behandelnde Ärztin/Arzt andere Fachärztinnen/Fachärzte hinzu, z.B. für Nervenerkrankungen (Neurologie), Nierenerkrankungen (Nephrologie), Herzerkrankungen (Kardiologie) oder Gefäßchirurgie.   

Die regelmäßige Abstimmung der Behandlungsmaßnahmen wird auch als „Management“ der Erkrankung bezeichnet und in der Regel von der betreuenden Ärztin/vom betreuenden Arzt übernommen. Das Disease Management Programme (DMP) für Typ-2-Diabetes unterstützt diese zentrale Rolle der Diabetes-Ärztin/des Diabetes-Arztes, um eine optimale medizinische Behandlung für die Patientinnen/Patienten sicherzustellen. Weitere Informationen zum DMP Diabetes finden Sie unter Therapie-Aktiv – Diabetes im Griff

Regelmäßige Kontrolle der Therapieziele

Nach der Diagnose und dem Anamnesegespräch vereinbart die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt mit der Patientin/dem Patienten Ziele, die mithilfe der Therapie erreicht werden sollen. Vorrangiges Ziel ist, die Blutzucker-Werte zu senken. Der wichtigste Wert ist dabei HbA1c (Zucker-Hämoglobin), der eine Langzeit-Kontrolle ermöglicht. 

Zusätzlich werden Zielwerte für die Blutzucker-Konzentrationen nüchtern und nach dem Essen (postprandial) festgelegt. Diese Werte können von der Patientin/dem Patienten zur Kontrolle mehrmals täglich selbst gemessen werden. Weitere Zielwerte betreffen den Blutdruck und die Blutfette. Medizinische Fachgesellschaften haben Richtwerte für die Diabetes-Therapie festgelegt. Die individuellen Zielwerte können allerdings davon abweichen. So sind z.B. bei höherem Alter und bestehenden Begleiterkrankungen höhere Zielwerte möglich.
 
Weiters kann die Ärztin/der Arzt Ziele ansprechen, die über eine Veränderung der Lebensgewohnheiten erreicht werden können, wie z.B. Übergewicht senken, mit dem Rauchen aufhören oder mehr Bewegung. Die Ärztin/der Arzt bespricht mit der Patientin/dem Patienten, welche Schritte notwendig sind und welche Behandlungen durchgeführt werden müssen, um den gestörten Stoffwechsel in den Griff zu bekommen. Nach drei Monaten wird eine Kontrolluntersuchung vereinbart, um die Zielerreichung zu kontrollieren und um die Therapie eventuell anzupassen. Je nach Therapiefortschritt sind weitere ärztliche Kontrollen in regelmäßigen Abständen notwendig.

Therapie-Zielwerte (optimal) für erwachsene Diabetikerinnen/Diabetiker:

Therapie-Zielwerte
 HbA1c 6,5 bis 7 Prozent, individuell zu vereinbaren
 LDL-Cholesterin   unter 70 mg/dl
 HDL-Cholesterin   über 45 mg/dl
 Triglyzeride   unter 200 mg/dl


Schulungen für Patientinnen und Patienten

In Patientenschulungen erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Informationen darüber, wie sie mit Diabetes im Alltag am besten umgehen. Wichtig ist, selbst den Blutzucker messen und kontrollieren zu können. Für Typ-1-Diabetikerinnen/-Diabetiker ist auch die Messung der Ketonkörper wichtig, um rechtzeitig einen Insulinmangel feststellen zu können.

Die Patientinnen und Patienten werden informiert, wie Ernährung und Bewegung die Zuckerwerte und den Stoffwechsel beeinflussen. Auch auf die medikamentöse Behandlung, die korrekte Insulingabe oder das Verhalten bei akuten Erkrankungen wird näher eingegangen. Patientenschulungen umfassen mehrere Termine und haben das Ziel, die Betroffenen schrittweise zu mehr Eigenverantwortung zu führen. Sie werden von speziell ausgebildeten Ärztinnen/Ärzten oder Diabetes-Beraterinnen/-Berater (Diätologin/Diätologe oder Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegeperson) durchgeführt. Patientenschulungen sind auch ein fixer Bestandteil des qualitätsgesicherten Diabetes-Behandlungsprogramms (Disease Management Programme, kurz DMP) „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff“ der Sozialversicherung.   

Gesunder Lebensstil als Basistherapie

Durch regelmäßige Bewegung und gesunde, auf Diabetes abgestimmte Ernährung können Betroffene ihre Stoffwechselstörung positiv beeinflussen. Oft ist es notwendig, alltägliche Lebensgewohnheiten zu ändern. Die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt berät die Patientin/den Patienten, welche gezielten Maßnahmen umgesetzt werden sollten. Änderung des Lebensstils können bei allen Diabetes-Formen empfohlen werden. Bei der Behandlung von Typ-2-Diabetes stellen sie sogar die Basis der Therapie dar. Erst wenn die Zielwerte für Blutzucker nicht mehr durch Lebensstiländerungen erreicht werden können, werden von ärztlicher Seite medikamentöse Therapien verordnet.  

Die medikamentöse Therapie

Zur Senkung des Blutzuckers werden hauptsächlich drei Gruppen von Arzneimitteln eingesetzt: orale Antidiabetika, Inkretinmimetika und Insulinpräparate. Regelmäßige Selbstmessungen und ärztliche Kontrollen sind notwendig, damit die Patientin/der Patient den Blutzucker genau einstellen kann. Ziel ist, eine Über- und Unterzuckerung (Hyper- und Hypoglykämie) zu vermeiden. Eine Insulintherapie wird von ärztlicher Seite verordnet, wenn die Bauchspeicheldrüse nicht ausreichend oder gar kein Insulin produziert.  Mehr Informationen finden Sie unter Diabetes: Medikamentöse Therapie.

Begleitende Kontrollen und Folgeerkrankungen

Chronisch erhöhter Blutzucker bzw. schlechte Blutzucker-Einstellung schädigen u.a. die Gefäßsysteme in zahlreichen Organen und führen zu einer Reihe von Folgeerkrankungen. Dies verursacht höhere Krankheits- und Sterblichkeitsraten bei zuckerkranken Menschen im Vergleich zu gesunden. Das Risiko einer Arteriosklerose ist bei Diabetikerinnen/Diabetikern um das Vier- bis Fünffache höher als bei der Normalbevölkerung. 

Die Diabetes-Therapie umfasst daher auch regelmäßige ärztliche Untersuchungen, um Folgeerkrankungen rechtzeitig erkennen und behandeln zu können. Um die Diabetes-Folgen überhaupt zu vermeiden, sind die richtigen Blutzucker-, Blutdruck- und Blutfetteinstellungen wichtige Voraussetzungen.

Zu den Folgeerkrankungen von Diabetes zählen: Erkrankungen der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheiten), Herzinfarkt, periphere arterielle Verschlusskrankheit (Durchblutungsstörungen vor allem in den Beinen), Schlaganfall, Nierenerkrankungen (Nephropathien), Augenerkrankungen (z.B. Retinopathie, Makulaödem), Nervenschädigungen (Neuropathien) und der diabetische Fuß. Diese Erkrankungen erfordern eine spezielle medizinische Behandlung durch Fachärztinnen/Fachärzte. 

Welche Vorteile hat der Diabetes-Pass?

Bei der Behandlung von Diabetes sind regelmäßige Arzttermine und Kontrolluntersuchungen lebenslang notwendig. Eine wichtige Hilfe für die Dokumentation und Planung ist der Diabetes-Pass. Darin trägt Ihre Ärztin/Ihr Arzt z.B. Untersuchungsergebnisse, Behandlungsschritte und Termine für Kontrollen ein. Dadurch wird der Krankheitsverlauf dokumentiert. Sie erhalten den Pass bei Ihrer behandelnden Ärztin/Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer Krankenkasse.

Wohin kann ich mich wenden?

Die Therapie von Diabetes ist ambulant oder stationär bei folgenden Einrichtungen möglich: 

  • Niedergelassene Ärztin/niedergelassener Arzt (z.B. für Allgemeinmedizin oder für Innere Medizin mit dem Zusatzfach Endokrinologie und Diabetologie). Hier kommen Sie zur Arztsuche.
  • Diabetes-Ambulanz (zur Liste der Österreichischen Diabetes Gesellschaft)
  • Spital – nach Überweisung durch eine Ärztin/einen Arzt (bei schlecht eingestelltem oder schwerem Diabetes, ev. mit Folgeerkrankungen)

Hinweis Das Gesundheitsprogamm Therapie Aktiv – Diabetes im Griff der Sozialversicherung bietet Typ-2-Diabetikerinnen und -Diabetikern eine optimale Versorgung nach dem neuesten Stand des medizinischen Wissens. Hier finden Sie Listen der Therapie Aktiv-Ärztinnen und Ärzte in sechs Bundesländern.

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