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Blutzucker-Messgerät © Sergey Laurentev

Diabetes: Symptome

Die Dunkelziffer nicht diagnostizierter Erkrankungen bei Typ-2-Diabetes ist hoch. Ein Grund: Die Stoffwechselstörung entwickelt sich langsam und für die Betroffenen oft unauffällig. Es besteht die Gefahr, dass Diabetes erst diagnostiziert wird, wenn sich bereits Folgeerkrankungen zeigen. Erste Symptome der chronischen Überzuckerung können leicht übersehen werden.

Stark erhöhte Blutzuckerwerte und Entgleisungen des Stoffwechsels können akute Komplikationen zur Folge haben. Diese müssen rasch behandelt werden. Durch Früherkennung, z.B. im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung, sollen gesundheitliche Schäden schon im Vorfeld vermieden werden.

Hintergrund

Bei Typ-1-Diabetes kann der Körper nicht genug Insulin produzieren, bei Typ-2-Diabetes kann das Insulin an den Zellen nicht entsprechend wirken. Beides hat zur Folge, dass der mit der Nahrung aufgenommene Zucker nicht ausreichend aus dem Blut in die Zellen aufgenommen wird. Es bleibt ständig zu viel Glukose im Blut (Hyperglykämie) zurück, gleichzeitig ist die Zuckerverwertung der Körperzellen gestört.

Mehr zum Thema: Diabetes: Was ist das?

Bei sehr hohem Blutzuckerspiegel wird Glukose vermehrt über den Harn ausgeschieden, begleitend kommt es zu hohen Harnmengen und Durst. Gleichzeitig bekommen die Körperzellen zu wenig Energie, da sie die Glukose nicht aufnehmen und verwerten können. Die Betroffenen fühlen sich oft müde und abgeschlagen.

Die Störung im Zuckerstoffwechsel kann Appetitlosigkeit, aber auch Heißhungerattacken verursachen. Obwohl der Körper ausreichend Nahrung bekommt, verlieren die Betroffenen an Gewicht.

Ein über längere Zeit erhöhter Blutzucker schwächt auch das Immunsystem und der Organismus wird anfälliger für Infektionen. Gefährliche Langzeitfolgen sind zudem Organbeeinträchtigungen durch Gefäßschäden: Aufgrund der Schädigung großer Gefäße steigt das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Durchblutungsstörungen der Beine (periphere arterielle Verschlusskrankheit, paVK). Typisch für Diabetes sind auch Schäden an Augen, Nieren und Nerven. Sie entstehen, wenn aufgrund jahrelang erhöhter Blutzuckerwerte auch die kleinen Gefäße geschädigt werden (Mikrovaskulopathie). Mehr zum Thema: Folgeerkrankungen von Diabetes.

Welche Symptome können bei Diabetes auftreten?

Generell sind die Symptome von Typ-1- und Typ-2-Diabetes ähnlich und werden durch die Überzuckerung verursacht. Bei Typ-2-Diabetes können die Symptome oft erst nach längerer Krankheitsdauer auftreten.

Häufige Symptome sind:

  • dauerndes Durstgefühl,
  • häufiges Urinieren (auch nachts),
  • Appetitlosigkeit oder Heißhunger,
  • Gewichtsverlust oder Gewichtszunahme,  
  • Müdigkeit,
  • Abgeschlagenheit,
  • psychische Probleme,
  • nachlassende Sehstärke,
  • Juckreiz,
  • Potenzstörungen bei Männern,
  • sexuelle Lustlosigkeit,
  • Muskelkrämpfe,
  • schlecht heilende Wunden,
  • häufige Infektionen und
  • Empfindungsstörungen (z.B. von Druck oder Temperatur).

Welche akuten Komplikationen sind möglich?

Neben den verschiedenen Langzeitfolgen von Diabetes gibt es auch Situationen, die akut zum Problem werden können:

Diabetische Ketoazidose

Die Zellen des Körpers sind zur Energiegewinnung auf Glukose angewiesen. Bei Diabetes bzw. bei Insulinmangel ist jedoch die Aufnahme von Zucker in die Zellen gestört; die Zellen müssen ihren Stoffwechsel daher auf andere Energiequellen umstellen. Zunächst werden die körpereigenen Reserven, die Glukosespeicher, geleert. Danach wird auf die Fettreserven zurückgegriffen, um Energie zu gewinnen, d.h. der Körper beginnt, Triglyceride und Aminosäuren zu verstoffwechseln. Dabei entstehen sogenannte Ketonkörper, die von den Zellen teilweise als Energielieferant genutzt werden können.

Bei dauerhaftem Insulinmangel fällt jedoch eine so große Menge an Ketonkörpern an, dass es zu einer schweren Stoffwechselentgleisung kommen kann: Die Ketonkörper bewirken eine Übersäuerung des Blutes (metabolische Azidose), die zur Bewusstlosigkeit führen und lebensbedrohlich sein kann.

Die diabetische Ketoazidose betrifft in erster Linie Patientinnen und Patienten mit Typ-1-Diabetes. Sie kann jedoch auch bei Patientinnen/Patienten mit Typ-2-Diabetes auftreten. Die Gefahr für eine diabetische Ketoazidose besteht immer dann, wenn die Insulinreserven vollständig aufgebraucht sind oder wenn der Bedarf an Insulin über eine längere Zeit erhöht ist. Beispiele für solche Situationen sind etwa fieberhafte Infekte, langanhaltende Stresssituationen oder ein Vergessen bzw. Weglassen der Insulininjektionen. In einigen Fällen ist eine Ketoazidose sogar erstes Symptom des Diabetes, und die Betroffenen haben davor nichts von der Erkrankung gewusst.

Eine beginnende Ketoazidose macht sich durch Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, starken Durst, Müdigkeit und Schläfrigkeit sowie eventuell durch einen stechenden Mundgeruch (wie faules Obst oder Nagellackentferner) bemerkbar. Mittels Blutzuckermessgerät oder speziellen Harnteststreifen kann das Vorliegen einer Ketoazidose überprüft und entsprechend gehandelt werden (z.B. durch die schnelle Verabreichung der entsprechenden Insulinmenge). Bei jeglicher Unsicherheit sollte nicht gezögert und sofort medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden!

Achtung! Ein drohendes Koma ist eine akut lebensbedrohliche Situation. Die Betroffenen müssen umgehend medizinisch behandelt werden! Telefonnummer der Rettung: 144

Unterzuckerung (Hypoglykämie)

Auch eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) ist vor allem für Menschen mit Typ-1-Diabetes bedeutend. Sie kann jedoch generell bei allen Diabetes-Patientinnen und -Patienten vorkommen, die mit Insulin oder insulinotropen (die Insulinausschüttung steigernden) Medikamenten bzw. mit oralen Antidiabetika behandelt werden. Mehr zum Thema: Medikamentöse Therapie bei Diabetes.

Wird z.B. eine Mahlzeit ungeplant ausgelassen, zu viel Insulin gespritzt oder ungewohnt intensiver Sport betrieben, kann dies zu einer Unterzuckerung führen. Problematisch ist außerdem das Trinken von Alkohol in großen Mengen, denn Alkohol hemmt die Neubildung von Zucker in der Leber. Das Gehirn reagiert besonders sensibel auf einen Mangel an Glukose. Fällt der Blutzucker zu stark ab, wird es nicht mehr ausreichend mit Energie versorgt. Bei Ausbleiben einer rechtzeitigen Therapie muss mit irreversiblen Hirnschädigungen gerechnet werden. 

Anzeichen für eine Hypoglykämie sind z.B. ein schneller Puls, Schweißausbrüche, plötzliche Kopfschmerzen, weiche Knie, Zittern, Konzentrationsstörungen oder Verwirrtheit. Es ist wichtig, sofort gegenzusteuern und etwas Zuckerhaltiges zu essen, z.B. ein Stück Traubenzucker. Ansonsten kann die Unterzuckerung bis zur Bewusstlosigkeit führen. Die Behandlung besteht dann in der Injektion von Glukagon, dem physiologischen Gegenspieler von Insulin. Unter Umständen müssen Diabetes-Patientinnen/-Patienten ein Glukagon-Spritzenset für den Notfall stets bei sich führen; die Familienangehörigen, Kollegen und andere Personen im nahen Umfeld des Betroffenen müssen im Umgang mit den Notfallinjektionen geschult werden. 

Wie erfolgt die Früherkennung von Typ-2-Diabetes?

Gerade zu Beginn der Erkrankung haben die Betroffenen oft keine Symptome oder sie werden leicht übersehen. Die erhöhten Blutzuckerwerte werden nicht selten zufällig im Rahmen von Blutuntersuchungen bemerkt.

Durch Früherkennung sollen ein erhöhtes Risiko für Diabetes oder Vorstufen der Erkrankung rechtzeitig erkannt werden. Nur so können gesundheitliche Schäden und Folgeerkrankungen vermieden werden. 

Die Österreichische Diabetesgesellschaft empfiehlt, bei Frauen und Männern ab dem 45. Lebensjahr im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung alle drei Jahre Blutzuckermessungen mit Bestimmung der Nüchternglukose oder des HbA1c zur Diabetes-Früherkennung durchzuführen. Liegen Risikofaktoren vor, werden regelmäßige Blutzuckertests schon in jüngerem Alter und in kürzeren Abständen empfohlen. Zu den Hauptrisikofaktoren zählen u.a. Übergewicht, Bewegungsmangel, Verwandte ersten Grades mit Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhte Blutfettwerte (Hyperlipidämie); mehr dazu: Vorbeugung von Diabetes

Sind Sie von einem oder mehreren dieser Risikofaktoren betroffen bzw. leiden Sie unter Symptomen oder Beschwerden, die auf Diabetes hindeuten, klären Sie diese mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Wie erfolgt die Früherkennung von Typ-1-Diabetes?

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung. Die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse werden von Antikörpern angegriffen, was letztlich dazu führt, dass kein Insulin mehr erzeugt werden kann.

Diese Autoantikörper sind schon Jahre, bevor sich Diabetes gebildet hat, im Blut vorhanden. Das Risiko für einen schlummernden Typ-1-Diabetes kann daher durch bestimmte Antikörpermessungen abgeschätzt werden. Sinnvoll ist eine solche Testung eventuell bei Risikopatientinnen/-patienten; bei Personen, deren Verwandte ersten Grades bereits an Typ-1-Diabetes erkrankten, besteht im Vergleich zur Normalbevölkerung ein durchschnittlich ca. 20-fach erhöhtes Risiko, ebenfalls einen Typ-1-Diabetes zu entwickeln.

Die mögliche Entstehung von Typ-1-Diabetes kann jedoch nicht beeinflusst oder verhindert werden. Sehr wohl können aber durch frühzeitige Diagnose – besonders beim ersten Auftreten von Typ-1-Diabetes – gefährliche Komplikationen vermieden werden z.B. eine schwere Blutzuckerentgleisung oder ein ketoazidotisches Koma (siehe oben).

Wohin kann ich mich wenden?

Im Programm der Vorsorgeuntersuchung sind Untersuchungen zur Früherkennung von Typ-2-Diabetes enthalten. Niedergelassene Ärztinnen oder Ärzte, die Vorsorgeuntersuchungen durchführen, finden Sie unter Arztsuche Zur Abklärung von Symptomen, die auf Diabetes hindeuten können, wenden Sie sich an Ihre Hausärztin/Ihren Hausarzt, eine Fachärztin/einen Facharzt für Innere Medizin oder an eine Diabetes-Ambulanz in Ihrer Umgebung. 

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnosemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Bei bestimmten Untersuchungen (z.B. MRT) kann eine chefärztliche Bewilligung erforderlich sein. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung  finden.

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