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Insulin Injektion in den Bauch © Visionär

Diabetes: Medikamentöse Therapie

Bei Typ-2-Diabetes ist in einem frühen Stadium die Insulinproduktion noch weitgehend intakt. Erst wenn Typ-2-Diabetikerinnen oder -Diabetiker ihre Blutzucker-Werte durch Gewichtsabnahme, richtige Ernährung und mehr Bewegung nicht mehr in den Griff bekommen, ist eine Behandlung mit Medikamenten notwendig. Anders bei Typ-1-Diabetes: Die Bauchspeicheldrüse produziert zu wenig oder gar kein Insulin. Deshalb müssen die Betroffenen das fehlende Insulin zuführen.

Je nach Gesundheitszustand und Alter der Patientinnen und Patienten können von ärztlicher Seite unterschiedliche Medikamente verordnet werden. Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, damit die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt prüfen kann, ob sich der gewünschte Behandlungserfolg einstellt oder ob eine Änderung der Medikation notwendig ist.  

Medikamente bei Typ-2-Diabetes

Solange bei Typ-2-Diabetes die Insulinproduktion noch funktioniert, wird nach den Leitlinien der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) die medikamentöse Therapie zunächst mit einem Präparat als sogenannte Monotherapie begonnen. Kann dadurch der Blutzucker nicht gesenkt werden, verordnet die Ärztin/der Arzt eine Kombinationstherapie mit zwei oder mehreren Medikamenten.  Es stehen verschiedene Medikamente zur Einnahme (orale Antidiabetika) zur Verfügung. Gebräuchliche Diabetes-Wirkstoffe sind: 

  • Biguanide: Der einzige therapeutisch verwendete Wirkstoff aus der Substanzgruppe der Biguanide ist Metformin. Das Medikament wird heute als Mittel der ersten Wahl bei nahezu allen Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes eingesetzt. Metformin senkt den Blutzucker, indem es die Zuckerproduktion der Leber vermindert, die Glukoseaufnahme über den Darm verzögert und die Wirkung des körpereigenen Insulins erhöht. Die Wahrscheinlichkeit von Unterzuckerungen ist – verglichen mit anderen Diabetes-Medikamenten – eher gering. Zudem kann Metformin bei übergewichtigen Patientinnen und Patienten dazu beitragen, das Gewicht zu reduzieren. Kontraindikationen für Metformin sind z.B. eine eingeschränkte Nierenfunktion, schwere Lebererkrankungen oder eine fortgeschrittene Herzschwäche (Herzinsuffizienz).
  • Glitazone: Sie bewirken, dass die Zellen in Leber, Skelettmuskulatur und im Fettgewebe besser auf das Insulin ansprechen. Kontraindikationen für Glitazone sind Herzschwäche und Leberfunktionsstörungen. Nach einer Empfehlung der EMA (European Medicines Agency) wurde die Zulassung für Medikamente mit dem Wirkstoff Rosiglitazon ruhend gestellt. Therapiealternativen werden von der behandelnden Ärztin/vom behandelnden Arzt verordnet. Weitere Informationen finden Sie unter: www.basg.at.
  • Sulfonylharnstoffe und Glinide: Mit fortschreitender Erkrankung nimmt die Insulinausschüttung bei nahezu allen Typ-2-Diabetes-Patientinnen und -Patienten ab. Dann werden Medikamente, welche die Ausschüttung von Insulin steigern, notwendig. Dazu gehören Sulfonylharnstoffe und Glinide. Insbesondere die Therapie mit Sulfonylharnstoffen ist mit einem höheren Risiko für Unterzuckerungen und Gewichtszunahme verbunden. Glinide werden vor jeder Mahlzeit eingenommen, da sie zwar rascher, aber auch wesentlich kürzer wirken.
  • Alpha-Glucosidase-Inhibitoren: Sie hemmen die Aufnahme und Verdauung von Kohlehydraten und senken so insbesondere den übermäßigen Blutzuckeranstieg nach einer Nahrungseinnahme. Nebenwirkungen wie Blähungen und Bauchschmerzen können durch eine schrittweise Steigerung der Dosis verringert werden.
  • Gliptine oder DPP4-Hemmer: Diese Medikamente erhöhen die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse in Abhängigkeit von der Blutzuckerkonzentration. Da bei niedrigen Blutzucker-Konzentrationen die Wirkung des Medikaments aufhört, ist das Risiko für eine Unterzuckerung sehr gering. Gliptine verursachen keine Gewichtszunahme.
  • Gliflozine oder SGLT2-Hemmer: Sie steigern die Ausscheidung von Glukose im Harn und führen zu einer Senkung von Blutzucker, Blutdruck und Körpergewicht. Vor allem bei Frauen ist das Risiko für Pilzinfektionen im Genitalbereich erhöht. Sie verursachen faktisch keine Hypoglykämien. SGLT2-Hemmer können in seltenen Fällen, vor allem in Kombination mit einer Insulintherapie, zu einer Ketoazidose ohne erhöhte Blutzuckerspiegel führen. Daher sollen Patientinnen/Patienten unter SGLT2-Hemmer-Therapie mit Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen ohne erkennbare Ursache die Einnahme der Medikation beenden und die Beschwerden umgehend ärztlich abklären lassen.

Inkretinmimetika

Diese Medikamente werden ein- bzw. zweimal pro Tag oder einmal wöchentlich unter die Haut injiziert und wirken ähnlich, aber etwas stärker als die Gliptine. Zusätzlich zu Verbesserung von Blutzucker und Blutfetten tragen sie auch zu einer Verringerung des Körpergewichts bei. Das Risiko für Unterzuckerungen ist sehr gering.

Insulintherapie bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes

Bei Typ-2-Diabetes kann in einem fortgeschrittenen Stadium die Bauchspeicheldrüse beeinträchtigt werden. Sie produziert dann – wie bei Typ-1-Diabetes – zu wenig oder gar kein Insulin mehr. Diabetikerinnen und Diabetiker benötigen in diesem Fall einen Insulinersatz, der bei Typ-1-Diabetikerinnen/-Diabetikern lebensnotwendig ist. Für die Betroffenen stehen biotechnisch hergestellte Humaninsuline oder künstliche, dem menschlichen Insulin ähnliche Präparate (Insulinanaloga) mit unterschiedlichen Anwendungen und Darreichungsformen (z.B. Spritze, Pen oder Pumpe) zur Verfügung. Kurzwirksame Insuline sorgen für eine kurzfristige Senkung der Blutzuckerwerte und werden zum Beispiel vor Mahlzeiten gespritzt. Langwirksame Insuline decken den Grundbedarf an Insulin, der auch als Basalrate bezeichnet wird. Mittels Injektionsspritze oder Pen (Injektionshilfe in Form eines Stifts) wird das Insulin unter die Haut verabreicht. Insulinpumpen werden am Körper getragen und führen dem Organismus die eingestellte Menge an Insulin automatisch zu.  

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Für viele Diabetes-Medikamente werden die Kosten von der jeweiligen Krankenkasse übernommen. Für bestimmte Diabetes-Medikamente kann eine chefärztliche Bewilligung erforderlich sein. Die Kosten für medizinische Hilfsmittel können je nach zuständiger Krankenkasse in unterschiedlicher Höhe übernommen werden, wobei von ein Selbstbehalt zu leisten ist. Voraussetzung ist eine ärztliche Verordnung. Zum Teil bieten Krankenkassen auch die Versorgung mit Diabetiker-Bedarf (z.B. Spritzen, Pen, Blutzucker-Messstreifen) in eigenen Abgabestellen an. Personen mit erhöhtem Medikamentenbedarf können eine Rezeptgebührenbefreiung beantragen, die unter bestimmten Voraussetzungen gewährt wird. 

Weitere Informationen finden Sie unter Rezepte, Anträge & Co.

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