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Frau lässt sich von Ärztin beraten © YakobuchkOlena

Gebärmutterentfernung (Hysterektomie)

Die Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) kann bei verschiedenen Krebserkrankungen, Krebsvorstufen der Gebärmutter bzw. des Gebärmutterhalses sowie bestimmten gutartigen Erkrankungen der Gebärmutter durchgeführt werden. Sie wird jedoch nur vorgenommen, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt  bzw. wenn bei diesen ein schlechteres Behandlungsergebnis zu erwarten ist. Der operierenden Frauenärztin/dem operierenden Frauenarzt stehen dabei verschiedene Operationstechniken zur Verfügung. Eine Gebärmutterentfernung kann weitreichende Auswirkungen auf das körperliche und seelische Wohlbefinden einer Frau haben. Die Entscheidung zu dieser Operation wird daher – außer in Notfallsituationen – immer von der Ärztin/vom Arzt und der Patientin gemeinsam getroffen.

Bei welchen Erkrankungen wird eine Hysterektomie durchgeführt?

Krebserkrankungen und Krebsvorstufen:

  • Gebärmutterkrebs: Endometriumkarzinom, Sarkom, maligne (bösartige) Mischtumore;
  • Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom),
  • unter bestimmten Voraussetzungen oder auf Wunsch der Patientin bei Krebsvorstufen
    • der Gebärmutterschleimhaut,
    • bei fortgeschrittenen Krebsvorstufen des Gebärmutterhalses (CIN II/CIN III);
  • bei Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom),
  • ev. nach abgeschlossener Familienplanung vorsorglich bei Lynch-Syndrom – Erbkrankheit mit erhöhtem Risiko für die Entwicklung verschiedener Tumoren – v.a.Dickdarmkrebs (kolorektales Karzinom) und u.a. Gebärmutterkrebs (Endometriumkarzinom). 

Gutartige Erkrankungen, falls ein organerhaltendes Vorgehen nicht möglich ist:

  • Myome,
  • Regelblutungsstörungen (Menstruationsstörungen),
  • Adenomyosis uteri – Einlagerung von Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) in die Muskelschichte der Gebärmutter (Myometrium),
  • Endometriose,
  • schwere Infektionen der Gebärmutter,
  • Placenta accreta (fehlerhaft in die Gebärmutterschleimhaut eingewachsener Mutterkuchen mit erschwerter Lösung aus der Gebärmutterschleimhaut nach der Geburt),
  • schwere Verletzung bzw. Blutung, z.B. im Rahmen einer Geburt oder eines Unfalles, 
  • Gebärmuttervorfall (Uterusprolaps – Heraustreten der Gebärmutter aus der Scheide).

Hinweis Bei gutartigen Erkrankungen sind chronische Unterbauchschmerzen die häufigste Ursache für den Wunsch von Patientinnen, eine Gebärmutterentfernung vornehmen zu lassen. Ein Behandlungserfolg durch diesen Eingriff ist jedoch bei Frauen, bei denen keine klare körperliche Schmerzursache festgestellt werden kann, oft nicht zufriedenstellend. Daher muss vor der Entscheidung zur Hysterektomie immer eine ausführliche psychosomatische Abklärung erfolgen.

Welche Operationsmethoden gibt es? 

Die Gebärmutterentfernung kann über drei Zugänge erfolgen

  • über einen Bauchschnitt (abdominal - Laparotomie),
  • über die Scheide (vaginal),
  • mittels Knopflochtechnik über die Bauchdecke (laparoskopisch).

Zu den laparoskopischen Operationen zählen:

  • die LAVH (laparoskopisch assistierte vaginale Hysterektomie) und
  • die TLH (ausschließlich laparoskopische Hysterektomie).


Bei der LAVH wird die Gebärmutter von der Scheide aus abgetrennt. Bei der TLH wird ausschließlich mittels Knopflochtechnik operiert. Bei beiden Techniken wird die Gebärmutter über die Scheide entfernt. Manchmal kann bei einer sehr großen Gebärmutter die Entfernung über ein kleines Loch in der Bauchdecke nötig sein. Dies v.a. dann, wenn eine Zerkleinerung vor der Entfernung (z.B. bei Karzinomen) nicht erwünscht ist.

Eine laparoskopische Hysterektomie kann auch robotergestützt erfolgen. Dabei werden die Auswahl von Operationsbesteck sowie Bewegungen eines Roboters von einer Ärztin/einem Arzt per Computer gesteuert. Die Wirksamkeit dieser Methode wird derzeit noch untersucht.

Bei der abdominalen und laparoskopischen Hysterektomie kann zusätzlich der Bauchraum begutachtet werden. Wenn nötig, können zusätzlich zur Gebärmutterentfernung weitere Eingriffe im Bauchraum vorgenommen werden. Zu diesen Eingriffen zählen z.B. die Entfernung von Endometrioseherden bzw. der Eierstöcke.

Vaginale und laparoskopische Operationen werden der Operation über einen Bauchschnitt vorgezogen, weil die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus und die Genesungszeit dadurch verkürzt werden. Der Eingriff mit der kürzesten Operationsdauer und den geringsten Komplikationen ist die vaginale Gebärmutterentfernung. Bei diesem Eingriff können jedoch mögliche Auswirkungen der zugrunde liegenden Erkrankung auf den Bauchraum bzw. auf andere angrenzende Organe nicht behandelt werden. Auch kann die Entfernung der Eierstöcke von vaginal aus aufgrund der Erreichbarkeit erschwert sein.

Bei bestimmten Erkrankungen werden zusätzlich die Eierstöcke entfernt (Adnexotomie). Wenn kein Hinweis auf eine ernst zu nehmende krankhafte Veränderung der Eierstöcke besteht, wird eine vorsorgliche Entfernung der Eierstöcke nicht empfohlen. Nach diesem Eingriff kommt es nämlich ohne Hormonersatztherapie zu einem plötzlichen Einsetzen der Menopause. Zusätzlich ist das Risiko für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z.B. Herzinfarkt) und Erkrankungen des Gehirns (z.B.Schlaganfall, Demenz) erhöht. Auch Knochenbrüche aufgrund einer Osteoporose treten nach einer beidseitigen Eierstockentfernung häufiger auf. Sehr wohl wird aber neuerdings die Entfernung der Eileiter empfohlen. Die Entfernung der Eileiter reduziert das Auftreten von Eierstockkrebs.  

Welche Operationstechniken werden angewandt?

Es wird die totale Gebärmutterentfernung (totale Hysterektomie) von der Gebärmutterteilentfernung (subtotale Hysterektomie) unterschieden.

Bei der totalen Hysterektomie wird die gesamte Gebärmutter inklusive Gebärmutterhals (Zervix) entfernt. Bei der subtotalen Hysterektomie wird der Gebärmutterhals nicht entfernt.  

Im Rahmen der subtotalen Hysterektomie kommt es seltener zu Komplikationen als bei der totalen Hysterektomie. Jedoch ist auch der Gebärmutterhals teilweise mit Gebärmutterschleimhaut bedeckt. Daher kann es bei Frauen mit intakten Eierstöcken, bei denen eine Gebärmutterteilentfernung vor der Menopause vorgenommen wird, zu zyklusabhängigen Blutungen kommen. Auch Gebärmutterhalskrebs kann bei diesen Patientinnen weiterhin entstehen. Eine Verbesserung des Sexuallebens konnte – wie früher angenommen – bei Patientinnen mit subtotaler Entfernung der Gebärmutter gegenüber Patientinnen nach totaler Entfernung der Gebärmutter nicht nachgewiesen werden. Aus diesen Gründen wird in erster Linie die totale Hysterektomie empfohlen. 

Welche Komplikationen können auftreten?

Wie häufig Komplikationen auftreten, hängt u.a. von der Erkrankung ab, die durch eine Hysterektomie behandelt werden soll. Fieber-, Blasen- und Wundinfektionen entstehen nach einer Gebärmutterentfernung relativ häufig, können aber meist gut behandelt werden.

Mögliche Komplikationen während der Operation sind:

  • Blutungen durch Gefäßverletzungen,
  • Blasen- oder Darmverletzungen,
  • Verletzungen des Harnleiters,
  • sehr selten Verletzungen anderer Organe.

Hinweis Bei sehr schwierigen Operationsbedingungen bzw. Auftreten von Komplikationen ist es manchmal notwendig, eine vaginale oder laparoskopische Operation abzubrechen und die Operation über einen Bauchschnitt weiterzuführen.

Mögliche Komplikationen, die als Folge der Operation auftreten können, sind:

  • früherer Eintritt in die Menopause,
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr,
  • Absinken der Harnblase und des Darms bei Beckenbodenschwäche,
  • möglicherweise Entstehung einer Harninkontinenz  sowie
  • Harnverhalt.

Zu den allgemeinen Operationskomplikationen zählen z.B.:

Hinweis Um die Entwicklung einer Infektion durch Bakterien zu verhindern, erhält die Patientin kurz vor bzw. während der Operation eine Infusion mit einem Antibiotikum. Zur Verhinderung von Thrombosen wird für fünf bis sieben Tage nach der Operation einmal täglich eine Spritze mit dem Blutgerinnungshemmer Heparin verabreicht.

Seelisches und körperliches Wohlbefinden nach der Operation

Welche Beschwerden können nach der Operation entstehen?

Die Zufriedenheit mit dem Eingriff ist u.a. je nach Verlauf der Operation, weiterbestehenden bzw. neu aufgetretenen Beschwerden und der Persönlichkeit der betroffenen Frau unterschiedlich.

Viele Patientinnen berichten nach einer Operation bei gutartigen Gebärmuttererkrankungen von einer Besserung verschiedener Beschwerden (z.B. Druckgefühl). Auch das Ausbleiben der Regelblutung wird bei vorbestehenden Menstruationsbeschwerden (schmerzhafte oder starke Menstruationsblutung) als angenehm empfunden.

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie) können sich nach der Operation bessern. Sie können sich jedoch manchmal auch verschlechtern bzw. neu auftreten.

Nach einer Gebärmutterentfernung erhält die Patientin für eine gewisse Zeit Schmerzmittel. In vielen Fällen berichten Patientinnen, die aufgrund einer gutartigen Erkrankung operiert wurden, nach dem Eingriff, dass sie nicht mehr unter Unterbauchschmerzen leiden. Ein geringer Anteil berichtet nach der Operation jedoch von neu aufgetretenen bzw. verstärkten Schmerzen im Unterbauch. 

Einige Frauen leiden unter diesem Eingriff. Dazu zählen vor allem Frauen mit Kinderwunsch bzw. Frauen, die das Gefühl haben, durch die Gebärmutterentfernung einen Teil ihrer Weiblichkeit verloren zu haben. Bei Erkrankungen, bei denen eine Gebärmutterentfernung nicht zwingend notwendig ist, sollten Frauen daher eingehend überlegen, welche Auswirkungen dieser Eingriff auf ihr seelisches und körperliches Wohlbefinden haben kann.

Erholung nach der Operation

Wie schnell sich eine Patientin von einer Gebärmutterentfernung erholt, ist individuell unterschiedlich und hängt u.a. von der Operationstechnik ab. Vaginale und laparoskopische Gebärmutterentfernungen sind mit einem kürzeren Spitalsaufenthalt und einer schnelleren Erholung nach dem Eingriff verbunden.

Körperliche Anstrengung nach der Operation

Wie lange schwere körperliche Anstrengungen vermieden werden sollen bzw. über die Dauer eines Krankenstandes, entscheidet die Ärztin/der Arzt individuell für jede Patientin. 

Postoperative Blutungen

Nach einer Hysterektomie sind leichte Blutungen aus der Scheide normal. Daher sollten einige Wochen nach der Operation Einlagen getragen werden. Tampons sollten aufgrund des erhöhten Infektionsrisikos nicht verwendet werden. Dauern Blutungen länger als sechs Wochen an bzw. entwickeln sich Blutungen, die so stark ausgeprägt sind wie Menstruationsblutungen, sollte so schnell wie möglich eine Ärztin/ein Arzt aufgesucht werden.

Geschlechtsverkehr nach der Operation

Im Allgemeinen wird bei komplikationslosem Verlauf empfohlen, für etwa vier bis sechs Wochen auf Geschlechtsverkehr zu verzichten. Nach einer Hysterektomie ist eine Schwangerschaft nicht mehr möglich. Daher muss nicht mehr auf eine Empfängnisverhütung geachtet werden. Um Infektionen mit sexuell übertragbaren Erkrankungen (STD) zu verhindern, sollten bei einem möglichen Übertragungsrisiko unbedingt Kondome verwendet werden.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapiemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt (Behandlungsbeitrag) für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Bei bestimmten Leistungen (z.B. stationäre Aufenthalte) sind – je nach Krankenversicherungsträger – Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen. Für Medikamente auf „Kassenrezept“ ist die Rezeptgebühr zu entrichten. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie z.B. über die Website Ihrer Sozialversicherung finden.


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