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Glas mit Tabletten © coolhand1180

Depression: Antidepressiva & Psychotherapie

Einer Depression muss man nicht hilflos gegenüberstehen. Es gibt verschiedene wirksame Behandlungsmöglichkeiten. In akuten Fällen ist oft auch ein Aufenthalt in einem Krankenhaus notwendig. Die am häufigsten verwendeten Medikamente bei einer Depressionsbehandlung sind Antidepressiva. Diese wirken gezielt gegen Depressionen. Auch psychotherapeutische Methoden haben sich in der Behandlung von Depressionen bewährt. Meist ist eine Kombination aus medikamentöser Therapie und Psychotherapie besonders zielführend.

Medikamente bei Depression

Die wichtige Gruppe der Antidepressiva wird auch in Kombination mit sogenannten Neuroleptika angewandt – vor allem bei Depressionen mit psychotischer Symptomatik (z.B. Wahnvorstellungen) oder manischer Depression. Beruhigungsmittel können in gewissen Situationen ebenfalls Erleichterung bringen, z.B.wenn Unruhe und Angst im Vordergrund der depressiven Symptomatik stehen.Alle diese Medikamente greifen in den Stoffwechsel von Überträgersubstanzen im Gehirn, sogenannten Neurotransmittern, ein. Diese Botenstoffe sind beim gesunden Menschen in Balance. Bei Depressionen ist dieses Gleichgewicht gestört. Besonders die Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin und Dopamin zeigen verminderte Aktivität. Sie liegen in geringerer Konzentration an den Verbindungsstellen der Nerven (Synapsen) vor.  

Wirkung von Antidepressiva

Antidepressiva werden zum Teil auch bei anderen Krankheiten verschrieben – zum Beispiel Angsterkrankungen – und beeinflussen den Gehirnstoffwechsel. Die Konzentration bestimmter Neurotransmitter ist bei einer Depression vermindert. Antidepressiva erhöhen die Verfügbarkeit dieser für die Stimmung relevanten Überträgerstoffe und greifen zumeist an folgenden Punkten an:

  • Hemmung der Wiederaufnahme von Neurotransmittern in die Speicher der Nervenzellen,
  • Hemmung des Abbaustoffes von Neurotransmittern,
  • vermehrte Ausschüttung von Neurotransmittern.

Dadurch steigt die Konzentration dieser Botenstoffe und die Stimmung bei depressiven Patientinnen/Patienten – jedoch erst nach längerer Behandlungsdauer (oft erst nach mehr als zwei Wochen).

Gruppen von Antidepressiva

Es gibt mehrere Gruppen von Antidepressiva:

  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (Selektive Serotonin-Reuptake-Inhibitoren, Abkürzung SSRI): Diese verhindern, dass Serotonin wieder zurück in seine Speicher befördert wird. Somit steht mehr davon zur Verfügung. SSRI sind im Allgemeinen gut verträglich und werden häufig angewandt – vor allem bei leichten und mittelgradigen depressiven Episoden.
  • Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer (Noradrenalin-Dopamin-Reuptake-Inhibitoren): Diese Antidepressiva hemmen gezielt den Rücktransport von Noradrenalin und Dopamin in die Nervenzellen (Neuronen). Sie finden bei schweren Depressionen Anwendung.
  • Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (Serotonin-Noradrenalin-Reuptake-Inhibitoren, Abkürzung SNRI): SNRI blockieren gezielt den Rücktransport von Serotonin und Noradrenalin in die Nervenzellen (Neuronen). Sie steigern die Stimmung und den Antrieb.
  • Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (Noradrenalin-Reuptake-Inhibitoren, Abkürzung NARI) wirken gezielt hemmend auf den Rücktransport des Botenstoffes Noradrenalin in die Neuronenspeicher. NARI werden bei leichten und mittelgradigen Depressionen angewandt – vor allem dann, wenn Antriebslosigkeit im Vordergrund steht.
  • Trizyklische und tetrazyklische Antidepressiva werden bereits lange in der Therapie von Depressionen verwendet. Sie hemmen zwar die Wiederaufnahme von Serotonin und/oder Noradrenalin, beeinflussen aber auch andere Überträgersubstanzen im Gehirnstoffwechsel. Aufgrund ihrer zahlreichen Nebenwirkungen (Herz-Kreislauf-Probleme, Herzrhythmusstörungen etc.) werden sie seltener eingesetzt. Es stehen mittlerweile modernere Arzneimittel zur Verfügung wie z.B. SSRI.
  • Monoaminoxidase-Inhibitoren (sogenannte MAO-Hemmer): MAO-Hemmer blockieren das Enzym Monoaminoxidase. Dieses Enzym baut die Neurotransmitter Dopamin, Serotonin, Adrenalin und Noradrenalin ab. Nimmt man MAO-Hemmer, steigt die Konzentration dieser Überträgerstoffe im Gehirn an. In Österreich gibt es die klassischen MAO-Hemmer seit vielen Jahren nicht mehr. Moderne selektive MAO-Hemmer weisen weniger Nebenwirkungen auf, werden allerdings sehr selten eingesetzt.
  • Lithiumionen: Wie genau Lithium wirkt, ist bis dato noch umstritten. Wird es als Dauermedikation verabreicht, beugt es depressiven oder manischen Schüben vor. Die Wirkung tritt jedoch erst nach Monaten ein. Der Lithiumspiegel im Blut muss in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden, da Lithium ein toxisches Medikament ist, das in sehr hohen Dosen zu schweren Nebenwirkungen führen kann. Lithium findet allerdings hauptsächlich bei bipolaren Störungen („manisch-depressiv“) Anwendung.

Außerdem gibt es noch sogenannte atypische Antidepressiva. Sie erhöhen ebenso die Konzentration von Serotonin und Noradrenalin – allerdings durch Ausschüttung aus den Speichern.

Johanniskraut

Bei leichten bis mittelschweren depressiven Episoden und bei der „Winterdepression“ (SAD) konnte die Wirksamkeit von einzelnen Johanniskrautpräparaten belegt werden. Auch wenn Johanniskraut in niedrigeren Dosen rezeptfrei in der Apotheke erhältlich ist, sollte immer eine Ärztin/ein Arzt vor der Einnahme konsultiert werden. Pflanzliche Medikamente gelten als „sanft“, obwohl auch sie nach chemischen Mechanismen funktionieren und nicht selten Allergien auslösen. Johanniskraut ist zwar im Allgemeinen gut verträglich, jedoch sind Nebenwirkungen wie z.B. erhöhte Lichtempfindlichkeit, Unruhe etc. möglich. Es kann mit anderen Medikamenten in Interaktion treten und somit unerwünschte Arzneimittelwechselwirkungen auslösen (z.B. bestimmte blutgerinnungshemmende Medikamente oder Arzneimittel zur hormonellen Empfängnisverhütung).

Zu beachten bei Medikamenteneinnahme: Die Einnahme von Medikamenten sollte immer mit einer Ärztin/einem Arzt abgestimmt werden. Halten Sie sich an den verordneten Therapieplan – auch wenn eine längere Behandlung erforderlich ist. Damit können Sie Ihre Genesung maßgeblich unterstützen und Rückfällen vorbeugen.

Hinweis Melden Sie auftretende Nebenwirkungen sofort Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, und teilen Sie ihr/ihm auch mit, wenn Sie noch andere Arzneimittel (auch rezeptfreie oder „pflanzliche“) oder hormonelle Verhütungsmittel einnehmen, da es hierbei zu Arzneimittelwechselwirkungen kommen kann.

Psychotherapie

Psychotherapie hat zum Ziel, seelisches Leid mithilfe psychotherapeutischer Verfahren zu heilen oder zumindest zu lindern. Im Zentrum der Psychotherapie stehen die Beziehung, der Austausch und das Gespräch zwischen der Patientin/dem Patienten und der Psychotherapeutin/dem Psychotherapeuten. Diverse Übungen – je nach psychotherapeutischer Methode – können diesen Austausch unterstützen bzw. festigen.
Eine Psychotherapie ist etwas Individuelles und in kein festgelegtes Schema gepresst. Die Probleme der Hilfesuchenden werden nicht einfach von der Therapeutin/vom Therapeuten „gelöst“, vielmehr geht es darum, die Patientin/den Patienten in ihrer/seiner Entwicklung und bei der Suche nach einer Problemlösung oder Veränderung zu begleiten. Somit können Menschen mit seelischen Leiden lernen, sich selbst zu verstehen und sich selbst zu helfen

Psychotherapeutische Methoden haben sich in der Behandlung von Depressionen sehr bewährt. Sie werden vor allem bei leichten und mittelgradigen depressiven Störungen eingesetzt. Oft ist es notwendig, zuerst das Abklingen der Akutsymptomatik abzuwarten, bevor man mit einer Psychotherapie beginnt. Es gibt eine Reihe von nachgewiesen wirksamen Psychotherapieformen. In vielen Fällen zeigt sich eine Kombination aus Psychotherapie und medikamentöser Therapie als hilfreich. Es ist wichtig, der Patientin/dem Patienten auch psychosoziale Hilfe anzubieten, zum Beispiel die Angehörigen in die Therapie und weitere Betreuung einzubinden.

Weitere Informationen zu den einzelnen Psychotherapierichtungen finden Sie in der Broschüre „Psychotherapie – Wenn die Seele Hilfe braucht“ .

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