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Glas mit Tabletten © coolhand1180
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Depression: Medikamente & Psychotherapie

Die am häufigsten verwendeten Medikamente bei einer Depressionsbehandlung sind Antidepressiva. Diese wirken gezielt gegen Depressionen. Auch psychotherapeutische Methoden haben sich in der Behandlung von Depressionen bewährt.

Bei einer akuten schweren Depression etwa ist eine Kombinationsbehandlung mit medikamentöser Therapie und Psychotherapie sinnvoll. Auch bei Dysthymie sind Psychotherapie und begleitende pharmakologische Behandlung sinnvoll. 

Welche Medikamente kommen bei Depression zum Einsatz?

Für die medikamentöse Behandlung ist es wichtig, dass diese gut zwischen Ärztin/Arzt und Patientin/Patient abgestimmt wird. Bei einem Aufklärungsgespräch sollten Wirkung und Nebenwirkungen erklärt werden. Es sollte immer das Nutzen-Risiko-Verhältnis abgewogen werden. Es dauert meist ungefähr vier Wochen, bis abgeschätzt werden kann, ob das Präparat individuell gut wirkt. Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, um den Erfolg der Behandlung einzuschätzen, sowie gegebenenfalls begleitende Maßnahmen bei Einnahme von bestimmten Medikamenten (gegebenenfalls Blutabnahmen zur Bestimmung des Medikamentenspiegels oder etwa EKG). Vor einer Therapie finden je nach Medikament auch Blutabnahmen statt (z.B. Blutbild, Leber- bzw. Nierenwerte).

Die Gruppe der Antidepressiva wird auch in Kombination mit sogenannten Antipsychotika angewandt – vor allem bei Depressionen mit psychotischer Symptomatik (z.B. Wahnvorstellungen) oder bipolarer Erkrankung in der depressiven Phase. Beruhigungsmittel können in gewissen Situationen ebenfalls kurzfristig Erleichterung bringen, z.B. wenn Unruhe und Angst im Vordergrund der depressiven Symptomatik stehen.

Alle diese Medikamente greifen in den Stoffwechsel von Überträgersubstanzen im Gehirn, sogenannten Neurotransmittern, ein. Diese Botenstoffe sind beim gesunden Menschen in Balance. Bei Depressionen scheint dieses Gleichgewicht gestört. Besonders die Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin und Dopamin zeigen verminderte Aktivität. Sie liegen in geringerer Konzentration an den Verbindungsstellen der Nerven (Synapsen) vor.  

Antidepressiva

Antidepressiva werden zum Teil auch bei anderen Krankheiten verschrieben – zum Beispiel Angsterkrankungen – und beeinflussen den Gehirnstoffwechsel. Antidepressiva erhöhen die Verfügbarkeit dieser für die Stimmung relevanten Überträgerstoffe und greifen zumeist an folgenden Punkten an:

  • Hemmung der Wiederaufnahme von Neurotransmittern in die Speicher der Nervenzellen,
  • Hemmung des Abbaustoffes von Neurotransmittern,
  • vermehrte Ausschüttung von Neurotransmittern.

Dadurch steigt die Konzentration dieser Botenstoffe und die Stimmung bei depressiven Patientinnen/Patienten – jedoch erst nach längerer Behandlungsdauer (oft erst nach mehr als zwei Wochen).

Gruppen von Antidepressiva

Es gibt mehrere Gruppen von Antidepressiva:

  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (Selektive Serotonin-Reuptake-Inhibitoren, Abkürzung SSRI): Diese verhindern, dass Serotonin wieder zurück in seine Speicher befördert wird. Somit steht mehr davon zur Verfügung. 
  • Selektive Serotonin-/Noradrenalin-Rückaufnahme-Inhibitoren (SSNRI): blockieren gezielt den Rücktransport von Serotonin und Noradrenalin in die Nervenzellen (Neuronen).
  • Selektive Noradrenalin-Dopamin-Rückaufnahme-Inhibitoren (NDRI): Diese Antidepressiva hemmen gezielt den Rücktransport von Noradrenalin und Dopamin in die Nervenzellen (Neuronen).
  • Melatonin-Rezeptor-Agonisten (MT1/MT) und Serotonin 5-HT2C-Rezeptor-Antagonisten (Agomelatin): Melatonin-Rezeptor-Agonisten wirken eher schlaffördernd. Agomelatin blockiert zusätzlich Serotonin-5-HT2C-Rezeptoren und hat deshalb antidepressive Wirkungen.
  • Alpha2-Rezeptor-Antagonisten: Diese Medikamente blockieren die Noradrenalin-Rezeptoren für Noradrenalin an den Nervenzellen und bewirken gleichzeitig eine Steigerung der Ausschüttung dieses Botenstoffes. Man verwendet sie bei Depressionen, die vor allem von „innerer“ Unruhe oder Schlafstörungen geprägt sind.
  • Nichtselektive Monoamin-Rückaufnahme-Inhibitoren (NSMRI): Zu diesen werden auch die sogenannten trizyklischen Antidepressiva gezählt. Sie gehören heute nicht mehr zu den Mitteln der ersten Wahl, da es andere Antidepressiva gibt, die gezielter wirken (z.B. selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI). Bei Nichtansprechen auf selektive Medikamente  oder bei sehr starken Depressionen kommen auch die nichtselektiven Monoamin-Wiederaufnahmehemmer zum Zug.
  • Lithiumionen: Wie genau Lithium wirkt, ist bis dato noch umstritten. Wird es als Dauermedikation verabreicht, beugt es depressiven oder manischen Schüben vor. Die Wirkung tritt jedoch erst nach Monaten ein. Der Lithiumspiegel im Blut muss in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden, da Lithium ein toxisches Medikament ist, das in sehr hohen Dosen zu schweren Nebenwirkungen führen kann. Lithium findet allerdings hauptsächlich bei bipolaren Störungen („manisch-depressiv“) Anwendung.

Wirkungsnachweise

Die Wirkung von Antidepressiva bei milden depressiven Erkrankungen ist noch nicht ausreichend mit hoher Evidenz untermauert. Bei mittelschweren sowie schweren Depressionen ist die Wirksamkeit besser bewiesen. Nähere Informationen finden Sie auf gesundheitsinformation.de

Wann können Anpassungen der Therapie notwendig sein?

Spricht eine Patientin/ein Patient nach vier Wochen nicht auf eine Therapie mit einem Antidepressivum an, sollten die Gründe dafür abgeklärt werden bzw. das Therapiekonzept adaptiert werden. Z.B. kann die Wirkung eines Antidepressivums durch die Gabe eines weiteren Medikaments, das kein Antidepressivum ist, verstärkt werden (Augmentation). Oder man wechselt von einem Antidepressivum auf ein anderes (Switching). Es kann zudem versucht werden, ein weiteres Antidepressivum einzunehmen (Kombination). Zudem kann eine Psychotherapie – sofern noch nicht erfolgt – abgewogen werden. Bei der medikamentösen Therapie achtet die Ärztin/der Arzt auf mögliche Wechselwirkungen der verschiedenen Medikamente. Diese dürfen daher nur in verschriebener Dosis eingenommen werden. Es besteht sonst z.B. die Gefahr eines sogenannten Serotoninsyndroms. Das Absetzen der Medikamente bei Genesung erfolgt schrittweise in immer niedriger werdender Dosierung über Wochen. Es kann aber auch eine weitere Medikamenteneinnahme zur Vermeidung von Rückfällen oder Rezidiven notwendig sein.

Hinweis Die Einnahme von Antidepressiva kann zu Beginn das Suizidrisiko erhöhen. Scheuen Sie sich nicht, bei Suizidgedanken Hilfe zu holen und achten Sie als Angehörige/Angehöriger auf mögliche Anzeichen. Nähere Informationen sowie Notrufnummern finden Sie auf dem öffentlichen Suizidpräventionsportal.

Sonstige Medikamente

Bei Patientinnen/Patienten mit wahnhafter Depression sollte eine Kombination aus Antidepressiva und Antipsychotika erwogen werden. Allerdings ist laut aktueller Studienlage noch nicht klar ersichtlich, welche Kombination besonders erfolgsversprechend sein kann.

Bei leichten bis mittelschweren depressiven Episoden und bei der „Herbst-Winterdepression“ (SAD) konnte die Wirksamkeit von einzelnen Johanniskrautpräparaten belegt werden. Bei einer schweren Depression wurden Wirkungen von Johanniskraut bisher nicht wissenschaftlich belegt. Auch wenn Johanniskraut in niedrigeren Dosen rezeptfrei in der Apotheke erhältlich ist, sollte immer eine Ärztin/ein Arzt vor der Einnahme konsultiert werden. Pflanzliche Medikamente gelten als „sanft“, obwohl auch sie nach chemischen Mechanismen funktionieren und nicht selten Allergien auslösen. Johanniskraut ist zwar im Allgemeinen gut verträglich, jedoch sind Nebenwirkungen wie z.B. erhöhte Lichtempfindlichkeit, Unruhe etc. möglich. Es kann mit anderen Medikamenten in Interaktion treten und somit unerwünschte Arzneimittelwechselwirkungen auslösen (z.B. bestimmte blutgerinnungshemmende Medikamente oder Arzneimittel zur hormonellen Empfängnisverhütung).

Zu beachten bei Medikamenteneinnahme: Die Einnahme von Medikamenten sollte immer mit einer Ärztin/einem Arzt abgestimmt werden. Halten Sie sich an den verordneten Therapieplan – auch wenn eine längere Behandlung erforderlich ist. Damit können Sie unter anderem Ihre Genesung maßgeblich unterstützen und Rückfällen vorbeugen. Melden Sie auftretende Nebenwirkungen sofort Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, und teilen Sie ihr/ihm auch mit, wenn Sie noch andere Arzneimittel (auch rezeptfreie oder „pflanzliche“) oder hormonelle Verhütungsmittel einnehmen, da es hierbei zu Arzneimittelwechselwirkungen kommen kann.

Wie kann Psychotherapie helfen?

Psychotherapie hat zum Ziel, seelisches Leid mithilfe psychotherapeutischer Verfahren zu heilen oder zumindest zu lindern. Im Zentrum der Psychotherapie stehen die sogenannten therapeutische Beziehung, der Austausch und das Gespräch zwischen der Patientin/dem Patienten und der Psychotherapeutin/dem Psychotherapeuten. Diverse Übungen – je nach psychotherapeutischer Methode – können diesen Austausch unterstützen bzw. festigen.

Seelisches Leiden verstehen und lindern

Eine Psychotherapie ist etwas Individuelles und in kein festgelegtes Schema gepresst. Die Probleme der Hilfesuchenden werden nicht einfach von der Therapeutin/vom Therapeuten „gelöst“, vielmehr geht es darum, die Patientin/den Patienten in ihrer/seiner Entwicklung und bei der Suche nach einer Problemlösung oder Veränderung zu begleiten. Somit können Menschen mit seelischen Leiden lernen, sich selbst zu verstehen und sich selbst zu helfen

Psychotherapeutische Methoden haben sich in der Behandlung von Depressionen bewährt. Es gibt eine Reihe von nachgewiesen wirksamen Psychotherapieformen. Auch eine Kombination aus Psychotherapie und medikamentöser Therapie wird in der Praxis oft angewandt. Es ist wichtig, der Patientin/dem Patienten auch psychosoziale Hilfe anzubieten, zum Beispiel die Angehörigen in die Therapie und weitere Betreuung einzubinden.

Weitere Informationen zu den einzelnen Psychotherapierichtungen finden Sie in der Broschüre „Psychotherapie – Wenn die Seele Hilfe braucht“ .

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