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Versorgung eines Patienten auf der Intensivstation © Engine Images

Herzinfarkt: Therapie

Nichts zählt beim akuten Herzinfarkt so sehr wie die Zeit. Jede Minute der Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße schädigt das Herz. Je schneller die Betroffenen behandelt werden, desto besser sind ihre Chancen, den Herzinfarkt ohne Folgeschäden zu überleben. Daher ist eine optimale Therapieeinleitung von entscheidender Bedeutung. Die Zeitrechnung beginnt ab den ersten Anzeichen, nicht erst beim Eintreffen im Krankenhaus! Das bedeutet: Nur wenn Betroffene, Angehörige oder beim Notfall Anwesende die Erstsymptome sofort erkennen und richtig handeln, lassen sich unnötige Verzögerungen bis zur Spitalseinlieferung verhindern . . .

Ziel der Therapie ist im Idealfall, das verschlossene Blutgefäß so schnell wie möglich zu öffnen (Reperfusionstherapie) oder zumindest das Infarktareal im Herzmuskel möglichst klein zu halten. Je schneller die Durchblutung wiederhergestellt wird, desto weniger Herzmuskelgewebe stirbt ab und desto weniger akute und chronische Komplikationen treten auf.

Basistherapie im Notarztwagen

Das Herz sollte möglichst rasch entlastet werden. Jegliche Form von Anstrengung und Stress ist zu vermeiden. Mit diesen therapeutischen Maßnahmen wird der Herzsauerstoffverbrauch gesenkt und die Durchblutung des Herzmuskels verbessert:

  • liegender Transport und Lagerung mit 30 Grad angehobenem Oberkörper,
  • angemessene Schmerztherapie (Morphium),
  • Sauerstoffgabe,
  • Gabe von gefäßerweiternden und schmerzstillenden Medikamenten (Nitrate),
  • Verabreichung von blutplättchenhemmenden Medikamenten (Clopidogrel und Acetylsalicylsäure) sowie gerinnungshemmendem Heparin zur Vorbeugung von Gefäßthromben,
  • eventuelle Gabe von Betablockern zur Verminderung des Sauerstoffverbrauches des Herzens.

Basistherapie im Krankenhaus

  • Aufnahme auf eine Herzüberwachungsstation,
  • psychische Entlastung eventuell durch Medikamentengabe, um Stress und Ängste zu reduzieren (z.B. Benzodiazepine),
  • Fortsetzen der Hemmung der Blutgerinnung (Acetylsalicylsäure, Clopidogrel oder Prasugrel oder Ticagrelor, Heparin),
  • Fortsetzen der Schmerztherapie,
  • bei Patientinnen/Patienten mit Symptomen einer Herzinsuffizienz kommen ACE-Hemmer und Betablocker zum Einsatz.

Hinweis Sämtliche Medikamente können nur dann gegeben werden, wenn keine Gegenanzeige (Kontraindikation, z.B. Allergie oder Unverträglichkeit) vorliegt.

Reperfusionstherapie

Bei diesen Therapiemaßnahmen wird versucht, das verschlossene Gefäß wieder zu öffnen.
Man unterscheidet zwei Arten der Reperfusionstherapie, wobei die mechanische Wiederherstellung der Durchblutung als „Goldstandard“ bezeichnet wird:

Mechanische Wiederherstellung der Durchblutung (PCI)

Die primäre Herzkatheterintervention (PCI, percutane coronare Intervention) sollte im Idealfall binnen zwei Stunden nach der ersten ärztlichen Versorgung (z.B. durch die Haus- oder Notärztin/den Haus- oder Notarzt) erfolgen. Bei Patientinnen/Patienten, die mit Herzinfarktbeschwerden selbstständig ins Krankenhaus kommen, sollte innerhalb von 90 Minuten ein Herzkatheter durchgeführt werden. Nachdem das verschlossene Gefäß mittels Angiographie identifiziert worden ist, wird sofort mit der Behandlung begonnen. Dabei wird ein Katheter mit einem Ballon über die Punktionsstelle in der Leiste bis zu den Herzkranzgefäßen vorgeschoben. Dies geschieht immer unter Röntgenkontrolle.

Auf dem Ballon befindet sich ein sogenannter Stent. Stents sind Metallgerüste, die zusammengefaltet in den verstopften Gefäßabschnitt eingebracht werden. Durch den Ballon an der Katheterspitze wird das verschlossene Gefäß aufgedehnt und gleichzeitig der Stent an die Gefäßwand gedrückt. In bestimmten Fällen kann auch der Thrombus abgesaugt werden. Durch den Stent soll ein neuerlicher Verschluss verhindert werden.

Bei manchen Stents ist das Metalgitter zusätzlich mit Medikamenten beschichtet. Dadurch können Medikamente in das Gefäßsystem abgegeben und die Wirksamkeit erhöht werden. Jedoch ist bei sämtlichen Stents die Gefahr einer Stentthrombose gegeben. Daher müssen Patientinnen/Patienten nach diesem Eingriff für zwölf Monate blutplättchenhemmende Medikamente einnehmen.

Medikamentöse Wiederherstellung der Durchblutung (Fibrinolyse) 

Bei der Lysetherapie versucht man, mittels eines bestimmten Medikamentes das Blutgerinnsel im Herzkranzgefäß aufzulösen. Die Patientin/der Patient erhält über einen venösen Zugang ein Medikament, das für eine gewisse, zeitlich limitierte Dauer die Blutgerinnung herabsetzt.

Eine Thrombolyse sollte so schnell wie möglich durchgeführt werden („time is muscle“). Nur innerhalb von 120 Minuten ist der Einsatz einer thrombolytischen Substanz auch tatsächlich sinnvoll. Allerdings gibt es Gegenanzeigen, bei denen eine Lysetherapie nicht erlaubt ist (z.B. abgelaufene, spontan aufgetretene Hirnblutung).

In manchen Fällen mit langen Transportzeiten kann die Notärztin/der Notarzt bereits im Notarztwagen die Lysetherapie verabreichen.

Bypass-Operation

Sollte eine Wiederherstellung der Durchblutung der Koronararterien mittels Stent nicht möglich sein, kann die verengte Stelle operativ überbrückt werden. Die Bypassoperation kommt besonders bei schweren Formen der koronaren Herzkrankheit, z.B. wenn zwei oder drei Koronarien betroffen sind, zum Einsatz.

Die Operation erfolgt in Vollnarkose. Während des Eingriffes übernimmt für einige Zeit die sogenannte Herz-Lungen-Maschine die Funktion des Herzens und der Lunge.
Als Bypassgefäße werden Arterien der Brustwand und oberflächliche Beinvenen verwendet. Diese Gefäße überbrücken die verengten Herzkranzgefäße. Während des Eingriffes ist das Herz kurzfristig „stillgelegt“. Nach Wiederherstellung des normalen Kreislaufes beginnt das Herz entweder allein oder nach Stimulation mittels Elektroschock wieder zu schlagen.

Die Überwachung nach dem Eingriff erfolgt auf einer herzchirurgischen Intensivstation. Ist die Bewusstseinslage wieder normal und der Kreislauf stabil, erfolgen die Nachbehandlung und die sofortige Frühmobilisation auf der kardiologischen Normalstation.

Medikamentöse Langzeittherapie

Um möglichst keinen Reinfarkt zu erleiden, ist es wichtig, die Risikofaktoren wie
Rauchen, schlechte Ernährung und Stress zu minimieren und die Medikamente regelmäßig einzunehmen. Die Langzeittherapie beim Herzinfarkt ist extrem wichtig und beginnt bereits im Krankenhaus. Die Patientin/der Patient erhält Medikamente zur optimalen Einstellung der Blutdruck-, Blutzucker- und Blutfettwerte.

Folgende Medikamente kommen bei der Langzeittherapie zum Einsatz:

  • Betablocker: verhindern nicht nur die Häufigkeit von schweren Herzrhythmusstörungen, sondern optimieren auch die Herzarbeit.
  • Thrombozytenaggregationshemmer: hemmen die Bildung von Blutpropfen durch Blutplättchen.
  • Statine: senken das „schlechte“ Cholesterin. Ein gut eingestelltes Cholesterin reduziert die Sterblichkeits- und die Reinfarktrate um 30 Prozent. Das LDL-Cholesterin sollte auf Werte unter 100 mg/dl abgesenkt werden.
  • eventuell ACE-Hemmer oder AT-II-Rezeptorblocker: Diese Blutdruckmedikamente verhindern die Vergrößerung und Ausdehnung des linken Herzens.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Akuttherapie erfolgt im Krankenhaus und wird über die Krankenhauskosten abgerechnet, die durch die Sozialversicherung abgedeckt sind. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag eine Kostenbeitrag zu bezahlen.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

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