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Fieberthermometer © Gina Sanders

Grippe: Diagnose & Therapie

Die „echte“ Grippe (Influenza) ist im Vergleich zum grippalen Infekt eine weitaus schwerere Erkrankung, die unter Umständen sogar zum Tod führen kann. Sie darf nicht mit einer banalen Erkältungskrankheit verwechselt werden. Bei der Grippe handelt es sich um eine akute Infektion der Atemwege, die durch verschiedene Influenzaviren ausgelöst werden kann. Die Viren sind insbesondere in geschlossenen Räumen sehr leicht auf andere Menschen übertragbar. Unter einer „saisonalen Influenza“ versteht man die jährlich in der kalten Jahreszeit („Grippesaison“) wiederkehrende Grippewelle. 

„Echte“ Grippe

Die von Influenzaviren verursachte saisonale Grippe ist eine hochinfektiöse Erkrankung des gesamten Atemtraktes, die aufgrund ihrer teilweise lebensbedrohlichen Komplikationen besonders ernst genommen werden muss. Für die klassische saisonale Grippe sind bestimmte Typen von Influenzaviren, nämlich Typ A und B, verantwortlich. Insgesamt gibt es drei Typen von Influenzaviren: A, B und C. Dabei werden die schwersten und weitreichendsten Krankheitsausbrüche von Influenza-A-Viren verursacht. Ebenso kommt die weltweite Ausbreitung (Pandemie) eines Grippevirus praktisch nur bei Influenza A vor. Dies beruht unter anderem auf der einzigartigen Fähigkeit der Influenza-A-Viren, zwei bestimmte Eiweißstrukturen auf ihrer Oberfläche (Antigene) laufend zu verändern: das Hämagglutinin (H) und die Neuraminidase (N). Aufgrund dieser ständigen Mutationen unterscheiden sich die Stämme jedes Jahr mehr oder weniger ausgeprägt voneinander und können so vom Immunsystem des Menschen bei einer erneuten Infektion nicht wiedererkannt werden. Eine durchgemachte Grippe schützt daher nicht vor einer neuerlichen Erkrankung.

Nähere Informationen über Subtypen von Influenza-A-Viren sowie Grippepandemien finden Sie unter Die Ursachen von Grippepandemien.

Winterzeit ist Grippezeit

Mit der saisonalen Grippe ist in unseren Breiten jedes Jahr vor allem in den Monaten Dezember bis April zu rechnen, wobei eine saisonale Grippewelle ungefähr acht bis zwölf Wochen dauert. Die für den Menschen relevanten Influenzaviren vom Typ A und B unterscheiden sich dabei lediglich durch den milderen Verlauf der Influenza-B-Virusinfektionen. Influenza-C-Viren haben für den Menschen praktisch keine Bedeutung. Die Influenzaviren werden vor allem durch Tröpfcheninfektion (beispielsweise beim Sprechen, insbesondere jedoch durch Niesen oder Husten) übertragen, können aber auch durch direkten Kontakt (zum Beispiel Händeschütteln mit anschließendem Hand-zu-Mund-Kontakt), über Trinkwasser oder über verunreinigte Flächen oder Gegenstände (beispielsweise Türklinken mit anschließendem Hand-zu-Mund-Kontakt) in den Körper gelangen.

Die saisonale Influenza verursacht weltweit Krankheitsausbrüche, die von Jahr zu Jahr hinsichtlich ihrer Ausbreitung und Schwere schwanken. Dabei werden schätzungsweise fünf bis 20 Prozent der Bevölkerung infiziert, wobei jedoch nicht jede/jeder Infizierte erkrankt. Außerdem geht nicht jede/jeder Erkrankte zu einer Ärztin/einem Arzt, obwohl dadurch zahlreichen Komplikationen vorgebeugt werden könnte.

Die saisonale Grippe ist jedoch nicht gleichzusetzen mit anderen Grippeformen, die sich innerhalb kurzer Zeit weltweit ausbreiten (Pandemien). So sind beispielsweise nicht nur verschiedene Influenzaviren für die unterschiedlichen Grippeformen verantwortlich, auch ihr zeitliches Auftreten und ihre krankmachende Wirkung für den Menschen ist nicht die gleiche. Informationen zur Vorbeugung der Grippe finden Sie unter Grippe: Risikogruppen & Vorbeugung.

Symptome

Die Zeit zwischen einer Infektion mit dem Influenzavirus und dem Ausbruch der Erkrankung beträgt normalerweise ein bis drei Tage. Danach kommt es schlagartig zu charakteristischen Grippesymptomen wie hohem Fieber (bis 41°C) mit trockenem Husten, Schnupfen, Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen sowie einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Gelegentlich können auch Atembeschwerden auftreten. Demnach kann eine Grippe als Erkrankung des gesamten Atemtraktes beschrieben werden, die jedoch Symptome im ganzen Körper verursacht. Charakteristisch ist der abrupte Beginn der Symptome, so dass die Patientinnen und Patienten oftmals noch Jahre später den Zeitpunkt präzise beschreiben können.  

Aufgrund der raschen Virusvermehrung ist die Infektionsgefahr für andere Personen mit dem Einsetzen von Husten und Niesen der Erkrankten/des Erkrankten am größten. Dabei ist die Virenkonzentration bei erkrankten Kindern meist höher als bei anderen Altersgruppen. Die leichte Übertragbarkeit der Influenzaviren kann in solchen Situationen bei Kontakt zu anderen Menschen zu einer explosionsartigen Verbreitung der Grippe führen.

Lungenentzündung – die häufigste Komplikation

Verläuft die Influenza unkompliziert, bessern sich die Beschwerden normalerweise innerhalb von zwei bis fünf Tagen. Ein Großteil der Patientinnen und Patienten hat die Erkrankung normalerweise nach einer Woche überstanden. Allerdings nimmt zirka jede fünfte Influenza einen komplizierten Verlauf. Die häufigste Komplikation bei einer Grippeerkrankung ist eine Pneumonie (Lungenentzündung), wobei von der durch das Grippevirus selbst verursachten „primären Pneumonie“ die größten Gefahren ausgehen. Diese äußert sich meistens in einer Verschlechterung des Allgemeinzustands ein bis zwei Tage nach Krankheitsbeginn mit Atemnot und eventuell einer Blaufärbung von Haut und Schleimhäuten (Zyanose). Da sich bestimmte Bakterien, wie beispielsweise Staphylococcus aureus, Streptococcus pneumoniae oder Haemophilus influenzae, direkt an die Influenzaviren binden können, kann es aber auch infolge der akuten Influenza zu einer sogenannten „bakteriellen Superinfektion“ kommen. Bei dieser Form der Lungenentzündung steigt nach einer zwei- bis dreitägigen Phase der Besserung das Fieber erneut an und geht häufig mit Symptomen wie Husten und einem eitrigen Auswurf einher.

Die häufigste Form der Influenza-Pneumonie ist jedoch eine gemischt viral-bakterielle Lungenentzündung, die sich entweder in einem allmählichen Fortschreiten der Erkrankung oder einer vorübergehenden Besserung und anschließenden Verschlechterung der Symptome äußert. Neben einer Pneumonie treten bei einer Influenza gelegentlich noch weitere Komplikationen auf. Dazu gehören beispielsweise eine Entzündung des Herzmuskels oder Herzbeutels, der Nasennebenhöhlen, des Mittelohrs, der Muskeln, der Hirn- beziehungsweise Rückenmarkshäute oder eine Schädigung des Gehirns. 

Diagnose

Die Diagnose einer Grippe ergibt sich während einer Grippeepidemie aus der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung der Patientin/des Patienten. In manchen Fällen werden auch spezifische Laboruntersuchungen zum Virusnachweis durchgeführt.  Dadurch können beispielsweise Informationen über die vorhandenen Virustypen oder die Verbreitung der Grippe erhalten werden. Derartige Laboruntersuchungen spielen zudem eine bedeutende Rolle zur Identifikation der Erreger bei neu aufgetretenen Formen der Grippe. Damit können beispielsweise Mutationen der Gene von Influenzaviren analysiert und eine Abgrenzung gegenüber der saisonalen Grippe vorgenommen werden.

Für die weitere Diagnostik der Grippe stehen je nach Krankheitsphase verschiedene Untersuchungsmethoden zur Verfügung. Dabei kommen unter anderem Untersuchungen von Nasensekret und Auswurf, Rachenabstriche sowie Blutuntersuchungen zum Einsatz.

Weitere Informationen finden Sie unter Influenza-A/B-Schnelltest.

Therapie

Ist eine Person bereits an Grippe erkrankt, können bei rechtzeitiger Therapie die Influenzaviren direkt bekämpft werden. Hierfür gibt es bestimmte Medikamente – sogenannte Neuraminidasehemmer (Oseltamivir und Zanamivir). Sie blockieren die Freisetzung von neu gebildeten Viruspartikeln aus bereits infizierten Zellen und hemmen so die Vermehrung der Influenzaviren im Körper. Da nach einer anfänglichen Phase der raschen Erregerausbreitung die Zahl der Viren 24 bis 48 Stunden nach Ausbruch der Krankheit wieder abnimmt, müssen Neuraminidasehemmer am besten innerhalb der ersten zwölf Stunden (allerspätestens innerhalb von 48 Stunden) nach Auftreten der ersten Symptome zur Anwendung kommen. 

Die rechtzeitige Verabreichung von Oseltamivir oder Zanamivir lindert die grippebedingten Beschwerden (wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Husten, Fieber) und verkürzt die Dauer der Grippeerkrankung. Außerdem senkt die Therapie das Risiko für Komplikationen (zum Beispiel Pneumonie). Oseltamivir gibt es als Saft oder Tabletten. Zanamivir kann dagegen nur inhaliert werden. Daher wird häufig bevorzugt Oseltamivir eingesetzt. Ergeben sich Hinweise auf eine bakterielle (Zusatz-)Infektion, muss eine entsprechende antibiotische Therapie eingeleitet werden. Bei Komplikationen ist mitunter auch die Gabe von Sauerstoff notwendig, bei Erschöpfung der Atmung muss maschinell beatmet werden.

Bettruhe kann Komplikationen vorbeugen

Die weitere Therapie bei Influenzaerkrankungen richtet sich allein gegen die Symptome. So können zum Beispiel gegen die Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen sowie das Fieber Schmerzmittel mit gleichzeitig fiebersenkender Wirkung (beispielsweise Paracetamol oder Ibuprofen) verabreicht werden. Allerdings sollten Medikamente mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (zum Beispiel Aspirin®) keinesfalls Kindern unter zwölf Jahren gegeben werden, da hierdurch in seltenen Fällen das gefürchtete Reye-Syndrom ausgelöst werden kann. Dabei handelt es sich um eine akute Erkrankung des Gehirns und der Leber, die unbehandelt tödlich verlaufen kann. Um Risiken in der Anwendung von Arzneimitteln zu vermeiden, sollten diese generell nur auf ärztliche Anordnung eingenommen werden.

Neben der medikamentösen Therapie ist insbesondere bei Kindern eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig. Um möglichst rasch wieder gesund zu werden, kann es helfen, die Schleimhäute feucht zu halten (zum Beispiel durch Inhalationen mit heißem Wasserdampf) und sich gesund zu ernähren. Außerdem braucht der Körper in dieser Situation viel Ruhe, um sich zu erholen. Dies hilft auch, möglichen Komplikationen vorzubeugen. Auf Alkohol und Rauchen sollte gänzlich verzichtet werden.

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