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Frau sitzt bekümmert vor Speiseteller © pressmaster

Nahrungsmittelallergien

Echte Allergien auf Nahrungsmittel sind relativ selten: Sie treten bei ca. fünf bis acht Prozent der Kinder bzw. ein bis drei Prozent der Erwachsenen auf. Da jedoch viele Allergien unerkannt bleiben, dürfte die Dunkelziffer höher sein. Allergien in den ersten Lebensjahren bilden sich in vielen Fällen wieder zurück. Bei Erwachsenen bleiben sie hingegen oft ein Leben lang bestehen, können sich jedoch in ihrer Ausprägung verändern. Erstmalige Sensibilisierungen haben nach oben keine Altersgrenze.

Allergene in Lebensmitteln

Eine Nahrungsmittelallergie unterscheidet sich in ihren Symptomen, nicht jedoch in ihren Grundmechanismen von anderen Allergien wie z.B. der Pollenallergie.

Die häufigsten Auslöser von Nahrungsmittelallergien sind:

  • Kuhmilch (eher bei Kindern),
  • Hühnereier (eher bei Kindern),
  • Sojabohnen,
  • Nüsse und Samen,
  • Weizen,
  • Fisch, 
  • Obst (z.B. Pfirsich oder Apfel)
  • Gemüse (z.B. Sellerie).

Über eine gemischte Kost werden bis zu 170 Stoffe aufgenommen, die prinzipiell eine Allergie verursachen können (Lebensmittelallergene). Dazu gehören zumeist Proteine, aber auch Nahrungsmittelzusatzstoffe.

Eindringling „Nahrung“

Bei einer Nahrungsmittelallergie betrachtet der Körper einen oder mehrere – an sich ungefährliche – Stoffe aus der Nahrung als schädlich. Im Fall von Parasiten, Viren, Bakterien oder anderen Krankheitserregern ist diese Abwehrreaktion des Immunsystems durchaus hilfreich – nicht jedoch in Bezug auf Nahrungsmittel und ihre Inhaltsstoffe. Beginnt der Körper, die an sich harmlosen Nahrungsbestandteile zu bekämpfen, gegen sie Antikörper zu bilden und Immun-Abwehrzellen zu aktivieren, können allergische Beschwerden auftreten. Typischerweise werden gegen Proteinallergene sogenannte Antikörper der Klasse E (IgE) gebildet, die Entzündungszellen im Körper besetzen und „scharf machen“ – man nennt diesen Vorgang Sensibilisierung. Gegen Gluten und andere Nahrungsmittelzusatzstoffe sind es zumeist verzögerte Entzündungsreaktionen, die nicht durch IgE, sondern durch Immunzellen ausgelöst werden.

Wenn aber IgE gebildet ist, werden bei neuerlichem Allergenkontakt explosionsartig Entzündungsstoffe ausgeschüttet , die für die allergischen Sofort-Symptome verantwortlich sind. Zwischen der Sensibilisierung auf ein bestimmtes Allergen und dem Bemerken erster Symptome können Monate bis Jahre vergehen, wenn die entsprechende Nahrung in der Zwischenzeit nicht aufgenommen wurde.

Sofortige und verzögerte Reaktionen

Die Symptome der Soforttyp-Allergien treten zumeist sehr rasch – innerhalb von Minuten auf – oder, manchmal auch erst verzögert nach ein bis zwei Stunden. Form und Ausprägung können individuell sehr unterschiedlich sein. Von den Beschwerden sind häufig die "Schluckstraße" – als Lippen, Mund und Rachen – und Magen-Darm-Trakt betroffen. Symptome können aber auch in der Nase und tieferen Atemwegen, Haut und Augen erscheinen. Die Stelle, an der sich allergische Beschwerden zeigen, muss im Fall der IgE-Allergie also nicht mit der Stelle der Allergenaufnahme ident sein.

Nahrungsmittel werden auch in die Blutbahn aufgenommen, daher kann auch das Herz-Kreislauf-System mitbetroffen sein. Es kann zu Blutdruckaball bis hin zum anaphylaktischen Schock kommen und lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. Körperliche Anstrengung, Alkoholkonsum und diverse Medikamente können die Beschwerden verstärken. Es ist nicht möglich, bestimmten Lebensmitteln typische Symptome zuzuordnen.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was ist eine Allergie?

Hinweis Informationen über Unverträglichkeiten – beispielsweise aus dem Internet – können eine persönliche Beratung und Diagnosestellung durch eine Ärztin/einen Arzt nicht ersetzen. Selbstdiagnosen können leicht zu Mangel- und Fehlernährung führen. Daher kann auch die Zuziehung einer Diätologin/eines Diätologen hilfreich sein.

Nahrungsmittelallergien: geschlechtsspezifische Unterschiede

Im Zusammenhang mit Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen spielen geschlechtsspezifische Unterschiede eine bedeutende Rolle, wie wissenschaftliche Untersuchungen belegen. Frauen sind ab der Geschlechtsreife deutlich empfindlicher als Männer, dies deutet auf einen direkten negativen Effekt weiblicher Hormone hin. Weibliche Sexualhormone erhöhen das Risiko und den Schweregrad von Asthma und Nahrungsmittelallergien.

Welche Ursachen gibt es?

Östrogen bewirkt bei Frauen eine erhöhte Barrieredurchlässigkeit von Haut und Schleimhaut. Dadurch führt eine vermehrte Aufnahme krankheitsauslösender Nahrungsmittel eher zum Auftreten von Symptomen. Darüber hinaus ist die Stoffwechselkapazität von Frauen geringer. Das Spektrum reicht von der IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergie mit einem potenziell hohen Risiko für lebensbedrohliche Reaktionen über Zöliakie bis hin zu Histaminintoleranz und Laktoseintoleranz.

Ab der Geschlechtsreife sind Frauen häufiger von Nahrungsmittelallergien betroffen als Männer. Zusätzlich entwickeln sie häufiger schwere anaphylaktische Reaktionen, mit einem Zusammenhang zu körperlicher Aktivität. Interessanterweise verursachen manche Allergene bei Frauen häufiger allergische Reaktionen, z.B. Beeren und Früchte. Dies weist auch auf geschlechtsspezifische Unterschiede im Lebensstil hin.

Vermeidung auslösender Substanzen

Letztendlich bleibt als einzig sinnvolle Maßnahme bei Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen die Vermeidung der auslösenden Substanzen. Diese Strategie wird von Frauen meist strikter eingehalten als von Männer, allerdings häufig ohne eine exakte Diagnose einzuholen. Daher besteht ein erhöhtes Risiko für Mangelernährung.

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