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Ältere Frau mit Wunde an der Hand wird versorgt © gamelover

Wunden und Wundheilung

Eine Wunde entsteht durch eine Schädigung, Zerstörung oder Durchtrennung der Haut und des darunter liegenden Gewebes. Eine gute Wundheilung ist wichtig, um die Schutzfunktion der Haut wiederherzustellen. Der Körper kann Wunden meist von selbst heilen. Dabei wird das zerstörte Gewebe durch neues ersetzt, und es können sich Narben bilden. Je größer und tiefer eine Wunde ist, desto länger dauert die Heilung der Wunde. Auch das Risiko für Komplikationen, z.B. eine  Infektion, ist bei großen Wunden höher. Wenn die Wundheilung gestört ist, können chronische Wunden entstehen.

Wie können Wunden entstehen?

Akute Wunden entstehen durch eine plötzliche Schädigung der Haut. Häufige Ursachen sind:

  • Verletzungen (Traumen), z.B. Abschürfung, Quetschung, Schnitt, Stich, Tierbiss, Verbrennung, Verbrühung etc.,
  • medizinische Eingriffe für die Diagnostik und Behandlung, z.B. Biopsien, Operationen etc., oder
  • kosmetische Maßnahmen, bei denen die Haut verletzt wird, z.B. Piercings, Tätowierungen oder Schönheitsoperationen.

Chronische Wunden können aus akuten Wunden entstehen, wenn die normale Wundheilung gestört ist.

Die häufigsten Ursachen für chronische Wunden sind:

Wie läuft eine normale Wundheilung ab?

Die Heilung einer Wunde ist ein komplexer Vorgang und durchläuft mehrere, zum Teil gleichzeitig ablaufende Phasen.

  • Sofort nach einer Verletzung beginnt die Blutstillung. Die Blutgefäße in der Wunde verengen sich, um den Blutverlust zu verringern. Das Blut gerinnt, d.h. es verfestigt sich und füllt die Wunde aus.
  • Während der Blutgerinnung Hämostase entsteht das Eiweiß Fibrin. Es verklebt die Wundfläche und schützt die Wunde vor Krankheitserregern. Feuchtes Fibrin ist ein gelber, durchsichtiger Belag. Ausgetrocknetes Fibrin bildet eine harte, gelbliche Platte. Außerdem wandern nach der Stillung der Blutung Entzündungszellen in die Wunde ein. Sie reinigen die Wunde und schützen sie vor Infektionen. Bakterien und Zelltrümmer werden aus der in dieser Phase nässenden Wunde durch eine Wundflüssigkeit (Exsudat) ausgeschwemmt und abgebaut. Diese Phase der Wundheilung (Reinigungs- oder Inflammationsphase) dauert bei normal heilenden akuten Wunden ca. drei Tage. Bei chronischen Wunden ist die Wundheilung meist in dieser Phase gestört, und die Entzündung dauert länger. Aus dem Exsudat und Fibrin entsteht an der Oberfläche der Verletzung die Wundkruste (Wundschorf, Grind).
  • Frühestens ab dem zweiten Tag beginnt sich in der Wunde neues Gewebe zu bilden. Erste Zellen – sogenannte Fibroblasten – wandern aus dem umgebenden Gewebe und vom Wundgrund in die Wunde ein. Es entsteht nach und nach neues Bindegewebe (Granulationsgewebe). Für die Blutversorgung wachsen kleinste Gefäße (Kapillaren) aus umliegenden gesunden Blutgefäßen in das neue Gewebe ein. In dieser Phase ist die Wunde gut durchblutet, dunkelrot gefärbt und feucht glänzend. Das neue Granulationsgewebe mit den neuen Gefäßen ist sehr empfindlich. Die Wunde sollte besonders vorsichtig behandelt, geschützt und geschont werden. Ein feucht-warmes Klima an der Wunde ist optimal für die Heilung. Diese Phase (Granulations- oder Proliferationsphase) kann ab dem zweiten Tag beginnen und dauert bei normaler Wundheilung ca. zwei Wochen. Bei großflächigen Wunden ist das Einwandern neuer Zellen schwieriger als bei kleinen Wunden oder Wunden mit aneinander liegenden Wundrändern, und diese Phase dauert länger.
  • In der abschließenden Phase der Wundheilung wandelt sich das Granulationsgewebe in Narbengewebe um. Vom Rand wandern neue Epithelzellen in die Wunde ein. Die Wunde schrumpft um ca. ein bis zwei Millimeter pro Tag bis sie vollständig geschlossen ist. Diese Phase (Regenerations- oder Epithelisierungsphase) kann ab dem vierten Tag beginnen und dauert bei normaler Wundheilung bis zum Wundverschluss ca. drei Wochen. Auch nach dem Wundverschluss verändert sich das entstandene Narbengewebe durch die Neubildung von Kollagen. Narben können sich mit der Zeit verändern, sie werden flacher, kleiner etc. 

Wann entstehen bleibende Narben?

Kleine Wunden verheilen meist ohne bleibende sichtbare Narben. Bei großen Wunden bildet sich bei der Wundheilung vermehrt Narbengewebe, um das zerstörte Gewebe zu ersetzen. Bei oberflächlichen Wunden, z.B. Schürfwunden, entstehen keine oder nur kleine Narben. Hier kann sich das Hautgewebe voll funktionsfähig neu bilden (regenerieren). Sind auch tiefere Schichten der Haut zerstört, kann sich die Haut nicht mehr auf den ursprünglichen Zustand vollständig regenerieren. Statt normalem Gewebe bildet sich Narbengewebe. Dies ist speziell bei sehr großen Wunden der Fall oder wenn die Wundheilung gestört ist.

Was kann die Wundheilung stören?

Verschiedene Einflüsse können die normale Wundheilung stören. Dann verheilt die Wunde nur schlecht oder bleibt offen. Bei schlecht heilenden oder chronischen Wunden ist eine spezielle medizinische Behandlung (Wundmanagement) notwendig.

Das Risiko für eine schlechte Wundheilung und das Auftreten von Komplikationen ist erhöht bei:

  • sehr großen und tiefen Wunden,
  • Fremdkörper in der Wunde, Verschmutzung der Wunde,
  • einer bereits bestehenden Infektion der Wunde,
  • einer ungünstigen Lage der Wunde, z.B. in der Nähe eines Gelenks,
  • fehlender Wundruhe oder
  • mangelnder Feuchtigkeit der Wunde.

Auch bestimmte körperliche Faktoren, bestehende Erkrankungen oder ungesunde Lebensgewohnheiten können die Wundheilung stören. Sie erhöhen das Risiko für Wundinfektionen u.a. nach einer Operation. Zu diesen Risikofaktoren zählen:

Wie erfolgt die Behandlung von Wunden?

Damit eine Wunde gut und ohne Komplikationen verheilt, sind die rasche, fachgerechte Behandlung und die anschließende Versorgung bis zur Abheilung wichtig.

Kleinere akute Wunden oder Abschürfungen können von Laien selbst versorgt werden. Wichtig sind  das Reinigen der Wunde, z.B. mit sauberem Wasser oder Wundspüllösung, und das Abdecken, z.B. mit Pflaster oder Steristrips (Wundnahtstreifen). Weitere Informationen finden Sie unter Erste Hilfe bei kleinen Wunden.

Bei tiefen und großen akuten Wunden ist eine rasche ärztliche Versorgung notwendig. Die Behandlung richtet sich nach dem Zustand der Wunde. Unter Umständen ist ein Spitalsaufenthalt notwendig. Auch die Heilung chronischer Wunden erfordert spezielle medizinische Behandlung. Weitere Informationen finden Sie unter Wundbehandlung.

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