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Symbolfoto für Kopf © adimas

Schädelhirntrauma & -fraktur

Der Kopf wird bei etwa zehn Prozent (Frauen) bis 15 Prozent (Männer) der Sportverletzungen in Mitleidenschaft gezogen. Eine Unterscheidung zwischen reinen Frakturen der Schädelknochen und Gehirnverletzungen ist meistens nur im Krankenhaus möglich. Schwere Hirnverletzungen können auch ohne Brüche der Schädelknochen eintreten. Umgekehrt kann das Gehirngewebe selbst nach mehrfachen Schädelbrüchen oft nur geringfügig verletzt sein . . .

Kopfverletzungen

Ursachen & Vorbeugung

Besonders häufig kommen Kopfverletzungen bei Kontaktsportarten (z.B. Fußball, Eishockey oder Kampfsport) sowie bei mit hohen Geschwindigkeiten verbundenen Sportarten (z.B. Skifahren, Snowboarden, Motorsport) vor. Im Reitsport kommt es ebenfalls häufig zu Kopfverletzungen, nicht nur bei Stürzen, sondern auch durch Hochschlagen des Pferdekopfs beim Reiten oder durch Ausschlagen des Tieres. Chronische Gehirnschäden entstehen durch die Summierung wiederholter kleiner Schädel-Hirn-Traumen, in erster Linie im Boxsport, aber auch beim Fußball durch das Kopfballspiel.

Durch das Tragen eines Schutzhelms wird bei Sportarten wie Radfahren und Moutainbiken, Skifahren, Rennrodeln, Skeleton, Football, Eishockey, Baseball oder Reiten das Risiko einer schweren Kopf- bzw. Gesichtsschädelverletzung signifikant verringert.

Symptome & Diagnose

Übelkeit, Erbrechen, Erinnerungslücken, Ausfallserscheinungen wie Bewegungsstörungen, Pupillendifferenz (unterschiedlich große Pupillen des rechten und linken Auges), Krampfanfall, Bewusstlosigkeit oder Koma. Ein schweres Schädel-Hirn-Trauma kann unmittelbar zum Tod durch Atem- oder Kreislaufstillstand führen.

Neben einer Befragung der/des Verletzten (bzw. bei deren/dessen Bewusstlosigkeit von Zeuginnen/Zeugen) wird eine sorgfältige ärztliche Untersuchung des Kopfes, der Hirnfunktionen, der Halswirbelsäule und nötigenfalls des gesamten Körpers durchgeführt. Tritt Blut oder relativ klare Flüssigkeit (Hirnwasser, Liquor cerebrospinalis) aus der Nase oder den Ohren aus, liegt eventuell ein Schädelbasisbruch vor. Je nach Befund werden zur Sicherung der Diagnose eine Röntgenuntersuchung, eine Computertomographie oder eine Kernspintomographie durchgeführt. Gegebenenfalls erfolgen Spezialuntersuchungen, z.B. die Aufzeichnung der Gehirnströme (Elektroenzephalographie, EEG).

Therapie

Grundsätzlich gelten für die Erstbehandlung beim Schädel-Hirn-Trauma durch medizinische Laien die Erste-Hilfe-Richtlinien (1 x1 der Ersten Hilfe). Bei schweren Schädel-Hirn-Traumen und bewusstlosen Sportlerinnen/Sportlern steht am Unfallort die Sicherung der lebenswichtigen Funktionen im Vordergrund. Im Zweifelsfall wird die Notärztin/der Notarzt verständigt. Sie/er führt z.B. bei Atemstillstand einen Schlauch durch den Mund in die Luftröhre der Patientin/des Patienten zur künstlichen Beatmung ein (Intubation).

Wenn die/der Verletzte am Unfallort normal atmet und nicht bewusstlos ist, sollte ein Schutzhelm nicht von Laien entfernt werden. Anders ist die Situation bei einer bewusstlosen Person, die nicht atmet oder bei der eine Verlegung der Atemwege (z.B. durch die Zunge) droht. Hier sind für die Entfernung des Helms mindestens zwei Helfer erforderlich, von denen einer die Stabilisierung der Halswirbelsäule übernimmt, deren Verletzung nie ausgeschlossen werden kann. Wenn erforderlich, müssen auch Laien mit den sogenannten ABC-Sofortmaßnahmen zur Wiederbelebung beginnen.

Die Halswirbelsäule wird bis zum Ausschluss einer Verletzung durch eine feste Halskrawatte geschützt. Die Weiterbehandlung erfolgt im Krankenhaus. Ein Bluterguss im Schädelinneren kann in wenigen Minuten zu einer Druckschädigung des Gehirns führen und erfordert daher unverzüglich eine operative Eröffnung des Schädels (Trepanation). Schädelbrüche werden meistens stabilisiert, z.B. mit feinen Plättchen und Schrauben.

Hinweis Auch bei einer vermeintlich harmlosen Gehirnerschütterung wird eine Beobachtung im Krankenhaus von 24 bis 48 Stunden empfohlen.

Grundsätzlich sollte eine Sportlerin/ein Sportler mit einer Kopfverletzung – selbst, wenn sie harmlos erscheint – von ihrer Umgebung sorgfältig beobachtet werden, da schwerwiegende Symptome auch verzögert auftreten können, z.B. verstärkte Müdigkeit, zunehmende Verwirrung und Benommenheit, ungewohntes Verhalten, Unruhe, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Bewegungsstörungen, Krampfanfall oder Bewusstlosigkeit.

Hinweis Nach einem Schädel-Hirn-Trauma kann ein Bluterguss manchmal auch erst einige Wochen oder Monate später Beschwerden verursachen, da es zu einer Druckentwicklung auf das Gehirn kommt. Beim Auftreten von zunehmenden Kopfschmerzen, Verhaltensänderungen, Gangstörungen oder Lähmungserscheinungen sollte umgehend eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Schädel-Hirn-Traumen

Unter einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) wird die Gewalteinwirkung auf den Kopf mit einer Hirnfunktionsstörung unterschiedlicher Schwere bezeichnet.

  • Gehirnerschütterung (Commotio cerebri): Vorübergehende (reversible) Funktionsstörung, bei der kein organischer Schaden am Gehirn nachweisbar ist (z.B. durch Computer- oder Kernspintomographie ). Die Patientin/der Patient ist nicht oder nur kurzzeitig bewusstlos. Meistens besteht eine Gedächtnisstörung bzw. Erinnerungslücke (Amnesie) über einen gewissen Zeitraum vor und/oder nach dem Unfall, oft kommen auch Übelkeit, Erbrechen oder Kopfschmerzen vor.
  • Gehirnprellung oder Gehirnkontusion (Contusio cerebri): Organische Schäden sind nachweisbar, z.B. ein Bluterguss. Die Beschwerden sind meistens ausgeprägter als bei einer Gehirnerschütterung, mit längerer Bewusstlosigkeit und Ausfallserscheinungen wie z.B. Bewegungsstörungen.
  • Gehirnquetschung oder Gehirnkompression (Compressio cerebri): Da das Gehirn praktisch vollständig von Knochen umgeben ist, kann es bei einer Blutung nicht „ausweichen“. Der erhöhte Druck, z.B. durch einen Bluterguss, kann das gesamte Gehirn oder Teile davon schädigen. Dies bedeutet für die Verletzte/den Verletzten Lebensgefahr bzw. die Möglichkeit bleibender Schäden.

Schädelfraktur

Man unterscheidet die Gesichtsschädelfraktur (z.B. Nasenbein- oder Kieferknochenbruch), die Kalottenfraktur (Bruch des knöchernen Schädeldaches) und die Schädelbasisfraktur. Weiters werden Verletzungen der Schädelknochen in geschlossene und offene Schädelbrüche eingeteilt.

  • Geschlossene (gedeckte) Schädelbrüche: Die Haut im Bereich der Fraktur ist intakt. Neben sichtbaren Formveränderungen können auch Frakturen ohne Verschiebung der Knochen oder Knochenrisse im Schädel entstehen. Bei einer Verschiebung der Bruchstücke oder einer Splitterung der Innenseite des Schädeldaches können Knochensplitter auch tief in das Gehirn eindringen. Ein Sonderfall sind Schädelbasisbrüche, bei denen eine Verbindung zwischen dem sterilen Schädelinneren und den unsterilen Höhlen des Gesichtsschädels oder dem Gehörgang und damit ein erhöhtes Infektionsrisiko entsteht. Da alle Blutgefäße und Nervenverbindungen des Körpers mit dem Gehirn durch die Schädelbasis laufen, ist bei einem Schädelbasisbruch mit deren Verletzung und damit mit Störungen der lebenswichtigen Funktionen zu rechnen.
  • Offene Schädelbrüche: Über dem Knochenbruch entsteht eine Wunde, sodass Hirnhäute oder das Gehirn selbst freiliegen können. Neben der Verletzung des Gehirns besteht auch hier eine erhöhte Infektionsgefahr.


 
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