Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Brot mit Hüttenkäse und Fruchtsaft © Carmen Steiner

Diabetes: Ernährung

Die richtige Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität sind wichtige Säulen der Diabetestherapie. Aber auch bei bestehender Einnahme von Medikamenten (Medikation) dürfen diese beiden Faktoren nicht vernachlässigt werden. Ziele der Ernährungstherapie sind die Verbesserung der Blutzuckereinstellung (Vermeidung von zu hohen bzw. zu niedrigen Blutzuckerwerten) und die Senkung des Risikos für Spätfolgen wie Schäden an den großen und kleinen Blutgefäßen . . .

Für Diabetikerinnen und Diabetiker gilt: Getreideprodukte, vorrangig Vollkornprodukte, Obst, Gemüse und Salate, fettarme Milchprodukte, Fisch, mageres Fleisch, Geflügel und hochwertige pflanzliche Öle sollten die Grundlage der gesunden Ernährung bilden. Aufgrund des erhöhten Herz-Kreislauf-Risikos wird dem richtigen Umgang mit Fett im Sinne einer Fettreduktion und einer Verbesserung der Fettzusammensetzung (Qualität der Fettsäuren) besondere Bedeutung beigemessen.

Kohlenhydrate sind nicht tabu

Früher übliche, teils sehr strenge Diätpläne für Diabetikerinnen und Diabetiker sind veraltet. Statt einer beschränkten Kohlenhydrataufnahme bis hin zu einem Zuckerverbot oder der Verwendung von Spezialprodukten für Diabetikerinnen und Diabetiker sollte man sich heute an einer ausgewogenen Mischkost orientieren (Österreichische Ernährungspyramide).

Individuelle Empfehlungen einer ausgewogenen Ernährung werden in der Regel zusammen mit einer Ärztin/einem Arzt und/oder einer Diätologin/einem Diätologen an das Stoffwechselziel und die Essgewohnheiten der Patienten angepasst.

Übergewicht abbauen

Ein Großteil der Typ-2-Diabetikerinnen und -Diabetiker ist übergewichtig bzw. adipös. In den meisten Fällen hat das Übergewicht auch in erheblichem Ausmaß zur Entstehung der Krankheit beigetragen. Anders bei Typ-1-Diabetes: Die meist jüngeren Betroffenen sind zumeist normal- bis teils sogar untergewichtig.

Bei Übergewicht ist die Normalisierung des Körpergewichts ein wichtiges Therapieziel. Grundsätzlich sollte der Body-Mass-Index (BMI) von Diabetikerinnen und Diabetiker nicht über 25 liegen. Bei hochbetagten Seniorinnen und Senioren sollte von einer Gewichtsreduktion eher Abstand genommen werden, da diese mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden sein kann.

Auch der Taillenumfang gibt Aufschluss über eine zu hohe Fettmasse. Liegt der Taillenumfang bei Frauen über 80 cm bzw. bei Männern über 94 cm, besteht bereits ein erhöhtes Risiko für Komorbiditäten (gleichzeitiges Vorkommen von zwei oder mehr unterschiedlichen Krankheiten) und Kompliaktionen. Liegt der Taillenumfang bei Frauen über 88 cm bzw. bei Männern über 102 cm spricht man von einer abdominalen Fettverteilung.

Übergewichtige Diabetikerinnen und Diabetiker können durch eine angemessene Ernährungsumstellung das Gewicht reduzieren. Fettarme Kost oder eine Reduzierung der
Kohlenhydrate bzw. eine Kombination aus beiden Maßnahmen oder auch der vorübergehende Einsatz von Formula-Diäten unter ärztlicher Kontrolle sowie eine Begrenzung der Alkoholaufnahme können die Gewichtsreduktion erleichtern. Diese Maßnahmen sollten unbedingt von körperlicher Aktivität begleitet sein. Bereits eine Gewichtsabnahme von drei bis fünf Kilogramm wirkt sich günstig auf den Blutzuckerspiegel aus.

Selbst geringe Gewichtsverluste bedeuten für den Körper und den Stoffwechsel eine Entlastung:

  • Das vorhandene Insulin kann besser wirken,
  • es kommt zur Verminderung der beschleunigten Zuckerproduktion in der Leber,
  • Verbesserung eventuell vorliegender Fettstoffwechselstörungen (erhöhte Blutfettwerte) und Hypertonie (Bluthochdruck).

Begleitende Bewegung trägt neben der Erhöhung des Energieverbrauchs auch zu einer verbesserten Reaktion der Zellen auf Insulin bei (Insulinsensitivität). Streng kalorienarme Diäten sollten nur bei einem hohen BMI (über 35) und in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt durchgeführt werden.

Weitere Informationen finden Sie unter Der Body-Mass-Index und unter Gesund abnehmen.

Das sollten Sie bei Diabetes beachten

  • Fettaufnahme: Die Fettzufuhr sollte vorrangig aus pflanzlichen Quellen oder aus Fisch stammen. Es sollte nur wenig an gesättigten und trans-Fetten konsumiert werden (insbesondere enthalten in tierischen Produkten wie z.B. fetten Milchprodukten, Wurst, Fleisch).
  • Kohlenhydrataufnahme: Die Auswahl der kohlenhydratreichen Lebensmittel sollte, wenn möglich, ballststoffreich und mit niedrigem glykämischen Index sein. Die Menge, Art und Verteilung der kohlenhydratreichen Lebensmittel sollte (unter Berücksichtigung der Medikamente/Insulin) so gewählt werden, dass es zu einer guten Blutzuckereinstellung kommt. Wenn es die Blutzuckerwerte erlauben, können Betroffene süße Lebensmittel/Zucker in „verpackter“ Form (z.B. in einem Stück Kuchen etc.) in kleinen Mengen konsumieren (max. 50 Gramm Zucker pro Tag).
  • Die Ballaststoffzufuhr sollte idealerweise 30 bis 40 Gramm/Tag liegen. Zwei Obst- und mindestens drei Salat- oder Gemüseportionen, häufig Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte helfen, den Bedarf zu decken.
  • Bei Diabetikerinnen und Diabetikern mit einer Nierenschädigung ist auf eine moderate Protein(Eiweiß-)zufuhr zu achten (0,8 Gramm/Kilogramm Normalgewicht/Tag). Diabetikerinnen und Diabetiker mit Nierenerkrankung sollten daher unbedingt von einseitigen, proteinreichen Diäten Abstand nehmen!

Praktische Tipps bei Diabetes

  • Konsumieren Sie viel an ballaststoff-, vitamin- und mineralstoffreichen Lebensmitteln.
  • Greifen Sie täglich zu Obst (zweimal pro Tag), Gemüse oder Salat (dreimal pro Tag) und essen Sie häufig Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte.
  • Essen Sie zwei bis drei Portionen Fisch pro Woche (bevorzugt fetter Fisch wie Hering, Lachs, Makrele, Heilbutt oder Thunfisch).
  • Meiden Sie fette Fleisch- und Wurstwaren.
  • Bevorzugen Sie fettarme Milchprodukte und Käsesorten.
  • Verwenden Sie Öle zum Kochen, die reich an einfach ungesättigten Fettsäuren sind (z.B. Oliven- oder Rapsöl). Pflanzliche Margarinen eignen sich gut als Streichfett, aber auch dünn Butter für das Brot ist möglich. Tierische Fette (Butterschmalz, Schmalz etc.), aber auch Kokosfett und Frittierfette sollten vermieden werden.
  • Schokolade, Kuchen, Mehlspeisen und Süßigkeiten sind nicht verboten. Genießen Sie kleine Mengen und beobachten Sie den Blutzuckerspiegel!
  • Begrenzen Sie die tägliche Zufuhr an Kochsalz: Vermeiden Sie stark Gesalzenes wie Gebäck, Wurstwaren und Fertigprodukte. Verwenden Sie reichlich Gewürze und Kräuter, so sparen Sie an Salz. Näheres erfahren Sie unter Kräuter & Gewürze.

Vorsicht bei Alkohol

Für Diabetikerinnen und Diabetiker ist wichtig zu wissen, dass Alkohol eine blutzuckersenkende Wirkung hat (zuerst steigt der Blutzucker allerdings an, vor allem bei Bier). Besonders vorsichtig sollte man bei der Kombination Alkohol und Sport sein: Die Gefahr einer Unterzuckerung ist groß! Wie für Stoffwechselgesunde gilt auch bei Diabetes eine moderate Alkoholzufuhr als akzeptabel (Frauen zehn Gramm pro Tag, Männer 20 Gramm pro Tag). Dies entspricht einem Achtel Wein ODER einem Seidel Bier für die Frau. Männliche Diabetiker sollten nicht mehr als ein Viertel Wein ODER ein Krügel Bier pro Tag trinken – dies gilt als Obergrenze. Es gilt, die Reaktion des Körpers zu beobachten (häufig Blutzucker messen) und die Alkoholzufuhr eher gering zu halten.

Alkohol wirkt viele Stunden blutzuckersenkend! Nicht geeignet sind für Diabetikerinnen und Diabetiker alkoholische Getränke, die hohe Mengen an Zucker enthalten. Vorsicht daher bei Likör, Süß- oder Dessertwein, Alkopops etc., aber auch bei alkoholfreiem Bier, da es mehr Malzzucker enthält als normales Bier. Diabetikerinnen und Diabetiker, die Insulin spritzen oder blutzuckersenkende Medikamente einnehmen, sollten alkoholische Getränke niemals in die Broteinheiten einrechnen und Insulin dafür verabreichen. Darüber hinaus sollten sie Alkohol immer gemeinsam mit einer kohlenhydratreichen Mahlzeit zu sich nehmen. Übergewichtige Diabetikerinnen und Diabetiker mit erhöhten Blutfettwerten (v.a. bei Hypertriglyzeridämie) und Bluthochdruck sollten die Alkoholaufnahme in jedem Fall begrenzen.

Zudem ist Alkohol sehr energiereich und kann somit die Entstehung von Übergewicht begünstigen.

Hinweis Die hier angeführten Empfehlungen zur Prävention bestimmter Krankheiten bzw. für die Ernährung bei bestimmten Krankheiten sind als Basis für individuell abgestimmte Maßnahmen zu verstehen. Sie können eine persönliche Beratung oder Diagnose durch eine Ärztin/einen Arzt oder eine Diaetologin/einen Diaetologen nicht ersetzen.

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse