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Nordic Walking © Picture-Factory

Diabetes und Bewegung

Die Entstehung von Typ-2-Diabetes wird durch Übergewicht und Bewegungsmangel begünstigt. Beide Risikofaktoren tragen zur typischen Insulinresistenz bei. Eine gezielte Bewegungstherapie ist daher wesentlicher Bestandteil der Behandlung von Typ-2-Diabetes. Ziel ist, Kalorienüberschüsse zu vermeiden, Gewicht abzubauen sowie den Energiestoffwechsel und die Insulinwirkung langfristig zu verbessern.

Regelmäßige körperliche Bewegung und Sport sind für alle Menschen gesundheitsfördernd. Personen mit Diabetes oder metabolischem Syndrom profitieren ganz besonders davon.

Körperliches Training hat in Bezug auf Typ-2-Diabetes verschiedene positive Effekte: Einerseits verbessert es die Insulinresistenz der Zellen, d.h. Zellen sprechen hinsichtlich der Zuckeraufnahme besser auf Insulin an, wodurch sich der blutzuckersenkende Effekt erklärt. Andererseits wird durch den Muskelzuwachs mehr Glukose verbraucht, zudem steigt der Grundumsatz und somit der Kalorienverbrauch. Durch diese Effekte wird das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, die zu den häufigsten Folgen von Diabetes zählen, vermindert. 

Was hat Bewegungsmangel mit Typ-2-Diabetes zu tun?

Typ-2-Diabetes ist eine typische Zivilisationskrankheit. Waren früher besonders ältere Menschen betroffen, so zeigen die vergangenen Jahre, dass immer öfter jüngere Menschen einen Typ-2-Diabetes entwickeln. Eine der Hauptursachen ist das Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch. Vor allem der deutliche Rückgang des Bewegungsumfangs in den letzten Jahrzehnten in Verbindung mit Überernährung dürfte bei vielen Menschen dafür verantwortlich sein. Mehr Informationen finden Sie unter Bewegung & Energiestoffwechsel

Was bewirkt Bewegung?

Muskelzellen verbrauchen zwischen 50 und 70 Prozent der Glukose, die mit der Nahrung aufgenommen wird. Es liegt daher nahe, dass die Behandlung bzw. Vorbeugung von Diabetes am Stoffwechsel der Muskelzellen ansetzt: Je besser er funktioniert, umso besser kann der Zucker verarbeitet werden und umso effektiver wird der Blutzucker gesenkt.

Besonders günstig scheint eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining zu sein. Regelmäßiges Ausdauertraining bewirkt zahlreiche Anpassungen in den Muskeln, die sich positiv auf den Stoffwechsel der Muskelzellen auswirken. Die Aufnahme und Verstoffwechselung von Glukose wird verbessert, der Blutzuckerspiegel sinkt.

Krafttraining hat einen blutzuckersenkenden Effekt, der mit dem des Ausdauertrainings vergleichbar ist. Es verbessert u.a. die Insulinwirkung und verringert überschüssige Fetteinlagerungen in den Zellen. Zudem erhöht sich durch regelmäßiges Training der Anteil der Muskelmasse – ein weiterer positiver Effekt: Mehr Muskelmasse bedeutet mehr Energieumsatz. Dabei kann das Köpergewicht zunächst durchaus gleichbleiben. Mehr Informationen unter Bewegung und Körpergewicht.

Was ist der Nutzen von Bewegung bei Typ-2-Diabetes?

Die körperlichen Wirkungen einer Bewegungstherapie sind für Typ-2-Diabetes und seine Vorstufen sehr gut erforscht. Bewegung setzt direkt an den Ursachen an.

Regelmäßige Bewegung

  • senkt Blutzucker, Blutfette und Blutdruck,
  • hilft beim Abnehmen,
  • erhöht die Fitness von Herz und Lunge und
  • verbessert die Insulinwirkung.

Regelmäßige Bewegung als wichtige Therapiesäule

Regelmäßige Bewegung hilft, die Risikofaktoren für die Entwicklung bzw. Verschlechterung von Typ-2-Diabetes positiv zu beeinflussen und Folgeerkrankungen zu vermeiden. Die Betroffenen profitieren zusätzlich von den vielen anderen positiven Wirkungen der Bewegung auf den Körper. Bewegung ist – neben Ernährung und einer eventuellen medikamentösen Therapie – eine wichtige Therapiesäule für Typ-2-Diabetes.

Wieviel Bewegung wird empfohlen?

Personen mit erhöhtem Diabetes-Risiko und mit bestehendem Typ-2-Diabetes sollten ihr Bewegungsprogramm mit der betreuenden Ärztin/dem betreuenden Arzt abstimmen. Grundsätzlich gelten folgende Empfehlungen:

  • Personen mit erhöhtem Typ-2-Diabetes-Risiko sollten laut Empfehlungen von Expertinnen/Experten regelmäßig Bewegung mittlerer Intensität betreiben – und zwar mindestens 2½ Stunden bzw. 150 Minuten Ausdauertraining pro Woche, wobei die einzelnen Trainingseinheiten jeweils mindestens 30 Minuten dauern sollten. Beispiele für geeignete Aktivitäten sind zügiges Gehen, Nordic Walking oder Wandern, Schwimmen oder Radfahren. Auch mit Alltagsaktivitäten können positive Wirkungen erzielt werden. Mittlere Intensität bedeutet, dass während der Bewegung noch gesprochen, aber nicht mehr gesungen werden kann. In dieser Intensität steht dem Organismus genügend Sauerstoff für Glukose- und Fettverbrennung zur Verfügung (siehe Bewegung & Energiestoffwechsel). Zusätzlich zur Ausdauerbewegung sollten mindestens zweimal pro Woche muskelkräftigende Übungen durchgeführt werden (mindestens fünf bis zehn Übungen mit jeweils mindestens zwölf bis 15 Wiederholungen pro Übung). Weitere Informationen finden Sie in den Bewegungsempfehlungen.

  • Dieses Bewegungspensum gilt auch für Personen, bei denen eine Diabetes-Vorstufe (z.B. gestörte Glukosetoleranz, metabolisches Syndrom) diagnostiziert wurde.

  • Auch Personen mit Typ-2-Diabetes wird grundsätzlich dieses Bewegungspensum empfohlen. Die betreuende Ärztin/der betreuende Arzt kann ein individuelles Trainingsprogramm verordnen, das auf den Gesundheitszustand und die Fitness der Patientin/des Patienten zugeschnitten ist.

Im Allgemeinen sollte das Training in geringer Intensität und Dauer begonnen und über Wochen langsam gesteigert werden. Zusätzlich sollte körperliche Aktivität – so gut es je nach Gesundheitszustand möglich ist – auch in den täglichen Alltag integriert werden. Treppen steigen statt Lift fahren, Besorgungen zu Fuß anstatt mit dem Auto erledigen oder täglich einen kurzen Spaziergang machen sind Beispiele für einfach umzusetzende und effektive Maßnahmen.

Einige Begleit- und Folgeerkrankungen von Diabetes können gewisse Einschränkungen nötig machen. So gilt z.B. bei bestehender Retinopathie Vorsicht bei Krafttraining (es besteht die Gefahr von Netzhautblutungen), und Betroffene mit symptomatischer koronarer Herzkrankheit sollten ihre Belastbarkeit im Vorfeld mittels Ergometrie abklären lassen. Generell wird die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt helfen, individuell das passende Training festzulegen. 

Medikamente & Bewegung

Auch Diabetikerinnen und Diabetiker, die Diabetes-Medikamente einnehmen oder Insulin spritzen müssen, können prinzipiell jede Form von körperlicher Aktivität und Sport durchführen. Vorsicht ist bei Risikosportarten wegen der Gefahr der Hypoglykämie angebracht, um Selbst- und Fremdgefährdungen zu vermeiden.

Achten Sie besonders auf Ihre Blutzuckerwerte, und passen Sie die Medikamenten- und Insulindosen entsprechend an, um eine Über- oder Unterzuckerung zu vermeiden. Die betreuende Ärztin/der betreuende Arzt wird Sie darüber entsprechend informieren.

Bei körperlicher Anstrengung verbrauchen die Muskeln mehr Zucker und benötigen dafür weniger Insulin. Deshalb besteht die Möglichkeit einer Unterzuckerung – vor allem wenn Sie Insulin spritzen. Spritzen Sie deshalb – in Absprache mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt – vorher entsprechend weniger Insulin, oder reduzieren Sie gegebenenfalls die Medikamentendosis. Oder Sie essen vorher zusätzlich Kohlenhydrate. Die richtige Anpassung der Medikamenten- bzw. Insulindosis sowie der Ernährung sollte im Vorfeld mit der Ärztin/dem Arzt oder in speziellen Schulungen geübt werden. 

Hinweis Nach längerer körperlicher Belastung, wie einer ausgedehnten Wanderung, hält die blutzuckersenkende Wirkung noch Stunden an. Daher ist die Blutzuckerkontrolle vor dem Schlafengehen wichtig.

Therapie aktiv – Diabetes im Griff

Bewegung ist ein wichtiger Teil des qualitätsgesicherten Behandlungsprogramms „Therapie aktiv – Diabetes im Griff“ der Sozialversicherung. Im Zuge der Betreuung vereinbart die Patientin/der Patient gemeinsam mit der Ärztin/dem Arzt individuelle Behandlungsziele und Maßnahmen, die regelmäßig auf ihre Wirkung überprüft werden. Dabei bespricht die Ärztin/der Arzt auch, welches Bewegungsprogramm für die Patientin/den Patienten sinnvoll und machbar ist. Tipps und Empfehlungen zu Bewegung und Ernährung bei Diabetes sind auch im Patientenhandbuch des „Therapie aktiv“-Programms enthalten.

Wohin kann ich mich wenden?

  • Ärztliche Betreuung: Bewegung ist ein Teil der Basistherapie für Typ-2-Diabetes. Die betreuende Ärztin/der betreuende Arzt berät die Patientinnen und Patienten bei der Gestaltung des Bewegungsprogramms und hilft, die Wirksamkeit und den Erfolg der körperlichen Aktivitäten zu kontrollieren. Wissen über körperliche Aktivität wird auch in den wichtigen Patientenschulungen vermittelt, damit die Betroffenen selbstständig Bewegung betreiben können. Die Kosten für die medikamentöse Diabetes-Behandlung und unter bestimmten Voraussetzungen für begleitende Behandlungsmaßnahmen sind über die Sozialversicherungträger abgedeckt.
  • Gesunde Bewegungsangebote finden Sie unter www.fitsportaustria.at.
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