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Weibliche Geschlechtsorgane © magicmine

Polyzystisches Ovar Syndrom (PCOS)

Das PCO-Syndrom (polyzystisches Ovarialsyndrom, PCOS) ist die häufigste Hormonstörung der Frau. Das Krankheitsbild ist vielfältig. Die ersten Beschwerden treten meist schon in der Pubertät auf, obwohl die meisten Frauen erst später typische Symptome entwickeln. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung ist wichtig, um Spätfolgen zu vermeiden. Häufig ist das PCOS eine Ursache für unerfüllten Kinderwunsch . . .

Ursachen

Die Ursachen des PCO-Syndroms sind bis heute nicht gänzlich geklärt. Es scheint ein Zusammenspiel von genetischen Faktoren (erbliche Veranlagung) und Umwelteinflüssen (z.B. Bewegungsmangel, Übergewicht) vorzuliegen.

Derzeit wird angenommen, dass es verschiedene Störungen im Hormonhaushalt gibt, die sich gegenseitig verstärken. So weisen betroffene Frauen typischerweise eine Verschiebung des Verhältnisses von luteinisierendem Hormon (LH) zum follikelstimulierenden Hormon (FSH) auf. Die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) schüttet beim PCO-Syndrom vermehrt LH und weniger FSH aus. Dieses Ungleichgewicht regt im Eierstock die Bildung von männlichen Geschlechtshormonen (Androgenen) an. Die vermehrt ausgeschiedenen Androgene werden zum Teil in weibliche Geschlechtshormone (Östrogene) umgewandelt. Dies führt wiederum zu einer gesteigerten LH-Ausschüttung aus der Hirnanhangdrüse, was die männliche Hormonentstehung in den Eierstöcken fördert. Dieser Überschuss an Androgenen in den Eierstöcken verhindert einen normalen Zyklus.

Hinweis Der Körper jeder Frau produziert neben den weiblichen auch eine kleine Menge männlicher Geschlechtshormone – sowie Männer umgekehrt auch etwas Östrogen bilden. Allerdings stört schon eine leichte Überproduktion des männlichen Hormons Testosteron den hormonellen Regelkreis der Frau empfindlich.

Symptome

Das PCOS weist verschiedene krankheitsspezifische Symptome auf. Dazu zählen u.a.:

  • Zyklusstörungen: seltene oder völlig ausbleibende Regelblutung (Amenorrhö), bedingt durch einen zu seltenen oder gar keinen Eisprung.

  • Starke Menstruationsbeschwerden
  • Hirsutismus: ein männliches Behaarungsmuster durch vermehrte männliche Sexualhormone (Androgene) im Körper. Vermehrte Schambehaarung, auch auf den Oberschenkeln sowie vom Nabel abwärts. Haare um die Brustwarzen, auf dem Brustbein, der Oberlippe und am Kinn können ebenfalls vorkommen.
  • Androgenisierungserscheinungen: Durch die erhöhte Androgenkonzentration kann es zu äußerlichen Erscheinungen wie fettiger Haut mit Akne, androgenetischem Haarausfall oder verstärkter Körperbehaarung (Hirsutismus) kommen. Diese Androgenisierungserscheinungen sind individuell verschieden und kommen bei jeder Frau mit PCO-Syndrom im unterschiedlichen Ausmaß vor. 
  • Schlafstörungen

  • Gewichtsprobleme: Es gibt auch schlanke Frauen, die unter einem PCO-Syndrom leiden. Die Mehrheit der Betroffenen ist jedoch übergewichtig bzw. fettleibig. Typischerweise findet sich das Fettgewebe vor allem an der Taille („viszerale Adipositas“).

  • Vergrößerte Eierstöcke mit zahlreichen kleinen Follikeln (Eibläschen) bzw. Zysten (polyzystische Ovarien).

  • Eingeschränkte Fruchtbarkeit bis hin zur Unfruchtbarkeit.

  • Insulinresistenz: Bei Frauen, die unter einem PCOS leiden, kann auch eine Störung des Stoffwechsels vorliegen. Insbesondere findet sich eine sogenannte Insulinresistenz mit erhöhten Insulinspiegeln im Blut. Insulin seinerseits steigert wiederum die Produktion männlicher Hormone im Eierstock. Dies führt ebenfalls zu einer Störung der Eibläschenentwicklung. Dadurch kann der Eisprung komplett ausbleiben.

Hinweis Nicht bei jeder Frau mit PCO-Syndrom treten alle Symptome auf. Viel häufiger äußert sich das PCO-Syndrom nur durch einige dieser Symptome.

 

Risiken des PCO-Syndroms

Frauen mit PCO-Syndrom haben oft ein erhöhtes Risiko für:

Diagnose 

Die diagnostischen Kriterien für das PCO-Syndrom haben sich in den letzten Jahren gewandelt. Derzeit spricht man von einem PCO-Syndrom, wenn mindestens zwei der folgenden drei Kriterien vorliegen:

  • Zyklusstörungen: unregelmäßige Monatsblutung, fehlender Eisprung.

  • Hyperandrogenämie bzw. „Vermännlichung“: vermehrte Körperbehaarung, Akne etc. Die erhöhte Androgenkonzentration ist im Blut nachweisbar.

  • Zahlreiche Zysten an den Eierstöcken: Diese sind im Scheidenultraschall erkennbar.

Hinweis Da auch andere Erkrankungen ähnliche Beschwerden hervorrufen können, ist eine genaue Diagnostik wichtig.


Anamnese & körperliche Untersuchung

Im ersten Schritt erfolgt ein ausführliches Gespräch (Anamnese) mit der Ärztin/dem Arzt. Sie/er wird sich zunächst erkundigen, wie regelmäßig Ihre Monatsblutung auftritt, ob Gewichts- oder Hautprobleme bestehen, eine familiäre Vorbelastung etc. Auch der Kinderwunsch wird angesprochen.

Als nächstes folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei wird das Körpergewicht erfasst (BMI-Berechnung), Blutdruck gemessen etc.

Ultraschall & Hormonbestimmung

Ein wesentlicher Teil der Abklärung ist eine vaginale Ultraschalluntersuchung. Dabei erkennt die Ärztin/der Arzt das PCO-Syndrom an vielen kleinen Eibläschen im Eierstock. Diese haben die Fähigkeit verloren, zu reifen Follikeln (Eibläschen) heranzuwachsen. Für eine sichere Diagnose ist eine Hormonbestimmung im Blut unerlässlich. Folgende Hormone werden u.a. bestimmt:

   

Um etwaige Risikofaktoren für Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Herzerkrankungen etc. frühzeitig zu erkennen, ist es sinnvoll, weitere Blutwerte zu erheben:

Therapie

Beim PCO-Syndrom orientiert sich die Therapie an den Symptomen. Ziel der Behandlung ist es, jene Beschwerden zu lindern, welche die Patientin am meisten belasten, und Folgeerscheinungen wie z.B. Diabetes vorzubeugen. Grundsätzlich muss man vor der Therapiewahl zwischen Patientinnen mit und ohne Kinderwunsch unterscheiden.

Hinweis Patientinnen mit PCO-Syndrom können sich aktiv an ihrer Therapie beteiligen. Neben medizinischen Maßnahmen ist die Veränderung des eigenen Lebensstils – dazu zählt ausreichende Bewegung und ausgewogene Ernährung – ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Behandlung.

 

PCOS-Behandlung ohne Kinderwunsch

Bei gleichzeitigem Übergewicht und Störungen des Zuckerstoffwechsels besteht die wirkungsvollste Behandlung in einer Veränderung des Lebensstils (v.a. regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung). Durch die Gewichtsreduktion verbessert sich die Insulinresistenz, und die erhöhten Insulinwerte sinken etwas ab. Das vermindert die Androgenproduktion und reguliert den Zyklus.

Manchmal kommen bei PCO-Syndrom auch Antidiabetika (z.B. Metformin)  zum Einsatz. Der Wirkstoff Metformin verbessert die Wirkung des Insulins, sodass der Blutzucker besser abgebaut werden kann. Weiters kann Metformin den Zyklus, Hautprobleme wie Akne und das Körpergewicht positiv beeinflussen. 

Gegen die klassisch auftretenden Hormonstörungen (z.B. Hautunreinheiten, Haarausfall, vermehrte Körperbehaarung) kann eine hormonelle Therapie zum Einsatz kommen. Hier kann beispielsweise eine antiandrogene Antibabypille eingenommen werden.  

PCOS-Behandlung mit Kinderwunsch

Auch bei PCO-Syndrom – Patientinnen mit Kinderwunsch steht eine aktive Veränderung des Lebensstils an erster Stelle – vor allem bei gleichzeitigem Übergewicht und Störung des Zuckerstoffwechsels.  

Bei PCO-Syndrom und Kinderwunsch ist oft eine direkte hormonelle Stimulation der Follikelreifung unumgänglich. Dabei werden die Eierstöcke mit Antiöstrogenen wie Clomifenzitrat (Hormon, welches das Wachstum des Eibläschen fördert) angeregt. Häufig wird Clomifenzitrat auch in Kombination mit Metformin gegeben.

Hinweis Metformin ist eigentlich ein Wirkstoff gegen Typ-2-Diabetes und in Österreich noch kein Standardpräparat in der PCO-Therapie. Metformin kann bei entsprechender Aufklärung verwendet werden („Off label use“) und soll bei positivem Schwangerschaftstest abgesetzt werden.

Falls unter einer Clomifen-Therapie kein Eisprung erfolgt, können Gonadotropine (LH und FSH) eingesetzt werden. Diese Therapie muss niedrig dosiert und behutsam erfolgen, da ein Hauptrisiko bei PCO-Patientinnen das unbeabsichtigte Heranreifen mehrerer Eibläschen verbunden mit einem deutlich erhöhten Mehrlingsrisiko ist.  

Abhängig von der individuellen Situation kann es sein, dass eine Schwangerschaft jedoch nur auf künstlichem Weg (IVF) möglich ist. Für Frauen, die an einem PCO-Syndrom leiden, besteht jedoch ein erhöhtes Risiko einer sogenannten Überstimulation (OHSS). Dieses Risiko kann durch die Gabe von Metformin herabgesetzt werden.  

Ausführliche Informationen erhalten Sie unter Kinderwunsch & Künstliche Befruchtung.

Operative Therapieoption

In manchen Fällen kann auch eine Operation sinnvoll sein. Bei der operativen PCOS-Therapie werden im Rahmen einer Bauchspiegelung die an den Eierstöcken liegenden kleinen Eibläschen punktuell durch Hitze zerstört – sogenanntes Laserdrilling der Ovarien.

Dadurch kommt es häufig zu einer Normalisierung der Eierstockfunktion mit regelmäßigen Regelblutungen. Der Effekt ist allerdings oft nur vorübergehend mit einer Wirkung von ca. ein bis zwei Jahren. 

Wohin kann ich mich wenden?

Für die Diagnose bzw. Behandlung ist ein Besuch bei einer Gynäkologin/einem Gynäkologen notwendig. Ärztinnen und Ärzte in Ihrer Nähe finden Sie unter: Arztsuche  

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen.

  

Hinweis Die Kosten für die Pille werden nicht von der Krankenversicherung übernommen.


Kostenübernahme bei Verfahren der Reproduktionsmedizin

Es besteht – unter bestimmten Voraussetzungen – die Möglichkeit einer finanziellen Unterstützung bei der Anwendung bestimmter Methoden der medizinisch unterstützten

Fortpflanzung über den IVF-Fonds. Nähere Informationen finden Sie in der Broschüre des Gesundheitsministeriums „Wir möchten ein Baby“.

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