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Symbolfoto Nierenversagen © hywards

Akutes Nierenversagen

Bei einem Nierenversagen (Niereninsuffizienz, renale Insuffizienz) kommt es zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion. Dadurch steigt im Blut die Konzentration harnpflichtiger Substanzen (Stoffe, die über die Niere ausgeschieden werden müssen), z.B. Kreatinin und Harnstoff. Die Regulation des Wasser-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalts ist beeinträchtigt. Nachdem die Niere auch Hormone bildet bzw. Vitamine aktiviert, kann es u.a. zu Störungen der Blutbildung und zu Veränderungen des Knochenstoffwechsels kommen. Die Nieren können durch entzündliche Prozesse, Gefäßverkalkung und diverse andere Erkrankungen (Bluthochdruck, Diabetes mellitus, genetische Faktoren) geschädigt werden . . .

Bei einem akuten Nierenversagen verlieren die Nieren relativ plötzlich ihre Funktionsfähigkeit – meist innerhalb weniger Stunden oder Tage. Die Erkrankung ist unbehandelt lebensbedrohlich. Inwieweit sich in der Folge eine Erholung der Nierenfunktion einstellt, hängt sehr stark von der auslösenden Ursache ab.

Ursachen

Ein akutes Nierenversagen kann durch zahlreiche Faktoren ausgelöst werden. Diese werden in drei Gruppen eingeteilt.


Die Ursache liegt „vor“ den Nieren (prärenales Nierenversagen) 

Die Nieren werden nicht mehr ausreichend durchblutet. Mögliche Auslöser dieser häufigsten Form des akuten Nierenversagens sind u.a.:

  • Herzerkrankungen: z.B. Herzinsuffizienz, Herzinfarkt;
  • Lungenembolien;
  • Massive Blutungen: z.B. im Rahmen einer Verletzung oder Operation;
  • Verbrennungen;
  • schwere Entzündungen mit Kreislaufversagen;  

Die Ursache liegt in den Nieren (intrarenales Nierenversagen)

Es kommt zu krankhaften Veränderungen in den Nierengefäßen, den Nierenkörperchen oder im Nierenbecken. Mögliche Auslöser sind u.a.:

  • Entzündungen (z.B. Glomerulonephritis)
  • Medikamente,
  • Vergiftungen,
  • Störungen des Immunsystems.

Die Ursache liegt „hinter“ den Nieren (postrenales Nierenversagen)

Durch eine Abflussbehinderung im Harnleiter oder in der Harnblase kommt es zum Rückstau von Harn. Folgende Ursachen kommen u.a. infrage:

Mögliche Folgen & Komplikationen

Bei einem akuten Nierenversagen wird das Blut nicht mehr ausreichend gefiltert. Dadurch geraten Salz- und Flüssigkeitshaushalt aus der Balance. Mögliche Folgen sind u.a.:

  • Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme),
  • Bluthochdruck,
  • Herzschwäche,
  • Herzrhythmusstörungen,
  • Herzinfarkt,
  • Entzündung des Herzbeutels,
  • Schlaganfall,
  • Lungenödem,
  • Anstieg der Kalium-Konzentration im Blut,
  • Übersäuerung des Blutes,
  • Blutungen im Magen-Darm-Trakt,
  • Muskelkrämpfe,
  • Blutgerinnungsstörungen.  

Diagnose

Die Symptome eines akuten Nierenversagens sind vor allem im Frühstadium häufig uncharakteristisch, wie beispielsweise Übelkeit oder Müdigkeit. Nach Anamnese und körperlicher Untersuchung werden verschiedene Laborparameter bestimmt:

  • Blut: Kreatinin, Harnstoff, Kreatinin-Clearance, C-reaktives Protein (CRP) etc.
  • Harn: Eiweiß, Harnsediment etc.

Weiters können Ultraschall und Gewebeentnahme (Biopsie) mittels Nierenpunktion notwendig sein.

Therapie

Für die akute Niereninsuffizienz gibt es keine spezielle Therapie. Vielmehr wird die auslösende Grunderkrankung behandelt, z.B. werden bei entzündlichen Infekten Antibiotika verabreicht und Harnsteine durch operative Eingriffe entfernt oder mittels Stoßwellen zerkleinert. Weiters werden die Folgewirkungen der Nierenschwäche behandelt, z.B. Ödembildungen reduziert oder der Blutdruck eingestellt. Manchmal ist eine intensivmedizinische Überwachung notwendig. Bei massivem Krankheitsbild muss eine zumindest passagere Nierenersatztherapie durchgeführt werden. Dabei wird das Blut mittels Dialyse gereinigt, bis die Nieren wieder ihre Funktion aufnehmen.

Je nach der auslösenden Ursache erholt sich die Nierenfunktion in unterschiedlichem Ausmaß. Neuere Daten weisen allerdings darauf hin, dass Patientinnen/Patienten mit einem akuten Nierenversagen ein höheres Risiko haben, später eine chronische Nierenerkrankung zu entwickeln. Die akute Niereninsuffizienz ist potenziell lebensbedrohlich. Dies liegt einerseits natürlich daran, dass die auslösenden Ursachen per se oft schwere Erkrankungen sind. Andererseits entstehen durch die Harnvergiftung selbst manchmal schwerwiegende Komplikationen (z.B. Störungen im Elektrolythaushalt).   

Wohin kann ich mich wenden?

Für die Behandlung einer akuten Nierenschwäche können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin,
  • Fachärztin/Facharzt für Nephrologie,
  • Notärztin/Notarzt in dringenden Fällen.

Häufig ist ein Krankenhausaufenthalt erforderlich.

Hinweis Patientinnen/Patienten mit bestehender chronischer Nierenerkrankung haben ein besonders hohes Risiko, auch ein akutes Nierenversagen zu erleiden. Sie sollten jede behandelnde Ärztin/jeden behandelnden Arzt entsprechend informieren, damit z.B. potenziell nierenschädigende Medikamente möglichst vermieden werden.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für die Diagnose und Therapie werden von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB).

Nur bei Inanspruchnahme einer Wahlärztin/eines Wahlarztes (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) werden die Kosten nicht direkt verrechnet. In diesem Fall bezahlen Sie den anfallenden Betrag direkt an die Ärztin/den Arzt und reichen die Rechnung bei Ihrem zuständigen Krankenversicherungsträger ein. Es werden Ihnen maximal 80 Prozent des Tarifs, den eine Vertragsärztin/ein Vertragsarzt bzw. ein Vertragsambulatorium mit dem Krankenversicherungsträger verrechnet, rückvergütet.

Ist wegen eines akuten Nierenversagens ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Die weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Allgemeinmedizinerin/den Allgemeinmediziner bzw. durch die Fachärztin/den Facharzt.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

 

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