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Hepatitis-B-Virus © rob3000

Hepatitis B: Übertragung & Vorbeugung

Die Hepatitis B ist eine meldepflichtige Viruserkrankung, die mit einer meist schweren Leberentzündung einhergeht. Man unterscheidet verschiedene Hepatitis-B-Virus-Genotypen (A–J), die eine geografisch unterschiedliche Verteilung aufweisen und für den Krankheitsverlauf sowie die Therapiewahl mitentscheidend sind . . .

Hepatitis-B-Virus-Genotypen

Während in Nordeuropa der Genotyp A und im Mittelmeerraum der Genotyp D vorherrschen, finden sich in Ostasien die Genotypen B und C und in Zentralafrika der Genotyp E. Genotyp F kommt in Südamerika vor. Für die Genotypen G und H bestehen bislang nur wenige Beschreibungen, ihr geografisches Verteilungsmuster ist unklar. Die Genotypen I und J wurden bislang nur bei wenigen Patientinnen und Patienten in Asien gefunden. Die Erkrankung heilt entweder innerhalb von sechs Monaten von selbst aus oder wird chronisch. Das Hepatitis-B-Virus (HBV) kommt ausschließlich beim Menschen vor.

Eine Hepatitis-B-Infektion kann asymptomatisch (ohne Symptome) bis fulminant verlaufen. Bei 0,5–1,5 Prozent der fulminat verlaufenden Fälle kommt es bei den akut Infizierten zu einem massiven Leberzellschaden und binnen kurzer Zeit zur völligen Zerstörung des Organs. Die fulminante Hepatitis kann in bis zu 60 bis 80 Prozent der Fälle tödlich verlaufen, wenn keine Lebertransplantation durchgeführt wird.

Weitere mögliche Folgen einer Hepatitis-B-Infektion sind Leberzirrhose nach langjähriger chronischer Hepatitis und Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom). Infektionen mit dem Genotyp A besitzen im Vergleich zu Genotyp D eine höhere spontane Ausheilungsrate und sind seltener mit einer Entwicklung zur Leberzirrhose assoziiert. Die Genotypen B und C haben in vielen Studien eine insgesamt ungünstigere Verlaufsform gezeigt.

Verlauf

Welchen Verlauf eine Hepatitis-B-Infektion nimmt, hängt neben dem Genotyp in erster Linie vom Alter der Betroffenen zum Zeitpunkt der Infektion bzw. Erkrankung ab. Erfolgt die Erkrankung im Erwachsenenalter, werden nur ca. fünf Prozent chronisch. Bei einer Übertragung der Infektion von der Mutter auf das Kind während der Geburt bzw. bei Ansteckung in der frühen Kindheit wird die Infektion in bis zu 90 Prozent der Fälle chronisch. Dies ist in Ländern mit hohem Vorkommen von Hepatitis B der häufigste Übertragungsweg.

Globale Verbreitung

Noch vor wenigen Jahrzehnten war die Hepatitis B eines der größten Gesundheitsprobleme der Welt. Rund zwei Milliarden Menschen galten als infiziert, etwa zwei Millionen starben jährlich an den direkten Folgen der Hepatitis B, darunter mehr als eine halbe Million Menschen am Leberkarzinom. Erfreulicherweise bessern sich diese Zahlen kontinuierlich, weil viele Länder Hepatitis-B-Impfprogramme initiiert haben. Die WHO schätzt aktuell die Zahl der Infizierten auf etwa 240 Millionen und die Sterbefälle durch Folgen einer Hepatitis-B-Virusinfektion auf ca. 780.000 Personen jährlich. Damit zählt die Hepatitis B zu den zehn häufigsten Todesursachen und gilt als die vierthäufigste infektionsbedingte Todesursache weltweit. Langfristiges Ziel der WHO ist die Ausrottung von Hepatitis B mittels Impfung.

In Mitteleuropa beträgt die Durchseuchung in der Allgemeinbevölkerung fünf bis zehn Prozent (Antikörpernachweis) und ca. ein Prozent ist HBs-Ag positiv. In Österreich sind nur 0,1 bis 0,5 Prozent der Bevölkerung infiziert, hierzulande gibt es jährlich bis zu 1.500 Neuerkrankungen. Zunehmend stellen Migrantinnen/Migranten aus den Hochendemiegebieten des Ostens (Osteuropa, Zentral- und Ostasien) den wesentlichen Anteil chronischer Hepatitis-B-Virusträger in den westlichen Ländern mit niedrigem HBV-Vorkommen dar.

Übertragungsweg

Der typische Übertragungsweg im Erwachsenenalter sind sexuelle Kontakte. Dabei reichen für eine Infektion schon kleinste Haut- und Schleimhautverletzungen (Blutkontakte). Auch Sperma, Scheidensekret, Speichel- und Tränenflüssigkeit von Hepatitis-B-Infizierten sind infektiös.

Eine Übertragung von Hepatitis-B-Viren ist
z.B. möglich:

  • wenn die Sexualpartnerin/der Sexualpartner Hepatitis B hat,
  • durch „needle sharing“ (gemeinsames Benützen von Nadeln, Spritzen, Filter und Löffel unter Drogenabhängigen) oder gemeinsames Benützen des „Röhrchens“ – zusammengerolltes Papier oder Geldschein – zum Kokain-Schnupfen über die Nase),
  • durch eine Nadelstichverletzung, wenn eine Hepatitis-B-infizierte Person daran beteiligt ist,
  • bei der Geburt auf das Neugeborene, wenn die Mutter Hepatitis B hat.

Zusätzliche Infektionsmöglichkeiten ergeben sich durch die gemeinsam Benutzung von Zahnbürste, Rasierapparat, Nagelschere oder Nagelfeile mit einer an Hepatitis B erkrankten Person oder durch Tätowierungen und Piercings unter unhygienischen Bedingungen. Es gibt auch – äußerst selten – sogenannte nosokomiale Übertragungsfälle (Übertragung durch infizierte, im medizinischen Bereich tätige Personen).

Hinweis Durch übliche soziale Kontakte wie Hände schütteln, Umarmen, Küssen auf die Wange, Essen, Trinken und Benutzen der gleichen Toilette besteht kein Risiko für eine Übertragung von Hepatitis-B-Viren.

Durch die generelle Testung von Blutkonserven auf Marker einer HBV-Infektion kann das Auftreten einer transfusionsbedingten Hepatitis B in den Industriestaaten mittlerweile fast vollständig ausgeschlossen werden. Es wird jedoch befürchtet, dass in den Entwicklungsländern nicht alle Blutspenden adäquat auf HBV untersucht werden.

Vorbeugung

Ein zuverlässiger Schutz vor Hepatitis B wird erreicht durch:

  • die aktive Schutzimpfung (Totimpfstoff),
  • Vermeidung von Blutkontakten (Tragen von Einmalhandschuhen),
  • sterile Durchführung von Tätowierungen und Piercings,
  • alleinige Benutzung von Zahnbürsten, Rasierklingen, Nadeln oder Spritzenbesteck (kein „Needle Sharing“!),
  • Safer Sex (Kondome!).

Schutzimpfung

Bei der aktiven Schutzimpfung gegen Hepatitis B für Gesunde erfolgen insgesamt drei Stichinjektionen in den Oberarm. Die erste Impfung zählt als Tag eins, die zweite Impfung folgt ca. einen Monat später, die dritte Impfung noch einmal sechs bis zwölf Monate später. Die Kosten für die Impfung von Kindern werden von der Sozialversicherung übernommen. Die entsprechenden Maßnahmen werden im Mutter-Kind-Pass vermerkt.

Hinweis Die Übertragung einer Hepatitis B kann innerhalb der ersten zwei Tage nach Kontakt mit dem Virus vermieden werden, wenn eine aktive und passive (Immunglobulin-)Impfung erfolgt. Die passive Immunprophylaxe – gemeinsam mit der aktiven Schutzimpfung – wird auch für alle Neugeborenen HBs-Antigen-positiver Mütter innerhalb von zwölf Stunden nach der Geburt empfohlen, um die Übertragung einer HBV-Infektion zu verhindern.

Die Hepatitis-B-Impfung wird laut WHO jedem Erwachsenen empfohlen und ist insbesondere auch für Personen mit chronischen Lebererkrankungen sowie Personen mit häufigem Bedarf an Plasmaprodukten (z.B. Hämophile), Prädialyse- und Dialyse-Patientinnen/Patienten wichtig.

Ein erhöhtes Risiko einer Ansteckung mit dem Hepatitis-B-Virus haben vor allem:

  • Drogenkonsumentinnen/-konsumenten (insbesondere bei intravenösem Drogenmissbrauch oder bei Kokainkonsum über die Nase – Verwendung des gleichen Röhrchens zum Kokain-Schnupfen),
  • Personen, die mit einer HBV-infizierten Person zusammenleben,
  • Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnerinnen/-partnern und Prostituierte,
  • homosexuelle Männer,
  • Patientinnen/Patienten mit HIV-Infektion,
  • Personen und Auszubildende in Heil- und Pflegeberufen,
  • Nicht-Hepatitis-B-immune Patientinnen/Patienten mit chronischer Lebererkrankung,
  • Personen mit Infektionsrisiko durch Blutkontakte mit möglicherweise infizierten Personen (z.B. Ersthelferin/Ersthelfer, Polizistinnen/Polizisten) sowie
  • Reisende in Gebieten mit hohem HBV-Vorkommen und engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung.

Diesen Risikogruppen wird die Hepatitis-B-Impfung (Grundimmunisierung und regelmäßige Auffrischungsimpfungen bzw. Titerkontrollen) besonders empfohlen. Für Kinder ist im Rahmen des Österreichischen Impfplanes die Verwendung eines Kombinationsimpfstoffes mit Diphterie/Tetanus/Keuchhusten/Kinderlähmung und Hämophilus Influenzae B vorgesehen. In diesem Fall ergibt sich ein anderes Impfschema als bei Erwachsenen. Auch die Kombination eines Hepatitis-B- mit einem Hepatitis-A-Impfstoff steht zur Verfügung.

Eine Auffrischungsimpfung im Erwachsenenalter wird bei kompletter Hepatitis-B-Grundimmunisierung als Kind und Auffrischungsimpfung im 7. bis 13. Lebensjahr nicht zwingend empfohlen (Impfplan 2016). Bei Risikogruppen sollte allerdings regelmäßig eine HBs-Antikörperbestimmung aus dem Blut erfolgen, da die Schutzdauer von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein kann. Personen, die auf die Impfung ansprechen, haben einen fast 100-prozentigen Impfschutz. Es können jedoch Impfversager vorkommen.

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