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Bauchspeicheldrüsenkrebs

Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) macht nur drei bis vier Prozent aller Tumorerkrankungen aus, ist jedoch aufgrund seiner hohen Bösartigkeit für etwa sechs Prozent aller Krebstodesfälle verantwortlich. Jährlich werden laut Statistik Austria in Österreich jeweils mehr als 1.500 Neuerkrankungen und Sterbefälle durch Bauchspeicheldrüsenkrebs gezählt, Tendenz steigend. Das mittlere Erkrankungsalter liegt unter Männern bei 71 Jahren und unter Frauen bei 75 Jahren.

Bauchspeicheldrüsenkrebs wird oftmals zufällig bei einer Untersuchung (z.B. Ultraschall des Bauches) entdeckt. Die Therapie richtet sich v.a. nach betroffenen Organanteilen, Stadium der Erkrankung sowie nach dem allgemeinen Gesundheitszustand der Patientin/des Patienten. Eine vollständige Heilung ist nur erreichbar, wenn der Tumor operativ komplett entfernt werden kann.

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) liegt hinter dem Magen in der Bauchhöhle. Ihre Hauptaufgaben betreffen die Verdauung und den Zuckerstoffwechsel. Die Entstehungsursachen für das Pankreaskarzinom sind nicht bekannt. Bestimmte Faktoren können das Erkrankungsrisiko erhöhen. Da Bauchspeicheldrüsenkrebs in frühen Stadien nur selten Symptome verursacht, ist es wichtig auf Warnsignale zu achten.

Welche Formen von Bauchspeicheldrüsenkrebs gibt es?

Bauchspeicheldrüsenkrebs kann prinzipiell in jedem Bereich des Organs auftreten. Die diversen Krebsformen gehen von verschiedenen Gewebetypen aus:

  • Exokrine Tumoren (häufig):
    • Duktale exokrine Tumoren gehen von Zellen aus, welche die kleinen Ausführungsgänge des speichelbildenden Drüsenanteils auskleiden.
    • Azinäre Tumoren gehen von den Enzym-produzierenden Drüsenendstücken im Pankreasgangsystem aus.
  • Endokrine Tumoren (selten): können u.a. von den hormonproduzierenden Zellen der Langerhans-Inseln ausgehen, die verstreut innerhalb der Drüsenläppchen sitzen.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Die Entstehungsursachen für das Pankreaskarzinom sind nicht bekannt. Bestimmte Faktoren können das Erkrankungsrisiko erhöhen, insbesondere, wenn sie kombiniert vorliegen, z.B.:

  • Rauchen;
  • hoher Alkoholkonsum;
  • häufiger Kontakt mit bestimmten Schadstoffen, z.B. Pflanzenschutzmittel, Unkraut- oder Pilzbekämpfungsmittel, chlorierte Kohlenwasserstoffe, Chrom und Chromverbindungen, Lösungsmittel (2-Naphtylamin, Benzidin oder Benzolderivate), Nickel, elektromagnetische Felder und Kraftstoffdämpfe;
  • Übergewicht;
  • Vorerkrankungen: z.B. Pankreasentzündung, Diabetes mellitus;
  • genetische Veranlagung für Pankreaserkrankungen.

Wie Sie Bauchspeicheldrüsenkrebs vorbeugen können

An erster Stelle stehen eine gesunde Lebensweise und die Vermeidung möglicher Risikofaktoren (v.a. Rauchen und Alkohol). Welche Ernährungsfaktoren eine Rolle bei der Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs spielen, ist noch nicht völlig geklärt. Große Studien haben gezeigt, dass eine obst- und gemüsereiche Ernährung mit hohem Faser- und Vitamingehalt allgemein das Krebsrisiko senken kann. Eine ausgewogene Ernährung hilft auch, ein gesundes Körpergewicht zu halten bzw. zu erlangen.

Warnsignale beachten

Bauchspeicheldrüsenkrebs verursacht in frühen Stadien nur selten Symptome. Sie treten meist erst dann auf, wenn der Tumor so groß ist, dass er die Produktion der Verdauungsenzyme oder deren Abfluss in den Zwölffingerdarm behindert oder wenn er bereits auf andere Organe wie Magen, Zwölffingerdarm, Leber oder Bauchfell übergegriffen hat. Unter anderem kommt es zu folgenden Beschwerden:

  • Gewichtsverlust,
  • Schmerzen im Bauchbereich oder im Rücken,
  • Gelbsucht,
  • Appetitverlust,
  • Übelkeit,
  • Erbrechen,
  • Diabetes mellitus.

Bei Auftreten dieser Beschwerden sollte umgehend eine Ärztin/ein Arzt zur genauen Abklärung aufgesucht werden. Je früher ein Pankreaskarzinom entdeckt wird, umso größer sind die Heilungschancen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Bei Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenkrebs leitet die Ärztin/der Arzt die notwendigen Diagnoseschritte ein. Wichtige Untersuchungen zum Nachweis eines Pankreaskarzinoms sind:

  • körperliche Untersuchung;
  • Laboruntersuchungen: Harn, Stuhl, Blut, u.a. Tumormarker wie CA 19-9 (CA = cancer antigen), sowie CEA (carcinoembryonales Antigen); bei Verdacht auf einen endokrinen Tumor auch Chromogranin A, NSE (neuronenspezifische Enolase), Insulin,, Glukagon, Gastrin, VIP (vasoaktives intestinales Polypeptid), PP (pankreatisches Polypeptid);
  • Ultraschalluntersuchung;
  • Computertomographie (ist für die Erstdiagnose die bestgeeignete Röntgenuntersuchung);

Wird Bauchspeicheldrüsenkrebs festgestellt, sind weitere Untersuchungen notwendig, um die Tumorausbreitung zu bestimmen, z.B.:

Wie erfolgt die Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Die Behandlungsstrategie hängt v.a. von der Tumorart, dem Erkrankungsstadium sowie vom allgemeinen Gesundheitszustand der Patientin/des Patienten ab. Eine vollständige Heilung ist nur erreichbar, wenn der Tumor operativ komplett entfernt werden kann. Daher muss die Abklärung bei Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenkrebs zügig erfolgen. Alle anderen Therapieoptionen dienen v.a. der Verkleinerung des Tumors vor einer geplanten Operation, der Beschränkung des weiteren Tumorwachstums oder der Linderung von Beschwerden.

Operation

Ziel ist es, das Tumorgewebe sowie die umgebenden Lymphknoten möglichst vollständig zu eliminieren. Die Operation galt früher als sehr komplikationsträchtig. Die postoperativen Ergebnisse haben sich nicht zuletzt durch Spezialisierung in der Bauchspeicheldrüsenchirurgie stark verbessert, sodass der Eingriff heute als sicher zu werten ist.

  • Pankreaskopfkarzinom: Mit dem Kopf der Bauchspeicheldrüse werden auch die Gallenblase, der untere Teil des Gallengangs, der Zwölffingerdarm und manchmal auch ein Teil des Magens (sogenannte Whipple-Operation) entfernt. Anschließend werden die unterbrochenen Verbindungen wiederhergestellt. Nach der Operation sind ein mehrwöchiger Spitalsaufenthalt sowie eine längere Erholungsphase erforderlich.
  • Pankreasschwanzkarzinom: Meist muss die Milz mit entfernt werden.
  • Totale Pankreatektomie: In manchen Fällen muss die gesamte Bauchspeicheldrüse entnommen werden.
  • Lymphknoten: Im Zuge der Operation werden auch Lymphknoten (mindestens zwölf) aus der direkten Umgebung der Bauchspeicheldrüse entnommen. Enthalten sie keine Krebszellen, deutet das darauf hin, dass der Tumor nicht gestreut hat. Auch gibt die Zahl der befallenen Lymphknoten Hinweise auf den späteren Krankheitsverlauf.

Chemotherapie

Zytostatika sollen Krebszellen im ganzen Körper abtöten, können jedoch allein keine Heilung des Tumors erreichen. Eine adjuvante, d.h. nach der Operation durchgeführte, Chemotherapie kann sich günstig auf den Krankheitsverlauf auswirken und die Heilungschance verbessern. Zur Verfügung stehen v.a. Gemcitabin, Erlotinib, Nab-Paclitaxel, 5-FU/Folinsäure, Irinotecan und Oxaliplatin. Bei lokal fortgeschrittenen Tumoren, die durch eine Operation nicht sicher entfernt werden können, erfolgt eine Chemotherapie vor der Operation (neoadjuvant), um den Tumor zu verkleinern und eine bessere Ausgangslage für die Chirurgie zu erreichen. Ist ein Tumor nicht mehr heilbar, erfolgt eine palliative Chemotherapie zur möglichen Tumorverkleinerung und Linderung der Beschwerden.

Strahlentherapie

Bei lokal fortgeschrittenen Tumoren, die primär nicht erfolgversprechend operiert werden könnten, kann zunächst in Kombination zur Chemotherapie auch eine Bestrahlung vor der geplanten Operation (neoadjuvante Radiochemotherapie) erfolgen. Der Tumor und die Tumorausläufer in das umliegende Gewebe werden dadurch verkleinert. Dies erhöht die Chance, dass der Tumor bei der anschließenden Operation komplett entfernt werden kann.
Darüber hinaus wird Strahlentherapie auch zur Beseitigung von Tumorsymptomen (z.B. Schmerzen) eingesetzt (palliative Behandlung).

Zielgerichtete medikamentöse Therapien

Diese Medikamente (z.B. der Tyrosinkinasehemmer Erlotinib) wirken gezielt gegen bösartiges Gewebe und verschonen gesundes Gewebe weitgehend. Sie richten sich beispielsweise gegen Faktoren, die das Tumorwachstum fördern, unterbinden die Blutversorgung des Tumors oder verhindern die Signalübertragung zwischen Tumorzellen.

Palliativtherapie

Zielgerichtete TherapienDiese Substanzen (z.B. der Tyrosinkinasehemmer Erlotinib) wirken gezielt gegen bösartiges Gewebe und verschonen gesundes Gewebe weitgehend. Sie richten sich beispielsweise gegen Faktoren, die das Tumorwachstum fördern, unterbinden die Blutversorgung des Tumors oder verhindern die Signalübertragung zwischen Tumorzellen. Palliativtherapie

Sie kommt zum Einsatz, wenn die Erkrankung bereits so weit fortgeschritten ist, dass eine Heilung oder eine wirksame Tumorbehandlung nicht mehr möglich sind. Zur Palliativbehandlung gehören u.a. die Linderung tumorbedingter Komplikationen und Beschwerden, Schmerztherapie, Ernährung sowie die psychosoziale Beratung oder Betreuung der Betroffenen, z.B. im Rahmen von Selbsthilfegruppen oder speziellen psychoonkologischen Einrichtungen oder durch Psychotherapie.

Enzym- und Hormontherapie

Eine tumor- oder operationsbedingte Zerstörung der Bauchspeicheldrüse kann dazu führen, dass Verdauungsenzyme und Hormone nicht mehr in ausreichendem Maße gebildet werden. Schwere Verdauungsstörungen (exokrine Pankreasinsuffizienz) und/oder Diabetes mellitus können die Folge sein. Dem Körper können die fehlenden Enzyme oder Hormone (Insulin) dauerhaft in Form von Medikamenten zugeführt werden.

Nachsorge & Rehabilitation

Im Anschluss an die Tumortherapie sollten regelmäßig Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden. Die Tumornachsorge verfolgt folgende Ziele:

  • ein Wiederauftreten der Krebskrankheit rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, wenn der Tumor operativ entfernt werden konnte;
  • Folgen der Operation und Begleiterkrankungen festzustellen, zu behandeln und gegebenenfalls zu lindern;
  • generell bei körperlichen, seelischen und sozialen Problemen behilflich zu sein.
    Häufig wird eine Anschlussheilbehandlung (Rehabilitation) empfohlen, um den Erholungs- und Genesungsprozess zu beschleunigen. Dafür gibt es speziell eingerichtete Nachsorgekliniken, die gegebenenfalls auch bestimmte Teile eines Chemotherapiezyklus durchführen können. Weiters werden Hilfestellungen in Ernährungsfragen und bei der Bewältigung psychischer oder sozialer Probleme geboten.

Wohin kann ich mich wenden?

In die Diagnose und Therapie von Bauchspeicheldrüsenkrebs sind mehrere medizinische Fachrichtungen eingebunden. Bei Auffälligkeiten und Warnsignalen wenden Sie sich an Ihre Allgemeinmedizinerin/Ihren Allgemeinmediziner. Diese/dieser leitet die weitere Abklärung in die Wege, bei der u.a. Fachärztinnen/Fachärzte für Nuklearmedizin, Innere Medizin und Chirurgie hinzugezogen werden können. Sind Sie bereits in Behandlung bzw. Nachsorge, werden mit der behandelnden Ärztin/dem behandelnden Arzt regelmäßige Termine vereinbart.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Wenn ein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist

Für die Diagnose und Therapie von Bauchspeicheldrüsenkrebs ist in der Regel ein Krankenhausaufenthalt erforderlich. Dabei wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Die weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Allgemeinmedizinerin/den Allgemeinmediziner bzw. durch die Fachärztin/den Facharzt. Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

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