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Mann bei Rückenübungen © Robert Kneschke

Morbus Bechterew: Therapie

Ziel der Therapie bei Morbus Bechterew ist es, die Beschwerden (insbesondere die Schmerzen) zu lindern, die Haltung und Beweglichkeit zu verbessern und ein Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen. Dies ist mit einem guten Behandlungsmanagement, welches immer in Abstimmung zwischen der Ärztin/dem Arzt und der/dem Betroffenen erfolgen muss, auch meist erreichbar. Morbus Bechterew ist derzeit nicht heilbar . . .

Gemeinsam werden das Therapieziel – vorrangig das Erreichen einer inaktiven Krankheitsphase ohne Schmerzen und Entzündungszeichen – und die dafür notwendige Therapiestrategie besprochen (Treat-to-Target Strategie). Die lebenslang notwendige Behandlung umfasst ein breites Spektrum an Möglichkeiten: Medikamente, Bechterew-spezifische Bewegungsübungen, physikalische Maßnahmen und Kurbehandlungen.

Medikamentöse Therapie

  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): enthalten kein Kortison und sind die Basis der Bechterew-Therapie. Sie wirken entzündungshemmend und schmerzstillend und werden vor allem während aktiver Krankheitsphasen empfohlen, oft ist aber auch ein kontinuierlicher Einsatz erforderlich.
  • Andere (reine) Schmerzmittel (Analgetika): wirken nur gegen Schmerzen. Die Entzündungsaktivität wird nicht beeinflusst.
  • Glukokortikoide (Kortison): wirken entzündungshemmend. Auf die Wirbelsäulenschmerzen beim Morbus Bechterew haben sie meist keinen ausreichend guten Effekt. Besser wirken sie bei Gelenksentzündungen und in Form gezielter örtlicher Anwendung (Infiltrationen).
  • Basistherapeutika (krankheitsmodifizierende Antirheumatika, DMARDs) wie z.B. Methotrexat (MTX), Sulfasalazin: Sie haben sich beim Morbus Bechterew als nicht wirksam erwiesen. Ein Therapieversuch kann aber bei zusätzlichen Entzündungen an den Gliedmaßengelenken erfolgen.
  • Biologika: Zur Behandlung des Morbus Bechterew waren aus dieser Gruppe seit über fünfzehn Jahren nur Tumornekrosefaktor (TNF)-alpha-Blocker zugelassen. Diese stark entzündungshemmenden Medikamente gelangen als Infusion (intravenös) oder Injektionen unter die Haut (subkutan) zum Einsatz, wenn mit NSAR keine ausreichende Reduktion der Krankheitsaktivität erzielt werden kann. Seit 2016 ist nunmehr ein weiteres Biologikum zur Behandlung der ankylosierenden Spondylitis zugelassen. Dieser monoklonale Antikörper bindet an das Zytokin Interleukin 17A, dem beim Entzündungsprozess eine wichtige Rolle zukommt und inaktiviert es; dadurch wirkt es ebenfalls entzündungshemmend und immunmodulierend. Dieser Wirkstoff wird subkutan injiziert.

Bewegungstherapie

Für Morbus-Bechterew-Patientinnen/-Patienten wurde eine eigene Gymnastik entwickelt, welche unmittelbar nach der Diagnosestellung beginnen sollte. Die Gymnastik ist ein wichtiger Teil der Therapie und sollte täglich zumindest über 20 Minuten durchgeführt werden. Generell ist Bewegung eine wesentliche Säule der Bechterew-Therapie. Wichtig ist dabei, Sportarten mit ungünstiger Wirkung auf die Wirbelsäule zu meiden.

  • geeignete Sportarten: v.a. Rückenschwimmen, Wasservolleyball, Skilanglauf, Schneeschuhwandern, Nordic Walking, Bergwandern, Radfahren (mit gut eingestellter Lenkerposition und entsprechend gefedertem Sattel),
  • ungeeignete Sportarten: Joggen (bei Gelenksbeteiligung), Tennis, Handball, Fußball, Alpin-Skifahren.

Im Wesentlichen gilt:

  • Falls Sie eine Sportart beherrschen, bleiben Sie dabei, lassen Sie aber die Leistungsspitzen weg.
  • Sport ist kein Ersatz für die regelmäßig erforderliche Bechterew-Gymnastik.
  • (Fast) jeder Sport ist besser als gar kein Sport.

Operative Eingriffe

Am häufigsten wird beim Morbus Bechterew ein operativer Eingriff zum Ersatz eines Hüftgelenkes durchgeführt. In schweren Fällen mit massiver Vorwärtskrümmung und damit verbundenen seelischen und körperlichen Problemen (Schwierigkeiten beim Essen und Trinken, Verlust der Möglichkeit zum Blickkontakt) kann eine Aufrichtungsoperation an der Wirbelsäule erforderlich werden. Absolut notwendig ist eine chirurgische Intervention, wenn Zeichen einer Nervenschädigung, z.B. nach Wirbelkörperbrüchen, auftreten.

Sonstige Therapiemöglichkeiten

  • Wärme- und Kältebehandlungen: Wärme wirkt muskelentspannend, verbessert die Durchblutung und ist meist schmerzlindernd. Kälte schwächt Entzündungsprozesse ab, wirkt schmerzlindernd und abschwellend.
  • Radon-Therapie: Diese Therapieform wird im Gasteiner Tal im Heilstollen (Böckstein) und als Bädertherapie angeboten. Dem radioaktiven Edelgas werden in niedrigen Dosen entzündungshemmende und schmerzlindernde Effekte zugesprochen. Die Behandlung wird meist im Rahmen eines Kuraufenthaltes durchgeführt.
  • Ergänzende Bewegungs- und Entspannungsübungen: Qigong, Tai-Chi, Shiatsu, Wasser-Shiatsu, Yoga.
  • Patientenschulungen: bieten wichtige Hilfestellungen für einen verbesserten Umgang mit der Krankheit. Sie werden in Österreich derzeit nur am Gasteiner Heilstollen durchgeführt.

Wohin kann ich mich wenden?

Die alltägliche medizinische Behandlung erfolgt durch die Hausärztin/den Hausarzt. Zur zielgerichteten Therapie- und Verlaufskontrolle (Monitoring) ist eine regelmäßige rheumatologische Betreuung erforderlich (Treat-to-Target). Außerdem sind an der Betreuung meist Gesundheits- und Krankenpflegepersonen, Physiotherapeutinnen/Physiotherapeuten und ErgotherapeutInnen/Ergotherapeuten beteiligt.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für alle erforderlichen therapeutischen Maßnahmen werden von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Bei bestimmten Leistungen (z.B. Medikamente, stationäre Aufenthalte) sind Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen.

Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden. Kur- und Rehabilitationsaufenthalte können Bechterew-Patientinnen/-Patienten oftmals über mehrere Monate Erleichterung oder gar Beschwerdefreiheit verschaffen. Nähere Informationen finden Sie unter Antrag auf Kuraufenthalt und Medizinische Rehabilitation.

Was kann ich selbst tun?

Jede Patientin/jeder Patient kann selbst dazu beitragen, den Verlauf von Morbus Bechterew positiv zu beeinflussen. Empfohlen werden v.a. folgende Maßnahmen:

  • Gestalten Sie Ihr Leben aktiv und möglichst freudvoll.
  • Ziehen Sie sich nicht zurück, sondern pflegen Sie Ihre Sozialkontakte (Freunde, Familie, Bekannte).
  • Medikamenteneinnahme: Nehmen Sie die von der Ärztin/dem Arzt verschriebenen Arzneimittel genau nach Verordnung ein.
  • Führen Sie Ihre Bewegungsübungen regelmäßig durch und achten Sie auch sonst auf ausreichend Bewegung.
  • Achten Sie auf Ihre Körperhaltung und kontrollieren Sie sich selbst immer wieder, um Fehlhaltungen zu vermeiden. Versuchen Sie, immer eine möglichst aufrechte, gerade Haltung zu bewahren.
  • Achten Sie auf gesundheitsfördernde Ernährung, d.h. viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Milchprodukte, Lebensmittel mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren (v.a. Fisch), wenig Fleisch und Wurstwaren.
  • Vermeiden Sie Übergewicht, um die Gelenke nicht zusätzlich zu belasten.
  • Vermeiden Sie übermäßigen Alkoholkonsum, da Alkohol entzündungsfördernd wirkt.
  • Rauchen Sie nicht, denn Rauchen hat einen ungünstigen Einfluss auf den Krankheitsverlauf und verschlechtert damit Ihre Prognose.
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